Neuland betreten im oben genannten Sinne haben wir als
Gemeinschaften Charles de Foucauld beim Katholikentag in Osnabrück mit der
Konzeptionierung und Gestaltung eines Podiums zum Thema "Maßlos schaffen
- ein Gewinn? / Maßstab Mensch oder Messlatte Wirtschaftswachstum.
Dass es eine gelungene Veranstaltung war sei vorweggenommen! Wir
bekamen ausgesprochen gute Rückmeldungen, z.B. von Frau Jutta Hinrichs,
die im ZdK das Referat für Wirtschaft und Soziales leitet. Sie gratulierte
uns zu unserer als "einmalig" erlebten Veranstaltung. Bei einer Saalbesetzung
von ca. 300 Personen allen Alters und beruflicher Herkunft schien unser Thema
zu interessieren. Wir brauchten dazu keine schriftliche Statistik zu erheben.
Thomas Kirchmayer hat vielmehr "spielerisch" erreicht, dass sich die Teilnehmer
und Teilnehmerinnen gegenseitig wahrnehmen und sich outen konnten, indem er ums
Aufstehen bat nach den folgenden Fragen:

- Wer unter
Ihnen ist als Chef / Chefin oder BetriebsinhaberIn da?
- Wer von Ihnen ist
Arbeiter / Arbeiterin?
- Wer von Ihnen ist Angestellter / Angestellte?
- Wer von Ihnen ist in der Familienarbeit tätig?
- Wer von Ihnen
ist sowohl in der Familienarbeit als auch im Erwerbsleben tätig?
- Wer
von Ihnen ist arbeitslos oder kennt Zeiten der Arbeitslosigkeit?
Das war
ein Einstieg, der alle Anwesenden gleich ans Thema heranholte!
Musisch /
kreative Elemente haben unserer Veranstaltung den richtigen Rahmen und Pep
verliehen. Mit Martin Güttner ließ ein weiteres Genie aus unseren
eigenen Reihen das ernste Thema "zauberhaft" aufscheinen.
Seine Idee von
der (un-)gerechten Verteilung der Güter brachte zum Sehen, zum Nachdenken
und natürlich auch zum Lachen. Das Publikum dankte es ihm mit begeistertem
Applaus! Die Band "einKlang" aus Aachen umrahmte unsere Veranstaltung mit zwei
passenden Musikstücken (u.a. mit dem Titel "Brot und Rosen" in Englisch)!
Am Gelingen der Podiumsdiskussion den größten Anteil
hatte unser Moderator Dr. Joachim Drumm! Mit Ruhe, persönlichem Charme und
Geschick in der Fragestellung leitete er das Gespräch und brachte in einer
kurzen Vorstellung auch den krankheitsbedingt fehlenden Dr. Deichmann mit ins
Boot.
Die PodiumsteilnehmerInnen hatten sich gut vorbereitet und vertraten
ihre Positionen klar und überzeugend. Über so manchen Punkt
hätte man leicht ausführlicher reden können - aber auch unsere
Veranstaltung hatte ihr "Maß" und so kamen vermutlich auch die Fragen und
Beiträge des Publikums nicht ganz zu ihrem Recht. Was wir erreicht haben,
war vor allem: die verschiedenen Positionen klarer zu kennen, den "Blick von
unten" zu schärfen, für Benachteiligte und christliche Werte die
Stimme zu erheben und nicht nur ohnmächtig zu schweigen.
Betroffen
machende Erfahrungen des arbeitslosen Ingenieurs, Michael Kramer, der als
50-jähriger nach der Schließung seiner Firma keine Chance auf einen
Platz im Erwerbsleben bekam. Er durchlitt eine lange Phase des
"Nicht-Gebrauchtwerdens", des "Sich-draußen-fühlens" und der
Depression. Durch kirchliche Initiativgruppen fand er zurück ins
gesellschaftliche Leben und zu einer sinnvollen Tätigkeit als
"ehrenamtlicher Lehrer".
Aufhorchen lassende Erfahrungen von Ruth
Koschel, die als zweifache Mutter in Vollzeit Familienarbeit leistet, sich
trotz aller Arbeit und Werterfahrungen "draußen" fühlt, weil ihr
diese Arbeit wenig Raum und Kraft für den Einsatz in Gesellschaft und im
erlernten Beruf lässt. Ganz zu schweigen vom finanziellen Rahmen, der bei
nur einem Verdienst zu eng ist. Dies galt auch für die Monate, als der
Vater die Erziehungsarbeit übernommen hatte.
Vehement vorgetragene Erfahrungen des Arbeiterpriesters
und Betriebsratsvorsitzenden Thomas Schmidt, der endlich existenzsichernde
Löhne für alle Beschäftigten forderte. "Bei den unteren
Lohngruppen ist am Ende des Geldes noch viel Monat übrig! Das treibt nicht
wenige Erwerbstätige in einen zweiten oder gar dritten Job!"
Vielschichtige Erfahrungen von Marie-Luise Dött als
Eigentümerin eines Goldschmiede-Handwerksbetriebes, als Vorsitzende des
Bundes Katholischer Unternehmer sowie als Mitglied eines parteipolitischen
Gremiums.
Integrierende Erfahrungen des Direktors des Deutschen
Caritasverbandes, Dr. Peter Neher, in der Rolle als Arbeitgeber einerseits und
als Stimme für jene, die in der Gesellschaft unter die Räder kommen,
am Rande stehen und ohne Chance bleiben.
Als Dank erhielten alle
PodiumsteilnehmerInnen ein sichtbares Zeichen: das kleine Jesuskind aus der
Tonwerkstatt der Kleinen Schwestern Jesu. Es waren mutige Menschen, die sich da
in die Öffentlichkeit wagten und ihre Position vertreten haben! An dieser
Stelle noch einmal herzlichen Dank!
Genau so mutig finde ich uns als
Verantwortliche, dass wir dieses "Neuland" zu betreten wagten. Ich danke allen,
die mitgetragen haben in der Ideenplanung, bei der Erstellung der Konzeption,
in der Findung von Namen und Kompetenzen für die Podiumsbesetzung, in der
Durchführung und Gestaltung sowie bei der Hotelreservierung!
Gemeinsam
sind wir stark. Das prägte auch unser Zusammensein an den Tagen in
Osnabrück. Wir waren immerhin neun Dauerteilnehmer. Zusätzlich
für den 23.5. reisten sechs weitere Mitglieder unserer Gemeinschaften an.
Ausblick
Eine Rückmeldung betraf unser Fehlen in der
Kirchenmeile. Wir sind vermisst worden als Geistliche Gemeinschaft mit unserem
spezifischen bodenständigen Profil! Was ziehen wir für Konsequenzen
für den / einen nächsten Kirchentag?
Margreth Gaissmaier, 1.
Vorsitzende des Vereins "Gemeinschaften Charles de Foucauld e.V."
2. Bericht
"Maßlos schaffen - ein Gewinn?"
Maßstab Mensch oder Messlatte Wirtschaftswachstum? Diesem aktuellen
Thema war auf dem Katholikentag in Osnabrück ein Podium gewidmet, für
das die Gemeinschaft Charles de Foucauld konzeptionell zuständig war. Der
große Hörsaal im Verfügungszentrum der Universität war gut
gefüllt, was manche der Verantwortlichen freudig überraschte. Und ich
selbst wäre wohl sicher nicht dabei gewesen, wenn ich nicht über die
Bruderschaft davon gehört hätte ...
Zunächst
begrüßte Dr. J. Drumm aus Stuttgart alle Teilnehmer und führte
kurz in das Thema ein. Thomas Kirchmayer brachte dann alle einander und auch
dem Thema persönlich näher, indem er dazu einlud, durch Aufstehen die
Zusammensetzung des Plenums sichtbar zu machen: Wer ist Priester? Wer hat eine
leitende Stellung? Wer ist Angestellter? Wer hat Erfahrungen mit
Arbeitslosigkeit? Wer arbeitet im Beruf und in der Erziehungsarbeit zugleich?
...
Im Anschluss ging es darum, sich mit Hilfe bestimmter Aussagen in
bestimmte Personen einzufühlen. Wie komme ich damit zurecht, wenn ich zB.
als Arbeitsloser sage: "Ich werden nicht gebraucht."; oder als Arbeitgeber:
"Wenn ich nicht mithalte, dann bin ich weg vom Fenster; und mit mir die ganze
Belegschaft!"; oder als Arbeitnehmer: "Was nützt es mir, wenn ich zwar
viel arbeite, aber der Lohn reicht ja doch nicht aus für das
Lebensnotwendige?" ...
Auf das Thema nun auch innerlich gut eingestellt,
folgte die Vorstellung der Podiumsgäste. Dazu waren Katholiken aus den
verschiedensten Verantwortungsbereichen eingeladen worden: Frau Marie-Luise
Dött MdB, Vorsitzende des BKU aus Köln; Ruth Koschel, Bäckerin
und früher Wandergesellin aus Belzig, Michael Kramer,
Selbsthilfe-Initiative Sommerakademie Frankfurt/M; Prälat Dr. Peter Neher,
Präsident des Deutschen Caritasverbandes aus Freiburg und Thomas Schmidt,
Arbeiterpriester und Betriebsratsvorsitzender aus Frankfurt /M.
Bei ihrer
näheren Vorstellung durch Dr. Drumm wurde der eine oder andere wichtige
grundsätzliche Standpunkt erfragt oder erwähnt, so dass alle sich
einen ersten Überblick verschaffen konnten. Auch Herr Dr. Heinz-Horst
Deichmann, Unternehmer aus Essen, der krankheitsbedingt nicht teilnehmen
konnte, wurde bei dieser Vorstellung nicht vergessen.
"Maßstab Mensch
oder Messlatte Wirtschaftswachstum?" Teilweise wurde dazu sehr kontrovers und
engagiert diskutiert. Stand für die einen das Fragezeichen zu Recht hinter
dem Thema, sahen es andere als nicht angebracht an, bezöge sich doch
beides aufeinander und bräuchte sich gegenseitig.
Ohne den genauen
Verlauf wiedergeben zu können, geht mir doch so manche angesprochene Frage
noch nach: Warum finden Arbeitssuchende ab einem bestimmten Alter fast keine
Arbeit mehr? Wie kann das geändert werden? Warum stehen oft nur die
großen Unternehmen mit ihren Problemen im Mittelpunkt und dabei werden
die vielen gut funktionierenden mittelständischen Unternehmen
übersehen? Immerhin machen diese 90% aller Betriebe aus und
beschäftigen immerhin 60% der arbeitenden Bevölkerung. Soll zB. der
Mindestlohn eingeführt werden mit dem Risiko, dass er dann bald vom Markt
als Normallohn angesehen und festgelegt wird? Und geht das dann nicht auf
Kosten der Einrichtungen und Betriebe, die sich für eine
qualitätvolle Arbeit verantwortlich fühlen, aber diese Arbeit bei den
niedrigen Löhnen dann nicht mehr bezahlen könnten? Ist es in Ordnung,
wenn jemand zwar in Vollzeit arbeitet, aber seine Arbeit so wenig entlohnt
wird, dass er von staatlicher Seite eine Unterstützung beantragen muss?
Ist es nicht eine untragbare Belastung für die Familien, wenn die
Arbeitnehmer in mehreren Arbeitsverhältnissen das nötige Geld
verdienen müssen? Lassen sich Wettbewerb und Barmherzigkeit miteinander
vereinbaren oder schließen sie sich gegenseitig aus? Oder steht man nicht
gerade in der Verantwortung für eine tätige effektive Barmherzigkeit,
die sich dem Wettbewerb stellen muss?
Eine sehr einprägsame und
auflockernde Unterbrechung bei diesen Fragen war die Geschichte, die Martin
Güttner als Zauberer über das kleine Geld des kleinen armen
"Schluckers" erzählte, das immer weiter gereicht wird und sich dabei
vermehrt. Zauberhaft anschaulich wurde es durch die besondere Milch, die sich
beim Schütten vom kleineren in den nächstgrößeren Becher
geheimnisvoll vermehrte. So landete das wenige Geld des kleinen Mannes
schließlich als Eigentum einer großen Bank in Liechtenstein. Doch
soll der kleine Mann wirklich leer ausgehen? Sollen nur die Großen alles
abfassen? Nein! Und so ging die Geschichte weiter, lebendig in rheinischem
Dialekt vorgetragen. Die Milch wurde dabei nach und nach wieder zurück
geschüttet. Doch was für eine Überraschung: in jedem Becher war
am Ende ausreichend genug, keiner ging leer aus! Sogar die "Heuschrecken"
bekamen etwas. Das ist die "zauberhafte" Botschaft vom Reich Gottes, die unsere
Welt zum Guten verändern kann. Diese Sehnsucht nach so einer Unterbrechung
mitten in unserer Welt sprach wohl den meisten aus dem Herzen; eine
gelöste Atmosphäre breitete sich spürbar im Saal aus.
