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Gemeinschaften Charles de Foucauld Treffen der Geistlichen Familie Charles de Foucauld in Bonn/Venusberg, Dezember 2008

97. Deutscher Katholikentag in Osnabrück, Mai 2008
Thema: Du führst uns hinaus ins Weite


Generalversammlung der Geistlichen Familie Charles de Foucauld in Tamanrasset, April 2007

Pilgerreise zur Seligsprechung von Charles de Foucauld am 13. November 2005

Beteiligung auf dem Weltjugendtag in Köln, August 2005

Sternwallfahrt zu den Stätten der Kindheit von Charles de Foucauld, 14. Juni 2005


Gemeinschaft Charles de Foucauld vorpfingstliche Besinnungstage 2011 im Haus Maria Königin in Bad Münstereifel
Jahresversammlung der Gemeinschaft in Deutschland vom 18. - 20.09.2009 in Miltenberg

Jahresversammlung der Gemeinschaft in Deutschland vom 19. - 21.09.2008 in Imshausen

Nazaretzeit 2008 in Gernrode / Harz

Einkehrtag in Siegburg am 8.3.2008

Pfingstbesinnungstage 2007 im Carmel Springiersbach an der Mosel

Pfingstkapitel der Initiative Ordensleute für den Frieden beim G8-Gipfel in Heiligendamm,
Martin Güttner, Sprecher der Gemeinschaft Charles de Foucauld in Deutschland berichtet


Internationale Versammlung der Gemeinschaft Charles de Foucauld im Arusha/Tansania Juli 2006


Europäisches Ferientreffen in Benediktbeuern vom 04.-16.08.2003



Kleine Brüder vom Evangelium Ewige Gelübde des Kleinen Bruders Michael Schilling in Görlitz am 30.10.2005


Kleine Schwestern Jesu


Begegnung der Verantwortlichen der Kleinen Schwestern Europas in Irland, vom 30.Juli bis 5. August 2007

Begegnung der Kleinen Schwestern Europas, welche einer Lohnarbeit oder handwerklichen Arbeit nachgehen, Februar 2007


Regionaltreffen der Kleinen Schwestern Jesu in Marienrode im August 2006


50 Jahre Kleine Schwestern in Deutschland, Geburtstagsfeier in Frankfurt im Juni 2003

Priestergemeinschaft Jesus Caritas Europäisches Treffen der Priestergemeinschaft Jesus Caritasvom 12.-20. Juli 2007 in Kärnten/Österreich

Osterrecollectio 2007, Regionen Ost, Süd und Österreich

Jahrestreffen der Priestergemeinschaft Dezember 2006 in Leutesdorf am Rhein

9. Internationales Treffen der Priestergemeinschaft in Sao Paulo, Brasilien, November 2006



97. Deutscher Katholikentag in Osnabrück 21. - 25.5.2008
Eindrücke zur Podiumsdiskussion "Masslos schaffen - ein Gewinn? / Maßstab Mensch oder Messlatte Wirtschaftswachstum", organisiert von den Gemeinschaften Charles de Foucauld



Neuland betreten im oben genannten Sinne haben wir als Gemeinschaften Charles de Foucauld beim Katholikentag in Osnabrück mit der Konzeptionierung und Gestaltung eines Podiums zum Thema "Maßlos schaffen - ein Gewinn? / Maßstab Mensch oder Messlatte Wirtschaftswachstum.
Dass es eine gelungene Veranstaltung war sei vorweggenommen! Wir bekamen ausgesprochen gute Rückmeldungen, z.B. von Frau Jutta Hinrichs, die im ZdK das Referat für Wirtschaft und Soziales leitet. Sie gratulierte uns zu unserer als "einmalig" erlebten Veranstaltung. Bei einer Saalbesetzung von ca. 300 Personen allen Alters und beruflicher Herkunft schien unser Thema zu interessieren. Wir brauchten dazu keine schriftliche Statistik zu erheben. Thomas Kirchmayer hat vielmehr "spielerisch" erreicht, dass sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen gegenseitig wahrnehmen und sich outen konnten, indem er ums Aufstehen bat nach den folgenden Fragen: Thomas Kirchmayer
- Wer unter Ihnen ist als Chef / Chefin oder BetriebsinhaberIn da?
- Wer von Ihnen ist Arbeiter / Arbeiterin?
- Wer von Ihnen ist Angestellter / Angestellte?
- Wer von Ihnen ist in der Familienarbeit tätig?
- Wer von Ihnen ist sowohl in der Familienarbeit als auch im Erwerbsleben tätig?
- Wer von Ihnen ist arbeitslos oder kennt Zeiten der Arbeitslosigkeit?
Das war ein Einstieg, der alle Anwesenden gleich ans Thema heranholte!
Musisch / kreative Elemente haben unserer Veranstaltung den richtigen Rahmen und Pep verliehen. Mit Martin Güttner ließ ein weiteres Genie aus unseren eigenen Reihen das ernste Thema "zauberhaft" aufscheinen.
Seine Idee von der (un-)gerechten Verteilung der Güter brachte zum Sehen, zum Nachdenken und natürlich auch zum Lachen. Das Publikum dankte es ihm mit begeistertem Applaus! Die Band "einKlang" aus Aachen umrahmte unsere Veranstaltung mit zwei passenden Musikstücken (u.a. mit dem Titel "Brot und Rosen" in Englisch)!
Am Gelingen der Podiumsdiskussion den größten Anteil hatte unser Moderator Dr. Joachim Drumm! Mit Ruhe, persönlichem Charme und Geschick in der Fragestellung leitete er das Gespräch und brachte in einer kurzen Vorstellung auch den krankheitsbedingt fehlenden Dr. Deichmann mit ins Boot.
Die PodiumsteilnehmerInnen hatten sich gut vorbereitet und vertraten ihre Positionen klar und überzeugend. Über so manchen Punkt hätte man leicht ausführlicher reden können - aber auch unsere Veranstaltung hatte ihr "Maß" und so kamen vermutlich auch die Fragen und Beiträge des Publikums nicht ganz zu ihrem Recht. Was wir erreicht haben, war vor allem: die verschiedenen Positionen klarer zu kennen, den "Blick von unten" zu schärfen, für Benachteiligte und christliche Werte die Stimme zu erheben und nicht nur ohnmächtig zu schweigen.
Betroffen machende Erfahrungen des arbeitslosen Ingenieurs, Michael Kramer, der als 50-jähriger nach der Schließung seiner Firma keine Chance auf einen Platz im Erwerbsleben bekam. Er durchlitt eine lange Phase des "Nicht-Gebrauchtwerdens", des "Sich-draußen-fühlens" und der Depression. Durch kirchliche Initiativgruppen fand er zurück ins gesellschaftliche Leben und zu einer sinnvollen Tätigkeit als "ehrenamtlicher Lehrer".
Aufhorchen lassende Erfahrungen von Ruth Koschel, die als zweifache Mutter in Vollzeit Familienarbeit leistet, sich trotz aller Arbeit und Werterfahrungen "draußen" fühlt, weil ihr diese Arbeit wenig Raum und Kraft für den Einsatz in Gesellschaft und im erlernten Beruf lässt. Ganz zu schweigen vom finanziellen Rahmen, der bei nur einem Verdienst zu eng ist. Dies galt auch für die Monate, als der Vater die Erziehungsarbeit übernommen hatte.
PodiumVehement vorgetragene Erfahrungen des Arbeiterpriesters und Betriebsratsvorsitzenden Thomas Schmidt, der endlich existenzsichernde Löhne für alle Beschäftigten forderte. "Bei den unteren Lohngruppen ist am Ende des Geldes noch viel Monat übrig! Das treibt nicht wenige Erwerbstätige in einen zweiten oder gar dritten Job!"
Vielschichtige Erfahrungen von Marie-Luise Dött als Eigentümerin eines Goldschmiede-Handwerksbetriebes, als Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer sowie als Mitglied eines parteipolitischen Gremiums.
Integrierende Erfahrungen des Direktors des Deutschen Caritasverbandes, Dr. Peter Neher, in der Rolle als Arbeitgeber einerseits und als Stimme für jene, die in der Gesellschaft unter die Räder kommen, am Rande stehen und ohne Chance bleiben.
Als Dank erhielten alle PodiumsteilnehmerInnen ein sichtbares Zeichen: das kleine Jesuskind aus der Tonwerkstatt der Kleinen Schwestern Jesu. Es waren mutige Menschen, die sich da in die Öffentlichkeit wagten und ihre Position vertreten haben! An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank!
Genau so mutig finde ich uns als Verantwortliche, dass wir dieses "Neuland" zu betreten wagten. Ich danke allen, die mitgetragen haben in der Ideenplanung, bei der Erstellung der Konzeption, in der Findung von Namen und Kompetenzen für die Podiumsbesetzung, in der Durchführung und Gestaltung sowie bei der Hotelreservierung!
Gemeinsam sind wir stark. Das prägte auch unser Zusammensein an den Tagen in Osnabrück. Wir waren immerhin neun Dauerteilnehmer. Zusätzlich für den 23.5. reisten sechs weitere Mitglieder unserer Gemeinschaften an.
Ausblick
Eine Rückmeldung betraf unser Fehlen in der Kirchenmeile. Wir sind vermisst worden als Geistliche Gemeinschaft mit unserem spezifischen bodenständigen Profil! Was ziehen wir für Konsequenzen für den / einen nächsten Kirchentag?
Margreth Gaissmaier, 1. Vorsitzende des Vereins "Gemeinschaften Charles de Foucauld e.V."



2. Bericht
"Maßlos schaffen - ein Gewinn?" Maßstab Mensch oder Messlatte Wirtschaftswachstum? Diesem aktuellen Thema war auf dem Katholikentag in Osnabrück ein Podium gewidmet, für das die Gemeinschaft Charles de Foucauld konzeptionell zuständig war. Der große Hörsaal im Verfügungszentrum der Universität war gut gefüllt, was manche der Verantwortlichen freudig überraschte. Und ich selbst wäre wohl sicher nicht dabei gewesen, wenn ich nicht über die Bruderschaft davon gehört hätte ...
Zunächst begrüßte Dr. J. Drumm aus Stuttgart alle Teilnehmer und führte kurz in das Thema ein. Thomas Kirchmayer brachte dann alle einander und auch dem Thema persönlich näher, indem er dazu einlud, durch Aufstehen die Zusammensetzung des Plenums sichtbar zu machen: Wer ist Priester? Wer hat eine leitende Stellung? Wer ist Angestellter? Wer hat Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit? Wer arbeitet im Beruf und in der Erziehungsarbeit zugleich? ...
Im Anschluss ging es darum, sich mit Hilfe bestimmter Aussagen in bestimmte Personen einzufühlen. Wie komme ich damit zurecht, wenn ich zB. als Arbeitsloser sage: "Ich werden nicht gebraucht."; oder als Arbeitgeber: "Wenn ich nicht mithalte, dann bin ich weg vom Fenster; und mit mir die ganze Belegschaft!"; oder als Arbeitnehmer: "Was nützt es mir, wenn ich zwar viel arbeite, aber der Lohn reicht ja doch nicht aus für das Lebensnotwendige?" ...
Auf das Thema nun auch innerlich gut eingestellt, folgte die Vorstellung der Podiumsgäste. Dazu waren Katholiken aus den verschiedensten Verantwortungsbereichen eingeladen worden: Frau Marie-Luise Dött MdB, Vorsitzende des BKU aus Köln; Ruth Koschel, Bäckerin und früher Wandergesellin aus Belzig, Michael Kramer, Selbsthilfe-Initiative Sommerakademie Frankfurt/M; Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes aus Freiburg und Thomas Schmidt, Arbeiterpriester und Betriebsratsvorsitzender aus Frankfurt /M.
Bei ihrer näheren Vorstellung durch Dr. Drumm wurde der eine oder andere wichtige grundsätzliche Standpunkt erfragt oder erwähnt, so dass alle sich einen ersten Überblick verschaffen konnten. Auch Herr Dr. Heinz-Horst Deichmann, Unternehmer aus Essen, der krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte, wurde bei dieser Vorstellung nicht vergessen.
"Maßstab Mensch oder Messlatte Wirtschaftswachstum?" Teilweise wurde dazu sehr kontrovers und engagiert diskutiert. Stand für die einen das Fragezeichen zu Recht hinter dem Thema, sahen es andere als nicht angebracht an, bezöge sich doch beides aufeinander und bräuchte sich gegenseitig.
Ohne den genauen Verlauf wiedergeben zu können, geht mir doch so manche angesprochene Frage noch nach: Warum finden Arbeitssuchende ab einem bestimmten Alter fast keine Arbeit mehr? Wie kann das geändert werden? Warum stehen oft nur die großen Unternehmen mit ihren Problemen im Mittelpunkt und dabei werden die vielen gut funktionierenden mittelständischen Unternehmen übersehen? Immerhin machen diese 90% aller Betriebe aus und beschäftigen immerhin 60% der arbeitenden Bevölkerung. Soll zB. der Mindestlohn eingeführt werden mit dem Risiko, dass er dann bald vom Markt als Normallohn angesehen und festgelegt wird? Und geht das dann nicht auf Kosten der Einrichtungen und Betriebe, die sich für eine qualitätvolle Arbeit verantwortlich fühlen, aber diese Arbeit bei den niedrigen Löhnen dann nicht mehr bezahlen könnten? Ist es in Ordnung, wenn jemand zwar in Vollzeit arbeitet, aber seine Arbeit so wenig entlohnt wird, dass er von staatlicher Seite eine Unterstützung beantragen muss? Ist es nicht eine untragbare Belastung für die Familien, wenn die Arbeitnehmer in mehreren Arbeitsverhältnissen das nötige Geld verdienen müssen? Lassen sich Wettbewerb und Barmherzigkeit miteinander vereinbaren oder schließen sie sich gegenseitig aus? Oder steht man nicht gerade in der Verantwortung für eine tätige effektive Barmherzigkeit, die sich dem Wettbewerb stellen muss?
Eine sehr einprägsame und auflockernde Unterbrechung bei diesen Fragen war die Geschichte, die Martin Güttner als Zauberer über das kleine Geld des kleinen armen "Schluckers" erzählte, das immer weiter gereicht wird und sich dabei vermehrt. Zauberhaft anschaulich wurde es durch die besondere Milch, die sich beim Schütten vom kleineren in den nächstgrößeren Becher geheimnisvoll vermehrte. So landete das wenige Geld des kleinen Mannes schließlich als Eigentum einer großen Bank in Liechtenstein. Doch soll der kleine Mann wirklich leer ausgehen? Sollen nur die Großen alles abfassen? Nein! Und so ging die Geschichte weiter, lebendig in rheinischem Dialekt vorgetragen. Die Milch wurde dabei nach und nach wieder zurück geschüttet. Doch was für eine Überraschung: in jedem Becher war am Ende ausreichend genug, keiner ging leer aus! Sogar die "Heuschrecken" bekamen etwas. Das ist die "zauberhafte" Botschaft vom Reich Gottes, die unsere Welt zum Guten verändern kann. Diese Sehnsucht nach so einer Unterbrechung mitten in unserer Welt sprach wohl den meisten aus dem Herzen; eine gelöste Atmosphäre breitete sich spürbar im Saal aus.
Doch im wirklichen Leben lässt sich das nicht so leicht und schnell herbeizaubern. Wie mühsam es ist, wurde durch die sich anschließende Frage-u. Gesprächsrunde deutlich.
Bei mir selbst sind am Ende fast mehr Fragen als Antworten geblieben. Doch bleibt für mich der wichtige Hinweis, die Vorgänge in der Arbeitswelt aufmerksamer wahrzunehmen. Es bleibt aber auch die Feststellung, dass Christsein nicht gleichbedeutend ist mit ein und derselben Meinung und Einstellung. Welcher Weg ist wirklich der richtige? Welche Entscheidung ist wirklich allen dienlich? Gerade angesichts der Vielfalt der Meinungen ist ein ständiges Ringen und ein kontinuierlicher Dialog für dieses Ziel nötig.
Am Ende machte jeder Podiumsgast deutlich, dass er auf seinem Platz, auf seine Weise und in seiner Verantwortung mithelfen wolle, die Bedingungen für eine dem Menschen dienliche Arbeitswelt zu stärken, zu verbessern und zu verändern. Dafür stehe für alle bei allen bestehenden Unterschieden, so Dr. Drumm abschließend, das Evangelium als eine unverzichtbare Hilfe und wertvolle Orientierung bereit.
Brot undTraubenAls Zeichen dafür, dass keiner leer ausgehen soll, konnte man beim Hinausgehen Brot und Weintrauben miteinander teilen, die von Mitgliedern der Familie Charles de Foucauld in kleinen Körben angeboten wurden.
Ulrich Winter, Mitglied der Priestergemeinschaft Jesus Caritas



3. Bericht
Du führst uns hinaus ins Weite - Katholikentag Osnabrück
Ist das nicht ein Gegensatz: "Mitten in der Welt" und jetzt "hinaus ins Weite"? Nein, es sind die zwei Seiten derselben Münze. Mitten im Alltag reifte die Idee, in der Rolle eines Obdachlosen während unserer Podiumsdiskussion auf dem Katholikentag aufzutreten, um so den Blick der Menschen von unten auf unser Wirtschaften zu richten. Lange hat es gedauert bis aus der guten Idee eine darstellbare Person wurde, die dann auch noch mit wenigen Worten komplexe Zusammenhänge deutlich machen sollte, denn viel Zeit hatte ich für meinen Zauberauftritt nicht zur Verfügung.
Noch schwieriger gestaltete sich die Suche nach Möglichkeiten, das was ich sagen wollte auch noch bild- und zauberhaft in Szene zu setzen und die notwendigen Requisiten zu fertigen. Meine Küche wurde zur Holzwerkstatt. Tagelang musste ich über Bohrmaschine und Säge, über Bretter, Werkzeug und Schrauben steigen, um Brot und Tee zu bereiten, meine Tagesverpflegung auf den Baustellen. Und doch rückte der Tag X immer näher.
Und dann war es soweit: Norbert, Bernd und Hildegard holten mich morgens ab für den Weg ins Weite. Eine Stunde, mehr war es nicht, die Fahrt nach Osnabrück, dann schon im Eingang der Uni bekannte Gesichter, ich versuche meinen Auftritt zu verdrängen, doch die Spannung steigt. Es reicht im Raum, in den wir geführt werden nur noch für kurze Wortwechsel, bohrender sind die Fragen: Hast du an alles gedacht, genug geübt, den Text wirklich auswendig gelernt?
Dann letzte Absprachen mit unserem Moderator, Herrn Dr. Drumm: "3 Minuten habe ich für Sie eingeplant". "8 bis 10 Minuten brauche ich", war meine Antwort und im Stillen denke ich: das war's dann. Margret macht mir Mut, "das ist unsere Veranstaltung" sagt sie. Ich ziehe mich um und setze mich dann mit meinem Koffer hinten in den Saal.
300 Leute, vor so vielen habe ich noch nie gezaubert. Der Einstieg von Thomas wirkt auf mich beruhigend, mit seinem Charme und in seiner liebenswürdigen Art schafft er es, das Publikum für das Thema zu öffnen, kaum einer, der während der Diskussion den Saal verlässt. Martin GüttnerDann die Publikumsfragen, Schritt für Schritt nähere ich mich der Bühne: "Hörma, da kommse richtig ausse Puste, woll!" und so fühl ich mich auch, doch dann merke ich, dass ich verstanden werde, dass meine Botschaft ankommt. Das Publikum lacht, ein befreiendes Lachen nach der angespannten Diskussion und Applaus.
Nach meinem Auftritt falle ich Norbert um den Hals: Er führt uns hinaus ins Weite, aus der Enge unserer Ängste in die wohlwollende Zustimmung des Publikums.
Ich bringe mit den Anderen den Koffer zum Wagen und gehe dann zur Deutschen Bank, denn auch die Ordensleute für den Frieden, bei denen ich auch Mitglied bin, sind in Osnabrück. An Fronleichnam haben sie nachmittags die etwas andere Fronleichnamsprozession durch Osnabrück geführt, unter einem Baldachin getragen von den Säulen unserer Gesellschaft (Politik, Wirtschaft, Militär und Kirche) wird ein strahlenumkränztes Eurozeichen getragen, davor ein Transparent: "Ja zum Brot des Lebens - Nein zum Götzen Kapital!" Stationen an der Deutschen Bank, dem Dom, dem Rathaus, der Spielbank und zum Abschluss eine Agapefeier, Essen mit Arbeits- und Obdachlosen bei Schwestern in einer Armenküche.
Heute sind einige der Initiative in die Deutsche Bank gegangen, drei haben sich als Leichen hingelegt und mit Blut übergossen, daneben ein Transparent: "Der Kapitalismus geht über Leichen". Ich komme gerade dazu, wie die Polizei die drei "blutverschmierten Leichen" aus der Bank führt. Die Drei bekommen Demonstrationsverbot während des Katholikentages.
Nach der Mahnwache gehen wir gemeinsam etwas essen. Dann muss ich mich auch schon verabschieden, ich wollte noch bei der franziskanischen Gemeinschaft vorbeischauen. Dort treffe ich Lydia, sie ist Regionalverantwortliche, wir kennen uns seit dem Tag der geistlichen Gemeinschaften in Essen. Um 18.00 Uhr nehme ich am Abendlob der interfranziskanischen Arbeitsgemeinschaft teil, es ist ein kleiner Kreis, der sich da in der Heilig Kreuz Kirche um den Altar versammelt hat, aber eine Gemeinschaft, die unserer Spiritualtität nicht fremd ist und die wie wir versuchen, das "Mitten in der Welt", aber nicht "von dieser Welt" zu leben.
Martin Güttner, Verantwortlicher der Gemeinschaft Charles de Foucauld und Zauberer

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Generalversammlung der Geistlichen Familie Charles de Foucauld in Tamanrasset vom 14. - 22.April 2007


Vom 14. bis zum 22. April 2007 hat dieses Jahr die Generalversammlung der geistlichen Familie Charles de Foucauld in Tamanrasset statt gefunden. Es waren schon mehr als 50 Jahre verstrichen seitdem die Association der geistlichen Familie 1955 in Beni-Abbès gegründet worden war und der Bischof der Sahara Claude Rault hatte uns bei der Seligsprechung von Bruder Karl in Rom eingeladen, die Generalversammlung diesmal wieder in Algerien und zwar in Tamanrasset abzuhalten. Alle Teilnehmer hatten diese Einladung freudig angenommen und es sollte eine Pilgerfahrt auf den Spuren von Charles de Foucauld werden, dort wo er die letzten 11 Jahre seines Lebens verbracht hatte und auch seinen Tod erlitt. Zudem kannten die meisten Verantwortlichen und Leiter der verschiedenen Gemeinschaften Tamanrasset nicht , so war diese Versammlung für alle von großer Bedeutung.
Ich hatte das Glück, daran teilnehmen zu können, da unsere Generalverantwortliche Kleine Schwester Marie Christine Lacroix unter anderem aus gesundheitlichen Gründen nicht abkömmlich war. Als wir allerdings mit viel Freude und Enthusiasmus die Einladung nach Tamanrasset zu fahren, angenommen haben, waren wir uns nicht bewusst, was das für das Equipe der Vorbereitung bedeutete, solch eine Reise für eine so internationale und verschiedenartige Gruppe, die wir sind, zu organisieren , wo keiner von uns die Orte und Umstände kannte. Doch mit der tatkräftigen Hilfe von Antoine Chatelard vor Ort haben wir es geschafft und 14 verschiedene Gruppen haben an der Pilgerfahrt teilnehmen können.

¢ Isabel Lara Jaen, Kl. Schwester vom Heiligsten Herzen
¢ Marc Hayet, Kl. Bruder von Jesus
¢ Raymonde Andrée, Kl. Schwester von Jesus
¢ Amand De Cock, Priestergemeinschaft Jesus Caritas
¢ Elisabeth de La Taille-Trétinville, Gemeinschaft Jesus Caritas
¢ Antoinette Roberti, Gemeinschaft Charles de Foucauld
¢ Georges Gouraud, Kl. Bruder vom Evangelium
¢ Roswitha von Oppenkowski, Kl.Schwester vom Evangelium
¢ Magda Smet, Kl. Schwester von Nazareth
¢ Joan Figuerola, Comunitat de Jesus
¢ Francklin Armand, Kl . Bruder von der Menschwerdung
¢ Emmanuelle Victor, Kl. Schwester von der Menschwerdung
¢ Gilles Laberge, Kl. Bruder vom Kreuz
¢ Tran Minh Cuong, (Jean Baptiste) Missionar vom Diener Jesus

Wir haben es sehr bedauert, dass Geneviève Gbenou, Kl. Schwester vom Herzen Jesus, Bangui und Ana Maria Marabotto, Fraternität Charles de Foucauld ihr Visum für Algerien nicht rechtzeitig bekommen haben und deshalb nicht an unserem Treffen haben teilnehmen können; desgleichen Marguerite Garde und Henry de Ruffray von der Gruppe Charles de Foucauld aus gesundheitlichen Gründen; Jean François Six, Union Sodalitat Charles de Foucauld und Piero Comunità Jesus Caritas, Foligno fehlten ebenfalls.

