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Zeitschrift Mitten in der Welt


Vorwort Die Zeitschrift „Mitten in der Welt“ ist eine Publikation der Gemeinschaften Charles de Foucauld und hat die Verbreitung der Spiritualität Bruder Karls im deutschsprachigen Raum zum Ziel.
Jedes Heft enthält Artikel zu einem Themenschwerpunkt und Berichte aus den einzelnen Gemeinschaften aus aller Welt
Das Besondere und die „Stärke“ der Zeitschrift – die Themen werden nicht nur theologisch beleuchtet, vor allem äußern sich Menschen zu ihrer persönlichen Erfahrung, zu ihrem Weg mit Gott und der Welt.
Sie erscheint viermal im Jahr zum Jahrespreis von 13,50 € + Versandkosten, Einzelhefte kosten 3,75 € + Versandkosten.

Bestelladresse
(auch für ältere Hefte)
Bernhard Löhlein
Händelstr. 57
D-85057 Ingolstadt
tel. +49-(0)841-4 62 73
e-mail: bl3212@bingo-ev.de

Auszüge aus dem laufenden Heft:

Wer lacht, ist nie allein
Heft 193, Winter 2011


 Editorial

Das Thema
 Lachen ist göttlich- Humor und christlicher Glaube gehören zusammen




Rückblick


192: Dunkle Nächte der Seele
191: Die Welt in Gott finden
190: Genug der Gier

Vorschau


194: Leben im Heiligen Land
195: Was für eine Kirche!?























195: Was für eine Kirche!?

Vorschau

Die übernächste Ausgabe von "Mitten in der Welt" (Heft 195) erscheint im Juli 2011. Das Thema: "Was für eine Kirche!?". Nichts ist, wie es einmal war: Die Missbrauchsaffäre in der Katholischen Kirche hat nicht nur die Glaubwürdigkeit einer 2000 Jahre alten Institution in Frage gestellt. Sie hat auch viele treue Gläubige stark verunsichert. Allerdings erkennt so mancher auch die Gunst der Stunde: "Wenn die Kirche jetzt, nach all dem, was geschehen ist, mit ihrem feierlich-selbstgefälligen Getue und mit all den weltfernen Ritualen nicht aufhört ... wenn jetzt nicht, wann dann"? So mögen viele denken, die der Kirche zwar kritisch gegenüberstehen - und sich doch als Teil von ihr sehen. Menschen, die hoffen, dass jetzt ein Dialog möglich wird, wie ihn die Deutsche Bischofskonferenz auch angekündigt hat. Damit die Kirche endlich "katholisch" werde - im wahrsten Sinne des Wortes. Nämlich: Da sein für alle. Dann könnte man tatsächlich ein bisschen stolz sein, dieser Kirche anzugehören...
Sie sind herzlich eingeladen, an dieser Ausgabe mitzuarbeiten und Ihre Meinungen und Erfahrungen zu dem Thema einzusenden. Bitte schicken Sie Ihre Texte an Bernhard Löhlein, Schriftleitung "Mitten in der Welt", Händelstraße 57, D - 85057 Ingolstadt. Oder per E-mail: bl3212(at)bingo-ev.de. Abgabetermin für Heft 195 ist der 15. Mai 2011