Doch
im wirklichen Leben lässt sich das nicht so leicht und schnell
herbeizaubern. Wie mühsam es ist, wurde durch die sich anschließende
Frage-u. Gesprächsrunde deutlich.
Bei mir selbst sind am Ende fast
mehr Fragen als Antworten geblieben. Doch bleibt für mich der wichtige
Hinweis, die Vorgänge in der Arbeitswelt aufmerksamer wahrzunehmen. Es
bleibt aber auch die Feststellung, dass Christsein nicht gleichbedeutend ist
mit ein und derselben Meinung und Einstellung. Welcher Weg ist wirklich der
richtige? Welche Entscheidung ist wirklich allen dienlich? Gerade angesichts
der Vielfalt der Meinungen ist ein ständiges Ringen und ein
kontinuierlicher Dialog für dieses Ziel nötig.
Am Ende machte
jeder Podiumsgast deutlich, dass er auf seinem Platz, auf seine Weise und in
seiner Verantwortung mithelfen wolle, die Bedingungen für eine dem
Menschen dienliche Arbeitswelt zu stärken, zu verbessern und zu
verändern. Dafür stehe für alle bei allen bestehenden
Unterschieden, so Dr. Drumm abschließend, das Evangelium als eine
unverzichtbare Hilfe und wertvolle Orientierung bereit.
Als Zeichen dafür, dass keiner leer ausgehen soll, konnte
man beim Hinausgehen Brot und Weintrauben miteinander teilen, die von
Mitgliedern der Familie Charles de Foucauld in kleinen Körben angeboten
wurden.
Ulrich Winter, Mitglied der Priestergemeinschaft Jesus
Caritas
3. Bericht
Du führst uns hinaus ins Weite -
Katholikentag Osnabrück
Ist das nicht ein Gegensatz: "Mitten in
der Welt" und jetzt "hinaus ins Weite"? Nein, es sind die zwei Seiten derselben
Münze. Mitten im Alltag reifte die Idee, in der Rolle eines Obdachlosen
während unserer Podiumsdiskussion auf dem Katholikentag aufzutreten, um so
den Blick der Menschen von unten auf unser Wirtschaften zu richten. Lange hat
es gedauert bis aus der guten Idee eine darstellbare Person wurde, die dann
auch noch mit wenigen Worten komplexe Zusammenhänge deutlich machen
sollte, denn viel Zeit hatte ich für meinen Zauberauftritt nicht zur
Verfügung.
Noch schwieriger gestaltete sich die Suche nach
Möglichkeiten, das was ich sagen wollte auch noch bild- und zauberhaft in
Szene zu setzen und die notwendigen Requisiten zu fertigen. Meine Küche
wurde zur Holzwerkstatt. Tagelang musste ich über Bohrmaschine und
Säge, über Bretter, Werkzeug und Schrauben steigen, um Brot und Tee
zu bereiten, meine Tagesverpflegung auf den Baustellen. Und doch rückte
der Tag X immer näher.
Und dann war es soweit: Norbert, Bernd und
Hildegard holten mich morgens ab für den Weg ins Weite. Eine Stunde, mehr
war es nicht, die Fahrt nach Osnabrück, dann schon im Eingang der Uni
bekannte Gesichter, ich versuche meinen Auftritt zu verdrängen, doch die
Spannung steigt. Es reicht im Raum, in den wir geführt werden nur noch
für kurze Wortwechsel, bohrender sind die Fragen: Hast du an alles
gedacht, genug geübt, den Text wirklich auswendig gelernt?
Dann letzte
Absprachen mit unserem Moderator, Herrn Dr. Drumm: "3 Minuten habe ich für
Sie eingeplant". "8 bis 10 Minuten brauche ich", war meine Antwort und im
Stillen denke ich: das war's dann. Margret macht mir Mut, "das ist unsere
Veranstaltung" sagt sie. Ich ziehe mich um und setze mich dann mit meinem
Koffer hinten in den Saal.
300 Leute, vor so vielen habe ich noch nie
gezaubert. Der Einstieg von Thomas wirkt auf mich beruhigend, mit seinem Charme
und in seiner liebenswürdigen Art schafft er es, das Publikum für das
Thema zu öffnen, kaum einer, der während der Diskussion den Saal
verlässt.
Dann die
Publikumsfragen, Schritt für Schritt nähere ich mich der Bühne:
"Hörma, da kommse richtig ausse Puste, woll!" und so fühl ich mich
auch, doch dann merke ich, dass ich verstanden werde, dass meine Botschaft
ankommt. Das Publikum lacht, ein befreiendes Lachen nach der angespannten
Diskussion und Applaus.
Nach meinem Auftritt falle ich Norbert um den Hals:
Er führt uns hinaus ins Weite, aus der Enge unserer Ängste in die
wohlwollende Zustimmung des Publikums.
Ich bringe mit den Anderen den
Koffer zum Wagen und gehe dann zur Deutschen Bank, denn auch die Ordensleute
für den Frieden, bei denen ich auch Mitglied bin, sind in Osnabrück.
An Fronleichnam haben sie nachmittags die etwas andere Fronleichnamsprozession
durch Osnabrück geführt, unter einem Baldachin getragen von den
Säulen unserer Gesellschaft (Politik, Wirtschaft, Militär und Kirche)
wird ein strahlenumkränztes Eurozeichen getragen, davor ein Transparent:
"Ja zum Brot des Lebens - Nein zum Götzen Kapital!" Stationen an der
Deutschen Bank, dem Dom, dem Rathaus, der Spielbank und zum Abschluss eine
Agapefeier, Essen mit Arbeits- und Obdachlosen bei Schwestern in einer
Armenküche.
Heute sind einige der Initiative in die Deutsche Bank
gegangen, drei haben sich als Leichen hingelegt und mit Blut übergossen,
daneben ein Transparent: "Der Kapitalismus geht über Leichen". Ich komme
gerade dazu, wie die Polizei die drei "blutverschmierten Leichen" aus der Bank
führt. Die Drei bekommen Demonstrationsverbot während des
Katholikentages.
Nach der Mahnwache gehen wir gemeinsam etwas essen. Dann
muss ich mich auch schon verabschieden, ich wollte noch bei der
franziskanischen Gemeinschaft vorbeischauen. Dort treffe ich Lydia, sie ist
Regionalverantwortliche, wir kennen uns seit dem Tag der geistlichen
Gemeinschaften in Essen. Um 18.00 Uhr nehme ich am Abendlob der
interfranziskanischen Arbeitsgemeinschaft teil, es ist ein kleiner Kreis, der
sich da in der Heilig Kreuz Kirche um den Altar versammelt hat, aber eine
Gemeinschaft, die unserer Spiritualtität nicht fremd ist und die wie wir
versuchen, das "Mitten in der Welt", aber nicht "von dieser Welt" zu leben.
Martin Güttner, Verantwortlicher der Gemeinschaft Charles de
Foucauld und Zauberer
Vom 14. bis zum 22. April 2007 hat dieses Jahr die Generalversammlung
der geistlichen Familie Charles de Foucauld in Tamanrasset statt gefunden. Es
waren schon mehr als 50 Jahre verstrichen seitdem die Association der
geistlichen Familie 1955 in Beni-Abbès gegründet worden war und der
Bischof der Sahara Claude Rault hatte uns bei der Seligsprechung von Bruder
Karl in Rom eingeladen, die Generalversammlung diesmal wieder in Algerien und
zwar in Tamanrasset abzuhalten. Alle Teilnehmer hatten diese Einladung freudig
angenommen und es sollte eine Pilgerfahrt auf den Spuren von Charles de
Foucauld werden, dort wo er die letzten 11 Jahre seines Lebens verbracht hatte
und auch seinen Tod erlitt. Zudem kannten die meisten Verantwortlichen und
Leiter der verschiedenen Gemeinschaften Tamanrasset nicht , so war diese
Versammlung für alle von großer Bedeutung.
Ich hatte das
Glück, daran teilnehmen zu können, da unsere Generalverantwortliche
Kleine Schwester Marie Christine Lacroix unter anderem aus gesundheitlichen
Gründen nicht abkömmlich war. Als wir allerdings mit viel Freude und
Enthusiasmus die Einladung nach Tamanrasset zu fahren, angenommen haben, waren
wir uns nicht bewusst, was das für das Equipe der Vorbereitung bedeutete,
solch eine Reise für eine so internationale und verschiedenartige Gruppe,
die wir sind, zu organisieren , wo keiner von uns die Orte und Umstände
kannte. Doch mit der tatkräftigen Hilfe von Antoine Chatelard vor Ort
haben wir es geschafft und 14 verschiedene Gruppen haben an der Pilgerfahrt
teilnehmen können.
¢ Isabel Lara Jaen, Kl. Schwester vom
Heiligsten Herzen
¢ Marc Hayet, Kl. Bruder von Jesus
¢
Raymonde Andrée, Kl. Schwester von Jesus
¢ Amand De Cock,
Priestergemeinschaft Jesus Caritas
¢ Elisabeth de La
Taille-Trétinville, Gemeinschaft Jesus Caritas
¢ Antoinette
Roberti, Gemeinschaft Charles de Foucauld
¢ Georges Gouraud, Kl.
Bruder vom Evangelium
¢ Roswitha von Oppenkowski, Kl.Schwester vom
Evangelium
¢ Magda Smet, Kl. Schwester von Nazareth
¢ Joan
Figuerola, Comunitat de Jesus
¢ Francklin Armand, Kl . Bruder von der
Menschwerdung
¢ Emmanuelle Victor, Kl. Schwester von der Menschwerdung
¢ Gilles Laberge, Kl. Bruder vom Kreuz
¢ Tran Minh Cuong,
(Jean Baptiste) Missionar vom Diener Jesus
Wir haben es sehr bedauert,
dass Geneviève Gbenou, Kl. Schwester vom Herzen Jesus, Bangui und Ana
Maria Marabotto, Fraternität Charles de Foucauld ihr Visum für
Algerien nicht rechtzeitig bekommen haben und deshalb nicht an unserem Treffen
haben teilnehmen können; desgleichen Marguerite Garde und Henry de Ruffray
von der Gruppe Charles de Foucauld aus gesundheitlichen Gründen; Jean
François Six, Union Sodalitat Charles de Foucauld und Piero
Comunità Jesus Caritas, Foligno fehlten ebenfalls.
Es sind fast
100 Jahre vergangen seit Charles de Foucauld in Tamanrasset gelebt hat. Er
schrieb: "Ich habe Tamanrasset gewählt, ein kleines Dorf....abseits von
allen wichtigen Zentren...ich habe diesen verlassenen Ort gewählt und
lasse mich dort nieder." Carnets de Tamanrasset 11. August
1905
Jedoch welch ein Wandel in 100 Jahren! Heute ist es eine
ansehnliche Stadt, mitten in einer großen Steinwüste, am Fuß
des Hoggar Gebirges, florierend und vom Tourismus geprägt. Von April an
geht die Saison zu Ende, da die große Hitze beginnt, aber dennoch gab es
mehrere direkte Flüge von Paris, von Marseille und von Algier nach
Tamanrasset. Die Schönheit der Natur ist außerordentlich; von der
Terrasse unseres Campingplatzes konnten wir schon einen Teil des Hoggar
Gebirges bewundern und den Assekrem von weitem erahnen. So konnten wir nicht
widerstehen und haben sogar einmal auf der Terrasse den Gottesdienst gefeiert,
der mit einem herrlichen Sonnenuntergang zu Ende ging.