Es sind fast 100 Jahre vergangen seit Charles de Foucauld in Tamanrasset gelebt hat. Er schrieb: "Ich habe Tamanrasset gewählt, ein kleines Dorf....abseits von allen wichtigen Zentren...ich habe diesen verlassenen Ort gewählt und lasse mich dort nieder." Carnets de Tamanrasset 11. August 1905
Jedoch welch ein Wandel in 100 Jahren! Heute ist es eine ansehnliche Stadt, mitten in einer großen Steinwüste, am Fuß des Hoggar Gebirges, florierend und vom Tourismus geprägt. Von April an geht die Saison zu Ende, da die große Hitze beginnt, aber dennoch gab es mehrere direkte Flüge von Paris, von Marseille und von Algier nach Tamanrasset. Die Schönheit der Natur ist außerordentlich; von der Terrasse unseres Campingplatzes konnten wir schon einen Teil des Hoggar Gebirges bewundern und den Assekrem von weitem erahnen. So konnten wir nicht widerstehen und haben sogar einmal auf der Terrasse den Gottesdienst gefeiert, der mit einem herrlichen Sonnenuntergang zu Ende ging.
Das Thema unseres Treffens war von den einzelnen Gruppen vorbereitet und vertieft worden: "Unsere Erfahrung des Zusammenlebens mit Muslimen und die sich daraus ergebenden Herausforderungen." In kleinen Gruppen tauschten wir darüber aus. Antoine Chatelard sprach dann über das Thema " Charles de Foucauld und die Muslime". Wir hätten ihm noch länger zuhören können, denn er sprach aus der Fülle seines Herzens und mit großer Kenntnis und zitierte sogar aus noch unveröffentlichten Briefen. Claude Rault teilte seine lange Erfahrung des islamisch-christlichen Dialogs mit, denn seine Diözese besteht hauptsächlich aus Muslimen. Einige von ihnen bezeugten uns ihre Bewunderung für Charles de Foucauld als universeller Bruder und als Mensch überhaupt. Tatsächlich scheint es, dass mehrere Leute aus Algerien anfangen, die Figur Charles de Foucauld zu entdecken und verschiedene Aspekte seiner Personalität wie z. B. seine Sprachleistung zu schätzen. Antoine erzählte von mehreren Beispielen, eine erfreuliche Entwicklung!
Zu den internen Angelegenheiten der Versammlung gehört jedes Mal über die neuen Gruppen, die entstehen und die sich auf die Spiritualität von Charles de Foucauld berufen, zu debattieren, ob sie in die Association der geistlichen Familie aufgenommen werden können oder sollen. Diesmal sind die "Discepole del Vangelo", die nahe bei Treviso in Italien wohnen, aufgenommen worden und mit diesem Zweig sind es nun 20 Gruppen, die offiziell zur Association gehören. Es gibt natürlich viele andere Gruppen, die sich auf diese Spiritualität berufen und es ist nicht nötig, dass alle in die Association eintreten.

Die Fahrt nach Tam war als Pilgerfahrt auf den Spuren Charles de Foucauld gedacht und wenn die Zeit auch kurz war, so haben wir die Frégatte, den Bordj und den Assekrem besuchen können, Orte, die für uns viel bedeuten, da Bruder Karl dort gelebt hat. Die Frégatte liegt sehr nahe bei der Fraternität der Schwestern vom Heiligsten Herzen. Sie ist langgestreckt und nur 1,75 m breit, da das verwendete Material, der Reisig vor allem, für das Dach nicht länger war. Dort hat Bruder Karl von 1905 - 1916 gelebt. Wir haben lange beten können und auch die Messe zusammen feiern können.
Der Bordj, wo Charles de Foucauld die letzten 5 Monate gelebt hat und erschossen wurde, beeindruckt sehr durch seine große Anlage und seine Höhe. Im Innenhof sieht man den Rest eines Brunnens. Rania, die am Vorabend der Feier der Seligsprechung in Tre Fontane gesprochen hatte, erklärte uns als gute Touristenführerin mit viel Geschick alle Einzelheiten dieser Konstruktion. Man kann die Treppen hochsteigen und hat eine gute Aussicht über die ganze Stadt und Umgebung! Aber wie sehr hat sich diese Umgebung seit seinem Tod verändert! Wenn früher der Bordj die ganze Wüstenebene beherrschte, so ist er heute ein Gebäude unter vielen anderen und mit Mauern umgeben.
Donnerstag und Freitag waren für den Aufstieg zum Assekrem vorgesehen, per Auto wegen der kurzen Zeit; das letzte Stück der 2780 m aber zu Fuß. Welch herrlicher Ausblick auf die Spitzen der so bizarren Hoggar Berge, so weit das Auge reicht. Nachdem wir eine lange Zeit die Landschaft betrachtet hatten, und im Assekrem gebetet hatten, feierten wir dort die heilige Messe und gedachten der ganzen geistlichen Familie! Sonnenuntergang und am nächsten Morgen der Sonnenaufgang hinterließen Eindrücke in mir, die schwer zu beschreiben sind! Die muss man erlebt haben!
Mehrmals vor Ort hatten wir die Gelegenheit, die Brüder von Jesus sei es diejenigen vom Assekrem wie auch die von Tamanrasset und auch die dort wohnenden Schwestern vom heiligsten Herzen zu treffen und uns mit ihnen auszutauschen. Sie halten das Gedächtnis an die Inspiration und das Lebenszeugnis von Charles de Foucauld aufrecht.
Diese Fahrt hat in mir den Wunsch geweckt, nach Tamanrasset zurückzukehren und dort eine lange Zeit der Stille zu leben. Das empfehle ich jedem!
Roswitha von Oppenkowski, Kl. Sr. vom Evangelium

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Ewige Gelübde des Kleinen Bruders Michael Schilling in Görlitz am 30.10.2005
Eindrücke von Kleinem Bruder Michael



Im Januar, als eine Verschiebung der Seligsprechung von Charles de Foucauld noch nicht abzusehen war, hatten Xavier, Gotthard und ich das Wochenende vor Allerheiligen für meine Ewigen Gelübde ins Auge gefasst und dabei blieb es auch. … Einige Brüder rieten zu Görlitz, den Ort meiner Taufe, und so kam es dann auch: Herzlich Dank sagen möchte ich für die herzliche An/Teilnahme aus den Reihen der CdF-Familie, … für Bernhard Piniek und Thomas Kirchmayer von der Gemeinschaft Charles de Foucauld … ebenso wie für die Anwesenheit von Kleiner Bruder Jesu Markus aus Duisburg, von Kleine Schwester Jesu Ulrike aus Halle, sowie Kleine Schwester Jesu Maria Walburg aus Berlin und Regina Steinle, die mich einst - lang ist's her - an die Kleinen Brüder vom Evangelium in der Leunastrasse in Frankfurt verwiesen hatte. Wenn mir auch die Vorbereitungen (parallel zur Herbergssuche in Ostdeutschland …) ein bisschen über den Kopf gewachsen sind, freue ich mich doch sehr, wie durch vielfältige Mitwirkung eine würdige Feier und vielfältige Begegnungen herausgekommen sind.
Michael Schilling



Ewige Gelübde des Kleinen Bruders Michael Schilling in Görlitz am 30.10.2005
Bericht einer Teilnehmerin


Am Nachmittag des 30. Oktobers 2005 versammelten sich in der Heilig-Kreuz-Kirche in Görlitz die Menschen zu einemBruder Michael besonderen Gottesdienst, in dem Kleiner Bruder Michael Schilling seine ewigen Gelübde ablegte. Vor 38 Jahren wurde er in dieser Kirche getauft. Umso bewegender war es, dass der Pfarrer von damals nun mit konzelebrierte und am Ende des Gottesdienstes Michael und alle Anwesenden segnete.
Nicht nur die Heimatgemeinde, sondern die Familie und viele Verwandte, Freunde aus nah und fern, von früher und von jetzt und natürlich die Kleinen Brüder - sie alle waren gekommen, um Michael an diesem Tag zu begleiten. Der Pfarrer begrüßte die Anwesenden in deutsch und französisch; und diese Zweisprachigkeit durchzog mit einem Charme den ganzen Gottesdienst. In den Texten und Liedern gab es abwechselnd die Übersetzung für die je Anderssprachigen. So konnten zwei verschiedene Welten in ungewöhnlicher Weise zusammen kommen, weil sie sich in der Person und der persönlichen Geschichte von Michael verbinden.
Mich haben besonders die Lesungstexte berührt, in denen mir viel von Michaels Weg und seinem Glauben entgegenkam:
Der Ruf Gottes an Abraham, aufzubrechen in das verheißene unbekannte Land (Gen. 12, 1-9), eine Passage aus dem 1. Korintherbrief (1, 3-4 und 18-22), wo es um Gottes Trost und Treue geht, die in seinem uneingeschränkten JA zu uns Menschen in Jesus Christus offenbar geworden ist und schließlich das Evangelium vom Sturm auf dem See, wo Petrus aus dem Boot aussteigt, um zu Jesus zu gelangen (Mt. 14, 22-33).
Als Michael seine Gelübde auf dem Altar unterschrieben hatte, kamen nacheinander alle seine anwesenden 9 Mitbrüder und unterschrieben ebenfalls. Diese Geste zeigte etwas von der Gemeinschaft der Kleinen Brüder vom Evangelium. Vor dem Altar stand während des Gottesdienstes die so genannteFreundschaftsikone Freundschaftsikone mit Bruder Karl und Jesus. Sie gab dem ganzen Geschehen eine besondere Innigkeit.
Nach dem Gottesdienst waren alle zum Kaffeetrinken in das nahe gelegene Haus der evangelischen Kirche eingeladen. Eine große, reichhaltige und köstliche Kuchentafel lud zum Zugreifen ein. Michaels Vater war seinerzeit ein stadtbekannter Bäcker und auch die Leute aus der Gemeinde hatten fleißig gebacken. Überhaupt hatte die Familie von Michael das ganze Fest liebevoll und tatkräftig mit vorbereitet und am Abend spendierte sie für den engeren Kreis der Gäste ein festliches Abendbuffet. Das frohe Beisammensein mit Musik und einigen liebevoll gestalteten Programmbeiträgen währte bis in die Nacht.
Michael hatte sich gewünscht, dass die Freundschaftsikone von der Kirche mit in den Festsaal wandert und so schlug sie eine Brücke zwischen beiden Orten und verband das Geschehen.
Kleine Schwester Jesu Ulrike


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Pilgerreise zur Seligsprechung von Charles de Foucauld am 13. November 2005
Berichte von Teilnehmern


1. Bericht "Zurück aus Rom"
Sollen wir uns über die Festlichkeiten in Rom zu Ehren Charles de Foucaulds freuen? Diese Frage haben sich Viele zu Recht gestellt. Ja freuen wir uns, denn diese Tage mit ihren Feiern und Begegnungen haben alles übertroffen, was wir erwarten konnten. Ich spreche da für mich und für die kleine Gruppe, die aus Tamanrasset und aus Algerien gekommen ist, dasselbe trifft aber auch für all die Kleinen Schwestern zu, die für ihren sehr großen Einsatz bei der Vorbereitung und Organisation entschädigt wurden. Das ist auch der Eindruck all derer, die am Samstag und Montag an den Feiern in der Abteikirche der Trappisten von Tre Fontane und in dem oberhalb gelegenen "Dorf" der Kleinen Schwestern teilgenommen und sich nicht mit dem Sonntag in St. Peter zufrieden gegeben haben.
Als ich Tamanrasset verließ, fragte ich mich, was ich in Rom tun würde, und vor allem, was man mit den Vertretern der Tuareg machen würde, die mit mir aufbrachen. Als wir zurück waren, hatte ich verstanden; denn in den Tagen selbst hatten mich die Interviews der Zeitungen, der Radio- und Fernsehstationen stark in Anspruch genommen. Aber das bedeutete nichts im Vergleich zu dem, was diese Männer vermitteln konnten, die sich bewusst waren, dass sie die Stadt Tamanrasset vertraten, auch wenn sie keinerlei offiziellen Auftrag dazu hatten. Was immer sie zunächst bewogen hat, an diesen Feiern teilnehmen zu wollen: Sie waren von diesen Feiern überwältigt und werden nie vergessen, was sie in St. Peter mit dem Papst erlebt haben, und mehr noch in Tre Fontane in dieser geschwisterlichen und universellen Atmosphäre, die Charles de Foucauld sich natürlich niemals so hätte vorstellen können.
Die Geste des Papstes
vor dem AbflugIn St. Peter, nach langem und ermüdendem Warten erst draußen und dann drinnen (das aber glücklicherweise unvorhergesehene Begegnungen ermöglicht hat), verliefen die offiziellen Zeremonien in der gewohnten Art und in dem prunkvollen Rahmen der Basilika, die die Menge der Menschen nicht fassen konnte (es heißt, draußen seien es noch mal so viele gewesen). Für uns war das Wichtigste die Gegenwart des Papstes am Ende der Messe. Die Anwesenheit der Männer aus Tamanrasset in ihren traditionellen Gewändern hat dieser Feier einen unvorhersehbaren Sinn verliehen. Sie hatten ihren Platz hinter dem Altar und konnten den Blicken nicht entgehen - weder der Fotographen, noch dem Papst selbst, der stehen blieb und einem jeden die Hand reichte. Diese nicht vorgeplante Begegnung hat der sehr katholischen Feier, bei der man keinerlei Anspielung auf die Muslime hörte, eine Dimension verliehen, die sonst gefehlt hätte. Die spontane Geste Benedikt XVI. wurde von allen Fernsehsendern überall hin übertragen, auch nach Tamanrasset. Dort verbreitete sich die Kunde davon noch am selben Tag. Diese Geste ist für alle, die noch die Zeichen der Zeit verstehen können, sicher wichtiger als viele päpstliche Ansprachen. Wichtiger auch als unsere Anwesenheit und die eines offiziellen Repräsentanten Algeriens, die unbemerkt blieb. Ein algerischer Diplomat von der Botschaft hat den Sinn dieser Repräsentanz damit erklärt, dass er dem Journalisten der französischen Zeitung La Croix einen Satz aus einer Rede des Präsidenten der Republik zitierte, in dem es heißt, die Religion sei Licht und es sei die Unwissenheit der Menschen, die sie in Finsternis wandle. Um das zu bestätigen, hat der neue Botschafter Algeriens beim Vatikan sein Beglaubigungsschreiben am 1. Dezember vorgelegt, als man zum ersten Mal das Gedenken des neuen Seligen feierte, den der Papst in seiner Ansprache als eine "große Gestalt des Friedens und der Versöhnung unter den Gemeinwesen" vorstellt.
Aus aller Welt
Ich habe vor allem von Männern gesprochen, ich muss aber auch eine Frau erwähnen, die schon am ersten Abend in Tre Fontane die etwa tausend Mitfeiernden durch ihr Zeugnis als Muslimin über Charles de Foucauld beeindruckt hat. Rania, die seit drei Jahren die Besucher in dem Bordj empfängt, vor dem das Leben des neuen Seligen endete, hatte sich bereit erklärt, ihren Beitrag auf französisch zu geben, nachdem sie ihn auf arabisch vorbereitet hatte. Ihr Lampenfieber und ihre Ergriffenheit haben sie nicht gehindert, uns ihre sehr persönliche und tiefe Erfahrung mitzuteilen. Das war die erste Äußerung interreligiösen Dialogs in einem sehr internationalen Umfeld. Sie wurde nicht vom Fernsehen übertragen, aber in den folgenden Tagen wollten viele sie beglückwünschen und ihr danken, ihren Text aber auch auf französisch oder arabisch lesen können.
Ich sprach vom internationalen Umfeld. Für die Kleinen Schwestern aus allen Ecken der Welt war das ganz normal. Aber für die Algerier bedeutete es eine Entdeckung, einer so großen Zahl von Leuten von überall her zu begegnen, Arabern, Asiaten, Afrikanern … aber auch all den Freunden von Charles de Foucauld und seinen etwa 150 nahen oder ferneren Verwandten. Man konnte Männern und Frauen in Ordensgewändern oder in Zivil begegnen, die das Abzeichen mit dem Herzen und dem Kreuz trugen, das die Existenz von unbekannten Gruppen oder Ordensgemeinschaften in Sibirien und anderswo offenbarte, auch über die 19 offiziell in der "Association" verbundenen hinaus. Diese Zeit des Zusammenlebens und der Begegnungen bleibt all denen im Gedächtnis, die dabei sein konnten, noch viel mehr aber unserer kleinen Gruppe aus Algerien, die wir bei den Trappisten und den Kleinen Schwestern zu Gast waren. Am Abend vor unserer Abreise und nach einem Abendessen mit Cuscus à la Sahara und Tuareg-Tee führte ein denkwürdiger Abend die Schwestern von Tre Fontane und die noch verbliebenen Gäste zusammen. Schwester Josephine, eine Palästinenserin und Vertreterin der Klarissen von Nazaret, hat uns mit ihrem Humor und ihrer ganz offenen Art überrascht und bezaubert.
Damit alles so gut verlaufen konnte, von den ersten Planungen bis zu all dem Unvorhergesehenen der letzten Tage, brauchte es schon viele günstige Umstände und auch Ereignisse in letzter Minute. Manche sehen darin die diskrete Mitwirkung dessen, um den es in diesen Tagen ging. Dank an alle, die diese Versammlung, die all unsere Erwartungen und Hoffnungen übertraf, seit Monaten vorbereitet hatten. Auf diese Weise wurde eine Botschaft allumfassender Geschwisterlichkeit ebenso eindringlich verkündet wie durch die offiziellen Texte.
Antoine Chatelard, Kleiner Bruder Jesu aus Tamanrasset, in einem Brief vom 1. Dezember 2005


2. Bericht
Wir - Marianne Bonzelet, Mechthild Offermann von der Frauengemeinschaft, Gertrud Wienen und ich vor dem Abflugstarteten am 12.11.05 pünktlich mit Germanwings von Köln/Bonn und erreichten nach 2 Stunden Rom/Flughafen Leonardo da Vinci bei Wärme und strahlend blauem Himmel. Vier von der Priestergemeinschaft: Hubert Cöllen, Johannes Lüdenbach, Josef Prinz und Diakon Hermann Klein waren in derselben Maschine mit geflogen. Hubert hatte sein früheres Pfarrkind (zurzeit Theologiestudent in Rom) gebeten, uns zu unserem Quartier zu begleiten. Dieser junge Mann erwies sich bei der etwas komplizierten 1 ½ stündigen Fahrt mit verschiedenen Verkehrsmitteln und öfterem Umsteigen in der Tat als hilfreicher Engel. Das letzte Stück von 500 m rollten wir unsere Gepäckstücke über römisches Pflaster, uneben und mit schadhaften Stellen immer wieder bordsteinauf und bordsteinab die sanft ansteigende Via della Pineta Sacchetti hinauf, bis wir bei der Nr. 45 - unser Quartier - das Haus der vietnamesischen Schwestern ereichten.
Abteikirche tre fontaneIch war nass geschwitzt, aber an Ausruhen oder Umziehen war nicht zu denken, denn in einer Stunde sollte die Vigilfeier in der Basilika der Trappistenabtei Tre Fontane beginnen. Dort etwas verspätet angelangt, fanden wir in der Kirche keinen Platz mehr. Das Begleitheft, das es für uns auch auf Deutsch gab, versprach eine bewegende Feier. Das verrieten die Überschriften der 3 Teile, nach denen sie aufgebaut waren:
1. "Ich habe mein Herz an diesen Jesus von Nazareth verloren"
2. "In jedem Menschen einen Bruder erkennen"
3. "Je mehr man mich liebt, desto besser betet man".
Aber wie es im Leben so geht, alles ist nicht möglich. Es ergab sich für Gertrud und mich die Gelegenheit, das Mutterhaus der Kleinen Schwestern, das sich ganz in der Nähe befindet, wenigstens von außen kennen zu lernen. Marianne hatte dort etwas zu erledigen. So begleiteten wir sie und konnten auf diese Weise auch einige Gebetsminuten in der Kapelle verbringen.
Zurück auf dem Vorplatz der Abteikirche (der hatte sich nun fast zur Hälfte gefüllt), versuchte ich, den Anschluss an die Feier zu bekommen. Aber das weit entfernte Bild auf dem Bildschirm, zweigeteilt durch eine davor stehende Säule, die durch spärliches Scheinwerferlicht erleuchtete Dunkelheit, die das Mitlesen im Begleitheft unmöglich machte, und die von unten hoch kriechende feuchte Kälte auf unseren Stehplätzen ließ bei mir keine Gottesdienstatmosphäre aufkommen.
Marianne war inzwischen zum Empfang beim französischen Botschafter aufgebrochen. Allein in unser Quartier zu fahren war uns zu mulmig. So harrten wir aus, bis die Feier gegen 19 Uhr zu Ende war, fanden die Münchener und gelangten mit ihnen wieder in unser Viertel. Ein kleines gemütliches Abendessen in einer Pizzeria beschloss unseren ersten Tag in Rom.
Am Morgen der Seligsprechung waren wir zeitig genug auf dem Petersplatz, um im oberen Drittel noch eine Sitzgelegenheit zu bekommen. Ausgestattet mit "Seligsprechungsschal" und Libretto (Heftchen für die Liturgie) - beides Schenkungen freundlicher Mitmenschen - warteten wir auf den Beginn der Feier.Bild mit CDF Die Front des Petersdoms schmückten 3 Fahnen mit den Bildern der zukünftigen Seligen, Charles de Foucauld in der Mitte unter dem Papstbalkon und rechts und links jeweils die beiden Italienerinnen, beides Ordensfrauen und Kongregationsgründerinnen. Noch waren die Bilder mit grauen Schleiern verhüllt, die später nach vollzogener Seligsprechung weggenommen wurden. Doch jetzt spielte der Wind schon mit den Schleiern und nahm teilweise oder auch ganz die Enthüllung schon vorweg. (Die wachsamen Augen des Protokollwächters sorgten dafür, dass die Sizilianerin Maria Crocifissa Curcio rechtzeitig wieder ihre Verhüllung zurück erhielt und dass somit wieder alles seine Ordnung hatte).
Die Eucharistiefeier, in die die Seligsprechungen eingebettet war, stand der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse vor, José Kardinal Saraiva Martins. Nach dem Bußakt wurden die zukünftigen Seligen durch eine kurze Lebensbeschreibung vorgestellt. Danach verlas Kardinal Martins das Schreiben des Papstes, mit dem er, der Papst, dem jeweiligen Diener, der jeweiligen Dienerin Gottes den Titel und die Ehren eines/r Seligen zuerkennt. Immer wieder blendeten die Kameras die Ehrengäste der jeweiligen Seligen ein, die ihre bevorzugten Plätze vorne im unmittelbaren Bereich des Vierungsaltars hatten. TuaregdelegationUnter den Ehrengästen Charles de Foucaulds fielen besonders die fünf Tuareg auf. In der Nähe des Vierungsaltars standen auch die Reliquien der Seligen. Die von Charles de Foucauld in einer Schale mit einem zeltartigen hoch geschwungenen Deckel. Den Abschluss der Feier nahm der Papst persönlich vor. Er verehrte und beräucherte die Reliquien, las ein Grußwort und erteilte den apostolischen Segen. Nach dem Ite missa est begrüßte er viele der Ehrengäste, unter ihnen auch die fünf Tuareg.
Um 12 Uhr sprach der Papst das Angelusgebet vom Fenster seiner päpstlichen Wohnung aus, eingeleitet durch Grußworte in mehreren Sprachen, auch auf deutsch. Weit entfernt - aber live - sahen wir ihn. Wir waren uns einig, mit dieser großen kirchlichen Feier ein einmaliges Erlebnis gehabt zu haben.
Wohltuend einfach und familiär gestaltete sich die Danksagungsmesse am Montagmorgen (14.11.). Sie fand wieder in der Abteikirche Tre Fontane statt. Beim Einzug der Priester und Bischöfe, esEinzug der Bischöfe waren an die 200 insgesamt, gab es hie und da freundliches Grüßen, Zunicken und Händeschütteln . Mein Sitzplatz war diesmal auf dem Steinboden. Eine nette Pariserin hatte mir eine Zeitung geschenkt, auf die ich meinen Anorak legte. So saß ich wenigstens warm. Noch bedaure ich, dass ich von meinem Tiefenplatz aus nur wenig von der Ansprache des Bischofs der Sahara, Claude Rault, mitbekam, aber es werden demnächst mehrere Texte aus den Tagen der Seligsprechung für uns zugänglich sein, auf die wir uns schon freuen können.
Nach der Messe und auch hier und da bei anderer Gelegenheit trafen wir bekannte europäische Foucauld-Freunde, was uns immer wieder besonders freute. Hier erwiesen sich auch unsere Schals als echte Kommunikationsbrücke.
Jeweils nachmittags hatten wir die Möglichkeit, in Rom herumzustreifen. Mechthild führte und oft waren wir zu fünf. Viele Erinnerungen aus den Jahren meiner Romreisen 1965 und 1975 wurden wieder lebendig. Enttäuscht nahmen wir bei unserem Abschiedsbesuch am Montagabend in St. Peter wahr, dass die Fahnen der Seligen schon verschwunden waren. So schnell kehrt der Alltag in den Vatikan zurück. Neue Vorbereitungen sind zu treffen, denn schon am 20.11.05 werden weitere 7 Seligsprechungen stattfinden.
Hildegard Gerhards, Gemeinschaft Charles de Foucauld