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194: Leben im Heiligen Land

Vorschau

Die Bezeichnung "Heiliges Land" für die Region um Israel und Palästina klingt widersprüchlich. Krieg, Terror, Getto sind dort an der Tagesordnung. Friedensprozesse geraten immer wieder ins Stocken. Und dennoch ist das "Heilige Land" das Land der Verheißung. Es bietet den monotheistischen Religionen eine Heimat. Viele Menschen pilgern hierher, weil sie sich Gott hier besonders nahe fühlen.
Auch Charles de Foucauld lebte einige Jahre im Heiligen Land. In Nazaret verspürte er ganz besonders die Nähe zu Jesus, der unscheinbar 30 Jahre seines Lebens im Verborgenen lebte. Viele Gemeinschaften und Orden, die sich auf Bruder Karl berufen, teilen hier ihr Leben mit den Einheimischen, mit Juden, Christen und Moslems.
Das Heilige Land, ein Land voller Widersprüche? Ja, aber auch ein Land, das uns nicht gleichgültig sein kann. Hier liegt die Wiege dieser drei Religionen - vielleicht auch die Lösung der Konflikte unserer Welt.
Sie sind herzlich eingeladen, an dieser Ausgabe mitzuarbeiten und Ihre Meinungen und Erfahrungen einzusenden. Bitte schicken Sie Ihre Texte an Bernhard Löhlein, Schriftleitung "Mitten in der Welt", Händelstraße 57, D - 85057 Ingolstadt. Oder per E-mail: bl3212(at)bingo-ev.de. Abgabetermin für Heft 191 ist der 30. Juni 2010.

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193: Wer lacht, ist nie allein

Editorial

Miltenberg, im November 2009: Die Verantwortlichen der Gemeinschaften Charles de Foucauld überlegen bei ihrem Jahrestreffen, welche Themen in den kommenden Heften der Zeitschrift "Mitten in der Welt" aufgegriffen werden sollen. Alle sind konzentriert bei der Sache. Dennoch durchweht eine heitere Stimmung den Raum, es wird viel und herzlich gelacht. Dann der Vorschlag: "Warum nicht mal ein Heft über Glaube und Humor?" Stirnerunzeln. Warum nicht? Schließlich sitzt uns Christen immer noch der Vorwurf des Philosophen Nietzsche im Nacken: "Die Christen müssten mir erlöster aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte."
In der Tat: Christen erscheinen oft viel zu griesgrämig. Dabei gehört die Freude zum Kern unseres Glaubens: "Freut euch!", betont der Apostel Paulus gleich mehrmals. Damals wie heute scheinen viele vergessen zu haben, dass wir Christen allen Grund zur Freude haben. Jesus als der Auferstandene hat den Tod besiegt und allen Menschen Hoffnung gebracht. Das ist die Froh-Botschaft. Es gibt viele Möglichkeiten, diese innere Freude nach außen sichtbar zu machen. Humor ist ein Weg. Lachen befreit, heißt es so schön. Als "Erlöste", also als "Befreite", ist der Humor die Basis für ein erfülltes Leben - sagen nicht nur die Psychologen, sondern immer mehr auch die Theologen. Und die vielen Erfahrungen, die wir für unser Heft sammeln konnten, zeigen: Humor und lachen helfen, ein befreites Leben zu führen. Einsamkeit hat dann keinen Platz mehr, denn: Wer lacht, ist nie allein.
Bernhard Löhlein, Schriftleiter

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193: Wer lacht, ist nie allein