Das Thema unseres
Treffens war von den einzelnen Gruppen vorbereitet und vertieft worden: "Unsere
Erfahrung des Zusammenlebens mit Muslimen und die sich daraus ergebenden
Herausforderungen." In kleinen Gruppen tauschten wir darüber aus. Antoine
Chatelard sprach dann über das Thema " Charles de Foucauld und die
Muslime". Wir hätten ihm noch länger zuhören können, denn
er sprach aus der Fülle seines Herzens und mit großer Kenntnis und
zitierte sogar aus noch unveröffentlichten Briefen. Claude Rault teilte
seine lange Erfahrung des islamisch-christlichen Dialogs mit, denn seine
Diözese besteht hauptsächlich aus Muslimen. Einige von ihnen
bezeugten uns ihre Bewunderung für Charles de Foucauld als universeller
Bruder und als Mensch überhaupt. Tatsächlich scheint es, dass mehrere
Leute aus Algerien anfangen, die Figur Charles de Foucauld zu entdecken und
verschiedene Aspekte seiner Personalität wie z. B. seine Sprachleistung zu
schätzen. Antoine erzählte von mehreren Beispielen, eine erfreuliche
Entwicklung!
Zu den internen Angelegenheiten der Versammlung gehört
jedes Mal über die neuen Gruppen, die entstehen und die sich auf die
Spiritualität von Charles de Foucauld berufen, zu debattieren, ob sie in
die Association der geistlichen Familie aufgenommen werden können oder
sollen. Diesmal sind die "Discepole del Vangelo", die nahe bei Treviso in
Italien wohnen, aufgenommen worden und mit diesem Zweig sind es nun 20 Gruppen,
die offiziell zur Association gehören. Es gibt natürlich viele andere
Gruppen, die sich auf diese Spiritualität berufen und es ist nicht
nötig, dass alle in die Association eintreten.
Die Fahrt nach Tam
war als Pilgerfahrt auf den Spuren Charles de Foucauld gedacht und wenn die
Zeit auch kurz war, so haben wir die Frégatte, den Bordj und den
Assekrem besuchen können, Orte, die für uns viel bedeuten, da Bruder
Karl dort gelebt hat. Die Frégatte liegt sehr nahe bei der
Fraternität der Schwestern vom Heiligsten Herzen. Sie ist langgestreckt
und nur 1,75 m breit, da das verwendete Material, der Reisig vor allem,
für das Dach nicht länger war. Dort hat Bruder Karl von 1905 - 1916
gelebt. Wir haben lange beten können und auch die Messe zusammen feiern
können.
Der Bordj, wo Charles de Foucauld die letzten 5 Monate gelebt
hat und erschossen wurde, beeindruckt sehr durch seine große Anlage und
seine Höhe. Im Innenhof sieht man den Rest eines Brunnens. Rania, die am
Vorabend der Feier der Seligsprechung in Tre Fontane gesprochen hatte,
erklärte uns als gute Touristenführerin mit viel Geschick alle
Einzelheiten dieser Konstruktion. Man kann die Treppen hochsteigen und hat eine
gute Aussicht über die ganze Stadt und Umgebung! Aber wie sehr hat sich
diese Umgebung seit seinem Tod verändert! Wenn früher der Bordj die
ganze Wüstenebene beherrschte, so ist er heute ein Gebäude unter
vielen anderen und mit Mauern umgeben.
Donnerstag und Freitag waren
für den Aufstieg zum Assekrem vorgesehen, per Auto wegen der kurzen Zeit;
das letzte Stück der 2780 m aber zu Fuß. Welch herrlicher Ausblick
auf die Spitzen der so bizarren Hoggar Berge, so weit das Auge reicht. Nachdem
wir eine lange Zeit die Landschaft betrachtet hatten, und im Assekrem gebetet
hatten, feierten wir dort die heilige Messe und gedachten der ganzen
geistlichen Familie! Sonnenuntergang und am nächsten Morgen der
Sonnenaufgang hinterließen Eindrücke in mir, die schwer zu
beschreiben sind! Die muss man erlebt haben!
Mehrmals vor Ort hatten wir
die Gelegenheit, die Brüder von Jesus sei es diejenigen vom Assekrem wie
auch die von Tamanrasset und auch die dort wohnenden Schwestern vom heiligsten
Herzen zu treffen und uns mit ihnen auszutauschen. Sie halten das
Gedächtnis an die Inspiration und das Lebenszeugnis von Charles de
Foucauld aufrecht.
Diese Fahrt hat in mir den Wunsch geweckt, nach
Tamanrasset zurückzukehren und dort eine lange Zeit der Stille zu leben.
Das empfehle ich jedem!
Roswitha von Oppenkowski, Kl. Sr. vom Evangelium
Im Januar, als eine Verschiebung der Seligsprechung von Charles
de Foucauld noch nicht abzusehen war, hatten Xavier, Gotthard und ich das
Wochenende vor Allerheiligen für meine Ewigen Gelübde ins Auge
gefasst und dabei blieb es auch.
Einige Brüder rieten zu
Görlitz, den Ort meiner Taufe, und so kam es dann auch: Herzlich Dank
sagen möchte ich für die herzliche An/Teilnahme aus den Reihen der
CdF-Familie,
für Bernhard Piniek und Thomas Kirchmayer von der
Gemeinschaft Charles de Foucauld
ebenso wie für die Anwesenheit von
Kleiner Bruder Jesu Markus aus Duisburg, von Kleine Schwester Jesu Ulrike aus
Halle, sowie Kleine Schwester Jesu Maria Walburg aus Berlin und Regina Steinle,
die mich einst - lang ist's her - an die Kleinen Brüder vom Evangelium in
der Leunastrasse in Frankfurt verwiesen hatte. Wenn mir auch die Vorbereitungen
(parallel zur Herbergssuche in Ostdeutschland
) ein bisschen über
den Kopf gewachsen sind, freue ich mich doch sehr, wie durch vielfältige
Mitwirkung eine würdige Feier und vielfältige Begegnungen
herausgekommen sind.
Michael Schilling
Am Nachmittag des 30. Oktobers 2005 versammelten sich in der
Heilig-Kreuz-Kirche in Görlitz die Menschen zu einem
besonderen
Gottesdienst, in dem Kleiner Bruder Michael Schilling seine ewigen Gelübde
ablegte. Vor 38 Jahren wurde er in dieser Kirche getauft. Umso bewegender war
es, dass der Pfarrer von damals nun mit konzelebrierte und am Ende des
Gottesdienstes Michael und alle Anwesenden segnete.
Nicht nur die
Heimatgemeinde, sondern die Familie und viele Verwandte, Freunde aus nah und
fern, von früher und von jetzt und natürlich die Kleinen Brüder
- sie alle waren gekommen, um Michael an diesem Tag zu begleiten. Der Pfarrer
begrüßte die Anwesenden in deutsch und französisch; und diese
Zweisprachigkeit durchzog mit einem Charme den ganzen Gottesdienst. In den
Texten und Liedern gab es abwechselnd die Übersetzung für die je
Anderssprachigen. So konnten zwei verschiedene Welten in ungewöhnlicher
Weise zusammen kommen, weil sie sich in der Person und der persönlichen
Geschichte von Michael verbinden.
Mich haben besonders die Lesungstexte
berührt, in denen mir viel von Michaels Weg und seinem Glauben
entgegenkam:
Der Ruf Gottes an Abraham, aufzubrechen in das
verheißene unbekannte Land (Gen. 12, 1-9), eine Passage aus dem 1.
Korintherbrief (1, 3-4 und 18-22), wo es um Gottes Trost und Treue geht, die in
seinem uneingeschränkten JA zu uns Menschen in Jesus Christus offenbar
geworden ist und schließlich das Evangelium vom Sturm auf dem See, wo
Petrus aus dem Boot aussteigt, um zu Jesus zu gelangen (Mt. 14, 22-33).
Als
Michael seine Gelübde auf dem Altar unterschrieben hatte, kamen
nacheinander alle seine anwesenden 9 Mitbrüder und unterschrieben
ebenfalls. Diese Geste zeigte etwas von der Gemeinschaft der Kleinen
Brüder vom Evangelium. Vor dem Altar stand während des Gottesdienstes
die so genannte
Freundschaftsikone mit Bruder Karl und Jesus. Sie gab dem ganzen Geschehen eine
besondere Innigkeit.
Nach dem Gottesdienst waren alle zum Kaffeetrinken in
das nahe gelegene Haus der evangelischen Kirche eingeladen. Eine große,
reichhaltige und köstliche Kuchentafel lud zum Zugreifen ein. Michaels
Vater war seinerzeit ein stadtbekannter Bäcker und auch die Leute aus der
Gemeinde hatten fleißig gebacken. Überhaupt hatte die Familie von
Michael das ganze Fest liebevoll und tatkräftig mit vorbereitet und am
Abend spendierte sie für den engeren Kreis der Gäste ein festliches
Abendbuffet. Das frohe Beisammensein mit Musik und einigen liebevoll
gestalteten Programmbeiträgen währte bis in die Nacht.
Michael
hatte sich gewünscht, dass die Freundschaftsikone von der Kirche mit in
den Festsaal wandert und so schlug sie eine Brücke zwischen beiden Orten
und verband das Geschehen.
Kleine Schwester Jesu Ulrike
1. Bericht "Zurück aus Rom"
Sollen wir uns über
die Festlichkeiten in Rom zu Ehren Charles de Foucaulds freuen? Diese Frage
haben sich Viele zu Recht gestellt. Ja freuen wir uns, denn diese Tage mit
ihren Feiern und Begegnungen haben alles übertroffen, was wir erwarten
konnten. Ich spreche da für mich und für die kleine Gruppe, die aus
Tamanrasset und aus Algerien gekommen ist, dasselbe trifft aber auch für
all die Kleinen Schwestern zu, die für ihren sehr großen Einsatz bei
der Vorbereitung und Organisation entschädigt wurden. Das ist auch der
Eindruck all derer, die am Samstag und Montag an den Feiern in der Abteikirche
der Trappisten von Tre Fontane und in dem oberhalb gelegenen "Dorf" der Kleinen
Schwestern teilgenommen und sich nicht mit dem Sonntag in St. Peter zufrieden
gegeben haben.
Als ich Tamanrasset verließ, fragte ich mich, was ich
in Rom tun würde, und vor allem, was man mit den Vertretern der Tuareg
machen würde, die mit mir aufbrachen. Als wir zurück waren, hatte ich
verstanden; denn in den Tagen selbst hatten mich die Interviews der Zeitungen,
der Radio- und Fernsehstationen stark in Anspruch genommen. Aber das bedeutete
nichts im Vergleich zu dem, was diese Männer vermitteln konnten, die sich
bewusst waren, dass sie die Stadt Tamanrasset vertraten, auch wenn sie
keinerlei offiziellen Auftrag dazu hatten. Was immer sie zunächst bewogen
hat, an diesen Feiern teilnehmen zu wollen: Sie waren von diesen Feiern
überwältigt und werden nie vergessen, was sie in St. Peter mit dem
Papst erlebt haben, und mehr noch in Tre Fontane in dieser geschwisterlichen
und universellen Atmosphäre, die Charles de Foucauld sich natürlich
niemals so hätte vorstellen können.
Die Geste des Papstes
In St. Peter, nach langem und
ermüdendem Warten erst draußen und dann drinnen (das aber
glücklicherweise unvorhergesehene Begegnungen ermöglicht hat),
verliefen die offiziellen Zeremonien in der gewohnten Art und in dem
prunkvollen Rahmen der Basilika, die die Menge der Menschen nicht fassen konnte
(es heißt, draußen seien es noch mal so viele gewesen). Für
uns war das Wichtigste die Gegenwart des Papstes am Ende der Messe. Die
Anwesenheit der Männer aus Tamanrasset in ihren traditionellen
Gewändern hat dieser Feier einen unvorhersehbaren Sinn verliehen. Sie
hatten ihren Platz hinter dem Altar und konnten den Blicken nicht entgehen -
weder der Fotographen, noch dem Papst selbst, der stehen blieb und einem jeden
die Hand reichte. Diese nicht vorgeplante Begegnung hat der sehr katholischen
Feier, bei der man keinerlei Anspielung auf die Muslime hörte, eine
Dimension verliehen, die sonst gefehlt hätte. Die spontane Geste Benedikt
XVI. wurde von allen Fernsehsendern überall hin übertragen, auch nach
Tamanrasset. Dort verbreitete sich die Kunde davon noch am selben Tag. Diese
Geste ist für alle, die noch die Zeichen der Zeit verstehen können,
sicher wichtiger als viele päpstliche Ansprachen. Wichtiger auch als
unsere Anwesenheit und die eines offiziellen Repräsentanten Algeriens, die
unbemerkt blieb. Ein algerischer Diplomat von der Botschaft hat den Sinn dieser
Repräsentanz damit erklärt, dass er dem Journalisten der
französischen Zeitung La Croix einen Satz aus einer Rede des
Präsidenten der Republik zitierte, in dem es heißt, die Religion sei
Licht und es sei die Unwissenheit der Menschen, die sie in Finsternis wandle.