3. Bericht

Bruder Karl hat sicher seine Freude an der Seligsprechung gehabt. Dass sie vom Hochfest Pfingsten auf einen normalen Sonntag verschoben und nicht mehr von einem Papst vorgenommen wurde, passt zu ihm, genauso wie die Verbindung mit der Seligsprechung zweier italienischer Ordensfrauen und nicht herausgehoben allein.
Auch dass die "Spitze" der von ihm inspirierten Gemeinschaften, wie die internationale Verantwortliche der Laiengemeinschaft und der Prior der Kleinen Brüder nicht in der ersten Bank im Petersdom, sondern auf dem Petersplatz unter tausenden anderen Mitfeiernden ihren Platz fanden, lag mehr auf seiner Linie, als wenn es andersherum gewesen wäre. "Der letzte Platz auf dem Petersplatz" bot zu dem die Möglichkeit auf einer großen Bildschirmwand die Seligsprechung durch Kardinal Martins mitzuverfolgen, wie es vielen im Petersdom wohl nicht möglich war.
Fast noch mehr als die Feier am Sonntag hat mich aber die Vigil am Samstagabend in Tre Fontane innerlich berührt. Zwar war bei meinem Ankommen die große, alte romanische Kirche der Trappisten überfüllt, und der Schal, der eigens für die Gäste der Seligsprechung entworfen wurde, war auch vergriffen, aber mit wohl über tausend anderen konnte ich das Geschehen auf Bildwänden verfolgen, die in etwas kleinerem Format auch in den Seitenschiffen der Kirche notwendig waren. Kurz zuvor hatte ich noch in Sankt Paul vor den Mauern die Probe eines riesigen Chors mit Solisten für die Dankmesse eine der mit Bruder Karl selig zu sprechenden Ordensschwestern miterlebt, hier in der Kirche der Trappisten, wo Bruder Karl sicher auch oft gebetet hat, reichte eine Gitarrengruppe der Kleinen Schwestern, eine Schola und eine Harfe, um mit meditativen Gesängen im Stil von Taizé eine dichte Atmosphäre zu schaffen, in die hinein Texte aus den Schriften Bruder Karls gelesen wurden. Die Übersetzung der Texte in einem Begleitheft trug dazu bei, zu verstehen, worum es ging. Als dann auch mal der Strom ausfiel und alle im Dunkel saßen oder standen, war das kein Grund zur Panik, sondern zur Erheiterung. Besonders beeindruckend waren die persönlichen Zeugnisse einer Tuareg-Frau (PDF) (auf dem Bildschirm sah sie aus wie ein Mädchen, im Gespräch wurde klar, dass sie eine junge Frau ist), des Familienvaters (PDF), dessen geheilte FrauFrau auf die Fürsprache Bruder Karls geheilt wurde und einer Kleinen Schwester aus Zentralafrika. Hier fehlte es leider an der Übersetzung, aber auch ohne jedes Wort zu verstehen, kam etwas davon über, wie Bruder Karl die Menschen bewegt und was er ihnen bedeutet.
Anbetung war am Ende der zweieinhalb Stunden dauernden Vigil nicht mehr möglich, dafür ein heiteres Willkommen und Wiedersehen vieler aus der großen Zahl der Gemeinschaften der geistlichen Familie. Ich konnte Freunde aus der polnischen Gemeinschaft begrüßen, genauso wie Mitglieder der italienischen, französischen, polnischen und deutschen Gemeinschaft, die ich von der europäischen Ferienfreizeit in Benediktbeuern 2003 kannte.
deutsche und polnische MitgliederBei sonnigem Wetter war sonntags mit dem feierlichen Gottesdienst im Petersdom sicher der liturgische Höhepunkt der Feierlichkeiten. Da der Wind die Verhüllung der Teppiche mit den Bildnissen der drei selig zu sprechenden Christen vor der Fassade des Petersdomes immer wieder anhob, konnte man den Eindruck gewinnen, der Himmel sei schon ungeduldig, dass wir hier unten mit der Seligsprechung so lange gewartet haben. Der Akt der Seligsprechung ist ja eigentlich eher schlicht. Der Bischof der Sahara, Claude Rault, verlas den Lebenslauf Bruder Karls und Kardinal Martins das Bestätigungsschreiben Papst Benedikts XVI, worauf ein Reliquiengefäß im Stil einer Brotschale der Tuareg, von einem Vertreter der schon 1922 entstandenen "Groupe Charles de Foucauld" *) gebracht, auf den Altar gestellt und vom Hauptzelebranten inzensiert wurde. Diesem Ritus schloss sich die Eucharistiefeier an. Als zum Abschluss der Heiligen Messe Papst Benedikt XVI. in die Peterskirche kam, hielt er noch eine kurze Ansprache, um sich dann auf den Weg zum Gebet des Angelus zu machen. Hier war dann für mich und viele andere besonders bewegend, wie er die Frauen und Männer der Tuareg, die in ihren traditionellen Gewändern Gast bei der Seligsprechung waren, persönlich die Hand reichte und herzlich begrüßte. Die Begegnung der Menschen, die Bruder Karl besonders am Herzen liegen mit dem Nachfolger Petri, war vielleicht das deutlichste Zeichen, dass die Saat aufgeht, die Bruder Karl gesät hat.
Am Montagmorgen bildete die Dankmesse in Tre Fontane den Schlusspunkt der Seligsprechungsfeier. Mitglieder der verschiedenen Gemeinschaften begrüßten die Mitfeiernden in vielen Sprachen. Eine bunte Vielfalt, die auch den ganzen Gottesdienst prägte, den der Vorsitzende der Einzug der Bischöfemaghrebinischen Bischofskonferenz mit uns feierte. Besonders bewegte mich, wie der Bischof des orientalischen Ritus von Nazareth, singend das Evangelium (Joh 15,9-17) in arabischer Sprache vortrug und zwar in der Übersetzung Bruder Karls. Die Predigt Bischof Rault`s, Predigt Bischof Raultalso dem heutigen "Heimatbischof" Bruder Karls, schloss sich auf Französisch an. Hier vermisste sicher nicht nur ich eine Übersetzung zumindest ins Englische, denn die Reaktion vieler in der Kirche zeigte uns, dass er das Gefühl und die Gedanken der Mitfeiernden traf. **)
Das afrikanische Kyrie, die Lesung auf Polnisch, die getanzte Gabenprozession afrikanischer Schwestern, das lateinamerikanische Sanctus und die von asiatischen Schwestern vorgetragene Gesang zur Danksagung waren ein Zeichen der Universalität, die die geistliche Familie Bruder Karls mittlerweile hat. Warum allerdings so viele Priester bei dieser Eucharistiefeier konzelebrieren mussten und zumindest optisch ein ziemliches Übergewicht bekamen, war für mich doch etwas fragwürdig, da ich Bruder Karl immer so verstanden habe, dass er seinen priesterlicher Dienst immer mit und unter den Menschen des Volkes Gottes gelebt hat. Hier hätte ich mir auch liturgisch die Betonung des "Priestertums aller Gläubigen" gewünscht.
In Tre Fontane haben die Kleinen Schwestern Jesu ihre "Zentrale", die sicher die Hauptlast der Organisation und Durchführung der Feierlichkeiten zu tragen hatten und denen der besondere Dank aller Mitfeiernden gelten muss. Auf einem von den Trappisten zur Verfügung gestellten Gelände finden sich einfache Holzhäuser, die den Kleinen Schwestern Unterkunft bieten. Hier fand im Anschluss an den Gottesdienst ein spontanes Treffen der Mitglieder der Priestergemeinschaft statt, von dem mir vor allem die energisch und begeistert vorgetragene Meinung eines Bischofs in Erinnerung blieb, der sagte, dass die Spiritualität Bruder Karls auch die des Konzils ist, ja sie quasi vorweggenommen hat: Die Eucharistie als Quelle allen kirchlichen Handelns, die Orientierung am Wort Gottes, wie es uns die Evangelien vorlegen, die Sendung in die Welt und zu ihren Menschen, sowie der Dienst an der Einheit der Menschheit.
In diesem Sinne ist die Seligsprechung Bruder Karls sicher nicht Abschluss oder Schlusspunkt, sondern Verpflichtung sein Charisma weiter zu leben.
Wilhelm Kolks, Priestergemeinschaft Jesus Caritas

Anmerkungen:
*) 1922 gründete Suzanne Garde mit zwei Freundinnen eine Gemeinschaft, die sich "Groupe Charles de Foucauld nennt, und eröffnete in Tlemcen eine Hauswirtschaftsschule für muslimische Mädchen. Seit der Unabhängigkeit Algeriens 1962 leben die Mitglieder der Gruppe in Bon-Encontre in Frankreich und sind offen für Menschen in Schwierigkeiten. Insbesondere kümmerte sie sich um algerische Kriegswaisen.

**) Mit einigen Mitgliedern der Association Famille spirituelle und einer Kleinen Schwester haben wir am Montag spontan beschlossen ein "Sonderheft zur Seligsprechung" mit allen Texten der liturgischen Feiern herauszugeben. Bischof Claude Rault hat seine Predigt schon zur Verfügung gestellt. Die Verantwortlichen der verschiedenen Gemeinschaften aus der geistlichen Familie sorgen für die Verbreitung in ihrer eigenen Gemeinschaft. Ich habe außerdem zugesagt, mich um die Übersetzung ins Deutsche zu kümmern. Das wird aber nur gelingen, wenn ich genügend Übersetzer/innen finde!
Marianne Bonzelet

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Internationale Versammlung der Gemeinschaft Charles de Foucauld vom 20. - 30. Juli 2006 in Arusha/Tansania


Martin Güttner, einer der deutschen Delegierten auf der Internationalen Versammlung berichtet kurz nach seiner Rückkehr:

Gestern Abend um 23.30 bin ich wieder zu Hause angekommen, etwas erschöpft aber glücklich, mein Herz voll der Eindrücke und Begegnungen, die Gedanken angefüllt mit Grüssen an die deutsche Gemeinschaft….

Es war ein beeindruckendes Treffen, gut organisiert vom internationalen Team, wie von den Gruppen aus Kenia und Tansania, überschattet von den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und dem Libanon und den innerstaatlichen Konflikten in so vielen anderen Ländern. Als Zeichen der Solidarität haben wir uns zu eine Gebetskette für den Frieden in diesen Ländern verpflichtet, in dieser Woche beginnen alle Delegierten für den Frieden zu beten und in den kommenden Wochen sind dann die Gemeinschaften der einzelnen Länder eingebunden. Wir haben uns mit Frankreich für die Woche vom 23. Sept. - 4. Okt. 06 eingetragen.

Bei den Canossian sisters waren wir gut aufgehoben und herzlich willkommen, auch die Anwesenheit des Bischofs bei der Eröffnungs- und Schlussliturgie war ein schönes Zeichen. …

Das neue internationale Team besteht aus der Weltverantwortlichen Antoinette Roberti, sie ist für zwei Jahre in dieses Amt gewählt worden (ein Kompromiss im IT), ihrem Mann Henry Roberti (Belgien) für Europa, für die Amerikas Roberto Delgado de Carvalho (Brasilien), für Afrika Peter Mbuchi und seine Frau Gertrude (Kenia), für Asien Miong-jun Pak (Südkorea) und für die arabische Welt Emad Zakir (Ägypten).

Der Schwerpunkt unserer deutschen Beiträge lag bei diesem Treffen im Bereich der Spiritualität:
Josef Freitag als Zelebrant, Übersetzer, Einbringer von Hintergrundinformationen; Marianne Bonzelet als Sprecherin des IT, Vorstellen des Petite Guide, der Revision de vie und des Gebetes der Liebenden Aufmerksamkeit; Doris Geißler und Regina Steinle bei der Gestaltung der europäischen Eucharistiefeier und durch die Betonung der Spiritualität in ihrer Arbeit in den Kleingruppen und bei den europäischen Treffen und ich in der Artikulation eines Konfliktes um eine abgebrochene Eucharistiefeier und dessen Umwandlung in einen interkontinentalen Lernprozess und meinen Zauberbeitrag am europäischen Abend.

Da im Augenblick der Kontakt nach Sri Lanka, unserer bisherigen Partnerregion, sehr schwierig scheint, haben wir Kontakt mit Angelina C. Bucu von den Philippinen aufgenommen und ihr einen Brief an die dortige Gemeinschaft mitgegeben. Regina hat recht gute Kontakte zu den Philippinen, so dass wir vielleicht mit der dortigen Gemeinschaft eine engere Zusammenarbeit im Austausch ins Auge fassen können.

Soviel in Kürze, Euch noch Dank für die materielle-, aber besonders für die Gebetsunterstützung vor und während unseres Treffens.
Liebe Grüsse auch im Namen von Regina und Doris sendet Euch allen
Martin Güttner

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Europäisches Ferientreffen der Gemeinschaft Charles de Foucauld in Benediktbeuern
Berichte von Teilnehmern


Benediktbeuren - Aquarell
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Das "Europäische Ferientreffen" der Gemeinschaft "Charles de Foucauld" findet alle zwei Jahre in wechselnden Ländern statt.
Die Treffen leben von einer gesunden Mischung aus freundschaftlicher Begegnung, spirituellem Programm und vielen Urlaubsaktivitäten.
2001 fand das Treffen in Barcelona statt, 2003 war die deutsche Gemeinschaft Gastgeberin und 2005 wird die Veranstaltung in Italien über die Bühne gehen.

Die folgenden Berichte schildern Eindrücke vom "Europäischen Ferientreffen 2003" in Benediktbeuern, ca. 60 km südlich von München.
180 Teilnehmer aus 11 Nationen verbrachten zwei gemeinsame Wochen in der Jugendherberge des Klosters.

Impuls Zu einem typischen Tagesablauf gehörte nach dem Frühstück das Morgengebet, Kinderbetreuung und Jugendprogramm, sowie ein spiritueller Impuls für die Erwachsenen, die sich anschließend in mehrsprachigen Kleingruppen über ihre Erfahrungen und ihren Glauben austauschen konnten.

Walchensee Nach dem Mittagessen bot der Nachmittag Zeit für Touristisches oder ein kühles Bad in den nahen Seen.
Der Abend wurde häufig mit einer Gebetszeit oder eine Eucharistiefeier begonnen. Anschließend gehörten Gespräch, Tanz, oder Diskussionen sowie Berichte aus anderen Ländern zum Programm.
Ergänzt wurde das Programm durch gemeinsame Ausflüge, Wanderungen oder Besichtigungen.

Eng, Bick ins Tal Binsalm Abschlussfest
Dank der Offenheit der Salesianischen Gemeinschaft in Benediktbeuern, der Flexibilität und Offenheit unserer Gäste und der einmaligen Umgebung der Alpen blicken wir auf eine gute und frohe Begegnung zurück, wenngleich uns die Hitze dieses Sommers, öfter als alles andere, auch an unsere Grenzen gebracht hat.


1. Bericht
Erst im Dezember 2002 habe ich mit der Gemeinschaft Charles de Foucauld Kontakt aufgenommen; für mich ist alles eine neue Entdeckung und besonders dieses Europäische Treffen, das für mich das allererste war.
Ich hatte gleich das Gefühl, von dieser großen Gemeinschaft empfangen und getragen zu werden, was für mich ein sehr reiches Erlebnis war, das mir die Zukunft erhellt und mir dabei helfen wird, den Weg einzuschlagen, den Gott für mich bereit hält.
Bemerkenswert war für mich die Aufmerksamkeit, die gegenseitige Hilfe, die jeder für die anderen erwies; die Möglichkeit, die jedem gegeben wurde, sich frei, in vollem Vertrauen zu äußern, ohne befürchten zu müssen, beurteilt zu werden, wie es im täglichen Leben leider allzu oft der Fall ist, wo vor allem auf Erfolg und Leistung Wert gelegt wird.
GD Wilhelm Tuch malen Die Liturgiegruppe hat mir und meiner Freundin Denise Barasino vorgeschlagen mitzumachen, was für mich eine Freude war. Eine Freude ist es auch für mich gewesen, an den Übersetzungen der Informationen teilzunehmen, so konnten meine Fähigkeiten der gesamten Gruppe zu Gute kommen.
Die Kreativität bei den Morgen- und Abendgebeten, sowie den Messfeiern hat mich beeindruckt.
Als Beispiel möchte ich nur die Prozessionen nennen - Ausdruck unseres Willens uns einander anzunähern und eine Gemeinschaft zu bilden - und das Symbol des weißen Tuches, das die Teilnehmer jedes Landes bemalt haben und das uns während der ganzen Zusammenkunft begleitet hat.
GD Musik Beeindruckend war auch die Innigkeit der Gebete, die entscheidende Rolle unseres Priesters, die Sorge, dass die meisten von uns - und auch die Kinder - an den Gebeten und Messfeiern teilnehmen konnten und die bereichernden persönlichen Äußerungen in den Gruppen.
Die Verschiedenheit der Sprachen fand in den Gesängen zu einer Einheit; auch das war ein bereicherndes Erlebnis. Einen herzlichen Dank den Musikern, die aus ganzem Herzen gespielt haben; die schöne Musik hat uns sehr geholfen, besser zu beten.


Wir haben es erleben können, dass Gott mitten in uns, in jedem von uns war; und jeder hat auf seine Weise zum Gelingen dieser gesegneten Zeit beigetragen. Wir können Gott danken für alles, was er uns während dieses Treffens gegeben hat und müssen auf den Auftrag, den er jedem von uns gegeben hat, aufmerksam hören.
Ich wünsche jedem Teilnehmer, die lebhafte Erinnerung an diese gesegnete Zeit zu bewahren und den Reichtum, den er durch Gottes Liebe erhalten hat, strahlen zu lassen.

Odile Spriet (Frankreich)

Ich teile ganz die Bemerkungen von Odile. Ich möchte besonders darauf Nachdruck legen, dass man auch den Minderheiten die Möglichkeit gegeben hat, sich in ihrer Sprache auszudrücken.
Was während des Treffens gefehlt hat war der Kontakt zum aktuellen Weltgeschehen. So wussten wir nicht, dass in Frankreich während der Zeit des Ferientreffens viele ältere Leute wegen der Hitze gestorben sind. Auch hätte ich mir mehr Lebenszeugnisse gewünscht.
Die Organisation des Europäischen Ferientreffens war toll und hat zum perfekten Gelingen des Treffens beigetragen.

Denise Barasino (Frankreich)


Ein ganz wesentlicher und wichtiger Bestandteil bei unserer Ferienfreizeit war die Kinderbetreuung. Sie ermöglichte zum einen den Eltern an den Impulsen teilzunehmen, zum anderen aber auch die kindliche Beschäftigung mit verschiedenen religiösen Themen und nicht zuletzt das homogene Hineinwachsen in eine geistliche Gemeinschaft, die für das spätere geistliche Leben der Kinder eventuell bedeutsam werden kann. So danken wir an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich allen KinderbetreuerInnen für ihren Einsatz!


2. Bericht
Kinder kennen keine Grenzen!
Beim Europäischen Treffen in Deutschland waren 27 Kinder von 0 bis 12 Jahren dabei!

Kindergruppe Diese haben sich in zwei Wochen auf die Suche nach einem Schatz gemacht. Sie waren mit Spielen, Basteln und Tanzen eifrig dabei und haben sich untereinander sehr gut verstanden. Besonders wir - die Betreuer(innen) - haben durch die Kinder gelernt, dass man trotz unterschiedlicher Sprachen sich verständigen und unterhalten kann. Als Höhepunkt hatten wir ein Kinderfest, wo die Eltern miteinbezogen wurden.
Kinder-Abschlusstanz Zum Schluss haben die die Kinder im Labyrinth ihren Schatz gefunden: "sich selbst!"
Wir hoffen für die Zukunft, dass sich die Erwachsenen mehr an den Kindern orientieren und hoffen auf ein sehr baldiges Wiedersehen.


Helene Finkenzeller (Deutschland)
Mariusz Karandysz (Polen)
Anna Thalmeier (Deutschland)
Andrea Truschina (Deutschland)


3. Bericht
Neben den Gottesdiensten, den Gebetsstunden, der Gemeinschaft mit jüngeren und älteren Menschen aus mehreren Ländern Europas und der Welt, neben den gemeinsamen Festen, Ausflügen und Mahlzeiten haben sich die Gespräche am tiefsten bei mir eingeprägt, die persönlichen Gespräche miteinander und besonders die Gespräche in den Gruppen.

Gesprächsgruppe Sie waren sehr gut vorbereitet durch die verschiedenen Impulse zu einem Satz aus dem Gebet der Hingabe: "Wenn nur Dein Wille sich an mir erfüllt und an allen Deinen Geschöpfen …". Jeder bekam den Text zu dem Impuls in seiner eigenen Sprache, was die Kommunikation und das Verständnis untereinander sehr erleichterte - und es uns erlaubte, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Themen waren bestimmt nicht einfach: der Wille Gottes für mein Leben, das Problem des Leidens, die Lebensbetrachtung (revision de vie), Glauben und Vertrauen, die innere Stimme, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.
Was mich bei all diesen Gesprächen immer wieder beeindruckt ist die Erkenntnis, wie Gott mit jedem einzelnen Menschen einen ganz besonderen Weg geht, - und wie verschieden diese Wege sind. Die vielen Menschen mit ihren vielfältigen Interessen, Eigenschaften, Fähigkeiten, Charakteren und Neigungen sind im Austausch ein ganz wertvolles Geschenk, denn sie eröffnen uns neue Sichtweisen, und ihre Erfahrungen können uns weiterhelfen. Es kommt zu einer gegenseitigen Ergänzung und Bereicherung. Dies veranlasst mich zu enden mit dem Auszug eines Gebets:

"Du unser Gott,
für Dich ist jeder einzelne Mensch wichtig und wertvoll,
und Du liebst uns alle - wir sind alle Deine Kinder,
wir alle sind Schwestern und Brüder …"

Marita Pohen (Belgien)

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Einkehrtag in Siegburg am 8.3.2008


Am 8. März 2008 fand in der Region Köln wieder der Einkehrtag im Edith-Stein-Haus auf dem Michaelsberg in Siegburg statt. Die Teilnehmer beschäftigten sich mit dem Thema "Das Gottesbild von Charles de Foucauld"


Bericht einer Teilnehmerin

Da Marianne Bonzelet wieder im Lande ist, wurde sie natürlich auch wieder für die Gestaltung dieses Einkehrtages "engagiert". Nach ihrer Anfrage bezüglich des Themas und verschiedener Vorschläge entschied sie sich für "das Gottesbild bei Charles de Foucauld", um dann in ihrem Vortrag festzustellen, dass es "ein" Gottesbild bei ihm nicht gibt, das sich dies immer wieder im Laufe seines Lebens verändert hat.
Verschiedene Ansätze und Fragen, wie z.B.: Wer waren die Menschen, die CdF in der Kindheit von Gott gesprochen haben, und ihn in den Glauben der Kirche eingeführt haben? Wie konnte sich in ihm eine Vorstelllung von Gott bilden?, führte Marianne Bonzelet in einem Referat aus.
Sicher ist, dass CdF`s Sehnsucht nach Gott, den er dann aber seit seiner Kindheit vergessen hatte, durch die Begegnung mit tiefgläubigen Menschnn als junger Mann, neu geweckt worden ist.
Gott zeigte sich ihm in Jesus Christus und berührt ihn in der Eucharistie und der Eucharistischen Anbetung. Hier zeigt sich Gott ihm im Bilde. In Christus wird Gott für ihn anschaubar.
Aus einer größeren Anzahl von Kunstkarten, Fotos und Kunstblättern wählte dann im Anschluss an das Referat jeder Teilnehmer für sich das aus, was ihn im Hinblick auf sein derzeitiges Gottesbild am stärksten ansprach. Licht und Dunkel, strahlende Farben, geöffnete oder verschlossene Türen, der Gärtner (von Emil Nolde), Heimkehr des verlorenen Sohnes (von Rembrandt).....So kam das anschließende Gespräch leicht in Gang.
Es kamen ganz persönliche Stimmungen, Befindlichkeiten und Erfahrungen bezogen auf das Gottesbild, das der Einzelne hat oder ersehnt zur Sprache. Mit diesen Gedanken gingen wir dann bis zur Mittagspause zur Anbetung in die Hauskapelle.
Nach dem Kaffeetrinken teilten wir uns in zwei Gruppen auf, um uns über folgende Impulse auszutauschen:
1.) Ich teile der Gruppe mit, was mich an dem am Vormittag ausgewählten Gottesbild besonders anspricht oder aber ärgert, stört.... Oder wenn ich nichts Passendes finde....
2). Ich blicke auf meinen Lebensweg und nehme Personen und/oder Ereignisse vor allem aus meiner Kindheit in den Blick, die mein Gottesbild prägten oder zumindest beeinflusst haben. Bei der Anbetung kann ich diese Personen Gott dankend oder um Aussöhnung bittend hinhalten.
3). Das Gottesbild meiner Kindheit hat sich gewandelt. Ich gehe der Spur dieser Entwicklung nach.

Im Anschluss an dieses Gespräch feierten wir mit Pfarrer Johannes Lüdenbach die Heilige Messe im gleichen Raum, da die Kapelle von einer anderen Gruppe besetzt war.
"Der Friede ist mit euch", das wurde uns nachdrücklich zugesprochen. Das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus ließ uns in der Auslegung bewusst werden, wie auch wir schon jetzt Auferweckung aus unserem Tod durch Sünde, Angst und Kleinglaube erfahren. Bei der Kommunion durften wir Leib und Blut Christi empfangen, so wie es Christus im Abendmahl für alle eingesetzt hat.
Bevor wir auseinander gingen teilte Marlene Gries uns schon den Termin für den Besinnungstag im nächsten Jahr mit. Es wird der 7. März 2009 sein, zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Mit dieser erfreulichen Ankündigung machten wir uns auf den Heimweg, dankbar für einen so guten Tag.
Ingrid Zippel, Bonn

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Vorpfingstliche Besinnungstage 2011 im Haus Maria Königin in Bad Münstereifel
Bericht eines Teilnehmers

Gottes Geist wirkt, wo er will...

In der Himmelfahrtswoche boten Marianne Bonzelet, Gemeinschaft Charles de Foucauld, und Bruder Andreas Knapp, Kleiner Bruder vom Evangelium, Besinnungstage für Mitglieder unserer geistlichen Familie im Exerzitienhaus der Neusser Augustinerinnen in Bad Münstereifel an. Seit meiner Priesterweihe vor acht Jahren bin ich Mitglied der Priestergemeinschaft Jesus Caritas und kannte bisher nur die Priester im Erzbistum Paderborn.
Durch "Mitten in der Welt" bin ich auf diese Besinnungstage aufmerksam geworden und habe mir gedacht, es wäre doch schön einmal andere Mitglieder unserer geistlichen Familie kennenzulernen. Und da es bei uns in Arnsberg-Neheim personell möglich war über Himmelfahrt zu verschwinden, habe ich mich für diese Besinnungstage angemeldet. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Wir waren eine bunte Gruppe von 11 Teilnehmern, dazu Marianne und Andreas. Für die beiden war es das erste Mal, dass sie zusammen geistliche Tage anboten, aber man hatte das Gefühl, sie seien schon seit Jahren ein eingespieltes Team. In diesen Tagen haben wir uns auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Wirken des Heiligen Geistes in unserem Leben auseinandergesetzt.
Überschrieben waren die einzelnen Tage mit dem Oberbegriff des "Lassens":
Es ging erst einmal um das "Loslassen" in unserem Leben. Was bedrängt mein Leben? Was muss ich alles loslassen, damit ich frei bin?
Wenn ich frei geworden bin, dann kann ich mich "niederlassen", kann ich zur Ruhe kommen.
Der nächste Schritt war das "Zulassen": Wenn ich frei geworden bin von allem, was mich bedrängt und ich mich in Ruhe niedergelassen habe, dann kann ich es zulassen, dass der Heilige Geist in meinem Leben wirkt.
Ich kann es aber nicht nur zulassen, ich kann mich dann dem Wirken des Geistes auch getrost "überlassen".
Und das bewirkt in mir eine innere "Gelassenheit". Nichts kann mich im Leben mehr umhauen, wenn ich mich der Liebe Gottes überlassen kann.
Und am Ende der Tage gab es dann den Ausblick ins alltägliche Leben. Wer gelassen ist, in Gott ruht, ihn wirken lässt, der kann sich "neu einlassen" auf das Abenteuer des Lebens und des Glaubens.