Humor und christlicher Glaube gehört zusammen

Der Buchautor und spirituelle Begleiter Andreas Knapp verweist darauf, wie sehr das Lachen zum christlichen Glauben gehört
Mord im Kloster. Ein Mönch nach dem anderen wird auf mysteriöse Weise umgebracht. Das Motiv für die Morde bleibt in Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose" lange unklar. Es mutet uns auch merkwürdig an: Es geht um das verloren gegangene zweite Buch des Aristoteles über die Poetik, das vom Lachen handelt. Die Anlage zum Lachen sei für Aristoteles eine Kraft, die Gutes bewirkt. Vor dem Lachen aber hat der blinde Bibliothekar Jorje von Burgos Angst. Für ihn ist Lachen Ausdruck von Schwäche und Verderbtheit des menschlichen Fleisches. Vor allem aber befreit das Lachen den Bauern von der Angst vor dem Teufel und könnte schließlich sogar die Angst vor dem Tod vernichten. Doch wie sollte ohne die Angst die bestehende Herrschaftsstruktur aufrecht erhalten werden? Der blinde Bibliothekar des Klosters beurteilt das menschliche Lachen durchweg negativ. Er kennt das Lachen nur als Spott. Wer lacht, der verkennt die Ernsthaftigkeit der Welt, der Sünde, des Todes und der Erlösung. Lachen ist für Jorje von Burgos Ausdruck von Oberflächlichkeit und mangelnder Ehrfurcht.
Tatsächlich gab es eine mittelalterliche dogmatische Tradition, die behauptete: Jesus hat nicht gelacht. Er hat wohl geweint, aber des Lachens hat er sich enthalten ("Risu abstinuit"). Wäre Jesus dann wirklich Mensch gewesen? Gehört das Lachen zur sündigen Seite des Menschseins? Was hat es mit dem Lachen auf sich?
Nur der Mensch kann lachen. Tiere können das nicht. Affen können höchstens Zähne fletschende Grimassen schneiden. Aber wirklich befreites Lachen ist ihnen nicht möglich. Dazu fehlt ihnen die Fähigkeit zur Selbstdistanzierung. Denn nur wer von sich selbst noch einmal absehen kann, wer zu Dingen oder Situationen in Distanz zu treten vermag, der ist zu echtem gelöstem und befreitem Lachen fähig. Um lachen zu können, muss man sich selbst zurücknehmen können. Hier ist schon eine Unterscheidung getroffen zwischen einem Lachen, das den Menschen als Ebenbild Gottes auszeichnet und einem Lachen, vor dem der blinde Jorje zu Recht Angst hat. Denn es gibt auch das zynische Lachen, das sich auf Kosten anderer amüsiert. Dahinter verbirgt sich oft eine Angst um das eigene Ich. Man lacht über andere und lenkt dabei von sich selber ab. Es gibt den beißenden Spott, dem nichts mehr heilig ist. Es gibt das destruktive Verhöhnen und das sarkastische Lächerlich-Machen. Hier kennt man keine Grenzen des Taktes mehr und die Gefühle anderer werden nicht respektiert. Hinter solchem Lachen verbirgt sich eine Verachtung des Menschseins. Es ist das törichte Lachen der Narren im biblischen Sinn, die weder an Gott noch an die Güte der Schöpfung glauben können. Ihnen bleibt nichts als diabolischer Spott und hoffnungsleeres Gelächter.
Über dieses Lachen der Toren belehrt uns das Weisheitsbuch Jesus Sirach. (Vgl. 21, 15.20) Es ist das böse und eigentlich verzweifelte Lachen, das unsere Geschichte mit ihren Rätseln und ihren Unbegreiflichkeiten als Narrenposse interpretiert: Die Schöpfung ist ein Trugbild, ein absurdes Theater - und keine göttliche Komödie, deren tiefster Sinn uns einmal wie ein fröhliches Erwachen aufgehen wird.
Das Lachen gehört zu Gott
In den Psalmen findet sich sogar die Wendung, dass Gott selbst lacht: "Die Könige der Erde stehen auf, die Großen haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten. Doch er, der im Himmel thront, lacht" (Ps 2,4). Wenn Menschen nicht mehr das sein wollen, was sie wirklich sind, werden sie größenwahnsinnig - und wirken lächerlich. Wenn der Mensch nicht das Maß annehmen will, das ihm entspricht, wenn er zu hoch hinaus will, dann übernimmt er sich. Es ist, wie wenn jemand viel zu große Kleider anzieht. Er wirkt darin komisch und lachhaft.