Um das zu bestätigen, hat der neue Botschafter Algeriens beim Vatikan sein
Beglaubigungsschreiben am 1. Dezember vorgelegt, als man zum ersten Mal das
Gedenken des neuen Seligen feierte, den der Papst in seiner Ansprache als eine
"große Gestalt des Friedens und der Versöhnung unter den
Gemeinwesen" vorstellt.
Aus aller Welt
Ich habe vor allem von
Männern gesprochen, ich muss aber auch eine Frau erwähnen, die schon
am ersten Abend in Tre Fontane die etwa tausend Mitfeiernden durch ihr Zeugnis
als Muslimin über Charles de Foucauld beeindruckt hat.
Rania, die seit drei Jahren die
Besucher in dem Bordj empfängt, vor dem das Leben des neuen Seligen
endete, hatte sich bereit erklärt, ihren Beitrag auf französisch zu
geben, nachdem sie ihn auf arabisch vorbereitet hatte. Ihr Lampenfieber und
ihre Ergriffenheit haben sie nicht gehindert, uns ihre sehr persönliche
und tiefe Erfahrung mitzuteilen. Das war die erste Äußerung
interreligiösen Dialogs in einem sehr internationalen Umfeld. Sie wurde
nicht vom Fernsehen übertragen, aber in den folgenden Tagen wollten viele
sie beglückwünschen und ihr danken, ihren Text aber auch auf
französisch oder arabisch lesen können.
Ich sprach vom
internationalen Umfeld. Für die Kleinen Schwestern aus allen Ecken der
Welt war das ganz normal. Aber für die Algerier bedeutete es eine
Entdeckung, einer so großen Zahl von Leuten von überall her zu
begegnen, Arabern, Asiaten, Afrikanern
aber auch all den Freunden von
Charles de Foucauld und seinen etwa 150 nahen oder ferneren Verwandten. Man
konnte Männern und Frauen in Ordensgewändern oder in Zivil begegnen,
die das Abzeichen mit dem Herzen und dem Kreuz trugen, das die Existenz von
unbekannten Gruppen oder Ordensgemeinschaften in Sibirien und anderswo
offenbarte, auch über die 19 offiziell in der "Association" verbundenen
hinaus. Diese Zeit des Zusammenlebens und der Begegnungen bleibt all denen im
Gedächtnis, die dabei sein konnten, noch viel mehr aber unserer kleinen
Gruppe aus Algerien, die wir bei den Trappisten und den Kleinen Schwestern zu
Gast waren. Am Abend vor unserer Abreise und nach einem Abendessen mit Cuscus
à la Sahara und Tuareg-Tee führte ein denkwürdiger Abend die
Schwestern von Tre Fontane und die noch verbliebenen Gäste zusammen.
Schwester Josephine, eine Palästinenserin und Vertreterin der Klarissen
von Nazaret, hat uns mit ihrem Humor und ihrer ganz offenen Art überrascht
und bezaubert.
Damit alles so gut verlaufen konnte, von den ersten
Planungen bis zu all dem Unvorhergesehenen der letzten Tage, brauchte es schon
viele günstige Umstände und auch Ereignisse in letzter Minute. Manche
sehen darin die diskrete Mitwirkung dessen, um den es in diesen Tagen ging.
Dank an alle, die diese Versammlung, die all unsere Erwartungen und Hoffnungen
übertraf, seit Monaten vorbereitet hatten. Auf diese Weise wurde eine
Botschaft allumfassender Geschwisterlichkeit ebenso eindringlich verkündet
wie durch die offiziellen Texte.
Antoine Chatelard, Kleiner Bruder Jesu
aus Tamanrasset, in einem Brief vom 1. Dezember 2005
2.
Bericht
Wir - Marianne Bonzelet, Mechthild Offermann von der
Frauengemeinschaft, Gertrud Wienen und ich
starteten am
12.11.05 pünktlich mit Germanwings von Köln/Bonn und erreichten nach
2 Stunden Rom/Flughafen Leonardo da Vinci bei Wärme und strahlend blauem
Himmel. Vier von der Priestergemeinschaft: Hubert Cöllen, Johannes
Lüdenbach, Josef Prinz und Diakon Hermann Klein waren in derselben
Maschine mit geflogen. Hubert hatte sein früheres Pfarrkind (zurzeit
Theologiestudent in Rom) gebeten, uns zu unserem Quartier zu begleiten. Dieser
junge Mann erwies sich bei der etwas komplizierten 1 ½ stündigen
Fahrt mit verschiedenen Verkehrsmitteln und öfterem Umsteigen in der Tat
als hilfreicher Engel. Das letzte Stück von 500 m rollten wir unsere
Gepäckstücke über römisches Pflaster, uneben und mit
schadhaften Stellen immer wieder bordsteinauf und bordsteinab die sanft
ansteigende Via della Pineta Sacchetti hinauf, bis wir bei der Nr. 45 - unser
Quartier - das Haus der vietnamesischen Schwestern ereichten.
Ich
war nass geschwitzt, aber an Ausruhen oder Umziehen war nicht zu denken, denn
in einer Stunde sollte die Vigilfeier in der Basilika der Trappistenabtei Tre
Fontane beginnen. Dort etwas verspätet angelangt, fanden wir in der Kirche
keinen Platz mehr. Das Begleitheft, das es für uns auch auf Deutsch gab,
versprach eine bewegende Feier. Das verrieten die Überschriften der 3
Teile, nach denen sie aufgebaut waren:
1. "Ich habe mein Herz an diesen
Jesus von Nazareth verloren"
2. "In jedem Menschen einen Bruder erkennen"
3. "Je mehr man mich liebt, desto besser betet man".
Aber wie es im
Leben so geht, alles ist nicht möglich. Es ergab sich für Gertrud und
mich die Gelegenheit, das Mutterhaus der Kleinen Schwestern, das sich ganz in
der Nähe befindet, wenigstens von außen kennen zu lernen. Marianne
hatte dort etwas zu erledigen. So begleiteten wir sie und konnten auf diese
Weise auch einige Gebetsminuten in der Kapelle verbringen.
Zurück auf
dem Vorplatz der Abteikirche (der hatte sich nun fast zur Hälfte
gefüllt), versuchte ich, den Anschluss an die Feier zu bekommen. Aber das
weit entfernte Bild auf dem Bildschirm, zweigeteilt durch eine davor stehende
Säule, die durch spärliches Scheinwerferlicht erleuchtete Dunkelheit,
die das Mitlesen im Begleitheft unmöglich machte, und die von unten hoch
kriechende feuchte Kälte auf unseren Stehplätzen ließ bei mir
keine Gottesdienstatmosphäre aufkommen.
Marianne war inzwischen zum
Empfang beim französischen Botschafter aufgebrochen. Allein in unser
Quartier zu fahren war uns zu mulmig. So harrten wir aus, bis die Feier gegen
19 Uhr zu Ende war, fanden die Münchener und gelangten mit ihnen wieder in
unser Viertel. Ein kleines gemütliches Abendessen in einer Pizzeria
beschloss unseren ersten Tag in Rom.
Am Morgen der Seligsprechung waren wir
zeitig genug auf dem Petersplatz, um im oberen Drittel noch eine
Sitzgelegenheit zu bekommen. Ausgestattet mit "Seligsprechungsschal" und
Libretto (Heftchen für die Liturgie) - beides Schenkungen freundlicher
Mitmenschen - warteten wir auf den Beginn der Feier.
Die
Front des Petersdoms schmückten 3 Fahnen mit den Bildern der
zukünftigen Seligen, Charles de Foucauld in der Mitte unter dem
Papstbalkon und rechts und links jeweils die beiden Italienerinnen, beides
Ordensfrauen und Kongregationsgründerinnen. Noch waren die Bilder mit
grauen Schleiern verhüllt, die später nach vollzogener Seligsprechung
weggenommen wurden. Doch jetzt spielte der Wind schon mit den Schleiern und
nahm teilweise oder auch ganz die Enthüllung schon vorweg. (Die wachsamen
Augen des Protokollwächters sorgten dafür, dass die Sizilianerin
Maria Crocifissa Curcio rechtzeitig wieder ihre Verhüllung zurück
erhielt und dass somit wieder alles seine Ordnung hatte).
Die
Eucharistiefeier, in die die Seligsprechungen eingebettet war, stand der
Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse
vor, José Kardinal Saraiva Martins. Nach dem Bußakt wurden die
zukünftigen Seligen durch eine kurze Lebensbeschreibung vorgestellt.
Danach verlas Kardinal Martins das Schreiben des Papstes, mit dem er, der
Papst, dem jeweiligen Diener, der jeweiligen Dienerin Gottes den Titel und die
Ehren eines/r Seligen zuerkennt. Immer wieder blendeten die Kameras die
Ehrengäste der jeweiligen Seligen ein, die ihre bevorzugten Plätze
vorne im unmittelbaren Bereich des Vierungsaltars hatten.
Unter den
Ehrengästen Charles de Foucaulds fielen besonders die fünf Tuareg
auf. In der Nähe des Vierungsaltars standen auch die Reliquien der
Seligen. Die von Charles de Foucauld in einer Schale mit einem zeltartigen hoch
geschwungenen Deckel. Den Abschluss der Feier nahm der Papst persönlich
vor. Er verehrte und beräucherte die Reliquien, las ein Grußwort und
erteilte den apostolischen Segen. Nach dem Ite missa est begrüßte er
viele der Ehrengäste, unter ihnen auch die fünf Tuareg.
Um 12 Uhr
sprach der Papst das Angelusgebet vom Fenster seiner päpstlichen Wohnung
aus, eingeleitet durch Grußworte in mehreren Sprachen, auch auf deutsch.
Weit entfernt - aber live - sahen wir ihn. Wir waren uns einig, mit dieser
großen kirchlichen Feier ein einmaliges Erlebnis gehabt zu haben.
Wohltuend einfach und familiär gestaltete sich die Danksagungsmesse am
Montagmorgen (14.11.). Sie fand wieder in der Abteikirche Tre Fontane statt.
Beim Einzug der Priester und Bischöfe, es
waren an die 200 insgesamt, gab es hie und da freundliches Grüßen,
Zunicken und Händeschütteln . Mein Sitzplatz war diesmal auf dem
Steinboden. Eine nette Pariserin hatte mir eine Zeitung geschenkt, auf die ich
meinen Anorak legte. So saß ich wenigstens warm. Noch bedaure ich, dass
ich von meinem Tiefenplatz aus nur wenig von der Ansprache des Bischofs der
Sahara, Claude Rault, mitbekam, aber es werden demnächst mehrere Texte aus
den Tagen der Seligsprechung für uns zugänglich sein, auf die wir uns
schon freuen können.
Nach der Messe und auch hier und da bei anderer
Gelegenheit trafen wir bekannte europäische Foucauld-Freunde, was uns
immer wieder besonders freute. Hier erwiesen sich auch unsere Schals als echte
Kommunikationsbrücke.
Jeweils nachmittags hatten wir die
Möglichkeit, in Rom herumzustreifen. Mechthild führte und oft waren
wir zu fünf. Viele Erinnerungen aus den Jahren meiner Romreisen 1965 und
1975 wurden wieder lebendig. Enttäuscht nahmen wir bei unserem
Abschiedsbesuch am Montagabend in St. Peter wahr, dass die Fahnen der Seligen
schon verschwunden waren. So schnell kehrt der Alltag in den Vatikan
zurück. Neue Vorbereitungen sind zu treffen, denn schon am 20.11.05 werden
weitere 7 Seligsprechungen stattfinden.
Hildegard Gerhards, Gemeinschaft
Charles de Foucauld
3. Bericht
Bruder Karl hat
sicher seine Freude an der Seligsprechung gehabt. Dass sie vom Hochfest
Pfingsten auf einen normalen Sonntag verschoben und nicht mehr von einem Papst
vorgenommen wurde, passt zu ihm, genauso wie die Verbindung mit der
Seligsprechung zweier italienischer Ordensfrauen und nicht herausgehoben
allein.