Jeder Tag war geprägt von einer festen Struktur: Beginnend mit dem Morgengebet, über den morgendlichen Impuls für den Tag und stillen Zeiten im Schweigen. Alles mündete am späten Nachmittag in die Feier der Eucharistie, wo wir Gelegenheit hatten das Erlebte den anderen mitzuteilen. Nach dem Abendessen bot Marianne meditative Tänze an und der Tag wurde beschlossen mit der Anbetung vor dem Allerheiligsten und einem Tagesrückblick. Wer wollte, konnte den Tag in gemütlicher Runde beschließen.
Zu dem boten Marianne und Andreas auch tägliche Einzelgespräche an, um das Erlebte zu deuten und um Hilfe für das eigene Leben mit seinen Höhen und Tiefen zu geben.
Den Himmelfahrts-Tag gestalteten wir als Wüstentag, an dem einzelne auch das Haus zu einer längeren "Wüstenwanderung" verließen.
Petrus meinte es in diesen Tagen gut mit uns. Außer am Dienstag, wo es nach der langen Trockenheit endlich einen richtigen Regentag gab, schien die Sonne und lud zu Wanderungen in die Wälder der Eifel ein und auch in die malerische Stadt, die immer noch von einer mittelalterlichen Mauer umschlossen ist.
An einem Nachmittag unternahm eine Gruppe einen Ausflug zur Bruder-Klaus-Kapelle bei Wachendorf. Ein Landwirt baute diese Kapelle auf eine seiner Wiese. Von außen sieht sie wie ein hoher fünfeckiger Turm aus. Im Inneren ist sie oval, oben ist sie offen, so dass man durch die tropfenförmige Öffnung zum Himmel schauen kann und von oben her das Licht einfallen kann. Im Inneren ist sie schmucklos eingerichtet, nur eine Statue von Bruder Klaus, der in Richtung des berühmten Meditationsrades an der Wand schaut. Der Beter ist eingeladen, es ihm gleich zu tun, zur Mitte des Rades zu blicken und somit sein Herz für die Mitte seines Lebens zu öffnen: Hin zu Gott.

Mit vielen Eindrücken bin ich von Münstereifel wieder ins Sauerland heimgekehrt. Mein Dank gilt Marianne und Andreas, die sich viel Mühe bei der Vorbereitung und Durchführung gemacht haben. Dank auch den anderen Teilnehmern. Es tat mir gut, mal wieder über den Tellerrand meines Bistums zu schauen und auch über den Tellerrand unserer Priestergemeinschaft. Ich habe in diesen Tagen die Freude erfahren, Teil einer weltweiten großen Familie zu sein, die sich in dieser kirchlichen Umbruchszeit im Glauben und im Leben stärkt.
Dietmar Schulte

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Pfingstbesinnungstage 2007 im Carmel Springiersbach an der Mosel
Berichte von Teilnehmern



1. Bericht

Bereits die Fahrt zum Carmel von München aus war eine wunderschöne Reise an Rhein und Mosel entlang. Der Carmel selbst liegt inmitten Wald und Wiesen, ist ein ehemaliger Augustinerstift und umfasst eine sehenswerte Kirche aus dem Rokoko. Nachdem wir am Freitag, teils aufgrund des Pfingstverkehrs etwas verspätet, alle angekommen waren und die laue Abendluft zum Austausch genutzt hatten, trafen wir uns am Samstagmorgen zu einem ersten Impuls und anschließend in Kleingruppen. Wilhelm Kolks, unser geistlicher Begleiter, hatte für das Besinnungswochenende thematisch passend zu Pfingsten eine Beschäftigung mit dem Heiligen Geist gewählt.Springiersbach
Der erste Impuls konzentrierte sich auf den Geisthymnus. Einführend ging Wilhelm auf die Gestalt der Dreifaltigkeit ein, in der Gott sich sowohl personal, nämlich in den Gestalten Gott Vater, Gott Sohn und Heiliger Geist offenbart, als auch gemeinschaftsbezogen auf den Menschen hin und aufeinander bezogen (kommunitarisch), so wie auch wir als reine Individuen isoliert blieben, nicht geben noch empfangen könnten, wären wir nicht auch gemeinschaftsbezogen. Wilhelm hatte neben dem Geisthymnus noch einen Text von Ernesto Cardenal für diese erste Annäherung an den Heiligen Geist ausgesucht, in dem Cardenal die provozierende These aufstellt, dass alle Menschen, auch der Sünder, Revolutionär, ja selbst der Mörder auf der Suche sind, ihr Leben mit Sinn zu erfüllen, diese Suche nur oft fehlgeleitet ist. Das tägliche Brot, das "einzig Notwendige", wie Charles de Foucauld sagt, vermittelt uns der Heilige Geist. Wilhelm wies darauf hin, dass dieser Begriff, "das einzig Notwendige" auf die Erzählung von Martha und Maria (Lk 10, 38 ff.) zurückgeht, wobei dieser Erzählung weitere Stellen im Lukasevangelium, die sich um den Heiligen Geist zentrieren, folgen (LK 11,9-13 und LK 12,22-32).
In der Kleingruppe tauschten wir uns dann zunächst wie beim Bibelteilen über den Geisthymnus aus. Für mich persönlich von besonderer Bedeutung war, dass der Heilige Geist "des Lebens Ursprung, Liebesglut" ist, "schenkt Frieden uns" als "Beistand in der Zeit". Ich denke, indem mir der Heilige Geist durch die Gnade Gottes geschenkt wird, indem ich mich ihm im Gebet öffnen will, kann ich auch mehr innere Ruhe und Gelassenheit finden, was sicherlich auch dem Frieden in meiner Umgebung und meinen Beziehungen nach außen zuträglich ist. Des weiteren beschäftigte uns sehr, dass "Maria das Bessere gewählt hat". Wir kamen schließlich zu dem Ergebnis, dass wir dies so verstehen wollen, dass nicht grundsätzlich dem Nicht-Tätigsein der Vorrang zu geben ist, aber dem Spirituellen eine angemessene Zeit einzuräumen ist.
Als Impuls am Nachmittag las Wilhelm einen Auszug aus dem Roman "Das Kind von Noah" des zeitgenössischen französischen Autors Eric-Emmanuel Schmitt vor, in dem der Protagonist die Meinung vertritt, dass Gott seine "Aufgabe erfüllt" hat und wir allein verantwortlich sind, für das, was geschieht und nicht geschieht. Wilhelm erweiterte dies um den bereits von Johannes XXIII. betonten Aspekt, dass Gott die Freiheit eines jeden Menschen achtet, wir uns ihm öffnen, aber auch verschließen können. Öffnen wir uns ihm, so wirkt er durch uns in der Welt (vgl. auch Eph. 3,20). Anschließend gingen wir mit diesen geistlichen Anstößen in die Stille und trafen uns dann zur Anbetung und nach dem Abendessen zur Feier der Heiligen Messe, wo wir uns im Predigtgespräch austauschen konnten.
Bei mir hat diese Betonung der menschlichen Freiheit und Verantwortung einerseits und des Wirkens Gottes durch den Menschen andererseits ein Gefühl der Befreiung und Erleichterung ausgelöst, wobei ich auch finde, dass mein Gottesbild zugleich an "Last" verliert. Andererseits empfinde ich es als große Herausforderung, in meinem Leben dieser menschlichen Verantwortung immer gerecht zu werden. Ein bisschen fühlte ich mich durch den Impuls von Wilhelm aber auch an die Stimmung in den Romanen von Camus erinnert, in denen der Mensch doch sehr auf sich zurückgeworfen ist und ich möchte mich eigentlich weiterhin bei Gott "beschweren" können und ihn um etwas bitten können, schließlich gibt es ja beispielsweise auch die Psalmen, in denen die Menschen bitten und klagen.
Am Pfingstsonntag trafen wir uns dann morgens nochmals zu einem dritten Impuls und Austausch zusammen. Dabei stand ein Bild von der Heiligen Dreifaltigkeit aus der Kirche Urschalling am Chiemsee im Mittelpunkt, auf dem der Heilige Geist als Frau, von Gott Vater und Gott Sohn gehalten, abgebildet ist. Wilhelm stellte uns den Gedanken von Leonardo Boff vor, Maria als Personifikation, Zelt des Heiligen Geistes zu sehen. Auch erfuhren wir, dass "Geist" im Hebräischen weiblich ist und die gleiche Wurzel hat wie Barmherzigkeit. Besonders deutlich wird die Verbindung zwischen Maria und dem Heiligen Geist in der Verkündigungsszene (LK 1, 26 ff.), wo Wilhelm darauf hinwies, dass es kein Zufall ist, dass der Engel Gabriel ("Gottes Kraft") Maria die frohe Botschaft brachte. Im Anschluss daran diskutierten wir noch, inwieweit für unser Gottesbild eine weibliche Darstellung wünschenswert oder eher irritierend ist.
Die Pfingstmesse feierten wir dann mit der Ortsgemeinde in der schönen, an das Kloster angrenzenden Kirche mit brausender Orgel und lautem Gesang. Insgesamt war das Wochenende für mich spirituell und menschlich sehr bereichernd, wozu nicht zuletzt auch die vielen menschlichen Begegnungen mit den anderen Teilnehmern beigetragen haben als auch die dem Karmel eigene Atmosphäre mit der Möglichkeit am Stundengebet der Mönche teilzunehmen.
Judith Rieland


2. Bericht

Der Weg ins Karmelitenkloster Springiersbach war mit Staus und so genanntem zäh fließenden Verkehr gepflastert, so dass einige erst sehr spät ankamen. Die "Früheren" konnten schon die Umgebung des Klosters erkunden: herrlicher Wald mit mächtigen Baumriesen, 5 Privathäuser, ein Wirtshaus, das geschlossen ist, nebenan ein Familien-Ferienheim. Wenn es das nicht gäbe - und die Vögel - könnte man die absolute Stille kennen lernen. Also Erholung pur für Leib und Seele.
Für die erste Einheit am Samstag um 9.00 Uhr hatte uns Wilhelm Kolks die "Klopfzeichen-Litanei" mitgebracht. Nach einem Text von Ernesto Cardenal: "Der Durst nach Gott" sangen wir den Geist-Hymnus, mit dem wir dann in die Kleingruppen gingen.
Um 15.00 Uhr las uns Wilhelm einen Abschnitt aus Eric-Emmanuel Schmitts Buch: "Das Kind von Noah" vor, und zwar den, wo der Nazi-Offizier in der Dusche der jüdischen Jungen auftaucht und sich dazu entscheidet, sie nicht zu verraten bzw. zu verhaften. An diesem Beispiel sollte aufgezeigt werden, dass wir einen Gott haben, der uns die Freiheit gegeben hat, uns für das Gute oder das Böse zu entscheiden, und dass auch in dem Offizier dieses Wissen vorhanden war. Damit sollte auch gesagt werden, dass wir allein für das verantwortlich sind, was wir tun oder lassen. Dieser Gott lenkt unsere Herzen, aber greift ansonsten nicht - oder nur selten - ein, da ER unsere Freiheit respektiert. Johannes XXIII hat einmal gesagt: Man muss vor allem die Freiheit eines jeden Menschen achten. Gott selbst tut es auch. Nun, es waren gute Gedanken, die wir in dieser Einheit zu hören bekamen und mit denen wir in die Stille gingen, um uns danach um 17.00 Uhr zur Eucharistischen Anbetung in der Hauskappelle wieder zu treffen.
Die Eucharistiefeier um 19.30 Uhr wurde - pfingst-gerecht - mit gewaltigen Blitzen und Donner begleitet, so dann Wilhelm zeitweise seine Stimme anheben musste, um durchzudringen. Anstatt einer Predigt gab es noch einen Austausch über das, was vom Gehörten noch "rumorte". Und am Schluss des Gottesdienstes sangen wir, immer noch wurde etwas gewünscht, wir konnten gar nicht genug bekommen und nahmen dann die Liederbücher mit, um im Keller - mit Bier und/oder Wasser in der Hand - weiter zu singen.
Am Pfingstmorgen nahmen wir an der Laudes der Patres (aus nur 4 Personen besteht der Konvent) in der Hauskapelle teil. Auf dem Umschlagblatt des Geist-Hymnus war die Fotografie einer Darstellung der Dreifaltigkeit in der Kirche in Urschalling abgebildet - eine Malerei auf dem 14. Jhd. Das Bild zeigte den Heiligen Geist in weiblicher Gestalt. Wilhelm zitierte dazu aus dem Buch "Ave Maria" von Leonardo Boff: Wenn schon Maria Tempel des Heiligen Geistes genannt wird, könne man durchaus den Geist Gottes weiblich sehen. So wie sich in jedem Menschen Anima und Animus verbinden, könnte man das vielleicht bei Gott auch so denken. Wer weiß!! Ein sehr kühner Gedanke, der aber auch von anderen Theologen in diese Richtung gedacht wird. So las ich im "Christ in der Gegenwart" vom 3. Juni diesen Jahres, dass für Hans Urs von Balthasar das Bild von Mann und Frau und dem Kind eine Entsprechung für dieses Mysterium ist.
Den Abschluss der Tage bildete der Pfingstgottesdienst in der Klosterkirche mit einer guten Predigt vom Pater Domenikus. Und dann war schnelles Kofferpacken angesagt, Mittagessen, und schon wieder war eine gute, gemeinsame Zeit zu Ende.
Marlene Gries

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Nazaretzeit 2008 in Gernrode / Harz
Berichte von Teilnehmern



1. Bericht

Wie fast jedes Jahr war es auch in diesem Jahr ein sehr heftiger Wechsel vom Stress der letzten Schulwochen in die Ruhe der Nazaretzeit. Wir waren in einem Jugendhaus der evangelischen Landeskirche in Gernrode untergebracht und hatten die Anlage ganz für uns.
Besonders beeindruckt waren wir alle von der Stiftskirche direkt neben unserer Unterkunft. Errichtet im romanischen Baustil, renoviert im 18. Jahrhundert bot sie einen schönen Anblick von außen und eine würdige Ausstrahlung im Innern.
Am ersten Sonntag der gemeinsamen Zeit feierten wir einen Gottesdienst im Freien, ab Montag begann der "übliche" Rhythmus mit Impuls, Gesprächsrunde und Zeit zur freien Verfügung am Nachmittag - doch nein: Genau hier war auch etwas Neues eingekehrt! Neben den beiden Gesprächsgruppen hatte sich nämlich auch noch eine so genannte Schweigegruppe gebildet. Statt nach dem Impuls ins Gespräch darüber zu gehen, nahmen die Teilnehmer der Gruppe diesen mit ins Schweigen.
Unter Anleitung von Thomas Hofbeck wurde hier im Stile des Zen bzw. der Kontemplation "gesessen" im Wechsel mit Phasen des Gehens. Die Resonanz auf das Angebot dieser Gruppe war wesentlich höher als erwartet (etwa die Hälfte der erwachsenen Teilnehmer entschieden sich für diese Gruppe), was am Ende der Zeit auch die Frage aufwarf, ob sich eine solche Gruppe auf Dauer etablieren lässt, oder ob man dadurch den anderen etwas "wegnimmt", indem man sich ins Schweigen zurückzieht. Die Teilnehmer der Schweigegruppe äußerten sich jedenfalls sehr positiv über das Angebot, gerade auch solche, die aus einem sehr unruhigen Alltag in der Nazaretzeit gekommen waren und auch dankbar für die Stille waren. Natürlich gab es auch wieder einen Wüstentag und zwei Ausflugstage.
Sehr angetan waren wir alle von der Gegend des Harzes: sie bot von Kultur (romanische Kirchen, herrliche Städte, wie z.B. Quedlinburg...) bis Natur (Ausflug zum Brocken, wunderbare Wanderung durchs Bodetal, Teufelsmauer) alles, was das Urlauberherz begehrt. Gleichzeitig lassen verfallene oder leerstehende Häuser auf eine hohe Abwanderung der Bewohner dieser Region schließen, so dass die Gefühle häufig hin und her gerissen waren. Nach Aussagen des örtlichen Bürgermeisters herrscht hier eine Arbeitslosigkeit von über 20% und fast die Hälfte der Bevölkerung ist im Rentenalter. Die Begegnung mit dem Bürgermeister war für uns alle sehr beeindruckend; er erzählte uns seinen Lebenslauf, was für uns wie eine zusammengefasste, erlebte DDR- und Wende-Geschichte wurde.
Die Kinder und Jugendlichen kamen auch nicht zu kurz (in Freizeitbädern, auf der Sommerrodelbahn, am Weiher zum Schwimmen). Während der Impulse und Gruppen wurden die jüngeren Kinder von einer Betreuerin aus Gernrode versorgt, die älteren Kinder und Jugendlichen machten sich zusammen mit Wilhelm Kolks daran, einen Film zu drehen, der während des Familientreffens in Bonn gezeigt werden soll.
Interessant zu beobachten waren auch die Kulissenarbeiten für den Film "Die Päpstin", von dem ein Teil in der Woche nach unserem Aufenthalt in Gernrode auf dem Gelände gedreht werden sollte. Abgerundet wurde die gemeinsame Zeit wie immer durch einen bunten Abend, an dem wir u.a. ein Quiz über den Harz mitmachen durften und natürlich auch den Film der Jugendlichen sehen durften.
Der Regen am Heimreisetag machte uns den Abschied etwas leichter.
Marianne Hofbeck

2. Bericht
Mama hat mich gebeten, einen Bericht über die Nazaretzeit zu schreiben. Ich weiß nicht genau, was und fang halt jetzt einfach mal an.
Was die Erwachsenen so gemacht haben, weiß ich nicht genau. Aber ich weiß, was wir gemacht haben:
Die Kleineren von uns waren in der Kinderbetreuung, wo sie viel gebastelt und gespielt haben, und waren auch in einem Museum (wo uns gezeigt wurde, wie Schule zu Großmutters Zeiten war) und einer Kirchenführung, bei der die Betreuung sich als Stiftsfräulein verkleidet hatte.
Während der gleichen Zeit haben die etwas Größeren von uns einen Film oder besser gesagt die Tagesschau Harz 4 und die Quizshow "Hätten Sie's gewusst?" gedreht.

Ich fand es schön, dass draußen der Hartplatz war, wo wir immer spielen und uns die Füße schwarz machen konnten. Unser Zimmer war schön groß, doch für die Größe hat unser Fenster leider nicht ganz gereicht.
Da im Keller ein Kicker stand, gab es auch noch ein Kickerturnier, doch auch außerhalb des Turniers war der Kicker immer besetzt.
Der bunte Abend war sehr unterhaltsam. Aufgetreten sind Martin Güttner mit seiner Zaubershow zusammen mit seinen Assistentinnen Anne Stauner, Dorothee Kirchmayer, Miriam Steinle sowie Anna und Ulrike Hofbeck. Als Band spielten Benedikt Löhlein, Benjamin Schmolke und Paul Nothaft, in ein paar Sketchen zeigten Miriam Steinle, Dorothee Kirchmayer, Anna und Ulrike Hofbeck ihr schauspielerisches Talent. Zuletzt wurden noch die selbst gedrehten Filme gezeigt. Alles in allem war es eine tolle Nazaretzeit.
Anna Hofbeck

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Jahresversammlung der Gemeinschaft Charles de Foucauld in Deutschland vom 19.-21.09.2008 in Imshausen



Brannte uns nicht das Herz...
Charles de Foucauld und seine "Begleiter" auf dem Glaubensweg
Impuls zur Jahresversammlung 2008 als pdf-Datei



Berichte von Teilnehmern

"Die Kraft, die Wunder schafft"
Vielleicht war es ja kein Wunder. Aber ein bisschen außergewöhnlich war es schon. Soviel gelacht, getanzt und auch geschwindelt wurde selten bei einem Jahrestreffen. Geschwindelt? Absichtlich sogar! Denn es gehörte - gleich zum Auftakt - zu den Aufgaben jedes Teilnehmers, unter drei bestimmte autobiographische Angaben jeweils eine falsche zu schmuggeln. Eine Kennenlernrunde der anderen Art. Beim Rätseln über die falsche Fährte lernte manch eine/r mehr über seinen Nachbarn/Nachbarin als bei jeder noch so gutgemeinten Aufzählung biographischer Daten. Dass es dabei nicht bierernst zuging, versteht sich von selbst...
Und getanzt: Bei Gila Antaras tanzbarem Ohrwurm "Die Kraft, die Wunder schafft" fingen sogar diejenigen Feuer, die schon lange kein Tanzbein mehr geschwungen hatten. Dem Thema des Treffens, abgeschaut von "zwei Christen in Bewegung", tat das nur gut: "Brannte uns nicht das Herz?" Diese Frage der beiden Emmausjünger war der rote Faden des Wochenendes. Vom biblischen Text, wie Lukas ihn überliefert, war es dann nur ein kleiner Schritt zu der ganz persönlichen Frage: Wer oder was hat mein Herz entflammt? Oder manchmal auch die Glaubensglut gehemmt und erstickt?
Und geredet.
Denkanstöße gab es genügend. Wer in der Emmaus-Geschichte nicht fündig wurde, für den hatten Thomas Kirchmayer und Marianne Bonzelet einen ganzen Strauß von Stationen des Lebens- und Glaubensweges von Bruder Karl, aber auch von anderen spirituellen und anderweitig prägenden Persönlichkeiten des zwanzigsten Jahrhunderts vorbereitet. Inspiriert von solchen Impulsen entspann sich in Kleingruppen ein intensiver Austausch, bei dem selbst altgediente C.d.F.ler ein um das andere Mal feststellten: Das habe ich von dir noch gar nicht gewusst.
Gebetet und gefeiert: Vom Austausch war es dann nur noch ein kleiner und selbstverständlicher Schritt zum gemeinsamen Beten als Morgenlob, bei der abendlichen Anbetung oder 'nur' bei Tisch. Als Höhepunkt wird uns jedoch der gemeinsame Sonntagsgottesdienst mit den Geschwistern der Kommunität Imshausen und mit der Ortsgemeinde in Erinnerung bleiben. Eine Feier, die das Verbindende des christlichen Glaubens über alle faktischen und/oder herbeigeredeten Noch-Trennungen zwischen evangelischen und katholischen Christen deutlich hervortreten ließ. Diese Verbundenheit erschöpft sich bei weitem nicht nur in einem gemeinsamen Fundus von Taize-Liedern. (Die Frage bei der Liedauswahl: "Welche Taize-Lieder kennt ihr denn?" konnte unsererseits mit einem unbescheiden kurzen, aber zutreffenden "Alle" beantwortet werden).
Dass Gertrud Stahl aus der Bonner Gruppe in diesem Gottesdienst der Gemeinschaft Charles de Foucauld beitrat, war nur stimmig und folgerichtig. Einen angemesseneren Ort für diese schlichte Zeremonie hätte es kaum gegeben.
Wenn Menschen sich auf die eigenen Glaubensquellen oder vielleicht auch Wurzeln zu besinnen; wenn sie sich offen darüber auszutauschen, ohne dass ein Austausch in Abgrenzung oder Spaltung endet; wenn intensive Kommunikation stattfindet, dann ist das in Zeiten von Dauerberieselung, Platitüden und Oberflächlichkeiten nicht wenig. Vielleicht sogar ein kleines Wunder. Imshausen bot den Rahmen dazu.
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen VorbereiterInnen dieses Wochenendes: Marianne Bonzelet, Mona und Thomas Kirchmayer, Martin Güttner und Marlene Gries. Und bei allen, die im Hintergrund zu einem Gelingen des Treffens beigetragen haben. Wir bedanken uns ferner bei der Kommunität Imshausen und der Stiftung Adam von Trott zu Solz für die gastfreundliche Aufnahme.
Matthias Stoppok

2. Bericht

" ......... brannte uns nicht das Herz?"
Lange bin ich noch nicht in der Gemeinschaft. Da ich gerne auch Mitglieder über unsere Gruppe hinaus kennen lernen und andere wiedertreffen wollte, nahm ich in diesem Jahr zum ersten Mal an einem Jahrestreffen der Gemeinschaft teil. Das Wochenende wurde für mich ein spannendes, tolles und tiefes Erlebnis.
Marianne Bonzelet und Thomas Kirchmayer haben die Inhalte des Wochenendes sehr gut und mit viel Mühe vorbereitet. Von den 18 Teilnehmern gehörten vier zu unserer Gruppe in Schwerte.
Am Freitag machte ich mich dann alleine auf den Weg nach Imshausen auf, da die drei anderen direkt von Schwerte aus fuhren. Das wunderschön gelegene Herrenhaus der Adam von Trott Stiftung war gut zu finden. Marlene, die alles Organisatorische geplant und vorbereitet hatte, begrüßte die Teilnehmer herzlich und wies uns die Zimmer zu. Die antik eingerichteten Zimmer, die jeweils auch einen Namen hatten - meins hieß Hofzimmer, luden gleich zum Wohlfühlen ein.
Im Empfangsraum, der gleichzeitig auch Speiseraum war, begrüßten wir Teilnehmer uns herzlich und waren gleich in Gesprächen vertieft. Schnell lernten die, die sich noch nicht kannten einander kennen.
Am ersten Abend haben wir gelogen, dass sich die Balken biegen (keine Angst: das Haus steht noch). Aufgabe war: Jeder sollte drei Aussagen zu seiner Person machen. Eine Aussage sollte gelogen sein. Die anderen mussten raten, welche dies ist.
Die Aussagen:
" · Ich war ein(e) ........................ Schüler(in).
" · Mein Lieblingsspielzeug war ...................................................
" · Als Kind dachte ich: Wenn ich mal groß bin, dann will ich .......................... werden.
Es war sehr lustig. Wir lernten uns näher kennen und haben dabei viel gelacht. Mal eine andere Art von einer Vorstellungsrunde!
Anschließend klang der Abend gemütlich aus. Alle hatten sich viel zu erzählen.
Das Morgenlob am Samstag stimmte uns schon auf das Thema ein: "......brannte uns nicht das Herz!" Die Emmausgeschichte sollte uns an diesem Wochenende begleiten.
In der ersten Arbeitseinheit stellte Marianne sehr anschaulich Menschen, Ereignisse und Bücher vor, die Charles de Foucauld in seinem Leben und Glauben geprägt haben.
Anschließend hatte jeder Zeit, auf sein eigenes Leben zu schauen: "Wer oder was hat mich geprägt?". Vor dem Mittagessen gab es darüber in drei Kleingruppen einen Austausch. Dieser war sehr intensiv.
Nach dem Mittagessen war Pause und ausreichend Zeit für einen Spaziergang. Zum Kaffeetrinken trafen wir uns wieder in Empfangsraum.
In der zweiten Arbeitseinheit sahen wir uns zunächst Plakate mit bekannten Persönlichkeiten im Glauben an. Diese waren nach Zeiten geordnet im Zeitraum von Bruder Karl bis heute. Wir ließen die Bilder und Persönlichkeiten auf uns wirken und tauschten dann unsere Gedanken dazu aus. Anschließend beschäftigten wir uns dann in den Kleingruppen mit Impulsfragen zu den Plakaten im Bezug auf unseren persönlichen Glauben. Auch diesmal gingen die Gespräche sehr in die Tiefe.
Nach dem Abendessen wurden Visionen vorgestellt. Diese nahmen wir mit in die Anbetung hinein, für die wir uns eine Stunde Zeit nahmen.
Auch der zweite Abend klang gemütlich und lustig aus.
Beim Morgenlob am Sonntag hörten wir den letzten Teil der Emmausgeschichte. Jeder überlegte für sich: "Welches Licht nehme ich mit?" Symbolisch durfte sich jeder ein von Marianne selbstgebasteltes Licht mit nach Hause nehmen. (Dies steht jetzt beim Schreiben neben mir!)
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zur Kommunität Imshausen (oben auf einem Berg) auf. Dort feierten wir gemeinsam mit den Mitgliedern der Kommunität Gottesdienst. Mit diesen verbindet die Gemeinschaft eine lange Freundschaft.