Ob Jesus gelacht hat? Immerhin gehört das Lachen zu den Seligpreisungen. Im Lukasevangelium heißt es: "Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen" (6,21). Das Lachen wird denen als erlöste Zukunft versprochen, die jetzt betrübt sind. Wer um Jesu willen verfolgt wird, dessen seliger Lohn ist das Lachen. Es wird zum Ausdruck der Erlösung, der messianischen Zukunft, der Heiterkeit des Reiches Gottes.
Wer aber jetzt lacht, dem werden Tränen prophezeit. Wer zu früh lacht und das Schwere oberflächlich überspielt, wer die Wirklichkeit von Leid und Schmerz zu überspringen versucht, den werden die Tränen einholen. Wer zuletzt lacht, wessen Lachen auch die Wirklichkeit des Leides durchlitten hat, der lacht am besten. Im vollendeten Reich Gottes wird Gott alle Tränen aus den Augen wischen (Apg 21,4) und die Zeit des Weinens wird zu Ende sein. Bilder für den Himmel waren immer schon: Heiterkeit, ein fröhliches Festmahl, Musik und Tanz, Freude und Glückseligkeit. Die menschliche Erfahrung von echtem, befreitem und gelöstem Lachen wird zum Bild für die Erlösung: "Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete, da waren wir alle wie Träumende. Da war unser Mund voll Lachen." (Ps 126,1f ) Wer wirklich erlöst ist, der wird auch eine heitere Gelöstheit ausstrahlen. Das bissige Wort von Friedrich Nietzsche gibt immer noch zu denken: "Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne. Erlöster müssten mir seine Jünger aussehen."
"Wenn Gott, der Vater, den Sohn anlacht, und dieser lacht zurück, da bringt das Lachen Lust hervor, und die Lust schafft Freude und die Freude gebiert Liebe." (Meister Eckart).
Jemanden anlachen, das ist ursprünglichste Zuwendung. Eltern lächeln ihr neugeborenes Kind immer wieder an, um ihm ein erstes Lachen zu entlocken. Im Anlächeln eines Menschen drücken wir unsere Liebe aus. Etwas salopp wird sogar gesagt: "Ich habe mir jemanden angelacht." Anlachen und angelacht werden, das bringt nach Meister Eckart Freude und Liebe hervor. Diese Liebe ist für Eckart mit der Person des Heiligen Geistes identisch.
Wenn Liebe das ureigene Geheimnis Gottes ist, dann kann auch die Erschaffung der Welt im Bild der liebenden Zuneigung verstanden werden. Gott lacht die Welt an und drückt darin seine Freude über die Schöpfung aus, von der er sagt, dass sie gut sei. Er lacht auch jeden Menschen an und will mit diesem ursprünglichen Lachen der Liebe dem Menschen ein Zurücklächeln entlocken, eine Antwort des Vertrauens und der Freude. So wird das Lachen zu einem Glaubensbekenntnis. Martin Luther sagte: "Wo der Glaube ist, da ist auch Lachen." Glauben heißt ja, im Tiefsten darauf vertrauen, dass Gott die Welt in seiner Hand hält. Die Grundhaltung des Glaubenden heißt daher Gelassenheit. Der Glaubende nimmt nicht alles so schrecklich tragisch. Wer glaubt, dass er schon erlöst ist, muss nicht selbst die ganze Last der eigenen Erlösung tragen. Weil Christus für uns die Schuldenlast ans Kreuz getragen hat, darum sind wir schon längst erleichtert. Wer wirklich erlöst ist, der oder die dürfen auch gelöst sein. Wem Gottes Gnade ge-nügt, der kann von Herzen ver-gnügt sein.
Alle verbissene und verbiesterte Religiosität unterliegt dem Verdacht, dass man letztlich nicht an die Erlösung glaubt. Nicht Gott steht im Mittelpunkt, sondern eine moralinsaure Religiosität, in der sich das eigene Ich durch Leistung selbst zu erlösen sucht. Der Mensch nimmt sich selbst total wichtig und traut Gott eigentlich nicht viel zu. Allen religiösen Fanatikern, Rigoristen und Fundamentalisten ist eines gemeinsam: Dass sie nicht wirklich lachen können. Ihr Tun ist geprägt vom tödlichen Ernst, der manchmal sogar vor der Tötung anderer nicht zurückschreckt. Totalitäre Regime kennen keinen Humor (Martin Niemöller). Sie lassen auch keine Kritik zu. Da gibt es nichts zu lachen.