Auch dass die "Spitze" der von ihm inspirierten Gemeinschaften, wie
die internationale Verantwortliche der Laiengemeinschaft und der Prior der
Kleinen Brüder nicht in der ersten Bank im Petersdom, sondern auf dem
Petersplatz unter tausenden anderen Mitfeiernden ihren Platz fanden, lag mehr
auf seiner Linie, als wenn es andersherum gewesen wäre. "Der letzte Platz
auf dem Petersplatz" bot zu dem die Möglichkeit auf einer großen
Bildschirmwand die Seligsprechung durch Kardinal Martins mitzuverfolgen, wie es
vielen im Petersdom wohl nicht möglich war.
Fast noch mehr als die
Feier am Sonntag hat mich aber die Vigil am Samstagabend in Tre Fontane
innerlich berührt. Zwar war bei meinem Ankommen die große, alte
romanische Kirche der Trappisten überfüllt, und der Schal, der eigens
für die Gäste der Seligsprechung entworfen wurde, war auch
vergriffen, aber mit wohl über tausend anderen konnte ich das Geschehen
auf Bildwänden verfolgen, die in etwas kleinerem Format auch in den
Seitenschiffen der Kirche notwendig waren. Kurz zuvor hatte ich noch in Sankt
Paul vor den Mauern die Probe eines riesigen Chors mit Solisten für die
Dankmesse eine der mit Bruder Karl selig zu sprechenden Ordensschwestern
miterlebt, hier in der Kirche der Trappisten, wo Bruder Karl sicher auch oft
gebetet hat, reichte eine Gitarrengruppe der Kleinen Schwestern, eine Schola
und eine Harfe, um mit meditativen Gesängen im Stil von Taizé eine
dichte Atmosphäre zu schaffen, in die hinein Texte aus den Schriften
Bruder Karls gelesen wurden. Die Übersetzung der Texte in einem
Begleitheft trug dazu bei, zu verstehen, worum es ging. Als dann auch mal der
Strom ausfiel und alle im Dunkel saßen oder standen, war das kein Grund
zur Panik, sondern zur Erheiterung. Besonders beeindruckend waren die
persönlichen Zeugnisse
einer Tuareg-Frau (PDF) (auf dem Bildschirm sah sie aus wie ein
Mädchen, im Gespräch wurde klar, dass sie eine junge Frau ist), des
Familienvaters (PDF), dessen
Frau
auf die Fürsprache Bruder Karls geheilt wurde und einer Kleinen Schwester
aus Zentralafrika. Hier fehlte es leider an der Übersetzung, aber auch
ohne jedes Wort zu verstehen, kam etwas davon über, wie Bruder Karl die
Menschen bewegt und was er ihnen bedeutet.
Anbetung war am Ende der
zweieinhalb Stunden dauernden Vigil nicht mehr möglich, dafür ein
heiteres Willkommen und Wiedersehen vieler aus der großen Zahl der
Gemeinschaften der geistlichen Familie. Ich konnte Freunde aus der polnischen
Gemeinschaft begrüßen, genauso wie Mitglieder der italienischen,
französischen, polnischen und deutschen Gemeinschaft, die ich von der
europäischen Ferienfreizeit in Benediktbeuern 2003 kannte.
Bei sonnigem Wetter war sonntags mit dem
feierlichen Gottesdienst im Petersdom sicher der liturgische Höhepunkt der
Feierlichkeiten. Da der Wind die Verhüllung der Teppiche mit den
Bildnissen der drei selig zu sprechenden Christen vor der Fassade des
Petersdomes immer wieder anhob, konnte man den Eindruck gewinnen, der Himmel
sei schon ungeduldig, dass wir hier unten mit der Seligsprechung so lange
gewartet haben. Der Akt der Seligsprechung ist ja eigentlich eher schlicht. Der
Bischof der Sahara, Claude Rault, verlas den Lebenslauf Bruder Karls und
Kardinal Martins das Bestätigungsschreiben Papst Benedikts XVI, worauf ein
Reliquiengefäß im Stil einer Brotschale der Tuareg, von einem
Vertreter der schon 1922 entstandenen "Groupe Charles de Foucauld" *) gebracht,
auf den Altar gestellt und vom Hauptzelebranten inzensiert wurde. Diesem Ritus
schloss sich die Eucharistiefeier an. Als zum Abschluss der Heiligen Messe
Papst Benedikt XVI. in die Peterskirche kam, hielt er noch eine kurze
Ansprache, um sich dann auf den Weg zum Gebet des Angelus zu machen. Hier war
dann für mich und viele andere besonders bewegend, wie er die Frauen und
Männer der Tuareg, die in ihren traditionellen Gewändern Gast bei der
Seligsprechung waren, persönlich die Hand reichte und herzlich
begrüßte. Die Begegnung der Menschen, die Bruder Karl besonders am
Herzen liegen mit dem Nachfolger Petri, war vielleicht das deutlichste Zeichen,
dass die Saat aufgeht, die Bruder Karl gesät hat.
Am Montagmorgen
bildete die Dankmesse in Tre Fontane den Schlusspunkt der Seligsprechungsfeier.
Mitglieder der verschiedenen Gemeinschaften begrüßten die
Mitfeiernden in vielen Sprachen. Eine bunte Vielfalt, die auch den ganzen
Gottesdienst prägte, den der Vorsitzende der
maghrebinischen
Bischofskonferenz mit uns feierte. Besonders bewegte mich, wie der Bischof des
orientalischen Ritus von Nazareth, singend das Evangelium (Joh 15,9-17) in
arabischer Sprache vortrug und zwar in der Übersetzung Bruder Karls. Die
Predigt Bischof Rault`s,
also
dem heutigen "Heimatbischof" Bruder Karls, schloss sich auf Französisch
an. Hier vermisste sicher nicht nur ich eine Übersetzung zumindest ins
Englische, denn die Reaktion vieler in der Kirche zeigte uns, dass er das
Gefühl und die Gedanken der Mitfeiernden traf. **)
Das afrikanische
Kyrie, die Lesung auf Polnisch, die getanzte Gabenprozession afrikanischer
Schwestern, das lateinamerikanische Sanctus und die von asiatischen Schwestern
vorgetragene Gesang zur Danksagung waren ein Zeichen der Universalität,
die die geistliche Familie Bruder Karls mittlerweile hat. Warum allerdings so
viele Priester bei dieser Eucharistiefeier konzelebrieren mussten und zumindest
optisch ein ziemliches Übergewicht bekamen, war für mich doch etwas
fragwürdig, da ich Bruder Karl immer so verstanden habe, dass er seinen
priesterlicher Dienst immer mit und unter den Menschen des Volkes Gottes gelebt
hat. Hier hätte ich mir auch liturgisch die Betonung des "Priestertums
aller Gläubigen" gewünscht.
In Tre Fontane haben die Kleinen
Schwestern Jesu ihre "Zentrale", die sicher die Hauptlast der Organisation und
Durchführung der Feierlichkeiten zu tragen hatten und denen der besondere
Dank aller Mitfeiernden gelten muss. Auf einem von den Trappisten zur
Verfügung gestellten Gelände finden sich einfache Holzhäuser,
die den Kleinen Schwestern Unterkunft bieten. Hier fand im Anschluss an den
Gottesdienst ein spontanes Treffen der Mitglieder der
Priestergemeinschaft statt, von dem mir vor allem die energisch und begeistert
vorgetragene Meinung eines Bischofs in Erinnerung blieb, der sagte, dass die
Spiritualität Bruder Karls auch die des Konzils ist, ja sie quasi
vorweggenommen hat: Die Eucharistie als Quelle allen kirchlichen Handelns, die
Orientierung am Wort Gottes, wie es uns die Evangelien vorlegen, die Sendung in
die Welt und zu ihren Menschen, sowie der Dienst an der Einheit der Menschheit.
In diesem Sinne ist die Seligsprechung Bruder Karls sicher nicht Abschluss
oder Schlusspunkt, sondern Verpflichtung sein Charisma weiter zu leben.
Wilhelm Kolks, Priestergemeinschaft Jesus Caritas
Anmerkungen:
*) 1922 gründete Suzanne Garde mit zwei
Freundinnen eine Gemeinschaft, die sich "Groupe Charles de Foucauld nennt, und
eröffnete in Tlemcen eine Hauswirtschaftsschule für muslimische
Mädchen. Seit der Unabhängigkeit Algeriens 1962 leben die Mitglieder
der Gruppe in Bon-Encontre in Frankreich und sind offen für Menschen in
Schwierigkeiten. Insbesondere kümmerte sie sich um algerische
Kriegswaisen.
**) Mit einigen Mitgliedern der Association Famille spirituelle und
einer Kleinen Schwester haben wir am Montag spontan beschlossen ein "Sonderheft
zur Seligsprechung" mit allen Texten der liturgischen Feiern herauszugeben.
Bischof Claude Rault hat seine Predigt schon zur Verfügung gestellt. Die
Verantwortlichen der verschiedenen Gemeinschaften aus der geistlichen Familie
sorgen für die Verbreitung in ihrer eigenen Gemeinschaft. Ich habe
außerdem zugesagt, mich um die Übersetzung ins Deutsche zu
kümmern. Das wird aber nur gelingen, wenn ich genügend
Übersetzer/innen finde!
Marianne Bonzelet
Martin Güttner, einer der deutschen Delegierten auf der
Internationalen Versammlung berichtet kurz nach seiner
Rückkehr:
Gestern Abend um 23.30 bin ich wieder zu Hause
angekommen, etwas erschöpft aber glücklich, mein Herz voll der
Eindrücke und Begegnungen, die Gedanken angefüllt mit Grüssen an
die deutsche Gemeinschaft
.
Es war ein beeindruckendes Treffen,
gut organisiert vom internationalen Team, wie von den Gruppen aus Kenia und
Tansania, überschattet von den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen
Israel und dem Libanon und den innerstaatlichen Konflikten in so vielen anderen
Ländern. Als Zeichen der Solidarität haben wir uns zu eine
Gebetskette für den Frieden in diesen Ländern verpflichtet, in dieser
Woche beginnen alle Delegierten für den Frieden zu beten und in den
kommenden Wochen sind dann die Gemeinschaften der einzelnen Länder
eingebunden. Wir haben uns mit Frankreich für die Woche vom 23. Sept. - 4.
Okt. 06 eingetragen.
Bei den Canossian sisters waren wir gut aufgehoben
und herzlich willkommen, auch die Anwesenheit des Bischofs bei der
Eröffnungs- und Schlussliturgie war ein schönes Zeichen.
Das neue internationale Team besteht aus der
Weltverantwortlichen Antoinette Roberti, sie ist für zwei Jahre in
dieses Amt gewählt worden (ein Kompromiss im IT), ihrem Mann Henry
Roberti (Belgien) für Europa, für die Amerikas Roberto Delgado
de Carvalho (Brasilien), für Afrika Peter Mbuchi und seine Frau
Gertrude (Kenia), für Asien Miong-jun Pak (Südkorea) und
für die arabische Welt Emad Zakir (Ägypten).
Der
Schwerpunkt unserer deutschen Beiträge lag bei diesem Treffen im Bereich
der Spiritualität:
Josef Freitag als Zelebrant, Übersetzer,
Einbringer von Hintergrundinformationen; Marianne Bonzelet als Sprecherin des
IT, Vorstellen des Petite Guide, der Revision de vie und des Gebetes der
Liebenden Aufmerksamkeit; Doris Geißler und Regina Steinle bei der
Gestaltung der europäischen Eucharistiefeier und durch die Betonung der
Spiritualität in ihrer Arbeit in den Kleingruppen und bei den
europäischen Treffen und ich in der Artikulation eines Konfliktes um eine
abgebrochene Eucharistiefeier und dessen Umwandlung in einen interkontinentalen
Lernprozess und meinen Zauberbeitrag am europäischen Abend.
Da im
Augenblick der Kontakt nach Sri Lanka, unserer bisherigen Partnerregion, sehr
schwierig scheint, haben wir Kontakt mit Angelina C. Bucu von den Philippinen
aufgenommen und ihr einen Brief an die dortige Gemeinschaft mitgegeben. Regina
hat recht gute Kontakte zu den Philippinen, so dass wir vielleicht mit der
dortigen Gemeinschaft eine engere Zusammenarbeit im Austausch ins Auge fassen
können.
Soviel in Kürze, Euch noch Dank für die
materielle-, aber besonders für die Gebetsunterstützung vor und
während unseres Treffens.