Im feierlichen Rahmen dieses Gottesdienstes trat Gertrud Stahl, die schon lange ihrer Gruppe angehört, als festes Mitglied der Gemeinschaft bei. Martin Güttner als unser Sprecher, gratulierte ihr dazu recht herzlich. Anschließend hatten wir noch Gelegenheit zum Austausch und Gesprächen mit den Mitgliedern der Kommunität.
Mit einer Abschlussrunde, in der noch verschiedene Punkte besprochen wurden, beendeten wir unser Jahrestreffen. Vor der Abreise und der Verabschiedung stärkten wir uns noch mit einem Mittagessen.
So machten wir uns an Leib und Seele gestärkt wieder auf den Weg in die Heimat. Dabei dachte ich noch oft: "....brannte uns nicht das Herz!"
Hier sind noch die Impulsfragen der zweiten Arbeitseinheit, vielleicht auch als Arbeitshilfe in der eigenen Gruppe:
1. Wähle eine der dargestellten Situationen aus, die dich besonders angesprochen hat ...
" Was hat diese Phase damals für mich persönlich bedeutet?
" Was bewirkte sie für mein Leben?
" Was ist mir in dieser Phase evtl. auch genommen worden?
2. Brannte uns nicht das Herz ...?
" Was hält "mein Feuer" heute am Brennen?
" Was fehlt mir heute?
" Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang für mich die Gemeinschaft CdF?
3. Meine Zukunftsvisionen / Wünsche für die Zukunft
" Was möchte ich verlebendigen?
" Was erhoffe ich?
" Was suche ich?
Hildegard Goclik

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Jahresversammlung der Gemeinschaft Charles de Foucauld in Deutschland vom 18.-20.09.2009 in Miltenberg



"Wenn die Giraffe mit dem Wolf tanzt"
Einblicke in die gewaltfreie Kommunikation


Berichte von Teilnehmern

1. Bericht
Also ich, da bin ich ehrlich, hätte die Tanz-Paare anders zusammengestellt! Etwa, den Wolf mit dem Lamm und die Giraffe mit dem Elefanten, aber das Thema hieß:
"WENN DIE GIRAFFE MIT DEM WOLF TANZT!"
Gut, später habe ich dann von den entsprechenden Handpuppen erfahren, dass die beiden sich prima ergänzen. Weil nämlich der Wolf bei seinen Mitgeschöpfen nicht besonders beliebt ist und wegen seinen kurzen Beinen und seinem ausgeprägten Geruchssinn mehr auf dem Boden ist, die Giraffe dagegen den Überblick hat und mit ihrem langen Hals an viele Köstlichkeiten kommt und das größte Herz unter den Säugetieren hat.

"Gewaltfreie Kommunikation? Das klang nach Zähne ziehen, nach Biss verlieren und Kraftlosigkeit", wie es im Buch von Serena Rust heißt und auch ich war sehr skeptisch!
Wir, 21 Teilnehmer/innen und die beiden Referentinnen Stefanie Bruckmeir und Dr. Elisabeth Schiefer verbrachten also das Wochenende vom 18.-20 September mit Giraffe, Wolf und exzellentem Essen (vermutlich war der Wolf deshalb so friedlich!) im Jugendhaus St, Kilian in Miltenberg am Main.

Zunächst erfuhren wir dass der 1. Schritt zur gewaltfreien Kommunikation die Beobachtung ist: Ich beschreibe neutral, ohne Bewertung und ohne Generalisierung die Sachlage! "Ingrid hat mich nicht gegrüßt!"
Im 2. Schritt geht es um die Klärung der Gefühle: Ich drücke mein Gefühl aus! "Ich bin wütend, weil du mich übersehen hast!"
Dann formuliere ich im 3. Schritt mein Bedürfnis, allgemein, positiv, ohne Orts- und Zeitangaben und unabhängig von der Mitwirkung einer bestimmten Person. (Es sei kurz angemerkt, dass dies nicht so einfach ist, wie es hier steht!) "Ich brauche Anerkennung!"
Im letzten Schritt geht es darum eine Bitte an mein Gegenüber zu formulieren. (die auch abgelehnt werden kann, ansonsten handelt es sich um eine Forderung) Aber auch hier locken Fallen: "Ich wünsche mir, dass du mich mehr beachtest", wird wohl ein "Frommer Wunsch" bleiben, weil er zu unkonkret ist! "Ich möchte, dass du mich nächste Woche grüßt, wenn wir uns sehen", ist dagegen eine erfolgversprechende Bitte!

Ja und dann gibt es da noch die Ohren der beiden Tänzer.
Sind meine Wolfs-Ohren nach außen gerichtet, reagiere ich auf den Eindruck meines Gegenübers: "Du bevormundest mich." mit der Aussage: "Das bildest du dir nur ein."
Sind sie in dieser Situation nach innen gerichtet ist meine Reaktion: "Stimmt wohl. Ich bin einfach unmöglich."
Aber auch der 2. Tanzpartner die Giraffe hat 2 Möglichkeiten. Sind meine Giraffen-Ohren nach außen gerichtet, reagiere ich darauf mit: "Bist du frustriert, weil du selbst entscheiden möchtest?"
Oder sie sind nach innen gerichtet dann sage ich vielleicht: "Ich bin traurig, weil mir Gleichwertigkeit wichtig ist."
Ihr ahnt vielleicht, dass das mit der "Viecherei" eine sehr anregende Sache war, wo wir viel gelernt, aber genauso viel gelacht haben. Ich für meinen Teil plädiere für einen Tanzkurs II und bin, wenn ich Zeit habe, auf alle Fälle wieder dabei!
Theresia Kruse


2. Bericht

Zu unserem diesjährigen Jahrestreffen reiste ich mit gemischten Gefühlen, standen die Tage diesmal doch nicht unter einem primär theologisch-spirituellen Thema, sondern waren als "kommunikationspsychologischer" Workshop zum Thema "gewaltfreie Kommunikation" gedacht. Grundsätzlich unterhalte ich mich auf psychologischer Ebene lieber im Zweiergespräch und sind mir Gruppengespräche auf dieser Ebene eher suspekt, da die Wirkung des Gesagten im Gegensatz zum Zwiegespräch sich in der Gruppe ja vervielfacht und auch auf vielfache Interpretationsmöglichkeiten stößt, die möglicherweise gar nicht beabsichtigt waren, was im Zwiegespräch mit einer vertrauten Person seltener vorkommt.
Von dem Bedürfnis gedrängt, endlich einmal wieder die vielen Mitglieder der Gemeinschaft zu treffen, die ich sonst das Jahr über nicht sehe, meldete ich mich aber doch zu dem Wochenende an. Im Zug ab Aschaffenburg traf ich schon Mona Kirchmayer und Marianne Hofbeck, die bereits ganz gespannt auf das Thema waren…
Mein heimlicher Gedanke war eher, dass ich das Thema in Kauf nehme, um am Jahrestreffen teilnehmen zu können!
Nach dem sehr schmackhaften Abendessen und einer kurzen Begrüßung durch Martin übernahmen die Referentinnen aus Freiburg Frau Stefanie Bruckmeyer und Dr. Elisabeth Schieffer das Wort. Anhand von Bildern, die wir uns aussuchen konnten, sprachen wir in der Runde über unsere Assoziationen mit dem Wort "Begegnung" und anschließend spielten die Referentinnen einen sehr realitätsnahen und deshalb auch sehr amüsanten Sketch zum Thema "Zugfahrt und Handytelefonierer", bei dem es einmal um ein fehlgelaufenes und einmal um ein gelungenes Beispiel für Kommunikation zwischen dem ruhebedürftigen Passagier und dem telefonierenden Geschäftsmann im selben Abteil ging.
Am Samstagmorgen gingen wir dann gleich in medias res und die Referentinnen stellten uns das von dem Amerikaner Marshal Rosenberg entwickelte Eisbergmodell vor, nachdem es bei Kommunikation zwischen Personen nicht in erster Linie um die rational erfassbaren Worte an der Spitze des Eisbergs geht, sondern um Gefühle und Bedürfnisse und in diesem Bereich auch der Grund für Konflikte anzusiedeln ist, da die Kommunikationspartner sich hier berühren.
Im Verlauf des Tages versuchten wir uns dann den einzelnen Schritten der gewaltfreien Kommunikation, dem Äußern
1) der möglichst wertneutralen konkreten Beobachtung
2) der ausgelösten Gefühle
3) der dahinterstehenden Bedürfnisse und schließlich
4) einer Bitte an den anderen zur Lösung des Konflikts
mit Hilfe von Übungsblättern und Nachvollziehen erlebter, mit Konflikten verbundener Kommunikationsabläufe anzunähern. Die von den Referentinnen angeregten Übungen empfand ich als anschaulich und sie machten das zuvor modellhaft Referierte für mich fassbarer.

Die Mittagspause war dann eine erholsame Unterbrechung dieses intensiven Lernprozesses, bei der ich unter anderem mit der ortskundigen Hildegard aus der Aschaffenburger Gruppe einen Spaziergang durch die mittelalterliche Altstadt von Miltenberg mit vielen Fachwerkhäusern und dem ältesten Gasthaus Deutschlands sowie einer Burg und dann zurück am Mainufer unternahm. Am Abend feierten wir mit Wilhelm Kolks in der sehr schönen Kapelle des Hauses, welche mit modernen Fenstern neu gestaltet wurde, die Heilige Messe und ließen den Abend in einer gemütlichen Runde ausklingen.
Sonntags wurden wir endlich mit der Giraffe und dem Wolf, unter deren Motto ja das Wochenende stand, bekanntgemacht. Beide haben ihre Daseinsberechtigung, während der Wolf für an Grundbedürfnissen orientierte Aggressivität nach außen oder innen steht, hat die Giraffe ein großes Herz und Überblick und symbolisiert Einfühlung im Hinblick auf das Gegenüber und die eigene Person. Wir bildeten Gruppen, in denen jede Gruppe mal die verschiedenen Wölfe oder die verschiedenen Giraffen auf von den Referentinnen gestellte Fragen zum Ausdruck bringen durfte. Die Fragen waren aus dem Leben gegriffen und das Spiel verdeutlichte sehr aufschlussreich die verschiedenen Reaktionsmöglichkeiten in diesen lebensnahen konfliktträchtigen Situationen.
Abschließend beschäftigten wir uns, wie bereits im von Mona Kirchmayer gestalteten Morgengebet, noch mit dem Begriff der Dankbarkeit, die nach Marshal Rosenberg, im Gegensatz zur Frustration unabdingbares Handlungsmotiv für nachhaltiges fruchtbares Wirken in der Welt ist.
Nach Abschluss des Workshops war ich zunächst erleichtert, dass sich meine anfänglichen Vorbehalte nicht bestätigt hatten und hatte das Gefühl, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema ganz interessant war, war jedoch hinsichtlich der Umsetzbarkeit in meinem Alltag eher skeptisch. Am Sonntagabend zuhause angekommen, fand ich das Quartalsheft der Jesuiten im Briefkasten vor, welches diesmal unter dem Thema "Keuschheit" steht und wo gleich in einem der ersten Aufsätze von Dominik Terstriep SJ "Keuschheit" definiert wird als "Abstand zu nehmen von den eigenen Interessen und einen Schritt hinter den spontanen Impuls zurückzugehen. Vorschnelles Urteil, tendenziöse Interpretation, Nutzbarmachung des anderen - all das wäre in diesem Sinne unkeusch. Wo ich mir einen anderen in dieser Haltung des Abstands begegnen lasse, hat er die Möglichkeit, das, was ich zuvor gar nicht erahnen und sehen konnte, zu offenbaren. […] Keuschheit könnte eine Einübung in diesen unverstellten Blick sein um Menschen und Dingen und durch sie Gott nahe zu kommen."
Plötzlich kam mir das am Wochenende Erfahrene in seiner Intention und Umsetzbarkeit gar nicht mehr mir so fernliegend vor und ich bekam Lust, mich damit in Zukunft stärker auseinanderzusetzen. Am Wochenanfang im Büro machte ich dann auch gleich wieder die Erfahrung, dass sich mir dort ein weites Anwendungsfeld eröffnet, um eingefahrene Muster von Kommunikation und Kommunikationslosigkeit ansatzweise aufzubrechen und konfliktträchtigen Herausforderungen besser begegnen zu können.
Vielen Dank allen, die teilgenommen haben und mir diese neuen Erfahrungen ermöglicht haben!
Judith Rieland

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Pfingstkapitel der Initiative Ordensleute für den Frieden beim G8-Gipfel in Heiligendamm
Martin Güttner, Sprecher der Gemeinschaft Charles de Foucauld in Deutschland berichtet



Gebt 8! Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Kapital!


Über Pfingsten noch Teilnahme an den Besinnungstagen der Gemeinschaft Charles de Foucauld im Karmel an der Mosel. Für mich Anstoß, in der Stille dem Wirken des Hl. Geistes nachzuspüren. Gestärkt durch das Fürbittgebet der Mönche und der Gemeinde, gestärkt aber auch durch die guten Wünsche der Mitglieder unserer Gemeinschaft. Dann am Mitt-woch, von Dortmund aus, die Fahrt nach Rerik. Zu viert machen wir uns auf den Weg. Der Koffer recht schwer durch die Rolle Stacheldraht, denn immerhin wollen wir ja den Zaun um Heiligendamm verstärken. Es soll nicht nur ein Spruch bleiben, was auf einem unserer Transparente steht: Kapitalismus hinter Gitter! Die Fahrt verläuft reibungslos, trotz mehrmaligen Umsteigens sind wir gut in der Zeit. Von Hamburg geht es nach Schwerin, hier soll am Samstag eine Demo von Neonazis stattfinden, die aber gerichtlich verboten wird. Am Bahnhof ein Pulk von Polizeiautos nebst den dazugehörigen Beamten, ein Bild, das sich in den nächsten Tagen dauernd verstärken wird und als Horrorszenario im Unterbewusstsein gespeichert bleibt. In Leinen brauchen und wollen wir nicht umsteigen, auf diesem Bahnhof ist damals einer aus der RAF erschossen worden. Mit der Begnadigung von Christian Klar hätte auch dieses Kapitel der deutschen Geschichte einer Aufarbeitung näher gebracht werden können. Aber diese Zeit spielt eine andere Melodie. Über Neubukow geht es dann mit dem Bus in das Ostseebad Rerik Die Landschaft beeindruckt mit ihren sanften Hügeln, kleinen Seen, den vielen Mohnblumen an den Feldrändern und den blühenden Heckenrosen. Doch hinter all dem Staunen spüre ich ein leichtes Grummeln in der Magengegend - Was machen wir, wenn Gregor wirklich nicht kommt? Roswith beschwichtigt zwar und sagt: "Er kommt bestimmt, sonst hätte er nochmal am Morgen angerufen." In Rerik sind wir fast die Ersten im Haus, aber es dauert nicht lange, dann trudeln nach und nach alle ein. Nicht ganz - der Bulli aus Frankfurt ist überfällig, wegen eines Unfalls auf der Autobahn, kommt er erst nachts um 2.30 h. Nach dem Abendessen in der Pizzeria und dem Vorbereiten der Mahnwache vor der Deutschen Bank in Rostock warteten wir noch bis 1.00 h und gingen dann schlafen.

Morgens 6.30 h - ich atme auf, der Bulli steht vor der Tür. Ich gehe in die Kapelle, um den Morgenimpuls vorzubereiten. Vor dem Frühstück erfahre ich von Dieter, dass Gregor in Frankfurt geblieben ist. Ich frage nach den Genehmigungen für die Mahnwachen und übernehme mit den Papieren die Leitung für dieses Pfingstkapitels. Nach dem Frühstück eine kurze Absprache - Was brauchen wir alles in Rostock? - dann der Morgenimpuls und die Busfahrt nach Rostock. Von der Haltestelle 15 Min. Fußweg bis zur Deutschen Bank, der Busfahrer hatte mir einen Stadtplan gegeben, der uns auch am Samstag noch gute Dienste leisten sollte. 5 vor 12 beginnen wir mit der Mahnwache, zwei Polizeibeamte lassen sich die Genehmigung zeigen, nehmen meine Personalien auf als Versammlungsleiter und verabschieden sich. Die Kröpeliner Str. ist recht gut frequentiert und macht einen lebendigen Eindruck. Viele Menschen bleiben stehen, lassen sich Flugblätter geben und kommen mit uns ins Gespräch. Oft erhalten wir Zustimmung zu unserem Slogan: Gebt 8! Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Kapital! Eine Stunde Mahnwache, eine Stunde Leichenteppich - durchs Megaphon erinnere ich an die Opfer dieses Systems und daran, dass der Reichtum einiger Weniger mit der Armut der Vielen erkauft ist. In der letzten Stunde der Mahnwache nehmen wir die Geldscheine der G8 Staaten, machen deutlich, dass sie für den zu Unrecht angehäuften Reichtum stehen, entzünden sie an einer Kerze und lassen die Asche vom Wind verwehen. Dazu lese ich die Strophe eines Kirchenliedes in Anlehnung an den Lobgesang Mariens: "Es werden satt aufstehen, die arm und hungrig sind; die Reichen müssen gehen, ihr Gut verweht im Wind." Die Verbrennung der Geldscheine löst Kritik aus: "das geht zu weit!", damit kratzen wir an einer heiligen Kuh, stoßen vielleicht aber auch Denkprozesse an. Um 15.00 h beenden wir die Mahnwache, gehen noch ein Eis essen oder etwas trinken und fahren dann zurück nach Rerik. Pünktlich zur Mahnwache sind auch die vier Teilnehmer der ev. Kommunität Joachimstal eingetroffen und verstärken unsere Gruppe.

Sie fahren mit dem Auto am Kontrollpunkt Hinter Bollhagen vorbei, um zu erkunden, wo der Gottesdienst am Freitag stattfinden kann. Mich wundert die schwache Polizeipräsenz in der Fußgängerzone während unserer Mahnwache, begründe es aber mit deren Kenntnis unserer Pfingstkapitel und der Tatsache, dass die eigentliche Aktion oft erst am 2. Tag geplant und durchgeführt wurde. Doch vermute ich, dass das städtische Baufahrzeug mit den beiden Arbeitern, die den ganzen Nachmittag an einem Pflasterstein spielen, direkt neben unserer Mahnwache, verdeckt ermittlerischen Hintergrund hat. Auf dem Heimweg dann wieder das Gefühl, sich in einem aufgewühlten Ameisenhaufen aus PolizeibeamtInnen und Polizeifahrzeugen zu bewegen. Nach einem Strandspaziergang, dem Abendessen, einem ausführlichen Rückblick dann die Vorbereitung unserer Mahnwache am Zaun von Heiligendamm. Die Joachimstaler erzählen von der Ortsbesichtigung und dem vorbereiteten Gottesdienst. Einige Verunsicherungen löst die Tatsache aus, dass sie noch nichts von unserer geplanten Zaunverstärkung gehört hatten. Sie bringen den Vorschlag ein, unsere Botschaft zum Zaun zu tragen. Ein Gedanke, den wir selbst schon erwogen, dann aber wieder fallen gelassen hatten. Nach einiger Diskussion einigten wir uns auf einen Ablauf im Dreischritt: erste Stunde Gottesdienst, das Kreuz wird vor Ort gebaut und der Querbalken mit Stacheldraht umwickelt; zweite Stunde Mahnwache am Straßenrand und dritte Stunde Zaunverstärkung durch Sitzen auf der Straße mit Blick in Richtung Zaun, das Kreuz hinter uns.

Freitag morgens nach dem Frühstück wird alles zusammengepackt, was wir brauchen für unsere Aktion und den Gottesdienst. Der Morgenimpuls ist geprägt von einem Körpergebet, das ich anleite, einer stillen Zeit, in die uns Ellie mit einem afrikanischen Instrument einstimmt und dem Gebet der IOF. Dann geht es zum Bus. Kurz vor dem Kontrollpunkt müssen wir aussteigen. Mit Polizeieskorte geht es im Gänsemarsch am Straßenrand entlang zum Kontrollpunkt. Auch hier muss ich als Versammlungsleiter wieder meine Personalien angeben, werde dann aber von den Bielefelder Beamten freundlich an den zuständigen Einsatzleiter verwiesen. Der gestern von den Joachimstalern ausgesuchte Ort für den Gottesdienst liegt innerhalb der 200 m Zone. Wir suchen uns einen Ort mit Schatten und einige von uns schreiten die Strecke bis zum Zaun ab, um zu kontrollieren, ob das was uns die Beamten erzählen auch stimmt. Claus-Dieter zieht sich seinen Talar an und wir beginnen mit dem Gottesdienst, mit Liedern, ausgezeichneten Texten und einer Predigt, die unsere Anliegen auf den Punkt bringt. Das Kreuz steht dabei in unserem Halbkreis. Die Presse ist gut vertreten und wir geben den Reportern den Tipp, dass wir noch den Zaun verstärken wollen. Damit die Presse sich nicht vorher zurückzieht, bilden wir 5 Minuten einen Schweigekreis, um danach mit der Sitzblockade der Zufahrtsstraße zu beginnen. Der für uns zuständige Beamte kommt und fragt mich, wie lange wir die Straße blockieren wollen? Ich antworte: "Bis 15.00 h haben wir die Mahnwache angemeldet." "15 Minuten gebe ich ihnen, dann überlegen wir, was zu tun ist." "Ok", antworte ich: "wir bleiben sitzen und sie überlegen in 15 Minuten, was sie tun müssen." Nach einer halben Stunde nehmen Claus-Dieter und Hans-Jürgen Kontakt mit der Polizei auf, um das Transparent und das Kreuz zum Zaun tragen zu können. Diese Anfrage benutzt die Polizei als Hebel: "Räumt die halbe Straße, dann dürfen die Anderen an den Zaun." Darauf lassen wir uns nicht ein, stellen das Kreuz noch einmal bewußt hinter die Blockierer, weil wir befürchten, wenn Kreuz, Transparent und Presse am Zaun sind, könnte ein günstiger Augenblick entstehen um uns zu räumen. Wie vorher untereinander abgesprochen heben wir nach einer Stunde die Blockade selbst auf und die Abordnung mit Transparent und Kreuz kann unsere Botschaft an den Zaun bringen und dort befestigen. Der Einsatzleiter teilt mir mit, dass er schriftlich Meldung machen muss und dass ich sicherlich davon noch hören werde. Ich versuche ihm deutlich zu machen, dass wir bei unseren Aktionen bereit sind, auch die Konsequenzen zu tragen. Einige von uns bedanken sich bei der Polizei für ihr besonnenes Verhalten, dann bilden wir einen Kreis, halten einen Augenblick Stille, singen ein irisches Segenslied und machen uns auf den Heimweg. Vor dem Abendessen ist noch Zeit für einen Besuch am Strand. Dankbar für die gelungene Aktion lassen wir uns Wind und Sonne um die Nase wehen. Diese positive Grundstimmung kommt auch Abends beim Rückblick zum Ausdruck und wird zusammengefasst im positiven Dreiklang von Gottesdienst, Blockade und Botschaft am Zaun.

Am Samstag dann beim Morgenimpuls ein Text von Gandhi, nicht ahnend, wie aktuell er an diesem Tag noch werden sollte: "Für wirtschaftliche Gleichheit zu arbeiten, heißt den ewigen Konflikt zwischen Kapital und Arbeit beseitigen. Es bedeutet ein Herabdrücken der paar Reichen, in deren Händen die Hauptmasse des Vermögens des Landes ist, und ein Aufbessern der halbverhungerten nackten Millionen...Eine gewaltsame und blutige Revolution ist unvermeidlich, wenn nicht der Reichtum und die Macht, die der Reichtum gibt, freiwillig abgegeben und um des gemeinsamen Guten willen geteilt werden." Wir nehmen unser Transparent und gehen zur Bushaltestelle, der Himmel ist verhangen, das Sonnenwetter vorbei. Eine Passantin behauptet: "Die Busse fahren heute nicht, wegen der Großdemonstration in Rostock." Aber nach 45 Min kommt ein Bus, der uns nach Marienehe bringt, von dort geht es mit der S-Bahn nach Rostock. Am Bahnhof ein buntes Bild vieler Demonstranten, die zum Südausgang streben, von dort soll die Demo losgehen. Wir wollen aber zur Marienkirche, uns dem Kirchenblock anschliessen. In der Marienkirche dominieren die roten Ballons von Erlassjahr und die Pace-Fahnen, die Kirche ist innen eingerüstet und wirkt auf mich nicht sehr gemeinschafts stiftend. Schon bald werden wir aufgefordert die Kirche zu verlassen, um uns dem Demonstrationszug anzuschliessen, der bald an der Kirche vorbeiziehen würde. Ich treffe einige Arbeitergeschwister, die ebenfalls nach Rostock gekommen sind, dann reihen wir uns hinter den großen Puppen und der Kapelle in den Zug ein. Mit tanzenden, von der Musik beschwingten Schritten, geht es in Richtung Hafen, wo die Kundgebung stattfinden soll. Doch diese Beschwingtheit weicht immer mehr einer Depression, als ich in den Nebenstraßen Polizisten sehe, die in ihrer Aufmachung den Kampfmaschinen aus dem Krieg der Sterne nicht unähnlich waren. Über dem Platz dann kreisende Hubschrauber, die mit ihrem Krach alles andere als erheiternd wirken. Vom Westen her kommt der zweite Demonstrationszug. Wir sehen einen ganzen Block Autonomer, die in der Demo mitmarschieren. Dann setzen sich auf einmal überall Polizeitrupps in Bewegung, stürmen auf die Demonstranten zu, es dauert nicht lange, da sieht man Steine fliegen und Qualm aufsteigen. Die Musik auf der Bühne ist nicht in der Lage, die Stimmung zu beruhigen. Immer wieder Ansagen, die man kaum verstehen kann durch den Lärm der Hubschrauber über dem Platz. Die Organisatoren fordern die Polizei auf, sich zurück zu ziehen und die Teilnehmer, sich ruhig zu verhalten. Mit unserem Transparent: "Kapitalismus hinter Gitter!", werden wir oft fotografiert. Wir beschließen um 17.00 h die Veranstaltung zu verlassen. Auf dem Stadtplan entdecke ich eine S-Bahnstation, zu der wir nicht durch die Innenstadt müssen. Dorthin führe ich die Gruppe, doch vor uns eine Straßensperre der Polizei. War es doch die falsche Entscheidung? Kommen wir jetzt erst in das Hick-Hack hinein? Plötzlich wird die Straßensperre aufgehoben, die Polizeiwagen fahren weg, ungehindert können wir die S-Bahnstation erreichen. In Marienehe müssen wir eine Stunde auf den Bus warten. Wir nutzen diese Stunde, um zu ungewöhnlichen Zeiten, an ungewöhnlichen Orten unsere Trauer und Wut über den Sieg der Gewalt ins Gebet zu bringen. Eine Pace-Fahne als Tischdecke, zwei Scheiben Knäckebrot und eine Flasche Apfelschorle sind die Zeichen dieser Agapefeier, die in ihrer Dichte gleichzeitig ein würdiger Abschluss unseres Pfingstkapitels war.