Humor braucht Religion
Dagegen ist Humor Ausdruck echter Religiosität. In der berühmten Verfilmung von Pater Brown (mit Heinz Rühmann) unter dem Titel "Das schwarze Schaf" sagt der Detektiv im Priesterrock: "Humor braucht als Voraussetzung die Religion. Nur wer über der Welt steht, kann über sie lächeln." Echte Religiosität kennt den Humor, weil sie humilitas (Demut) verleiht. Dieses Wort kommt von Humus (Erdboden, Erdennähe). Demut meint: Auf dem Boden bleiben; keinen babylonischen Turm bauen, um zu werden wie Gott. Humilitas begnügt sich damit, ein sterblicher Mensch zu sein, der wieder zu Humus wird. Solche Demut bedeutet, dass sich der Mensch als Geschöpf Gottes annehmen kann. Er braucht nicht mehr und nichts anderes sein als er ist. Er muss sich nicht wichtig machen. Er kann sich selbst relativieren. Denn nur Gott ist absolut.
Wer eine solche humilitas lebt, der hat auch Humor. Er kann Gott Gott sein lassen und alle anderen Ansprüche, die sich absolut setzen wollen, der Lächerlichkeit überführen. Er oder sie kann noch einmal Abstand nehmen von dem, woran sie zu hängen glauben. Humor ist, wenn man trotzdem lacht, das heißt, wenn man sich über eine ärgerliche Situation hinwegsetzen kann und sich von ihr nicht gefangen nehmen lässt. Humor ist, wenn man eine schwierige Situation und das eigene Ich noch einmal zu überschreiten (transzendieren) vermag. Ich kann lachen über Dinge, über Situationen und sogar über mich selbst. Aber nicht, weil ich mich verachte oder verspotte. Im Gegenteil: Gerade weil ich mich von Gott angelacht glaube, kann ich über mich selber schmunzeln, über manche Dummheiten, über Eigentümlichkeiten, über meine verschrobenen Ideen, über meine überzogenen Ansprüche. Ich bleibe nicht dem Ärger und der Enttäuschung verhaftet, sondern kann darüber stehen und noch einmal lächeln.
Lachen ist ein Geschenk Gottes
In dem Roman "Der Name der Rose" belehrt William von Baskerville den blinden Bibliothekar Jorje mit seiner düsteren Verurteilung allen Lachens eines Besseren: "Das Lachen ist eine Gabe Gottes. Der Glaube ohne Lächeln ist eine Anmaßung des Geistes." Ein solcher Pseudoglaube wäre letztlich nur stolzes Selbstvertrauen, zwanghafte Selbsterlösung, verkrampftes Kreisen um das eigene Ich. Wer sich selbst so schrecklich wichtig nimmt, dessen Ich wird gewichtig und schließlich so schwer, dass er nicht mehr zu Gott emporsteigen kann. Engel können fliegen, weil sie sich selber so leicht nehmen, schreibt Chesterton. Satan aber stürzte ab, weil er sich so gewichtig und alles schwer nahm.
Wen der Glaube innerlich leicht macht, der kann in heiterer Erleichterung sogar über das Wasser der Schwermut gehen. Wer aber nicht unbeschwert lachen kann, der kann auch nicht beten.
Humilitas ist Grundlage für den österlichen Humor, für, das "Oster-Lachen", das Risus paschalis. Im Halleluja von Ostern findet das Lachen der göttlichen Liebe einen menschlichen Widerhall. Es gab sogar Zeiten, in denen das Lachen zu liturgischer Würde kam. Als fest installierter Ritus musste im Mittelalter die Gemeinde nach dem Verlesen des Emmaus-Evangeliums an Ostern laut auflachen. Um den Lachern etwas nachzuhelfen, machten damals die Pfarrer auf der Kanzel allerlei Faxen, weshalb man das Osterlachen als liturgischen Brauch im 18. Jahrhundert wieder verschwinden ließ. Aber das Halleluja ist geblieben, der große Lobgesang, das Lachen der Erlösten.
Andreas Knapp, Kleiner Bruder vom Evangelium,
lebt mit seinen Mitbrüdern in einer Plattenbausiedlung in Leipzig
Armut hat viele Gesichter