Liebe Grüsse auch im Namen von Regina
und Doris sendet Euch allen
Martin Güttner
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Das "Europäische Ferientreffen" der Gemeinschaft "Charles de
Foucauld" findet alle zwei Jahre in wechselnden Ländern statt.
Die
Treffen leben von einer gesunden Mischung aus freundschaftlicher Begegnung,
spirituellem Programm und vielen Urlaubsaktivitäten.
2001 fand das
Treffen in Barcelona statt, 2003 war die deutsche Gemeinschaft Gastgeberin und
2005 wird die Veranstaltung in Italien über die Bühne gehen.
Die folgenden Berichte schildern Eindrücke vom "Europäischen
Ferientreffen 2003" in Benediktbeuern, ca. 60 km südlich von
München.
180 Teilnehmer aus 11 Nationen verbrachten zwei gemeinsame
Wochen in der Jugendherberge des Klosters.
Nach dem Mittagessen
bot der Nachmittag Zeit für Touristisches oder ein kühles Bad in den
nahen Seen.
Der Abend wurde häufig mit einer Gebetszeit oder eine
Eucharistiefeier begonnen. Anschließend gehörten Gespräch,
Tanz, oder Diskussionen sowie Berichte aus anderen Ländern zum Programm.
Ergänzt wurde das Programm durch gemeinsame Ausflüge,
Wanderungen oder Besichtigungen.
Dank der Offenheit der Salesianischen Gemeinschaft in
Benediktbeuern, der Flexibilität und Offenheit unserer Gäste und der
einmaligen Umgebung der Alpen blicken wir auf eine gute und frohe Begegnung
zurück, wenngleich uns die Hitze dieses Sommers, öfter als alles
andere, auch an unsere Grenzen gebracht hat.
1.
Bericht
Erst im Dezember 2002 habe ich mit der Gemeinschaft Charles de
Foucauld Kontakt aufgenommen; für mich ist alles eine neue Entdeckung und
besonders dieses Europäische Treffen, das für mich das allererste
war.
Ich hatte gleich das Gefühl, von dieser großen
Gemeinschaft empfangen und getragen zu werden, was für mich ein sehr
reiches Erlebnis war, das mir die Zukunft erhellt und mir dabei helfen wird,
den Weg einzuschlagen, den Gott für mich bereit hält.
Bemerkenswert war für mich die Aufmerksamkeit, die gegenseitige Hilfe, die
jeder für die anderen erwies; die Möglichkeit, die jedem gegeben
wurde, sich frei, in vollem Vertrauen zu äußern, ohne
befürchten zu müssen, beurteilt zu werden, wie es im täglichen
Leben leider allzu oft der Fall ist, wo vor allem auf Erfolg und Leistung Wert
gelegt wird.
Die
Liturgiegruppe hat mir und meiner Freundin Denise Barasino vorgeschlagen
mitzumachen, was für mich eine Freude war. Eine Freude ist es auch
für mich gewesen, an den Übersetzungen der Informationen
teilzunehmen, so konnten meine Fähigkeiten der gesamten Gruppe zu Gute
kommen.
Die Kreativität bei den Morgen- und Abendgebeten, sowie den
Messfeiern hat mich beeindruckt.
Als Beispiel möchte ich nur die
Prozessionen nennen - Ausdruck unseres Willens uns einander anzunähern und
eine Gemeinschaft zu bilden - und das Symbol des weißen Tuches, das die
Teilnehmer jedes Landes bemalt haben und das uns während der ganzen
Zusammenkunft begleitet hat.
Beeindruckend war auch
die Innigkeit der Gebete, die entscheidende Rolle unseres Priesters, die Sorge,
dass die meisten von uns - und auch die Kinder - an den Gebeten und Messfeiern
teilnehmen konnten und die bereichernden persönlichen
Äußerungen in den Gruppen.
Die Verschiedenheit der Sprachen fand
in den Gesängen zu einer Einheit; auch das war ein bereicherndes Erlebnis.
Einen herzlichen Dank den Musikern, die aus ganzem Herzen gespielt haben; die
schöne Musik hat uns sehr geholfen, besser zu beten.
Wir
haben es erleben können, dass Gott mitten in uns, in jedem von uns war;
und jeder hat auf seine Weise zum Gelingen dieser gesegneten Zeit beigetragen.
Wir können Gott danken für alles, was er uns während dieses
Treffens gegeben hat und müssen auf den Auftrag, den er jedem von uns
gegeben hat, aufmerksam hören.
Ich wünsche jedem Teilnehmer, die
lebhafte Erinnerung an diese gesegnete Zeit zu bewahren und den Reichtum, den
er durch Gottes Liebe erhalten hat, strahlen zu lassen.
Odile
Spriet (Frankreich)
Ich teile ganz die Bemerkungen von Odile. Ich
möchte besonders darauf Nachdruck legen, dass man auch den Minderheiten
die Möglichkeit gegeben hat, sich in ihrer Sprache auszudrücken.
Was während des Treffens gefehlt hat war der Kontakt zum aktuellen
Weltgeschehen. So wussten wir nicht, dass in Frankreich während der Zeit
des Ferientreffens viele ältere Leute wegen der Hitze gestorben sind. Auch
hätte ich mir mehr Lebenszeugnisse gewünscht.
Die Organisation
des Europäischen Ferientreffens war toll und hat zum perfekten Gelingen
des Treffens beigetragen.
Denise Barasino (Frankreich)
Ein ganz wesentlicher und wichtiger Bestandteil bei unserer Ferienfreizeit
war die Kinderbetreuung. Sie ermöglichte zum einen den Eltern an den
Impulsen teilzunehmen, zum anderen aber auch die kindliche Beschäftigung
mit verschiedenen religiösen Themen und nicht zuletzt das homogene
Hineinwachsen in eine geistliche Gemeinschaft, die für das spätere
geistliche Leben der Kinder eventuell bedeutsam werden kann. So danken wir an
dieser Stelle noch einmal ganz herzlich allen KinderbetreuerInnen für
ihren Einsatz!
2. Bericht
Kinder kennen keine
Grenzen!
Beim Europäischen Treffen in Deutschland waren 27 Kinder von
0 bis 12 Jahren dabei!
Diese haben sich in
zwei Wochen auf die Suche nach einem Schatz gemacht. Sie waren mit Spielen,
Basteln und Tanzen eifrig dabei und haben sich untereinander sehr gut
verstanden. Besonders wir - die Betreuer(innen) - haben durch die Kinder
gelernt, dass man trotz unterschiedlicher Sprachen sich verständigen und
unterhalten kann. Als Höhepunkt hatten wir ein Kinderfest, wo die Eltern
miteinbezogen wurden.
Zum Schluss haben die die Kinder im Labyrinth
ihren Schatz gefunden: "sich selbst!"
Wir hoffen für die Zukunft, dass
sich die Erwachsenen mehr an den Kindern orientieren und hoffen auf ein sehr
baldiges Wiedersehen.
Helene Finkenzeller (Deutschland)
Mariusz Karandysz (Polen)
Anna Thalmeier (Deutschland)
Andrea Truschina
(Deutschland)
3. Bericht
Neben den Gottesdiensten,
den Gebetsstunden, der Gemeinschaft mit jüngeren und älteren Menschen
aus mehreren Ländern Europas und der Welt, neben den gemeinsamen Festen,
Ausflügen und Mahlzeiten haben sich die Gespräche am tiefsten bei mir
eingeprägt, die persönlichen Gespräche miteinander und besonders
die Gespräche in den Gruppen.
Sie waren
sehr gut vorbereitet durch die verschiedenen Impulse zu einem Satz aus dem
Gebet der Hingabe: "Wenn nur Dein Wille sich an mir erfüllt und an allen
Deinen Geschöpfen
". Jeder bekam den Text zu dem Impuls in seiner
eigenen Sprache, was die Kommunikation und das Verständnis untereinander
sehr erleichterte - und es uns erlaubte, uns auf das Wesentliche zu
konzentrieren. Die Themen waren bestimmt nicht einfach: der Wille Gottes
für mein Leben, das Problem des Leidens, die Lebensbetrachtung (revision
de vie), Glauben und Vertrauen, die innere Stimme, Gerechtigkeit und Bewahrung
der Schöpfung.
Was mich bei all diesen Gesprächen immer wieder
beeindruckt ist die Erkenntnis, wie Gott mit jedem einzelnen Menschen einen
ganz besonderen Weg geht, - und wie verschieden diese Wege sind. Die vielen
Menschen mit ihren vielfältigen Interessen, Eigenschaften,
Fähigkeiten, Charakteren und Neigungen sind im Austausch ein ganz
wertvolles Geschenk, denn sie eröffnen uns neue Sichtweisen, und ihre
Erfahrungen können uns weiterhelfen. Es kommt zu einer gegenseitigen
Ergänzung und Bereicherung. Dies veranlasst mich zu enden mit dem Auszug
eines Gebets:
"Du unser Gott,
für Dich ist jeder einzelne
Mensch wichtig und wertvoll,
und Du liebst uns alle - wir sind alle Deine
Kinder,
wir alle sind Schwestern und Brüder
"
Marita
Pohen (Belgien)
Am 8. März 2008 fand in der Region Köln wieder der
Einkehrtag im Edith-Stein-Haus auf dem Michaelsberg in Siegburg statt. Die
Teilnehmer beschäftigten sich mit dem Thema "Das Gottesbild von Charles de
Foucauld"
Bericht einer
Teilnehmerin
Da Marianne Bonzelet wieder im Lande ist, wurde sie
natürlich auch wieder für die Gestaltung dieses Einkehrtages
"engagiert". Nach ihrer Anfrage bezüglich des Themas und verschiedener
Vorschläge entschied sie sich für "das Gottesbild bei Charles de
Foucauld", um dann in ihrem Vortrag festzustellen, dass es "ein" Gottesbild bei
ihm nicht gibt, das sich dies immer wieder im Laufe seines Lebens
verändert hat.
Verschiedene Ansätze und Fragen, wie z.B.: Wer
waren die Menschen, die CdF in der Kindheit von Gott gesprochen haben, und ihn
in den Glauben der Kirche eingeführt haben? Wie konnte sich in ihm eine
Vorstelllung von Gott bilden?, führte Marianne Bonzelet in einem Referat
aus.
Sicher ist, dass CdF`s Sehnsucht nach Gott, den er dann aber seit
seiner Kindheit vergessen hatte, durch die Begegnung mit tiefgläubigen
Menschnn als junger Mann, neu geweckt worden ist.
Gott zeigte sich ihm in
Jesus Christus und berührt ihn in der Eucharistie und der Eucharistischen
Anbetung. Hier zeigt sich Gott ihm im Bilde. In Christus wird Gott für ihn
anschaubar.
Aus einer größeren Anzahl von Kunstkarten, Fotos und
Kunstblättern wählte dann im Anschluss an das Referat jeder
Teilnehmer für sich das aus, was ihn im Hinblick auf sein derzeitiges
Gottesbild am stärksten ansprach. Licht und Dunkel, strahlende Farben,
geöffnete oder verschlossene Türen, der Gärtner (von Emil
Nolde), Heimkehr des verlorenen Sohnes (von Rembrandt).....So kam das
anschließende Gespräch leicht in Gang.
Es kamen ganz
persönliche Stimmungen, Befindlichkeiten und Erfahrungen bezogen auf das
Gottesbild, das der Einzelne hat oder ersehnt zur Sprache. Mit diesen Gedanken
gingen wir dann bis zur Mittagspause zur Anbetung in die Hauskapelle.
Nach
dem Kaffeetrinken teilten wir uns in zwei Gruppen auf, um uns über
folgende Impulse auszutauschen:
1.) Ich teile der Gruppe mit, was mich an
dem am Vormittag ausgewählten Gottesbild besonders anspricht oder aber
ärgert, stört.... Oder wenn ich nichts Passendes finde....
2).
Ich blicke auf meinen Lebensweg und nehme Personen und/oder Ereignisse vor
allem aus meiner Kindheit in den Blick, die mein Gottesbild prägten oder
zumindest beeinflusst haben. Bei der Anbetung kann ich diese Personen Gott
dankend oder um Aussöhnung bittend hinhalten.
3). Das Gottesbild
meiner Kindheit hat sich gewandelt. Ich gehe der Spur dieser Entwicklung
nach.