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Regionaltreffen für Deutschland der Kleinen Schwestern Jesu in Marienrode


Kleine Schwester Monika Barbara aus Frankfurt berichtet vom Regionaltreffen 2006 der Kleinen Schwestern Jesu:

Zum ersten Mal fand es bei den Benediktinerinnen in Marienrode bei Hildesheim statt, die uns ganz herzlich aufgenommen haben.
Zu Beginn nahmen wir uns Zeit für den Rückblick jeder einzelnen Kleinen Schwester: Heilige Momente im vertrauensvollen Mitteilen.
Am Montag kam Prof. März aus Erfurt, um zum Thema "Hören" aus biblischer Sicht zu uns zu sprechen. Wir wollten in eine Haltung des Hinhörens auf die Wirklichkeiten unseres Lebens und die Situation der Region kommen.
Mit den Texten von Abraham, Mose, den 10 Geboten, der Aussendung der Jünger, dem Johannes-Prolog wurden wir hinein genommen in das Suchen und Hören: Was hat das Wort Gottes für unser Leben Heute zu sagen?
Die Wirklichkeit erfordert auch ein genaues Hinhören auf die Menschen um uns mit all den Zweifeln, Glaubenslosigkeit und Zusammenbrüchen im Leid. Im Antlitz des Anderen Sein Wort und Seine Weisung miteinander zu erlauschen.
Lukas 2,19 wurde hilfreich für unseren Weg: Maria bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Prof. März wies uns darauf hin, dass das Wort "bewahren" im griechischen Urtext "zusammenwerden, auslegen" bedeuten kann... Als Schwestern miteinander zusammenlegen, hin- und her bewegen, im Herzen tragen und aushalten... Weit weg von schnellen Antworten ahnen wir, dass in der Haltung des Hinhörens und dem Zusammentragen von ganz Verschiedenem Schöpfung geschehen kann.
Beim "Zusammenlegen" unserer Realitäten in der Region sahen wir: Wir werden älter, 2 Gemeinschaften sind zurzeit nur zu zweit, weniger Kl. Schwestern sind noch im Erwerbsleben tätig... wie eine von uns sagte, laufen wir neben dem Boot auf dem Wasser. So viele "Unmöglichkeiten" um uns herum... Die Einladung, unseren Blick auf den "Meister des Unmöglichen" zu richten, ergeht neu an uns.
Im Rahmen einer österlichen Feier haben wir Ulrike Dorothea ins Noviziat nach Tansania und Sarah Maria nach Moskau entsandt. Und das Fest am Schluss stand -natürlich- unter dem Motto: Nichts ist unmöglich!
So ein Treffen ist eine echte Stärkung für unseren Alltag.
Im Vertrauen Weitergehen, bis im Horchen auf die Realität klar wird, wohin Gott uns ruft.


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50 Jahre Kleine Schwestern in Deutschland


Be a present - 50 Jahre Kleine Schwestern in Deutschland

Es begann unter abenteuerlichen Umständen. Im Juni 1953 bezog Kleine Schwester Cecile ein Quartier im zerbombten Kreuzgang des Würzburger Domes. Die erste deutsche Niederlassung der Kleinen Schwestern war gegründet. Aus diesem Anlass trafen sich Mitglieder aller Zweige der "Charles-de-Foucauld-Familie", Freunde und Bekannte zu einem gemeinsamen Dankgottesdienst und anschließender "Geburtstagsfeier" am 18. Oktober in Frankfurt-Bornheim. Der Ort war nicht zufällig gewählt: In einem Bornheimer Hinterhof befindet sich derzeit die "Zentrale" der Kleinen Schwestern in Deutschland. Dass die Feier nicht nur ein Rückblick auf Gewesenes, sondern eher eine Station auf dem weiteren Weg war, wurde schon im Gottesdienst klar. Die Teilnehmer nahmen den Text des Eingangsliedes "Lobt den Herrn auf Straßen und auf Plätzen" wörtlich und zogen vom Vorplatz in die Kirche und am Ende des Gottesdienstes wieder hinaus. Solche Bewegung ist geradezu typisch für die Spiritualität der Kleinen Schwestern, die sich nicht in sakrale Binnenräume zurückziehen, sondern die Begegnung mit den Menschen suchen. Der "Weg" stand auch im Mittelpunkt der biblischen Texte (Rut 1,1-19; Joh 1,35-39), die vom Erfurter Neutestamentler Professor März, der den kleinen Schwestern noch von ihren Anfängen in der Ex-DDR her verbunden ist, einfühlsam ausgelegt wurden.
Gemeinschaft im Zusammenspiel Zur anschließenden Geburtstagsfeier waren mehr als 170 Gäste gekommen. Wie immer hatte die Pfarrei "St. Joseph" Räume und Technik großzügig zur Verfügung gestellt, für das leibliche Wohl hatten zahlreiche Freiwillige mit selbstgebackenem Kuchen und Salatkreationen gesorgt. Dass die verschiedenen Mitglieder der Familie Charles de Foucauld auch gemeinsam den richtigen Ton finden, stellte die fünfköpfige Klezmer-Band überzeugend unter Beweis.

Durch das Programm führte ebenso einfühlsam wie souverän Bernhard Piniek, der die zahlreichen Beiträge und Dankesworte mit viel Geschick zwischen Kaffee, Kuchen und Thüringer Bratwurst platzierte.
Bayerische Grüße Angelika Daiker
Ein Höhepunkt des Nachmittags war ohne Zweifel der von Bernhard Löhlein moderierte mediale Rückblick auf die verschiedenen Stationen der Kleinen Schwestern in Deutschland, bei dem auch die "Akteurinnen der ersten Stunde" zu Wort kamen. Heute sind ca. 40 Kleine Schwestern in 7 Niederlassungen in der Bundesrepublik präsent. Ihre Anwesenheit bedeutet nicht nur psychische Präsenz, sondern ist ein echtes Geschenk (a present), wie Doris und Michael Sattler mit ihrem Grußbeitrag deutlich machten. Als symbolisches Dankeschön hierfür erhielten alle Kleinen Schwestern eine blaue Ansteckschleife.

Be a present Dankeschön auch an alle Mitwirkenden und insbesondere an die Organisatoren Angelika und Bernhard Piniek für diesen "runden Nachmittag"!

Matthias Stoppok


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Europäisches Treffen der Priestergemeinschaft Jesus Caritasvom 12.-20. Juli 2007 in Kärnten/Österreich
Bericht von Michael G. Joham



"Die Fraternität als Schule der Gemeinschaft für die Sendung der Kirche heute"
Bericht zum Europaverantwortlichentreffen der Priestergemeinschaft "Jesus Caritas"

Jesus Caritas - Europa
Beim Zusammenkommen der Priester der Priestergemeinschaft geht es nie bloß um eine Theorie. Es geht um das lebendige Sich Verbinden in der Liebe Jesu Christi (Jesus Caritas), welche das Herz und die Seele Charles de Foucaulds, der Priestergemeinschaft, ja der Kirche ist. So war auch das Zusammentreffen der Verantwortlichen aus 9 europäischen Ländern im Süden Österreichs von diesem Geist geprägt. Mitbrüderlich und herzlich war bereits das Ankommen.
Fast alle Teilnehmer waren auch beim Weltverantwortlichentreffen im November 2006 in Brasilien. Menschlich und inhaltlich konnte dieses Treffen nahtlos daran anknüpfen.

Der Impuls der Seligsprechung
Mit der Seligsprechung Charles de Foucaulds ist sein Charisma, das Besondere seiner Spiritualität und Sendung für die Kirche heute wieder stärker in den Blick gekommen. Was das im Leben der Fraternitäten und im konkreten Leben der Sendung der Kirche vor Ort heißen kann, ist weltweit wieder neu zum Thema geworden und hat auch uns diese Tage bewegt.

Brasilien und unsere Regionen
Der erste Tag nach der Ankunft diente dem Rückblick und dem Heraufholen der Brasilieneindrücke. Auch kamen die Fraternitäten und die gesellschaftlichen und kirchlichen Situationen in den verschiedenen Regionen Europas in den Blick - Freuden und Hoffnungen, Sorgen und Nöte. Diese sollten eine Bestärkung und Ermutigung erfahren. Freude und Hoffnungen, Sorgen und Nöte sind so etwas wie zwei Geschwister, die gemeinsam den Weg gehen möchten, sich gegenseitig mitnehmen und mittragen.

Die Fraternität als Schule der Gemeinschaft
Der zweite Tag diente einem ersten Einstieg in das gestellte Gesamtthema, bildet doch die "Fraternität" den ersten der in der Wegweisung der Priestergemeinschaft genannten bedeutsamen Wege für diese. Die "Fraternität" ist mehr als bloß eine Kuschelecke oder eine Selbsthilfegruppe, mehr als ein Ort des Auftankens und Atemholens. Sie ist ein Platz der Einübung einer konkreten Entfaltung der Liebe Gottes in Jesus Christus, die damit eine universale Bedeutung bekommt. Sie ist ein Ort, wo wir uns einüben, einander in absichtsloser Liebe als Bruder und Schwester anzunehmen. Von Anfang an steht die Fraternität im größeren Kontext der Kirche als Ort, der dem Einzelnen und der Kirche als Ganzer Hilfe sein möchte, den Ruf Gottes zu hören und eine entsprechende Lebensantwort zu geben.
Gut tat es wahrzunehmen, wie Jesus selber in so genannten "Schulen der Fraternität" gelebt und sie angestiftet hat (Familie, Kreis der Apostel…) und wie die junge Kirche in den Häusern zusammengekommen ist, den so genannten "Hauskirchen", und sich in ganz konkreten Vollzügen als Gemeinschaft/Communio von Gott dem Dreieinen her gebildet hat (Teilen der Erfahrungen und des Wortes Gottes, Brechen des Brotes und Feiern der Eucharistie, miteinander beten und singen, füreinander Sorge tragen und Solidarität leben - vgl. Apg 2,41-45).
Auch in unserem eigenen Leben konnten wir entdecken, dass wir als Christen und Priester heute angestiftet, geprägt und getragen sind von solchen Lernorten und Schulen der Gemeinschaft (Familie, Pfarrgemeinde, Bibelkreis, Jugendgruppen, Familienrunden, Geistliche Bewegungen, Priesterseminar, Dekanatspriestertreffen, Priestergemeinschaft…).

Orte gemeinschaftlichen Kircheseins - Pfarrbesuche
Für Samstagnachmittag und Sonntag galt es aufzubrechen in verschiedene Pfarren in Kärnten, Salzburg und in der Steiermark. Wie vielfältig das kirchliche Leben und Engagement ist, wurde hier deutlich. So konnte nicht nur die Situation des Gastgeberlandes besser wahrgenommen werden, auch der Blick auf die Lebens- und Glaubenssituation sowie auf das priesterliche Wirken in den verschiedenen Herkunftsländern konnte sich schärfen und verändern. Die daran anschließende Revision in kleinen Gruppen war sehr lebendig.

Die Gastdiözese - Kultur der Zweisprachigkeit
Nach diesem Wochenbeginn gab es die Möglichkeit die Gastdiözese mit ihren Besonderheiten besser kennen zu lernen. Nachdem Kärnten durch die Zweisprachigkeit (Deutsch und Slowenisch) mitgeprägt ist, wurde die Slowenische Abteilung des Seelsorgeamtes in Klagenfurt besucht. Das Besondere, das die Kirche hier zu leben sucht, ist das gemeinsame Leben und Feiern bei Wahrung und Einbeziehung der jeweils kulturellen Besonderheiten und Möglichkeiten. Hier geht es nicht nur um ein toleriertes Nebeneinander, sondern um eine Einheit in Vielfalt. Mitunter wird diese Form des gesuchten Miteinanders auch als ein möglicher Weg für das Miteinander in Wertschätzung und Respekt in anderen Bereichen, mit anderen Menschen und Kulturen erfahren. Viele Priester und gläubige Laien, die bei Wahrung der eigenen Herkunft und Identität aus diesem Geist der Offenheit leben, sprechen vermehrt auch andere Sprachen, sind kulturell aufgeschlossen und leben in vielfältigen Bezügen, welche auch über die eigenen Grenzen hinausreichen. In den Anfragen und Gesprächsbeiträgen wurde deutlich, wie sehr auch andere europäische Länder mit der Realität von mehreren Sprachen und Kulturen herausgefordert und beschenkt sind, auch wenn das nicht immer so empfunden wird.

Der Klagenfurter Dom - vom Geist der Wertschätzung und des Miteinander
Geschichtliche Bezüge für ein nicht immer gelungenes Miteinander konnten im Klagenfurter Dom, dem derzeitigen Sitz des Diözesanbischofs, gesehen werden. Diese Kirche war ursprünglich ein evangelisches Bethaus. Reformation, Gegenreformation und katholische Reform haben hier ihre Spuren hinterlassen. Die Gedenktafel für die Blutzeugen aus der Nazizeit ließen bei allem Furchtbaren auch Namen, Männer und Frauen, erkennbar werden, die der Verabsolutierung und der Vorherrschaft auf Kosten eines anderen mit dem eigenen Lebenseinsatz entgegen getreten sind. Das Bildnis von Anton Maria Slomšek, der in Kärnten und in Slowenien gewirkt hat, ist ebenso ein Zeugnis für die Wertschätzung eines Bischofs für alle seine ihm Anvertrauten, gleich welcher Sprache. Wo der Geist der Wertschätzung, der Achtung der eigenen Wurzeln sowie der gegenseitigen Achtung und des Miteinanders stirbt, kann auch der Glaube nicht atmen und leben. Um diesen Geist ist es ihm gegangen.

Der Maria Saaler Dom - Fraternität als Grundsteinlegung für Leben aus dem Glauben
Im Maria Saaler Dom, der auf den ersten Chor- und Missionsbischof Modestus zurückgeht, konnten wir nach einer eindrücklichen Führung die Messe feiern. Dieser Ort wurde Ausgangspunkt für die 2. Missionierung in Kärnten. War es am Anfang eine kleine Fraternität von Benediktinermönchen, welche den Grundstein legte für die Gründung der ersten neun Urpfarren, so sind es heute über 1000 Kirchen und über 330 größere und zum Teil auch sehr kleine Pfarren, die gleichsam ein Netz der Verbundenheit über das ganze Land ziehen. Hier ist heute ein Wallfahrtsort, der Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenbringt, insbesondere von Slowenien, Italien, Ungarn und Österreich. Hier gibt es für Menschen, die die eigene Berufung klären möchten, die Gelegenheit mit dem Pfarrer und seinem Team vor Ort begleitet zu leben. Die persönliche Begleitung sowie das Teilen des Lebens, die Erfahrung von gelebter Gemeinschaft im Glauben sind der Boden, auf dem geistliche Berufungen am ehesten gedeihen können. Die Mittel der Bruderschaft sind auch hier in abgewandelter Form vorfindbar.

Das Gastland zum Schmecken, Hören, Anschauen
Zum Ausklang dieses erfüllten Tages gab es nach einer Kärntner Brettljause einen Konzertabend mit Volksliedern in beiden Landessprachen und mit kunstvollen, mitreißenden Musikstücken auf der Harmonika. Auch das Mitsingen durfte nicht fehlen. Eindrucksvolle Bilder von der vielfältigen Landschaft des Landes mit seinen Bergen, Hügeln und Seen sowie begleitende Worte zum besseren Verstehen der "Kärntner Seele" rundeten den Abend ab.

Die Mittel der Bruderschaft - Schatz für uns und die Kirche
Der folgende Tag war den "Mitteln der Bruderschaft" gewidmet. Was heißt das für die Fraternität und was für die Kirche, wo wir hingestellt sind und leben. Das hat sich als sehr anregend und fruchtbar erwiesen. Diese Mittel sind in ihrer Schlichtheit grundlegend und ein wahrer Schatz, um das Evangelium und so die Sendung der Kirche heute je mehr zu erfassen und zu leben. Die "Mittel der Bruderschaft" finden sich ebenso in den verschiedensten Zweigen der Geistlichen Familie von Charles de Foucauld. So hat die Begegnung mit der Geistlichen Familie diesen Tag gekrönt. In Kärnten gibt es seit sieben Jahren jeweils ein Treffen der Geistlichen Familie Anfang September in St. Margareten im Rosental, wo der derzeitige Österreichverantwortliche der Priestergemeinschaft, Janko Krištof, lebt. Hier treffen sich Mitglieder der Priestergemeinschaft, Kleine Schwestern sowie Männer, Frauen und Familien, die der Spiritualität von Bruder Karl sehr verbunden sind. Seit Jänner 2007 gibt es auch eine Laiengemeinschaft, die aus diesen Treffen hervor gewachsen ist.

Die Mittel der Bruderschaft - lebendiger Bestandteil des Treffens
Die Mittel der Bruderschaft haben auch unsere mitbrüderlichen Tage geprägt: Regelmäßiges sich Zeit nehmen, Entspannung, um ganz da sein zu können, gemeinsames Speisen, Erfahrungsaustausch, Lebensbetrachtung, gemeinsames Lesen der Heiligen Schrift, Feiern der Eucharistie sowie langes, schweigendes Gebet und Anbetung.

Der Wüstentag
Mehr im Bereich des Einzelnen angesiedelt ist der regelmäßige - die Wegweisung spricht vom monatlichen - Wüstentag. In manchen Fraternitäten halten sie diesen Tag auch gemeinsam oder merken sich den Tag der jeweiligen anderen Brüder vor, um ihnen da im Gebet nahe zu sein. Insgesamt ist dieser Tag von existenzieller Bedeutung. Es geht nicht um uns, unser Machen und unsere Sorgen. Es geht um Gott und seine Gegenwart, sein Wirken, sein Feuer in unserem Leben. Wenn wir ihn von ganzem Herzen suchen und lieben, wird uns alles andere gleichsam wie von selber dazu geschenkt - Gott weiß, wessen wir bedürfen. In der Wüste kann sich klären, worauf es ankommt. Wie Moses kann Gott selber uns läutern und neu in Dienst nehmen. Gurk, Wirkungsort der Hl. Hemma und Ursprungsort der Diözese Gurk/Klagenfurt, ist ein geistlicher Quellort für dieses Land. Er hat uns dafür seine Türen aufgemacht. Der gemeinsame Beginn und der Abschluss in der Krypta des Domes haben den Rahmen abgegeben, in dem jeder seinen persönlichen Raum finden konnte. Das gemeinsame Abendesse, die Fahrt zurück zum "Hauptquartier" in St. Peter im Rosental mit einem Kärntner Mitbruder als Buschaffeur wie der ruhige Ausklang dieses Tages waren wohltuend.

Was kann und soll von diesem Treffen aus weitergehen?
Der Tag vor dem Aufbruch nach Hause stand unter dem Zeichen der Reflexion und Konkretisierung sowie von Berichten von der Weltebene und der Neuwahl des nächsten Europaverantwortlichen.
Ein paar Punkte konkret:
> In den Rückmeldungen zeigte sich, dass es wichtig ist, die Spiritualität Charles de Foucaulds und die Mittel der Bruderschaft bekannter zu machen - zunächst einmal für uns selber und dann auch darüber hinaus für unsere Gemeinden, Gemeinschaften, für unsere Mitbrüder im priesterlichen Dienst. Es lohnt sich.
> Die Bemühung um Verbindlichkeit und Verbindung ist nötig, damit eine wahrhafte Verbundenheit wachsen kann, die nicht bloß vom Grundsatz des unmittelbaren Nutzens her lebt. Das gilt für die Fraternität, für die Fraternitäten untereinander, für die verschiedenen Gruppen der Geistlichen Familie wie für die verschiedensten Lebensfelder und -bezüge, in denen wir leben. Wie sehr leben wir "mitbrüderlich", verbindlich und verbindend? Wie sehr wecken wir unser Interesse füreinander?
> Die Anbetung und der Wüstentag sind nötiger denn je, auf dass die kontemplative Lebenshaltung und -führung, die Verbundenheit in Christus mit dem Nächsten nicht bloß ein Wort bleibt.
> Die Regional- und Nationaltreffen sowie die gemeinsamen Exerzitienzeiten tun gut daran, Anleihe zu nehmen am Tag der Bruderschaft wie an den übrigen Mitteln der Bruderschaft. Bereits gemachte Erfahrungen sind sehr positiv.
> Verbindungen hin zu Priestern und Gemeinschaften im Osten Europas wollen wir nicht aus dem Blick verlieren - sie haben beim Treffen gefehlt. Bestehende Kontakte wieder aufnehmen und neue knüpfen.
> Insbesondere das Nazarethmonat für Mitglieder und Interessierte am Leben der Priestergemeinschaft ist bewusst wieder anzubieten. Einige Termine sind bereits fix in Planung (Deutschland, Marokko). Bei aller Beengtheit, die der pastorale Alltag uns oftmals aufzuerlegen scheint, ist es umso wichtiger, die Fundamente in diese Richtung zu Stärken und es uns gegenseitig möglich zu machen, uns darin zu vertiefen. Der Segen der frei gegebenen Zeit kommt reichlich zurück.
> Es gibt auch kleinere Initiativen wie z. B. in Belgien das Wandern von Uniopriestern, Kleinen Schwestern und Laienmitgliedern mit Impulsen aus der Spiritualität Bruder Karls im Rucksack gemeinsam mit interessierten, insbesondere jüngeren Menschen.
Das Gleichnis vom Sauerteig scheint ein gutes Bild zu sein. Wo Menschen mit ihm in Berührung kommen, wirkt das in ihnen und durch sie weiter. Die gemeinsamen Tage wirken auch in mir und wohl in uns allen weiter.
Ein Dank an dieser Stelle dem bisherigen Europaverantwortlichen Eddy Laggae sowie der Fraternität von Kärnten mit dem Österreichverantwortlichen Janko Krištof für die gute Vorbereitung und Durchführung. Ein Danke den Slowenischen Schulschwestern, die sogar ihre Jahresexerzitien verlegt haben, um uns einen ganz tollen Rahmen für das Treffen zu bereiten. Ihre Gastfreundschaft, ihr Mittragen und Beten sind uns eine Kostbarkeit. Ein Danke und viel Gottes Segen auch Laurent Dognin aus Frankreich, der die Aufgabe des neuen Europaverantwortlichen angenommen hat. Ein Danke den Brüdern.
Der tiefe Wunsch nach dem Fruchtbarwerden der Spiritualität von Bruder Karl hat viel an Nahrung bekommen. Die weltweit anberaumte Relektüre der Wegweisung der Priestergemeinschaft für das nächste Jahr zahlt sich wohl auch darüber hinaus aus. Es ist noch vieles zu bergen, was jetzt schon Geschmack macht.
Mag. Michael G. Joham,
Pfarrer in Köttmannsdorf/Kotmara vas
Bruderschaft von Kärnten



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Osterrecollectio 2007, Regionen Süd, Ost und Österreich
Berichte von Teilnehmern



"Nach Ostern einfach nur mal raus…"
Spiritualität - Kultur - Geselligkeit / Osterrecollectio der Ostregion in Bad Kösen

Die Wochen der Fastenzeit und die Feier der Karwoche sind für die meisten von uns Priestern ebenso geistlich ermutigend wie auch anstrengend. Daher ist das Zitat der Überschrift ein typisches in der Ankommrunde "Wie geht's wie steht's?" Die Stimmung ist entspannt, das Wetter sonnig warm. Frohes Wiedersehen zwischen Ost und West. Fünfzehn Brüder hatten sich insgesamt auf den Weg gemacht. Sich loszueisen war nicht ganz leicht gewesen, zumal es im Vorfeld hieß, der erwartete kleine Bruder Andraes Knapp werde nicht kommen. Bei der gesungenen Ostervesper in der schlichten, aber in österlichem Schmuck strahlenden Kirche unweit des Konrad Martin- Hauses fanden wir zusammen. Begleiterin war dabei wie in allen folgenden Gottesdiensten eine von einer kleinen Schwester handgemalte Ikone Bruder Karls. Aus Leipzig kam Bruder Michael, Elektriker von Beruf. Er nutzte den Abend, um mit uns bekannt zu werden. Ich habe noch im Ohr, wie er die Veränderungen in der Arbeitswelt beschrieb: Sparmaßnahmen der Betriebe führten bei der einfachen Arbeit häufiger zu Arbeitsplatzbedingungen, wo der Einzelne fast ganz für sich arbeitet und das Prinzip der kleinen Schwestern und Brüder schwer lebbar ist. Am andern Morgen fand er mit seiner einladenden Art schnell Zugang zu unseren Herzen und ließ uns Bruder Karl, als von vielen markanten aber auch unscheinbaren Zeitgenossengeprägt, neu aufleuchten. Der Nachmittag führte uns weiter in die Tiefe: Bruder Michael stellte uns die spannende Aufgabe, Textzitate aus Bibel und christlicher Literatur den Autoren zuzuordnen, die alle im Leben Charles de Foucaulds eine Rolle gespielt hatten. In einer Diskussion um die Bedeutung von "Nazareth" im Leben von Bruder Karl und wie wir es verstehen, wurde unser Kreis sehr gesprächig. Dabei wurde deutlich, wie vielfältig und unterschiedlich der Impulssamen unseres geistlichen Gründers bei jedem Einzelnen aufgegangen ist. Den Abschluss unseres geistlichen Tages bildete die Beschäftigung mit einem Text von Johannes Chrysostomus in Kleingruppen und schließlich eine gemeinsame Bildbetrachtung der "Fußwaschung" bzw. "Salbung der Füße durch die Sünderin" von Sieger Köder. Der Donnerstag, beginnend mit der Eucharistiefeier, war ganz von der sehenswerten Kultur des Saale- Unstrut-Gebietes geprägt, eine sympathische, übrigens sehr an Franken erinnernde Landschaft. Wir begannen mit in Steinen gehauenen Bildern am Weinberg, besuchten das Schloss Neuenburg, berühmt durch die Hl. Elisabeth und eine romanische Doppelkapelle. Sie ist neben der Wartburg die bedeutendste Burg der Thüringer Landgrafen gewesen. Ein zünftiges Rittermahl im Burggewölbe brachte uns wieder zu neuen Kräften.Ostercollectio 2007 Wir brachen auf nach Freyburg/Unstrut mit seiner eindrucksvollen ev. Stadtkirche St. Marien, (in der spätromanische und gotische Bauteile zu einem überzeugenden Gesamteindruck verschmolzen sind.). danach wurden wir in charmanter Weise durch die Rotkäppchen-Sektkellerei geführt, die sich seit DDR-Zeiten zur größten deutschen Herstellerfirma gemausert und um die 700 Arbeitsplätze hat. Am Abend schaute Josef Freitag noch herein und ließ uns an seine Eindrücken vom Welttreffen der Familiengemeinschaften Charles de Foucaulds teilnehmen. Alle Erdteile waren vertreten und die Begegnung gründete konsequent auf vier Sprachen; eine besondere Art Pfingsterlebnis, wie mir schien. Der letzte gemeinsame Abend diente schließlich noch der Aussicht auf weitere Begegnungen und Ideensammlung zur nächsten Osterrecollectio. Mit vielen neuen Eindrücken starteten wir am Freitag wieder Richtung Ost bzw. West. Dank an Peter Herbst und alle Brüder, die in der Vorbereitung des Programms engagiert waren.
Uli Schmalstieg und Kuno Kohn


Osterrecollectio der Region Süd
9.-12.April 2007 im Haus Betanien (Velburg/Opf.)