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190: Genug der Gier

Politisches Handeln: gängige Verhaltensmuster ablegen
Ludger Fest sieht die Wirtschaftskrise als Folge politischer Fehlentscheidungen

DAS THEMA erweckt bei mir - wen wundert es angesichts der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise - hauptsächlich politische Assoziationen.
Als erstes fallen mir die Aussagen unserer Bundeskanzlerin und unseres Bundespräsidenten ein, die wiederholt behauptet haben, dass wir alle (!) über unsere Verhältnisse gelebt haben. Das ärgert mich maßlos, weil damit alle zu Verursachern der Krise gemacht werden. Als ob alle fröhlich mit ihrem Geld an den Börsen oder sonst wo spekuliert haben. Ein kritisches Hinterfragen der eigenen Politik der letzten Jahre (Deregulierung, Privatisierung, Liberalisierung in der Wirtschaft, einseitiges Fixieren auf die Exportweltmeisterschaft unter Vernachlässigung des Binnenmarktes, Stagnation der Gehälter, Einführung von Leiharbeit und Niedriglohn-Jobs, Absenkung des Rentenniveaus, Erhöhung der Mehrwertsteuer usw.) wird damit elegant umgangen. Darüber hinaus wird damit von der Frage abgelenkt, ob dieses Wirtschaftssystem noch sozial und menschenfreundlich ist. Die "Systemfrage" bleibt also hübsch außen vor.
Zweitens sollte auch nicht vergessen werden, dass durch die oben genannten politischen Entscheidungen die Menschen immer mehr gezwungen werden, auf den Cent zu schauen bzw. ihr Geld rentabel anzulegen, weil der Sozialstaat immer weniger ein ausreichendes Auskommen gewährleisten kann. Da kann man es doch keinem verdenken, wenn er sein Geld möglichst gut anlegen will. Zahlreiche Statistiken zum Thema "Verteilung der Vermögen in Deutschland" weisen außerdem aus, dass ein Großteil der Bevölkerung gar keine nennenswerten Rücklagen bilden kann, weil das Geld nicht ausreicht.

Auch wir müssen knapsen
Schaue ich meine Situation an, so wird mir deutlich, dass wir in einer vierköpfigen Familie mit einem Verdienst in vielen Punkten auch knapsen und "gierig" sein müssen, weil wir sonst nicht gut über die Runden kommen. Auch wenn ich momentan einen sicheren Arbeitsplatz habe, hatten wir doch in den letzten Jahren kaum mehr Geld zur Verfügung, da - wie bekannt - die realen Verdienste der Arbeitnehmer nicht nennenswert gestiegen sind. Außerdem wurde in unserer Firma durchgesetzt, dass die Mitarbeiter auf einen Teil ihres Lohnes verzichten, um wettbewerbsfähig zu sein. Da kann ich nicht wie früher immer wieder fair gehandelte Waren oder Bioartikel kaufen. Das geht dann nur im begrenzten Ausmaß.
In den letzten Jahren bin ich durch das regelmäßige Lesen verschiedener Internetseiten wie www.nachdenkseiten.de oder www.jjahnke.net "politisch aufgewacht", das heißt, ich habe immer mehr gemerkt, was alles bei uns in Deutschland schief läuft und nur dazu dient, Einzelinteressen zu bedienen bzw. das bestehende System zu stabilisieren, bei dem einige wenige gut auf Kosten vieler leben. Ich stelle zudem immer mehr fest, dass viele Menschen resignieren und dass das Interesse an Politik abnimmt, weil der Eindruck entsteht, man könne doch nichts ändern.
Um wenigstens etwas zu tun, bin ich der Ökologisch-Demokratischen Partei (ödp) beigetreten. Diese Partei ist - abgesehen von Bayern - bisher ohne großen politischen Einfluss. Mir gefällt aber an dieser Partei, dass sie gerade im Wirtschaftsbereich versucht, von der Fixierung auf das reine quantitative Wachstum abzukommen und ein qualitatives Wachstum anzustreben. Außerdem hat sie die ökologische-soziale Marktwirtschaft zum Ziel. Die anderen Parteien kommen für mich nicht infrage, da sie ja - mit Ausnahme der Linken - an der jetzigen Situation ihren Anteil haben und ich den Eindruck habe, dass dort nicht viel zu bewegen ist. Meine Hoffnung ist, dass auch kleine Parteien Einfluss auf die politische Gestaltung unseres Landes nehmen können, wenn sich nur genug Menschen auf die Suche nach Alternativen machen und ihre Resignation und Lähmung überwinden.
Mir ist bewusst, dass das nicht ausreicht und dass es noch andere Ansätze und Veränderungen braucht. Eigentlich muss auch neu darüber nachgedacht werden, ob ein System, das immer mehr Wachstum benötigt, um zu funktionieren, überhaupt zukunftstauglich ist, und wie Alternativen aussehen. Ich selbst habe noch keine endgültigen Antworten. Wichtig ist für mich, sich auf die Suche zu machen und nicht "hinter dem Ofen sitzen zu bleiben".