Im Anschluss an dieses Gespräch feierten wir mit Pfarrer
Johannes Lüdenbach die Heilige Messe im gleichen Raum, da die Kapelle von
einer anderen Gruppe besetzt war.
"Der Friede ist mit euch", das wurde uns
nachdrücklich zugesprochen. Das Evangelium von der Auferweckung des
Lazarus ließ uns in der Auslegung bewusst werden, wie auch wir schon
jetzt Auferweckung aus unserem Tod durch Sünde, Angst und Kleinglaube
erfahren. Bei der Kommunion durften wir Leib und Blut Christi empfangen, so wie
es Christus im Abendmahl für alle eingesetzt hat.
Bevor wir
auseinander gingen teilte Marlene Gries uns schon den Termin für den
Besinnungstag im nächsten Jahr mit. Es wird der 7. März 2009 sein,
zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Mit dieser erfreulichen Ankündigung
machten wir uns auf den Heimweg, dankbar für einen so guten Tag.
Ingrid Zippel, Bonn
Gottes Geist wirkt, wo er will...
In der
Himmelfahrtswoche boten Marianne Bonzelet, Gemeinschaft Charles de Foucauld,
und Bruder Andreas Knapp, Kleiner Bruder vom Evangelium, Besinnungstage
für Mitglieder unserer geistlichen Familie im Exerzitienhaus der Neusser
Augustinerinnen in Bad Münstereifel an. Seit meiner Priesterweihe vor acht
Jahren bin ich Mitglied der Priestergemeinschaft Jesus Caritas und kannte
bisher nur die Priester im Erzbistum Paderborn.
Durch "Mitten in der Welt"
bin ich auf diese Besinnungstage aufmerksam geworden und habe mir gedacht, es
wäre doch schön einmal andere Mitglieder unserer geistlichen Familie
kennenzulernen. Und da es bei uns in Arnsberg-Neheim personell möglich war
über Himmelfahrt zu verschwinden, habe ich mich für diese
Besinnungstage angemeldet. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Wir waren
eine bunte Gruppe von 11 Teilnehmern, dazu Marianne und Andreas. Für die
beiden war es das erste Mal, dass sie zusammen geistliche Tage anboten, aber
man hatte das Gefühl, sie seien schon seit Jahren ein eingespieltes Team.
In diesen Tagen haben wir uns auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Wirken
des Heiligen Geistes in unserem Leben auseinandergesetzt.
Überschrieben waren die einzelnen Tage mit dem Oberbegriff des
"Lassens":
Es ging erst einmal um das "Loslassen" in unserem Leben. Was
bedrängt mein Leben? Was muss ich alles loslassen, damit ich frei bin?
Wenn ich frei geworden bin, dann kann ich mich "niederlassen", kann ich zur
Ruhe kommen.
Der nächste Schritt war das "Zulassen": Wenn ich frei
geworden bin von allem, was mich bedrängt und ich mich in Ruhe
niedergelassen habe, dann kann ich es zulassen, dass der Heilige Geist in
meinem Leben wirkt.
Ich kann es aber nicht nur zulassen, ich kann mich dann
dem Wirken des Geistes auch getrost "überlassen".
Und das bewirkt in
mir eine innere "Gelassenheit". Nichts kann mich im Leben mehr umhauen, wenn
ich mich der Liebe Gottes überlassen kann.
Und am Ende der Tage gab es
dann den Ausblick ins alltägliche Leben. Wer gelassen ist, in Gott ruht,
ihn wirken lässt, der kann sich "neu einlassen" auf das Abenteuer des
Lebens und des Glaubens.
Jeder Tag war geprägt von einer festen
Struktur: Beginnend mit dem Morgengebet, über den morgendlichen Impuls
für den Tag und stillen Zeiten im Schweigen. Alles mündete am
späten Nachmittag in die Feier der Eucharistie, wo wir Gelegenheit hatten
das Erlebte den anderen mitzuteilen. Nach dem Abendessen bot Marianne
meditative Tänze an und der Tag wurde beschlossen mit der Anbetung vor dem
Allerheiligsten und einem Tagesrückblick. Wer wollte, konnte den Tag in
gemütlicher Runde beschließen.
Zu dem boten Marianne und Andreas
auch tägliche Einzelgespräche an, um das Erlebte zu deuten und um
Hilfe für das eigene Leben mit seinen Höhen und Tiefen zu geben.
Den Himmelfahrts-Tag gestalteten wir als Wüstentag, an dem einzelne
auch das Haus zu einer längeren "Wüstenwanderung" verließen.
Petrus meinte es in diesen Tagen gut mit uns. Außer am Dienstag, wo
es nach der langen Trockenheit endlich einen richtigen Regentag gab, schien die
Sonne und lud zu Wanderungen in die Wälder der Eifel ein und auch in die
malerische Stadt, die immer noch von einer mittelalterlichen Mauer umschlossen
ist.
An einem Nachmittag unternahm eine Gruppe einen Ausflug zur
Bruder-Klaus-Kapelle bei Wachendorf. Ein Landwirt baute diese Kapelle auf eine
seiner Wiese. Von außen sieht sie wie ein hoher fünfeckiger Turm
aus. Im Inneren ist sie oval, oben ist sie offen, so dass man durch die
tropfenförmige Öffnung zum Himmel schauen kann und von oben her das
Licht einfallen kann. Im Inneren ist sie schmucklos eingerichtet, nur eine
Statue von Bruder Klaus, der in Richtung des berühmten Meditationsrades an
der Wand schaut. Der Beter ist eingeladen, es ihm gleich zu tun, zur Mitte des
Rades zu blicken und somit sein Herz für die Mitte seines Lebens zu
öffnen: Hin zu Gott.
Mit vielen Eindrücken bin ich von
Münstereifel wieder ins Sauerland heimgekehrt. Mein Dank gilt Marianne und
Andreas, die sich viel Mühe bei der Vorbereitung und Durchführung
gemacht haben. Dank auch den anderen Teilnehmern. Es tat mir gut, mal wieder
über den Tellerrand meines Bistums zu schauen und auch über den
Tellerrand unserer Priestergemeinschaft. Ich habe in diesen Tagen die Freude
erfahren, Teil einer weltweiten großen Familie zu sein, die sich in
dieser kirchlichen Umbruchszeit im Glauben und im Leben stärkt.
Dietmar Schulte
1. Bericht
Bereits die Fahrt zum Carmel von
München aus war eine wunderschöne Reise an Rhein und Mosel entlang.
Der Carmel selbst liegt inmitten Wald und Wiesen, ist ein ehemaliger
Augustinerstift und umfasst eine sehenswerte Kirche aus dem Rokoko. Nachdem wir
am Freitag, teils aufgrund des Pfingstverkehrs etwas verspätet, alle
angekommen waren und die laue Abendluft zum Austausch genutzt hatten, trafen
wir uns am Samstagmorgen zu einem ersten Impuls und anschließend in
Kleingruppen. Wilhelm Kolks, unser geistlicher Begleiter, hatte für das
Besinnungswochenende thematisch passend zu Pfingsten eine Beschäftigung
mit dem Heiligen Geist gewählt.
Der erste Impuls konzentrierte sich auf den Geisthymnus. Einführend
ging Wilhelm auf die Gestalt der Dreifaltigkeit ein, in der Gott sich sowohl
personal, nämlich in den Gestalten Gott Vater, Gott Sohn und Heiliger
Geist offenbart, als auch gemeinschaftsbezogen auf den Menschen hin und
aufeinander bezogen (kommunitarisch), so wie auch wir als reine Individuen
isoliert blieben, nicht geben noch empfangen könnten, wären wir nicht
auch gemeinschaftsbezogen. Wilhelm hatte neben dem Geisthymnus noch einen Text
von Ernesto Cardenal für diese erste Annäherung an den Heiligen Geist
ausgesucht, in dem Cardenal die provozierende These aufstellt, dass alle
Menschen, auch der Sünder, Revolutionär, ja selbst der Mörder
auf der Suche sind, ihr Leben mit Sinn zu erfüllen, diese Suche nur oft
fehlgeleitet ist. Das tägliche Brot, das "einzig Notwendige", wie Charles
de Foucauld sagt, vermittelt uns der Heilige Geist. Wilhelm wies darauf hin,
dass dieser Begriff, "das einzig Notwendige" auf die Erzählung von Martha
und Maria (Lk 10, 38 ff.) zurückgeht, wobei dieser Erzählung weitere
Stellen im Lukasevangelium, die sich um den Heiligen Geist zentrieren, folgen
(LK 11,9-13 und LK 12,22-32).
In der Kleingruppe tauschten wir uns dann
zunächst wie beim Bibelteilen über den Geisthymnus aus. Für mich
persönlich von besonderer Bedeutung war, dass der Heilige Geist "des
Lebens Ursprung, Liebesglut" ist, "schenkt Frieden uns" als "Beistand in der
Zeit". Ich denke, indem mir der Heilige Geist durch die Gnade Gottes geschenkt
wird, indem ich mich ihm im Gebet öffnen will, kann ich auch mehr innere
Ruhe und Gelassenheit finden, was sicherlich auch dem Frieden in meiner
Umgebung und meinen Beziehungen nach außen zuträglich ist. Des
weiteren beschäftigte uns sehr, dass "Maria das Bessere gewählt hat".
Wir kamen schließlich zu dem Ergebnis, dass wir dies so verstehen wollen,
dass nicht grundsätzlich dem Nicht-Tätigsein der Vorrang zu geben
ist, aber dem Spirituellen eine angemessene Zeit einzuräumen ist.
Als Impuls am Nachmittag las
Wilhelm einen Auszug aus dem Roman "Das Kind von Noah" des
zeitgenössischen französischen Autors Eric-Emmanuel Schmitt vor, in
dem der Protagonist die Meinung vertritt, dass Gott seine "Aufgabe
erfüllt" hat und wir allein verantwortlich sind, für das, was
geschieht und nicht geschieht. Wilhelm erweiterte dies um den bereits von
Johannes XXIII. betonten Aspekt, dass Gott die Freiheit eines jeden Menschen
achtet, wir uns ihm öffnen, aber auch verschließen können.
Öffnen wir uns ihm, so wirkt er durch uns in der Welt (vgl. auch Eph.
3,20). Anschließend gingen wir mit diesen geistlichen Anstößen
in die Stille und trafen uns dann zur Anbetung und nach dem Abendessen zur
Feier der Heiligen Messe, wo wir uns im Predigtgespräch austauschen
konnten.
Bei mir hat diese Betonung der menschlichen Freiheit und
Verantwortung einerseits und des Wirkens Gottes durch den Menschen andererseits
ein Gefühl der Befreiung und Erleichterung ausgelöst, wobei ich auch
finde, dass mein Gottesbild zugleich an "Last" verliert. Andererseits empfinde
ich es als große Herausforderung, in meinem Leben dieser menschlichen
Verantwortung immer gerecht zu werden. Ein bisschen fühlte ich mich durch
den Impuls von Wilhelm aber auch an die Stimmung in den Romanen von Camus
erinnert, in denen der Mensch doch sehr auf sich zurückgeworfen ist und
ich möchte mich eigentlich weiterhin bei Gott "beschweren" können und
ihn um etwas bitten können, schließlich gibt es ja beispielsweise
auch die Psalmen, in denen die Menschen bitten und klagen.
Am
Pfingstsonntag trafen wir uns dann morgens nochmals zu einem dritten Impuls und
Austausch zusammen. Dabei stand ein Bild von der Heiligen Dreifaltigkeit aus
der Kirche Urschalling am Chiemsee im Mittelpunkt, auf dem der Heilige Geist
als Frau, von Gott Vater und Gott Sohn gehalten, abgebildet ist. Wilhelm
stellte uns den Gedanken von Leonardo Boff vor, Maria als Personifikation, Zelt
des Heiligen Geistes zu sehen. Auch erfuhren wir, dass "Geist" im
Hebräischen weiblich ist und die gleiche Wurzel hat wie Barmherzigkeit.
Besonders deutlich wird die Verbindung zwischen Maria und dem Heiligen Geist in
der Verkündigungsszene (LK 1, 26 ff.), wo Wilhelm darauf hinwies, dass es
kein Zufall ist, dass der Engel Gabriel ("Gottes Kraft") Maria die frohe
Botschaft brachte. Im Anschluss daran diskutierten wir noch, inwieweit für
unser Gottesbild eine weibliche Darstellung wünschenswert oder eher
irritierend ist.