Leider waren es diesmal nicht so viele (ca. 20), die sich im Haus Betanien (nicht am östl. Abhang des Ölberges an der Straße von Jerusalem nach Jericho, sondern am Abhang des Burgberges bei Velburg an der A3 Nürnberg-Regensburg) zur Osterrecollectio einfanden. Wir begannen wie immer mit einem halben Wüstentag. Viel von Wüste konnten wir beim Ausschwärmen in die phantastische Oberpfälzer Landschaft allerdings nicht spüren, denn das Wetter war traumhaft schön.
Wie immer erlebten wir ein gastfreundliches Haus. Dafür stehen Schwester Maria Regis und ihre Mitschwestern seit vielen Jahren. Nachdem der Referent, Prof. Ottmar Fuchs, kurzfristig abgesagt hatte, waren wir gefordert, uns selber einzubringen. Hermann Steinerts Vorschlag, uns zum Thema Eucharistie auszutauschen, löste in mir - ehrlich gesagt - kein gutes Gefühl aus. Ich befürchtete, dass das Treffen in eine Schlammschlacht ausarten könnte um die Frage, wer den rechten Glauben bzgl. Eucharistie habe und wer u.U. als Häretiker eingestuft werden würde (zu letzteren zählte ich mich selber). Aber das Treffen verlief gut, so wie ich die Priestergemeinschaft oft erlebt habe: als bereichernd für Leib und Seele durch das geschwisterliche Miteinander. Es wurden vielfältige Erfahrungen und auch theologische Positionen eingebracht, wir erlebten Gemeinschaft im Hören aufeinander, in der Anbetung und im Brechen des Brotes. Einige Blitzlichter aus den Gesprächen:
* Ich werde bei der Feier der Eucharistie in die Hingabe Jesu hineingenommen
* Repraesentatio Christi: ab der Kommunion tritt der Priester wieder in die Gemeinschaft zurück
* Nicht machen, herstellen und produzieren, sondern darstellen!
* Der Bund ist von Gott gestiftet, nicht wir machen es!
* "Wir empfangen Jesus in der Eucharistie nicht als Sache und Gabe, sondern als Person" (Thomas von Aquin).
* "Deus noch alegatur in sacramentis" (Thomas v. Aquin).d.h. Gottes Gegenwart ist nicht an die Sakramente gebunden, sondern reicht weit darüber hinaus. Er wendet sich auch denen zu, die nicht am Sakrament teilnehmen dürfen.
* Eucharistie ist Gipfel und Quelle, aber nicht im objektivistischen Sinn: wichtig ist die gläubige Haltung gegenüber diesem Geheimnis.
* Eucharistie kann auch Quelle von Schmerz sein, wenn sich unter den Mitfeiernden selbsternannte Inquisitoren befinden, die den Zelebranten argwöhnisch bzgl. seiner "liturgical correctness" beobachten.
* Wer ist würdig? Der Hunger hat… " Eucharistie als Nahrungsmittel stillt nicht nur den Hunger, sondern kann ihn u.U. sogar noch verstärken. Sie möchte einen tiefsitzenden, oft verschütteten Hunger erst freilegen.
* Eucharistie ist "remedium" für die Zerbrochenen.
* "Wir feiern, was uns fehlt."
* Angemessen feiern: Spirituell und theologisch.
* Eucharistie und Fußwaschung: der 2.Akt ist nach der Messe ("Fußwaschung")
* Die "Satisfaktionslehre" von Anselm von Canterbury war für eine bestimmte Zeit sinnvoll, ist aber für heute nicht hilfreich.
Als wertvollen Input empfand ich das Referat von Karl Graml, der Reflexionen Prof. Jürgen Werbicks (Münster) verarbeitete. Daraus ebenfalls einige "Blitzlichter":
* In der Bibel wird oft von Opfer geredet, doch daneben gibt es eine radikale Opferkritik.
* Jesus Christus ist Gottes Versöhnungsangebot in Person. Er trägt selbst die Last. Die Initiative geht von Gott aus.
* Jesu Kreuz ist das Mysterion der "Zugänglichkeit Gottes".
* Der Sühne- und Opfergedanke wird im NT aufgenommen, aber gleichzeitig entscheidend umgeprägt: Opfergabe ist die Selbsthingabe Jesu zur Versöhnung der Menschen mit Gott.
* Befreiung aus dem Sündenverhängnis geschieht im Sakrament und in der Diakonie.
* Eucharistie ist Sakrament des erlösenden Daseins Gottes in Jesus Christus und seinem Heiligen Geist mitten unter uns.
* Nicht der in Sünde geratene Mensch muss Gott durch ein unendlich wertvolles Opfer "genug tun" (vgl. Anselm von Canterbury), sondern Gott sucht von sich aus unsere Nähe, damit wir das Leben haben. Für Gott muss der Mensch nichts tun, sondern mit Gott: an seinem guten Willen teilnehmen, das von ihm Empfangene weitergeben.
* Micha 6,2b-8 fasst das Wesentliche gut zusammen: es geht um das Opfer unseres Daseins für die, die Not leiden, die auf uns angewiesen sind.
Sehr angerührt hat mich das Bekenntnis, das Karl am Schluss seiner Ausführungen abgelegt hat - und das ich (in kurzen Auszügen) an den Schluss meines Artikels setzen will:
"Gott will, dass das Leben jedes einzelnen Menschen blühe und in seiner Würde und Schönheit geschätzt werde. In Jesus erwies Gott seine Entschiedenheit, uns nicht verloren zu geben, auch wenn der Tod unser endliches Leben zerstört und die Sünde seine Menschlichkeit zersetzt. Jesus will Menschen gewinnen, die nicht an die Mächte des Todes, sondern an ihn und an Gottes befreiendes Dasein in der Welt glauben, die sich in Anspruch nehmen lassen, der Entwürdigung und Missachtung von Gottes guter Schöpfung zu widerstehen."
Ich möchte am Schluss noch mal Hermann Steinert und seinen beiden "Koadjutoren" Hermann Becker und Karl Feser danken für diese schönen Tage nach Ostern.
Bruno Fischer


Osterrecollectio der Österreicher


Am Palmsonntag trafen sich 26 Mitbrüder zur traditionellen Osterrecollectio im Apostolatshaus der Pallottiner auf dem Salzburger Mönchsberg. Prof. P. Hünermann konnte als Referent gewonnen werden und er zeichnete in 3 Impulsreferaten auf, wie sich der Wandel des Priesterbildes von Bruder Karl im Hebräer Brief wider spiegelt.
Bruder Karl tritt wegen der Priesterfrage aus dem Trappistenorden aus, der "Letzte Platz" als seine Berufung zu leben, ist ihm als Priester nicht mehr möglich. Die Entscheidung überlässt er trotzdem dem Generalabt der Trappisten. Als Hausknecht der Klarissen in Nazareth entdeckt er, dass die Feier der heiligen Messe und die Spendung der Sakramente der Demut nicht entgegen stehen. Auch das Priesterbild der französischen Kirche seiner Zeit, vor allem aber das Präsentmachen des Opfers Christi, beeinflussen seine Entscheidung. Ein weiteres Element kommt noch dazu: Er will zu den Ärmsten gehen, suchen, was verloren ist.
In Beni Abbes vollendet er die Klausurmauer nicht, bis zu 100 Besucher täglich sind keine Seltenheit. Bruder Karl wird zum Bruder aller Menschen. Er setzt immer neue Akzente, sein Gottesdienst und die Verbindung mit dem einmaligen Opfer Jesu treten immer mehr in den Vordergrund; dies ist im Hebr. Brief vorgezeichnet: Jesus ist der Sohn Gottes, ist durch Leiden zur Vollendung gelangt, übertrifft Mose, kann mit unserer Schwachheit mitfühlen, ist von Gott berufen, hat den Gehorsam gelernt, ist wie Bruder Karl auf seinen Tod zugegangen.
Wie sieht der hohepriesterliche Dienst Christi aus, welches Priestertum kommt Jesus zu? Er ist der Mittler eines besseren Bundes, ein neuer Zutritt zum Heil ist geschaffen, niemand ist ausgeschlossen. Bruder Karl ist bereit, diesen Dienst an den Menschen zu leisten.

Janko KristofBei dieser Recollectio übergab Gottfried Laireiter die Verantwortung an Janko (Johann) Kristof von der Kärntner Bruderschaft. Breiten Raum nahm auch die Vorbereitung des Europ. Ratstreffens im Juli in Kärnten ein, die Kärntner Bruderschaft und das Verantwortlichentreffen in Salzburg hatte dazu schon gute Vorarbeit geleistet. Bei der Anbetung am letzten Tag des Treffens erneuerten 7 Mitbrüder ihr Versprechen, 1 Mitbruder legte es für die Einführungszeit ab.
Anton Millner

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Jahrestreffen der Priestergemeinschaft Jesus Caritas, Dezember 2006 in Leutesdorf am Rhein
Berichte von Teilnehmern



Kleine Revision zu Leutesdorf 2006

1. Bericht
"Das Museum ist ein hervorragender Ort, um der postmodernen Suche nach Religiosität Raum zu bieten. Diese Auffassung vertritt der französische Priester und Psychoanalytiker Jean-Francois Noel (in "La Croix"). Der Mensch sei auf eigenartige Weise ein unheilbar religiöses Wesen. In einer Zeit, in der die Kirchen nicht den diffusen Transzendenz-Bedürfnissen der Menschen entsprechen, folgten viele "irgendeinem oder etwas, das über sie hinausgeht, sie verfolgt oder aus ihnen selbst kommt" (Regis Debray). Zum Beispiel ein Museumsbesuch. Noel beobachtet eine große Sehnsucht, "das Wahre sehen zu wollen", wie zuletzt bei der Schau von Paul Cezanne in Aix (im Musee Granet), die rund 400 000 Menschen anlockte. Wenn Menschen ein Gemälde bewundern, wenn sie sich mit viel Mühe und Zeit, in geduldigem Anstehen, in Ruhe und oftmals Schweigen in Farben und Formen vertiefen: "Muss man nicht anerkennen, dass es sich dabei um eine gewisse Art eines religiösen Ritus handelt, der Anbetung meint, indem er im Sehen das Göttliche wahrnimmt, ein kurzer Moment der Entschleierung für unsre geblendeten Augen?" In seinen Bildern berühre Cezanne einen Punkt außerhalb unserer selbst. Es sei die Kunst jedes Malers, mit Wagemut und Beharrlichkeit das Rätselhafte, das jeder Mensch in sich trägt, anzurühren, in auf den Weg der Kommunion, der Gemeinschaft mit anderen zu lenken, damit jede Trennung und Teilung unter uns überwunden werden kann. "Und ich bin sicher, dass unsre Seele jubelt, wenn sie sich durch solchen Genius berühren lässt. Aber die Malerei ist keine Religion - noch nicht!"

Dieser Artikel fand sich justament zu der Zeit im "Christ in der Gegenwart", als unser Jahrestreffen letztmalig in Leutesdorf über die Bühne ging. Am zweiten gemeinsamen Tag führte uns der Weg rheinabwärts nach Bonn, wo eine große Kunstausstellung mit "Klassikern der Moderne" noch bis Dreikönig ihre Pforten auftat. Mit uns 60 waren es an diesem Tag über 20 000 andere Besucher/innen, die die Zeit zwischen den Jahren zu einem Besuch dort nutzten.
Was mir nachgeht: Obwohl der Andrang so groß war, kam es doch nicht zu einer Geräuschkulisse wie in einem Kaufmarkt; bei allem Besucherinteresse herrschte eine Atmosphäre der Aufmerksamkeit, der Betrachtung, des konzentrierten Schauens, des Verweilens… Gut, hab ich mir gedacht, dass wir als kontemplative Leute bei der Kunst Verbündete haben: Lernorte, an denen es nicht wie sonst so oft im alltäglichen Geschehen um Kaufen und Verkaufen, um Berechnen und Abrechnen, um Leisten und etwas Erbringen geht, sondern ums Wahrnehmen, den Dingen und der Welt auf den Grund gehen.
Und ein Weiteres: Dass beim Sammeln und zur Schau stellen von Kunstobjekten und Meisterwerken dermaßen große Summen von Kapital im Spiel sind, dass da meist nur die oberen Zehntausend mithalten können. Und dass - auf der Publikumsseite - Bezieher von Arbeitslosengeld sich solche Ausstellungsbesuche wohl nur seltenst leisten können. Und das angesichts der Tatsache, dass die Kunstschaffenden zu ihren Lebzeiten oft selber kaum das Nötigste zum Leben hatten und ihre Arbeit, was den monetären Nutzen betraf, meist als "brotlose Kunst" apostrophiert und eingestuft wurde. (Na ja, denke ich mir, wenn es uns selber in unserem "spirituellen Künstlerdasein" womöglich auch so ergeht, dass trotz augenblicklicher meist nicht übergroßer Resonanz wenigstens in kommenden Zeiten unser Wirken als sinnvoll und hilfreich eingeschätzt wird…)
Tags zuvor hatte uns Katja Boehme in die Biographie und das Werk der Gottsucherin und passionierten Menschenfreundin Madeleine Delbrêl eingeführt; in akzentuierten Strichen ihrerseits und unserem brüderlichen Austausch zwischendrin entstand ein aussagekräftiges Bild einer Frau, die an der Seite der "kleinen Leute von der Straße" ihr Leben ganz auf die Karte des Evangeliums setzte. Mir kam dabei der Satz der Dichterin Zenta Maurina in den Sinn: "Das höchste Kunstwerk ist und bleibt der lebendige Mensch."
- Danke den Leitungstalenten, den Organisationskünstlern, den Liturgieexpressionisten in unseren eigenen Reihen für anregende Tage der Begegnung und des Austausches! Den Schwestern des Johannesbundes und ihren Mitarbeiter/innen, die schweren Herzens Ende März die Segel im Exerzitienhaus und im Mutterhaus ‚Johannesburg' streichen werden (die Herren Wirtschaftsprüfer haben wegen mangelnder Rentabilität einen Schnitt gesetzt; da wird die "Kunst der Gastfreundschaft" also jäh von den wirtschaftlichen Fakten ausgebremst!), wünschen wir "bonne chance" für ihren weiteren Weg - wie und wo auch immer.
Michael Kneißl, Neukirchen/Sulzbach-Rosenberg


2. Bericht

Besuch im Guggenheimmuseum
Kreuz aus Asphalt,
konzentrische Kreise,
pulsierende Wellen aus Pflanzen und Fahnen.
Du musst hindurch,
den Vorhof des Tempels
durchschreiten.
Säulen, geformter Stein,
gespiegelt, gebrochen im Glas der Fassaden.
ein Baum nur - Relikt des Lebens -
in Kunstgeschöpfter Wirklichkeit.
"Guck mal"
Menschenschlangen winden sich
in vierdimensionalem Raum.
Erhoben von der Erde
die Pforten kunstvoller Himmel,
Fensterblicke auf der Suche nach Dir.
Eingetaucht im Strom der Menschen
entschwimme ich dem Blick Deiner Farben.
Das Labyrinth des Lebens
endet auf dem Boden der Tatsache:
"earth to earth, ashes to ashes, dust to dust"
Du bist -
im Lachen des Kindes,
im Zeitungen sammelnden Obdachlosen,
tausendköpfiges Leben.
"Guck mal" Siehst du mich?
Martin Güttner


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9. Internationale Versammlung der Priestergemeinschaft Jesus Caritas in Sao Paulo, Brasilien vom 6. - 22. November 2006
Berichte von Teilnehmern



"In der Kraft des Geistes in unseren Kulturen und Kirchen das Zeugnis Bruder Karls wiederentdecken"

Ergebnisse im Telegrammstil:
Teilnehmer:
Kanada, USA, Mexiko, Dom. Rep. Chile, Brasilien, Argentinien, Ruanda, Madagaskar, Burkina Fas, Algerien, Spanien, Italien ,Malta, Frankreich, Belgien, Irland, England, Deutschland, Österreich, Philippinen
Fehlend:
Polen, Ungarn, Pakistan, Indien, Bangladesh

Berichte aus Ländern:
Kapitalistische Welt mit der Suche nach einer Option für die Armen
Und die Stimmen aus Afrika: Wir suchen keine Option wir die Armen- wir leben sie
Bericht Brasilien: Armut im Land.
Voller Hoffnung...Lateinamrk. Konferenz Mai 2007
Berichte Südeuropa: Migration
Bericht Deutschland:.Frauen in Priestergemeinschaft

Zukunftsthemen für die nächsten Jahre:
Nazarethmonat- Förderung dieses Urgrunds unserer Spiritualität
Wegweisung - eine Re-lektüre zur Verwurzelung unseres Leitbildes / unserer Wegweisung in unserem Leben

Zu neuen Verantwortlichen wurden gewählt:
1. Abraham Apolinario, Dom.Rep., Generalverantwortlicher
2. Jose Bizon, Brasilien
3. Richard Reiser, USA für Finanzen
4. Amand De Cock, Belgien für Kontakt zur Geistlichen Familie
5. Jacques Midi, Frankreich
6. Eddy Lagae, Belgien
7. Daniel Danielson, USA für Thema Nazarethmonat
Norbert Appel

Wer mehr erfahren möchte, kann hier den "Brief aus Brasilien", das Schlussdokument der Versammlung, anklicken


Bericht der deutschen Delegierten
Fast habe ich mich an die Kopfhörer gewöhnt. Ebenso an ein Sprachenwirrwarr, wie es in Babel gewesen sein muss. Damals gab es noch keine Simultan-Übersetzungsansagen, die von dem Brasilianer Videlson oder dem Iren Jim bedient werden und mir helfen, die Flut von französischen und portugiesischen Worten zu verstehen. Deutsche Sprache? Ist in der Konferenz nicht gefragt. Erst am Abend, wenn Ulrich und ich die Tradition eines deutschen Ecks aufgreifen und uns mit den Österreichern Janko und Michael und dem Deutsch-Belgier Helmut treffen, kann die Zunge befreit sich bewegen. Gleich in den ersten Tagen sorgte Uli für ein bei deutschen beliebtes Getränk. Die Gastgeber sind irritiert, bald wollen auch die Iren, Engländer u.v.a. dieses Gebräu zum Tagesausklang. Aber die Verbindung Bier und Deutschland bleibt an uns hängen. Hoffentlich bleibt auch noch anderes in Erinnerung.

Übersetzungen, Berichte, Zeugnisse.
Warum lassen wir uns das gefallen?
Jeder Bericht ist anders und hilft, wie einen Mosaikstein, die Welt von Jesus Caritas zu bauen. Die Welt konzentriert vereint , wo bekomme ich das sonst geboten? Innenansichten verschiedener Länder , wie kein Reiseführer sie bieten kann. Kennst du den Zusammenhang zwischen geographischer Lage eines Landes und der Länge eines Berichtes?
Unser Verantwortlicher Bernd, der bei der Anreise erkrankte und umkehrte, sandte als Vertreter des nördlichsten Landes den kürzesten Bericht, Irland und England schließen sich mit Kürze und Prägnanz an. Italiener, Spanier und Brasilianer können wie Politiker reden. Wenn Guiseppe nicht gerade eine Nickerchen hält wie jetzt, stellt er eine Frage zum Vortrag, die fast ein eigener Vortrag ist. Südländer.
In diesen und anderen Eigenarten uns anzunehmen, trotzdem zuzuhören, die völlig anderen Situationen zu besprechen, das ist das Wunder , das die Sprachwirren vergessen lässt.
Trotz der Größe der Versammlung, 34 ständige Teilnehmer aus 22 Ländern, bilden wir eine Bruderschaft.
Wer vereint uns? Charles de Foucauld? JESUS?
Der aus Deutschland stammende Geraldo, seit 40 Jahren in Brasilien , schärft unsere Nachfolge in der Spur von Charles de Foucauld als Nähe zu Jesus Christus. Gott hat in Jesus Christus die Armut gelebt wie kein anderer. Unser Bruder Karl hat das verstanden und hat diese Spur aufgenommen. Gemeinschaft spüren - am einfachsten gelingt dies bei der Eucharistischen Anbetung vor dem Mittagessen. Keiner quatscht, keiner übersetzt. Einer ist für alle da und wir in unserer unterschiedlichen Verantwortung für den EINEN.
Wenn das Liturgische Institut an den Eucharistiefeiern teilnähme, Eucharistiefeierstünden Eduard Nagels Nackenhaare senkrecht. Statt strafferer Vorschriften kommt das Leben mit individuellen Gebräuchen erfrischend daher. Ein Hauch von Weltkirche? Nein. Das ist Weltkirche in allen Phasen des Gottesdienstes und Fasern der Feiernden.
Beim Mittagessen, das jeden Tag mit brasilianischem Kaipirinja eröffnet wird, überlegen Edo von den Phillipinen, Richard aus den USA und Uli aus Deutschland, wie es wohl wäre, wenn wir ein Jahr zusammenleben müssten. Ist unsere Freundlichkeit dressiert auf 2 Wochen? Wann gäbe es den ersten Streit? Wann kämen wir ohne Übersetzer aus?

Die IX. Versammlung - ein Happening?
Den Armen nahe sein - viele Berichte sprechen dies Thema an. Wenn wir Europäer und Nordamerikaner über Armut reden und überlegen, wie wir diese Art der Nachfolge beschreiten können, ist das schön und gut. Als jedoch Evariste aus Burkina Faso sich meldet und sagt, wir reden nicht über Armut, wir leben sie, da verstummt unser Geschwätz. Noch stiller wird es im Raum, wenn Egide aus Ruanda erzählt, wie sie versuchen, Versöhnung zu leben. Und er ist voller Hoffnung, dass ein neuer Weg möglich ist.
Das deutsche Thema Laien in der Priestergemeinschaft löst etliche Nachfragen aus. Bericht der DeutschenOb sie richtig verstanden hätten, ob die Übersetzung korrekt gewesen sei. Nicht-Priester sind Mitglieder in der Priestergemeinschaft? Den meisten ist das unvorstellbar. Im folgenden werden die gleichen Argumente zum Stichwort Identität und existierende Laiengemeinschaften ausgetauscht wie in unserer Diskussion vor wenigen Monaten. Wieder sind es die Afrikaner, die überzeugend einfach erklären, wegen ihrer großen Entfernungen zueinander gäbe es auch Nicht-Priester in den Fraternitäten.
Das Charisma Bruder Karls - Wie wird es gelebt? Armut oder Anbetung? Der aus Deutschland stammende Geraldo bringt es klipp und klar auf den Punkt: Charles de Foucauld nachfolgen kann nur heißen Jesus Christus nachfolgen, mit den Armen , Schwachen und Kranken solidarisch sein und handeln für Gerechtigkeit und Frieden.
Bei den Besuchen am Wochenende in den Pfarreien Sao Paulos erhielten wir Tagungstiger endlich Bodenkontakt, d.h. Begegnungen mit Familien in Favelas( Holzhütten mit Welldach) oder Hochhäusern( 23 Stockwerke) und gastfreundlichen Pfarrern, unterbrachen unsere Tagungsmonokultur. Ulrichs und mein Gastgeber-Pfarrer Walter entführte uns nach den Gottesdiensten zum Hobby mancher Brasilianer: Grillen und viel Grillfleisch essen. Vorzeitig Nein-Sagen heißt die Gastfreundschaft ablehnen. Oh wie war ich satt. Völlerei?
Ulrich Herz und Norbert Appel

Wer mehr erfahren möchte, kann hier den "Brief aus Brasilien", das Schlussdokument der Versammlung, anklicken

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Rückblick auf die Sternwallfahrt nach Wissembourg und Straßburg zu den Stätten der Kindheit Charles de Foucaulds am 4. Juni 2005
Bericht eines Teilnehmers


Man wirkt Gutes nicht nach dem Maß dessen, was man sagt und tut, sondern nach dem Maß dessen, was man ist, …nach dem Maß, in dem Jesus in uns lebt.
Charles de Foucauld

Auch wenn eine Frau oder ein Mann schweigt, die Körperhaltung und die Bewegungen und die Augen sprechen für sich und offenbaren, wer oder wie einer ist. Charles de Foucauld schweigt uns an auf den Fotografien, die wir von ihm kennen, aber seine Augen, sein Gesicht… was ist mit diesem Menschen passiert, dass er uns so anschauen kann?
Auf der Einladung zur Sternwallfahrt nach Wissembourg/Weissenburg im Elsass, vorbereitet von Mitgliedern der geistlichen Familie Charles de Foucauld aus Freiburg und Mulhouse, da war Charles de Foucaulds und eben auch sein unverwechselbarer Blick abgebildet.
Es heißt, dass wir uns in den Gesichtern der Menschen erkennen, mit denen wir leben. Was aber, wenn einem Krankheit und Tod den vertrauten Blick in das Gesicht der Mutter oder des Vaters nehmen. Genau das war die Situation des Kindes Charles de Foucauld. Zu oft zeigte sich das Leben für Charles in der Maske des Todes.