Ich erwarte neue Formen der Solidarität
Übrigens kann politisches Handeln auch so aussehen, dass man sich den gängigen Verhaltensmustern (z.B. immer und überall nur Konkurrenten zu sehen) entzieht und alternative Formen des Umgangs miteinander ausprobiert. Dazu muss man sich nicht in einer Partei engagieren.
Von den Kirchen erwarte ich, dass sie neue Formen der Solidarität anmahnen und leben und nicht wie "ein stummer Hund" zu allen diesen Entwicklungen schweigen. Wir als Freunde von Charles de Foucauld sollten wie er für die Schwachen und Benachteiligten eintreten und versuchen, ihre Realität soweit es geht an uns herankommen zu lassen und diese mit ihnen zu teilen. In Zeiten, in denen immer wieder versucht wird, die einzelnen gesellschaftlichen Gruppen gegeneinander auszuspielen (Arbeitslose gegen Arbeitsplatzbesitzer, Jung gegen Alt, Kranke gegen Gesunde) sollten wir als Christen ein waches Gespür für Gerechtigkeit und Anteilnahme haben. Daraus können dann - von Gottes Geist geführt - neue Aufbrüche geschehen, die das "Antlitz der Erde erneuern".
Ludger Fest
Bibliothekar in Mannheim, regelmäßiger Gast der Gemeinschaft Charles de Foucauld im Bistum Speyer

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192: Dunkle Nächte der Seele

Das Editorial liegt im Moment nicht digital vor

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191: Die Welt in Gott finden

Das Editorial liegt im Moment nicht digital vor

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190: Genug der Gier

Editorial

Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier
Mahatma Gandhi


"FAIR TEILEN statt sozial spalten" - mit diesem Aufruf tritt im Vorfeld des Ökumenischen Kirchentags in München 2010 ein Netzwerk für einen Kurswechsel in der Wirtschafts- und Sozialpolitik ein. Ein Kurswechsel ist in der Tat notwendig. Die Krise, in die uns der Bankencrash weltweit geführt hat, ist die Folge einer nicht zu stillenden Sucht nach immer mehr Kapital gewesen. Und kaum scheint die Krise in ihren ersten Ansätzen überwunden zu sein, machen die Banken weiter, als wäre nichts geschehen.
Die Gier nach immer mehr fängt aber nicht bei den Managern an. Jeder von uns ist doch stets auf der Suche nach ein bisschen mehr. Hier ein Prozent mehr Rendite, da ein Schnäppchen mehr gemacht, dort ein Euro mehr gespart. Haben wir das rechte Maß verloren, kriegen wir denn nie genug? Was kann der einzelne in diesem System überhaupt tun, um sich dem Fallstrick immer größerer Begierden zu entziehen?
"Genug der Gier!" Mit diesem provozierenden Titel wollen wir aber auch Mut machen zu einem einfachen Lebensstil, bei dem Solidarität groß geschrieben wird. Ganz im Sinne eines Charles de Foucauld, der uns das vorgelebt hat.
Die vorliegende Ausgabe ist zugleich die erste in einem neuen Gewand: Klarer in der Struktur, frischer in der Aufmachung, näher dran am Leser.
Wir wünschen Ihnen viel Freude und gute Anregungen beim Lesen.
Bernhard Löhlein, Schriftleiter

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