Eine Reise, eine Wallfahrt an die Stätten der Kindheit jenes Mannes, der uns auf vielen Fotografien mit seinem unverwechselbaren Blick anschaut ist eine Reise in die Turbulenzen seiner Kindheit. Pfarrer Franz Georg Kast, vertraut seit vielen Jahren mit der Geschichte und den Orten begrüßt uns (die etwa 40 TeilnehmerInnen aus den umliegenden Regionen Deutschlands und Frankreichs) am Morgen in Wissembourg/Weissenburg vor dem Haus der ehemaligen Post am Anselmankai 2. Dort im zweiten Stock lebte die Familie de Foucauld für fünf Jahre von 1859 bis 1864. Hier wurde auch die Schwester Marie geboren und, wie in den adligen Familien üblich, sofort nach der Geburt getauft. Dieses Haus mussten er und Marie bald wieder verlassen. Zuerst starb entkräftet seine Mutter am 13. März, am 9. August dann der Vater. Er erkrankte und starb, die Befunde legen es nahe, an einer Entzündung des Gehirns. Schließlich erlebten die beiden Foucauld-Kinder im Herbst bei einem Spaziergang auch noch den Tod der Großmutter Clotilde de Foucauld. Das war das Jahr 1864.

Mit diesen biographischen Eindrücken beginnt unser Tag. Später steht unsere kleine Wallfahrergruppe hinter einer Glaswand im hinteren Kirchenschiff der Basilika, in die es Mdm. de Foucauld immer wieder mit dem kleinen Charles zog. Den Weg zur Statue der Maria "Trösterin der Betrübten" gehen wir nicht. In der Kirche wird gerade ein Verstorbener im Sarg aufgebahrt. Die ersten Trauergäste treffen bereits ein. Diese Kirche, die Basilika des ehemaligen Benediktinerklosters, ist nur einen Steinwurf entfernt von der Wohnung der Foucaulds. Hier in Weissenburg lernte Bruder Karl nach seinen eigenen Worten gehen und beten.

"Maria vom Gehör", die Mutter, die hört, so heißt die kleine Wallfahrt in Weiler, unserem nächsten Ziel an diesem Tag, drei Kilometer von Weissenburg entfernt. Betreut wird die Wallfahrt durch einen Kapuzinerpater. Eine Seele und ein Original: "Bisch ein guter Junge, ich seh's dir an" so sagt er einem Teilnehmer und gibt einen freundschaftlichen Backenstreich dazu. Da sind wir also wieder bei den Augen. ? Für die Wallfahrer gibt es jetzt erst einmal geistliche Einblicke und Gebet: Prof. Gisbert Greshake, Foucauld'sches Urgestein aus "Germaniker-Tagen" in Rom wählt drei Schwerpunkte aus dem geistlichen Werdegang Bruder Karls aus:
- "Kann man leiden und lieben, so kann man viel…"
- "Ich sehe mich mit Staunen vom kontemplativen zum Seelsorgsleben übergehen. Und zwar gegen meine Absicht, nur weil die Leute es brauchen."
- "Gott hat sich, um uns zu erlösen, unter uns gemischt, … So müssen auch wir uns unter die Menschen mischen."

Beim anschließenden gemeinsamen Mittagsmahl wird tatsächlich gemischt, Gespräche und Speisen über die Sprachgrenzen hinweg machen die Runde und wir genießen die Stärkung an Leib und Seele. Katharina Norda und Renate Schmidt-Weller, die treibenden und ordnenden Kräfte in der Vorbereitung und für den Ablauf des Tages, geben die wichtigsten Hinweise für den nächsten Treffpunkt. "16:00 Uhr am Straßburger Münster".

Hier in Straßburg wurde Charles geboren. Aber es gab schon einen vor ihm mit diesem Namen. Charles, der Erstgeborene der Familie de Foucauld starb und der zweite bekam erneut diesen Namen. Ersehnter Ersatz für den ersten Verlust? Begegnung mit dem Tod von Beginn an. Wir wirken nach dem Maß, was wir sind. Wie wird Bruder Karl die Frage nach dem "Wer bin ich" beantworten können? In Straßburg lebte er mit den Großeltern und seiner Schwester im Hotel Wangen, der Stadtresidenz der adeligen Verwandtschaft de Morlet und Foucauld. Die Lage der Gebäude und die Lage der Familie sowie die schulischen Leistungen in der nahe gelegenen kirchlichen Schule erläutert uns Pfarrer Michel Reeber aus Straßburg, ein Kenner der Materie und Fachmann für die Begegnung mit dem Islam aus eigener Erfahrung und durch seine Studien. Hier in Straßburg sorgen für die Durchführung unserer Begegnung Jean Marie Knibiehly und Denise Barasino und viele andere hinter den Kulissen.
GeburtshausAnschließend gehen wir zur Gedenktafel an der Place de Broglie. Dort stand das Geburtshaus Bruder Karls, dann zum Gebet in der Taufkapelle in St. Pierre-le-Jeune einer gotischen Simultankirche. An dieser Stelle erinnert GeburtshausMichel Reeber besonders an Abbé Huvelin. Kein zweiter hat wie er mitgeholfen dass aus den Fragmenten eines Lebens und eines Glaubens eine Einheit wachsen konnte, eine "Gottes-Anschauung" die ihn mit offenen Augen in der Welt wieder findet und liebt. Abschießend treffen wir zu einer Begegnung in der Moschee einen Vertreter der islamischen Gemeinde. In einem Nebenraum steht das Modell der geplanten großen Moschee. Die ebenso projektierten Gebäude für kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen wurden vom Straßburger Stadtrat wieder verboten.

Straßburg, eine Stadt in der sich vieles mischt. "Elsassische" Lebensart und französisches "savoir-vivre" und auch die großen Gruppen der Zuwanderer aus dem Magreb. Wir geraten "zufällig" in die Viertel, wo sie wohnen, weil wir uns "verfahren". Beim Besuch des Moschee-Modells wird uns klar, dass wir schon ganz richtig waren mit unserem Abstecher abseits des direkten Wegs. Auch Bruder Karl lernte eher die Nebenstraßen menschlicher Existenz kennen und auch die Sackgassen unserer Spezies, die er im Krieg 1870/71 in Straßburg erstmals zu spüren bekam. Der Großvater de Morlet, vor seiner Pensionierung Verantwortlicher für die Festung Straßburg, verließ nach der Kapitulation vor den preußischen und bayrischen Truppen gedemütigt die Heimat. Ein preußischer Offizier nahm damals beim ersten Angriffzur Erprobung seiner neuen Artelleriegeschütze die Straßburger Bibliothek ins Visier. Unzählige Handschriften und unwiederbringliche Buchausgaben verbrannten. Die Deutschen zeigten sich, so erlebte es Charles, als Barbaren. Gibt es irgendetwas was dem kleinen Charles nicht genommen wird? Im September 1870 musste er auch Frankreich hinter sich lassen und ging mit dem Großvater in die sichere Schweiz. Erst nach dem Friedensvertrag von Frankfurt im Mai 1871 kehrten sie nach Frankreich und zwar nach Nancy zurück.

Heute schauen sich Mitglieder der verschiedenen geistlichen Zweige aus Frankreich und Deutschland unbefangen ins Gesicht. Sie haben gemeinsame Themen: Die verschobene Seligsprechung und natürlich Europa und das französische "No" im Referendum zur Europäischen Verfassung. Gemeinsam besuchen wir die Vorabendmesse im "Straßburger Münster". Im Zentrum stehen drei Kernaussagen des ehemaligen Kardinal Ratzingers aus dem Requiem für Johannes Paul II. "Folge mir nach!". Auch in diesem Punkt eine überraschende Nähe von Deutschem und Französischem.

Am Altar werden die vielen Dienste in der Liturgie von Jungen und Mädchen, Männern und Frauen übernommen. Alle finden einen Platz und ihre jeweilige Rolle in dieser heiligen Stunde. Bruder Karl wird nach den schwierigen Jahren seiner Kindheit viele, viele Rollen spielen, am Gymnasium, in der Militärakademie, bei seiner Forschungsreise durch Marrokko. Manchmal traurig-ernst, manchmal frivol, manchmal komödiantisch. Aber nur hinter den vielen Masken, die er aufsetzt kann er zu seinem wahren Gesicht finden, kann er zu seiner Wahrheit finden, die er ohne große Worte durch seinen Blick, durch seine Persönlichkeit durchblicken lässt.

Man wirkt Gutes nicht nach dem Maß dessen, was man sagt und tut, sondern nach dem Maß dessen, was man ist, …nach dem Maß, in dem Jesus in uns lebt.
Charles de Foucauld

Wir haben an diesem Tag verstanden aus welchen Tiefen sich diese Überzeugung erheben musste. Aber sind es nicht dieselben Tiefen, in denen wir auf unerwartete Quellen stoßen. So war dieser Tag in doppeltem Sinn eine Wallfahrt zu den Quellen unserer Spiritualität.
Thomas Kirchmayer , Mitglied der Gemeinschaft Charles de Foucauld

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Rückblick auf den Weltjugendtag in Köln, August 2005
Berichte von Teilnehmern


1. "Rand"-Notizen zum WJT 2005


Der WJT kommt nach Deutschland und damit auch in die Gemeinden. WJT, was ist das, was soll das - interessiert mich nicht...
Erste Infopost, Gäste -kein Interesse in der Pfarrei;
Werbung machen (auch wenn man nicht dahinter steht); (k) ein -Team.
Erste Überraschung: es finden sich Gastfamilien
Besuch beim Infotag - Gäste sind ein Segen! Auch in der Gemeinde bildet sich ein kleines Team (ich stehe nicht mehr alleine da). Die Gemeinde wird genauer angeschaut, ein Programm erstellt.
Dann erste Zweifel, bekommen wir überhaupt Gäste? Kurz vor den Ferien die Gewißheit: wir gehen leer aus (auch gut!)
Besuch in meiner Heimatgemeinde: Hier sind Gäste aus Sibirien. Ich schließe mich den Angeboten an.
Jetzt: Enttäuschung, dass wir keine Gäste hatten. Es wäre ein einmaliges Erlebnis gewesen.
Am Wochenende Fahrt nach Köln. Wir werden herzlich empfangen, obwohl wir nur eine "Randgruppe" sind. Das Programm ist schon fast zu Ende. Mit der Ankunft in Köln beginnt der Pilgerweg (laufen, laufen, laufen) und die Suche nach Essen (glücklich, wer ein Essenpaket findet..). Ich denke an die Erzählung von der "Speisung der 5000". Es braucht offensichtlich Einen der austeilt, damit die anderen bereit sind zu teilen.
Aber auch das: Auf dem Weg zum Marienfeld und zurück: Menschen am Straßen"rand", die uns zuwinken, die Häuser geschmückt, Getränke und Kekse verschenken.
Auch den Papst erleben wir nur "am Rande" Er kommt von hinten auf das Marienfeld gefahren und wir sehen ihn nur über die Leinwand, leider.
Die Liturgie ist beindruckend in der Einfachheit und Klarheit der Symbole und Worte. Der Papst und seine Predigt kommen bei den Jugendlichen an.
Was nehme ich mit? Das Bild von einem offenen, fröhlichen, väterlichen Papst, der gute und klare Worte findet. Bestätigung, dass (christlicher ) Glaube in erster Linie Gemeinschaft braucht und ist. Freude am Glauben und darüber, wie unbeschwert junge Menschen dies zum Ausdruck bringen. Erleichterung, dass es trotz der vielen Menschen keine größeren Unfälle gab. Dankbarkeit gegenüber den ehrenamtlichen Helfern in Köln. Hoffnung,dass sich das finanzielle Großunternehmen nicht negativ auf die zukünftige Jugendarbeit in Deutschland auswirkt.
Renate Simon-Mathes, Gemeindereferentin, Mitglied der Fraternität Jesus Caritas


2. Weltjugendtag in Köln

Wie hierzulande jede und jeder weiß, beherbergt der Kölner Dom die Reliquien der Heiligen Drei Könige. Der Stern, der sie einst aus ihrem Land aufbrechen hat lassen, hat auch uns in Bewegung gesetzt: "Wir sind gekommen, um Ihn anzubeten!"
Unter den zigtausend Jugendlichen und Junggebliebenen waren auch 20 Kleine Schwestern aus Italien, Sri Lanka, Vietnam, Polen, Frankreich, Österreich, Deutschland, Spanien, Ungarn und aus den Niederlanden. Da lange Zeit nicht klar war, ob ein gemeinsames Projekt aller Gemeinschaften aus der geistlichen Familie in Deutschland von den Organisatoren des WJT angenommen würde, hatte ich (Marianne Bonzelet) mich der Gruppe der Kleinen Schwestern angeschlossen, denn immerhin ist Köln "meine Stadt" - auch nach 20 Jahren am Niederrhein habe ich immer noch meinen ersten Wohnsitz in Köln. Der tägliche Blick auf die Domtürme war wie "Balsam" für meine Seele (aber ich glaube, das können nur Kölner wirklich verstehen...!)
Außerdem hatte sich unserer Gruppe noch ein Mitglied der Union Sodalité aus Bayern angeschlossen.

ST GereonDie Stadt Köln atmete im Rhythmus des Gebetes. Es gab mehrere Geistliche Zentren. Wir waren an der Kirche St. Gereon, einer der schönsten romanischen Kirchen rund um den Kölner Dom. Das "Programm" in dieser Kirche wurde vom deutschen Zentrum für geistliche Berufe gestaltet unter dem Motto "Vocation - face to face".
Hier ging es nicht um "action". Ein einfaches Faltblatt, das in mehreren Sprachen auslag, führte die Besucher/innen zu verschiedensten Stationen in der Kirche (Pieta, Osterkerze, Taufbecken, Altar, Sarkophage des heiligen Gereon und seiner Gefährten, Tabernakel, Jesus Ikone, Krypta) und lud dort jeweils zum stillen Verweilen und zur Betrachtung des eigenen Lebens- und Glaubensweges ein sowie zur Begegnung mit Jesus Christus "face to face" - von Angesicht zu Angesicht.
Gemäß der zentralen Bedeutung, die Charles de Foucauld der eucharistischen Anbetung beigemessen hat, gestaltete unsere Gruppe in der ihr eigenen Schlichtheit die eucharistische Anbetung rund um die Uhr in der so schönen romanischen Krypta. Außerdem waren wir präsent auf dem Kirchplatz, wie auf einem Dorfplatz, um die Jugendlichen, die vorbeikamen, zu empfangen. Viele wollten einfach ein wenig ausruhen, manche suchten auch das Gespräch.
In der Oberkirche fanden die Stundengebete und die Eucharistiefeiern statt.
Die Anbetung war in der Stille der Vertrautheit mit Gott. Die Jesus Figur der Kleinen Schwestern streckte ihre Arme allen entgegen, die sich zum Gebet einfanden, und das waren nicht wenige!
Zahllose Jugendliche legten ihre niedergeschriebenen Bitten und Gebete in einen Korb zu Füßen des "kleinen Jesus".
Wir entschieden uns, hier an diesem Ort gegenwärtig zu sein wie in der Geburtsgrotte von Bethlehem - nicht weniger und nicht mehr. Allabendlich trafen wir uns als Gruppe zu einer gemeinsamen Gebetszeit in der Krypta, um dann auch einige der uns über Tag anvertrauten Fürbitten in den unterschiedlichsten Sprachen laut vor den Herrn zu bringen, begleitet von Liedrufen aus Taizé.

Im Gymnastikraum des Kindergartens präsentierten einige der Kleinen Schwestern ein Schatten- und Marionettentheaterspiel über Charles de Foucauld - eine Meditation auf der Grundlage von Briefen an seinen Freund Gabriel Tourdes. Sie spielten es 5-6 mal am Tag - auch wenn nur ein einziger Zuschauer da war - und auch dies natürlich in verschiedenen Sprachen. (Ich hoffe, wir haben auch beim Familientreffen in Bonn Gelegenheit, das Marionettenspiel zu erleben! Es lohnt sich!!!)

Leute aus der Pfarrei nahmen den größten Teil der Gruppe in ihre Wohnungen in unmittelbarer Nähe der Kirche auf. Jeden Morgen fanden sich Brötchen vor der Tür - auch das ist ein Element des Eucharistischen Geschehens.
Innerhalb unserer Gruppe durften wir Momente der Gnade und echter Geschwisterlichkeit leben. Danke.

Einen Vormittag habe ich in "meiner" Gemeinde verbracht, in der 500 französische behinderte und nicht-behinderte Jugendliche untergebracht waren. Sie hatten dort ihre Katechesen. Eher zufällig hatte ich erfahren, dass Jean Vanier, der Gründer der Arche-Gemeinschaft (Lebensgemeinschaft behinderter und nicht-behinderter Menschen) dort sprechen würde. Es reizte mich, ihn kennenzulernen.
Es war schon beeindruckend, meine alte Pfarrkirche so rappelvoll zu erleben und zugleich scheinbar die einzige deutsche Exotin dort zu sein. Die Katechese hielt der Bischof von Beauvais, selber Mitglied der Arche-Gemeinschaft. Er hatte eine sehr schöne Art, den Jugendlichen die Emmaus-Erzählung nahe zu bringen. Die Sprache war einfach und so auch für mich ohne große Anstrengung zu verstehen. Nach einer dreiviertel Stunde meinte er, selber genug geredet zu haben, und bat die Jugendlichen, ihm, dem Bischof zu sagen, was sie über diese Geschichte denken, welche Erfahrungen sie mit ihr gemacht haben. Er zog mit dem Mikro durch die Kirche, und etliche der Anwesenden gaben beeindruckende Glaubenszeugnisse ab - auch wenn ihnen das aufgrund ihrer Behinderung nicht immer leicht fiel.
Anschließend sprach Jean Vanier über die Fußwaschung - eine weitere dreiviertel Stunde zuhören.... Dann endlich kam ein wenig Bewegung ins Spiel. Fast schweigend gelang es den 500 Jugendlichen sich in kleine Gruppen von 10 bis 12 Personen aufzuteilen, sich mit Waschschüssel, einer Karaffe Wasser und einem Handtuch auszurüsten und sich in der Kirche, um die Kirche herum und im Pfarrgarten zu verteilen, um in meditativer Haltung und von Gebet begleitet einander die Füße zu waschen. Das war ein wirklich ganz tiefes Erlebnis.
Den Abschluss des Vormittags bildete die Eucharistiefeier - erneut mit einer langen Predigt. Jetzt wurde es mir allmählich zuviel! Aber die Jugendlichen hielten diesen Programmablauf schon den dritten Tag aus....

Im Gegensatz zu mir hat der Rest der "Anbetungs-Gruppe" die Reise zum Marienfeld gewagt. Bei mir meldete sich angesichts solcher Massenveranstaltungen mein "Eremitenseelchen", das mich den Heimweg nach Kempen wählen ließ.
Vom Marienfeld schreibt Kleine Schwester Veronica Myrijam: "In diesem Augenblick sitzen wir auf unseren "Betten" auf dem riesigen, mit einer riesigen Menge feiernder Jugendlicher bevölkerten Marienfeld. Sogar die Sonne ist gekommen, um zu sehen, wie schön das ist! Wir warten auf die Ankunft des Papstes Benedikts XVI. und wir sind weiterhin inmitten dieser Masse betend und geschwisterlich gegenwärtig."
Marianne Bonzelet, Mitglied der Gemeinschaft Charles de Foucauld

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Treffen der Geistlichen Familie Charles de Foucauld in Bonn/Venusberg, Dezember 2008
Bericht eines Teilnehmers


Impressionen aus Bonn; Mich berühren lassen..


Prof. März Irgendetwas hat mich bei dem Bonner Treffen tief berührt. Ich versuche, dem nachzuspüren.
Professor März mit seinen Impulsen zu dem "Gott der wandernden Völker" hat mich aufhorchen lassen.
> Berührt hat mich der Impuls von Prof. März zu Jesus: Er sendet seine Jünger aus. Sie sollen nichts auf den Weg mitnehmen. Sie sollen nicht vollgepackt mit geistigen und materiellen Gütern zu den Menschen gehen und diese in ihrer missionarischen Tätigkeit über die "Armen" ausschütten. Jesus macht seine JüngerInnen bettelarm und angewiesen auf die Gastfreundschaft und Großzügigkeit der Menschen, zu denen sie gesandt sind. Auf die Menschen, zu denen ich im Krankenhaus gehe, angewiesen sein? Welche Konsequenzen hätte es für eine Pfarrei, wenn die Kerngemeinde spüren würde, dass sie auf den Reichtum der Fernstehenden, v.a. auf die "Armen" angewiesen ist ???
Zu Jesu Mahlfeiern bemerkte Prof. März: Diese nehmen vorweg, was für gläubige Juden seiner Zeit eine ferne Zukunftsvision darstellte: das Mahl Gottes mit den Völkern und Heiden, bei dem niemand ausgeschlossen wird. Jesus hatte den Mut, im Hier und Jetzt diese von den Propheten erträumte Vision zu leben. Und provozierte damit den Konflikt.

> Paulus ließ sich von dieser Kühnheit Jesu anstecken und riskierte damit den Bruch mit den traditionell Gläubigen seines Volkes. Nach und nach offenbart sich ihm im Schauen auf Jesus der Gott, der sich herabneigt in unser Leben und unseren Tod. Dieses im Innersten Berührtwerden von diesem Gott brachte seine Weltanschauung als "eingefleischter" Pharisäer komplett durcheinander: Das Gesetz ist nicht mehr das Wichtigste. Was zählt ist: mich von der Liebe Gottes beschenken zu lassen.
In einem langen Wachstumsprozess wurde Paulus ein von Jesus und seiner Liebe Getroffener. Das Damaskuserlebnis ist also kein punktuelles Ereignis, sondern steht für einen jahrelangen existenziellen Verwandlungsprozess. Dieser im Herzen Berührte hat den Mut zur Revolution: er wagt die Tischgemeinschaft zwischen Juden und Heiden, baut Gemeinden in den Häusern auf, reißt die Mauern zwischen Juden und Heiden, Männern und Frauen, Reichen und Armen nieder, lässt die Diskriminierung der gesellschaftlich Verachteten nicht mehr zu.

> Der Impuls von Prof. März zu Johannes zielte darauf ab, in einer säkularisierten Umgebung Jesus neu zu meditieren- so wie es die johanneische Gemeinde in Palästina tat, als sie nach dem Jahr 70 aus der Synagoge ausgeschlossen worden war und sich der Worte und Taten Jesu sowie seiner lebendigen Gegenwart im Geist neu vergewissern wollte. Der Prolog (Joh 1), die Fußwaschung (Kap.13) und der reiche Fischfang (Kap.21) stehen beispielhaft für diese neue intensive Beschäftigung mit Jesus. Durch ein solches neues Meditieren im Sinne von "Schauen auf Jesus" (vgl. Joh 1, 39: "Kommt und seht!") kann auch in meiner säkularisierten Welt Jesus als lebendige Wirklichkeit aufleuchten. Voraussetzung dafür ist, dass ich mich auf die Suche mache (vgl. das erste Wort Jesu im Johannesevangelium Joh 1,38: "Was sucht ihr?").

ZuhörerNach den Impulsen von Prof. März teilten wir uns in Kleingruppen auf. Die Atmosphäre in meiner Gesprächsgruppe war von einem intensiven Aufeinander-Hören geprägt. Ich empfand dies als großes Geschenk. Dies löste in mir Ehrfurcht und Dankbarkeit aus. Mir liegt sogar das Wort von einer "Stunde der Gnade" auf den Lippen. Jeder Gesprächsbeitrag hätte eine Würdigung verdient.
Nur einige wenige "Blitzlichter" aus den Gruppengesprächen:
> Der Glaube ist kein "Depositum", das man konservieren bzw. "einwecken" kann. Er ist eher zu vergleichen mit einem Festessen. Die Speisen müssen gegessen und genossen werden, sonst verderben sie. Oder er ist wie klares Wasser: wer es festhalten will, dem zerrinnt es zwischen den Fingern. Seine erfrischende, reinigende, belebende Wirkung genießen, den Durst löschen - darum geht es.
> Es hängt alles davon ab, mich berühren zu lassen - wie Paulus. Im Schauen auf Jesus zeigte sich ihm der Gott, der sich in das menschliche Leben und den menschlichen Tod herabneigt. Dieses Erkennen warf ihn buchstäblich vom hohen Ross herunter.
> Das Geheimnis von Bruder Karl liegt genau in diesem "Berührtwerden": von der Güte seiner nächsten Angehörigen, von der Menschlichkeit seines geistlichen Begleiters Abbé Huvelin, von der tiefen Gläubigkeit der Muslime in Marokko, von der unerwarteten Hilfsbereitschaft und Zuwendung der Tuareg in Tamanrasset, als er totkrank darniederlag...- und in all diesen Erfahrungen von der unbegreiflichen Liebe Gottes angerührt zu werden.

Das Treffen in Bonn war ein Geschenk für mich. Danke an alle, die sich in der Vorbereitung und Durchführung engagiert haben!
Was mich berührt, kann ich nicht so gut in Worte bringen wie Christine Busta:

"Sich in der Hingabe bergen,
ins große Wagnis der Liebe.
Sich keine Sicherheit errechnen,
nur eine Gewissheit haben:
den Tod.
Vielleicht kann man so
das Leben
erfüllen."
(Christine Busta,
in: Der Atem des Wortes)

Bruno Fischer, Priestergemeinschaft Jesus Caritas, Krankenhausseelsorger

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