Die Pfingstmesse feierten wir dann
mit der Ortsgemeinde in der schönen, an das Kloster angrenzenden Kirche
mit brausender Orgel und lautem Gesang. Insgesamt war das Wochenende für
mich spirituell und menschlich sehr bereichernd, wozu nicht zuletzt auch die
vielen menschlichen Begegnungen mit den anderen Teilnehmern beigetragen haben
als auch die dem Karmel eigene Atmosphäre mit der Möglichkeit am
Stundengebet der Mönche teilzunehmen.
Judith Rieland
2. Bericht
Der Weg ins Karmelitenkloster
Springiersbach war mit Staus und so genanntem zäh fließenden Verkehr
gepflastert, so dass einige erst sehr spät ankamen. Die "Früheren"
konnten schon die Umgebung des Klosters erkunden: herrlicher Wald mit
mächtigen Baumriesen, 5 Privathäuser, ein Wirtshaus, das geschlossen
ist, nebenan ein Familien-Ferienheim. Wenn es das nicht gäbe - und die
Vögel - könnte man die absolute Stille kennen lernen. Also Erholung
pur für Leib und Seele.
Für die erste Einheit am Samstag um 9.00
Uhr hatte uns Wilhelm Kolks die "Klopfzeichen-Litanei" mitgebracht. Nach einem
Text von Ernesto Cardenal: "Der Durst nach Gott" sangen wir den Geist-Hymnus,
mit dem wir dann in die Kleingruppen gingen.
Um 15.00 Uhr las uns Wilhelm einen
Abschnitt aus Eric-Emmanuel Schmitts Buch: "Das Kind von Noah" vor, und zwar
den, wo der Nazi-Offizier in der Dusche der jüdischen Jungen auftaucht und
sich dazu entscheidet, sie nicht zu verraten bzw. zu verhaften. An diesem
Beispiel sollte aufgezeigt werden, dass wir einen Gott haben, der uns die
Freiheit gegeben hat, uns für das Gute oder das Böse zu entscheiden,
und dass auch in dem Offizier dieses Wissen vorhanden war. Damit sollte auch
gesagt werden, dass wir allein für das verantwortlich sind, was wir tun
oder lassen. Dieser Gott lenkt unsere Herzen, aber greift ansonsten nicht -
oder nur selten - ein, da ER unsere Freiheit respektiert. Johannes XXIII hat
einmal gesagt: Man muss vor allem die Freiheit eines jeden Menschen achten.
Gott selbst tut es auch. Nun, es waren gute Gedanken, die wir in dieser Einheit
zu hören bekamen und mit denen wir in die Stille gingen, um uns danach um
17.00 Uhr zur Eucharistischen Anbetung in der Hauskappelle wieder zu treffen.
Die Eucharistiefeier um 19.30 Uhr wurde
- pfingst-gerecht - mit gewaltigen Blitzen und Donner begleitet, so dann
Wilhelm zeitweise seine Stimme anheben musste, um durchzudringen. Anstatt einer
Predigt gab es noch einen Austausch über das, was vom Gehörten noch
"rumorte". Und am Schluss des Gottesdienstes sangen wir, immer noch wurde etwas
gewünscht, wir konnten gar nicht genug bekommen und nahmen dann die
Liederbücher mit, um im Keller - mit Bier und/oder Wasser in der Hand -
weiter zu singen.
Am Pfingstmorgen nahmen wir an der Laudes der Patres (aus
nur 4 Personen besteht der Konvent) in der Hauskapelle teil. Auf dem
Umschlagblatt des Geist-Hymnus war die Fotografie einer Darstellung der
Dreifaltigkeit in der Kirche in
Urschalling abgebildet - eine Malerei auf dem 14. Jhd. Das Bild zeigte den
Heiligen Geist in weiblicher Gestalt. Wilhelm zitierte dazu aus dem Buch "Ave
Maria" von Leonardo Boff: Wenn schon Maria Tempel des Heiligen Geistes genannt
wird, könne man durchaus den Geist Gottes weiblich sehen. So wie sich in
jedem Menschen Anima und Animus verbinden, könnte man das vielleicht bei
Gott auch so denken. Wer weiß!! Ein sehr kühner Gedanke, der aber
auch von anderen Theologen in diese Richtung gedacht wird. So las ich im
"Christ in der Gegenwart" vom 3. Juni diesen Jahres, dass für Hans Urs von
Balthasar das Bild von Mann und Frau und dem Kind eine Entsprechung für
dieses Mysterium ist.
Den Abschluss der Tage bildete der
Pfingstgottesdienst in der Klosterkirche mit einer guten Predigt vom Pater
Domenikus. Und dann war schnelles Kofferpacken angesagt, Mittagessen, und schon
wieder war eine gute, gemeinsame Zeit zu Ende.
Marlene Gries
1. Bericht
Wie fast jedes Jahr war es auch in
diesem Jahr ein sehr heftiger Wechsel vom Stress der letzten Schulwochen in die
Ruhe der Nazaretzeit. Wir waren in einem Jugendhaus der evangelischen
Landeskirche in Gernrode untergebracht und hatten die Anlage ganz für uns.

Besonders beeindruckt waren wir alle
von der Stiftskirche direkt neben unserer Unterkunft. Errichtet im romanischen
Baustil, renoviert im 18. Jahrhundert bot sie einen schönen Anblick von
außen und eine würdige Ausstrahlung im Innern.
Am ersten Sonntag
der gemeinsamen Zeit feierten wir einen Gottesdienst im Freien, ab Montag
begann der "übliche" Rhythmus mit Impuls, Gesprächsrunde und Zeit zur
freien Verfügung am Nachmittag - doch nein: Genau hier war auch etwas
Neues eingekehrt! Neben den beiden Gesprächsgruppen hatte sich
nämlich auch noch eine so genannte Schweigegruppe gebildet. Statt nach dem
Impuls ins Gespräch darüber zu gehen, nahmen die Teilnehmer der
Gruppe diesen mit ins Schweigen. 
Unter Anleitung von Thomas Hofbeck
wurde hier im Stile des Zen bzw. der Kontemplation "gesessen" im Wechsel mit
Phasen des Gehens. Die Resonanz auf das Angebot dieser Gruppe war wesentlich
höher als erwartet (etwa die Hälfte der erwachsenen Teilnehmer
entschieden sich für diese Gruppe), was am Ende der Zeit auch die Frage
aufwarf, ob sich eine solche Gruppe auf Dauer etablieren lässt, oder ob
man dadurch den anderen etwas "wegnimmt", indem man sich ins Schweigen
zurückzieht. Die Teilnehmer der Schweigegruppe äußerten sich
jedenfalls sehr positiv über das Angebot, gerade auch solche, die aus
einem sehr unruhigen Alltag in der Nazaretzeit gekommen waren und auch dankbar
für die Stille waren. Natürlich gab es auch wieder einen
Wüstentag und zwei Ausflugstage.
Sehr angetan waren wir alle von der
Gegend des Harzes: sie bot von Kultur (romanische Kirchen, herrliche
Städte, wie z.B. Quedlinburg...) bis Natur (Ausflug zum Brocken,
wunderbare Wanderung durchs Bodetal, Teufelsmauer) alles, was das Urlauberherz
begehrt. Gleichzeitig lassen verfallene oder leerstehende Häuser auf eine
hohe Abwanderung der Bewohner dieser Region schließen, so dass die
Gefühle häufig hin und her gerissen waren. Nach Aussagen des
örtlichen Bürgermeisters herrscht hier eine Arbeitslosigkeit von
über 20% und fast die Hälfte der Bevölkerung ist im Rentenalter.
Die Begegnung mit dem Bürgermeister war für uns alle sehr
beeindruckend; er erzählte uns seinen Lebenslauf, was für uns wie
eine zusammengefasste, erlebte DDR- und Wende-Geschichte wurde.
Die Kinder
und Jugendlichen kamen auch nicht zu kurz (in Freizeitbädern, auf der
Sommerrodelbahn, am Weiher zum Schwimmen). Während der Impulse und Gruppen
wurden die jüngeren Kinder von einer Betreuerin aus Gernrode versorgt, die
älteren Kinder und Jugendlichen machten sich zusammen mit Wilhelm Kolks
daran, einen Film zu drehen, der während des Familientreffens in Bonn
gezeigt werden soll.
Interessant zu beobachten waren auch die
Kulissenarbeiten für den Film "Die Päpstin", von dem ein Teil in der
Woche nach unserem Aufenthalt in Gernrode auf dem Gelände gedreht werden
sollte. Abgerundet wurde die gemeinsame Zeit wie immer durch einen bunten
Abend, an dem wir u.a. ein Quiz über den Harz mitmachen durften und
natürlich auch den Film der Jugendlichen sehen durften.
Der Regen am
Heimreisetag machte uns den Abschied etwas leichter.
Marianne
Hofbeck
2. Bericht
Mama hat mich gebeten, einen Bericht
über die Nazaretzeit zu schreiben. Ich weiß nicht genau, was und
fang halt jetzt einfach mal an.
Was die Erwachsenen so gemacht haben,
weiß ich nicht genau. Aber ich weiß, was wir gemacht haben:
Die
Kleineren von uns waren in der Kinderbetreuung, wo sie viel gebastelt und
gespielt haben, und waren auch in einem Museum (wo uns gezeigt wurde, wie
Schule zu Großmutters Zeiten war) und einer Kirchenführung, bei der
die Betreuung sich als Stiftsfräulein verkleidet hatte.
Während
der gleichen Zeit haben die etwas Größeren von uns einen Film oder
besser gesagt die Tagesschau Harz 4 und die Quizshow "Hätten Sie's
gewusst?" gedreht. 
Ich fand es schön, dass
draußen der Hartplatz war, wo wir immer spielen und uns die
Füße schwarz machen konnten. Unser Zimmer war schön groß,
doch für die Größe hat unser Fenster leider nicht ganz
gereicht.
Da im Keller ein Kicker stand, gab es auch noch ein
Kickerturnier, doch auch außerhalb des Turniers war der Kicker immer
besetzt.
Der bunte Abend war sehr unterhaltsam. Aufgetreten sind Martin
Güttner mit seiner Zaubershow zusammen mit seinen Assistentinnen Anne
Stauner, Dorothee Kirchmayer, Miriam Steinle sowie Anna und Ulrike Hofbeck. Als
Band spielten Benedikt Löhlein, Benjamin Schmolke und Paul Nothaft, in ein
paar Sketchen zeigten Miriam Steinle, Dorothee Kirchmayer, Anna und Ulrike
Hofbeck ihr schauspielerisches Talent. Zuletzt wurden noch die selbst gedrehten
Filme gezeigt. Alles in allem war es eine tolle Nazaretzeit.
Anna
Hofbeck
Brannte uns nicht das Herz...
Charles de Foucauld und seine
"Begleiter" auf dem Glaubensweg
Impuls zur Jahresversammlung 2008
als pdf-Datei
Berichte von Teilnehmern
"Die Kraft, die Wunder schafft"
Vielleicht war es ja kein
Wunder. Aber ein bisschen außergewöhnlich war es schon. Soviel
gelacht, getanzt und auch geschwindelt wurde selten bei einem Jahrestreffen.
Geschwindelt? Absichtlich sogar! Denn es gehörte - gleich zum
Auftakt - zu den Aufgaben jedes Teilnehmers, unter drei bestimmte
autobiographische Angaben jeweils eine falsche zu schmuggeln. Eine
Kennenlernrunde der anderen Art. Beim Rätseln über die falsche
Fährte lernte manch eine/r mehr über seinen Nachbarn/Nachbarin als
bei jeder noch so gutgemeinten Aufzählung biographischer Daten. Dass es
dabei nicht bierernst zuging, versteht sich von selbst...
Und
getanzt: Bei Gila Antaras tanzbarem Ohrwurm "Die Kraft, die Wunder schafft"
fingen sogar diejenigen Feuer, die schon lange kein Tanzbein mehr geschwungen
hatten. Dem Thema des Treffens, abgeschaut von "zwei Christen in Bewegung", tat
das nur gut: "Brannte uns nicht das Herz?" Diese Frage der beiden
Emmausjünger war der rote Faden des Wochenendes. Vom biblischen Text, wie
Lukas ihn überliefert, war es dann nur ein kleiner Schritt zu der ganz
persönlichen Frage: Wer oder was hat mein Herz entflammt? Oder manchmal
auch die Glaubensglut gehemmt und erstickt?
Und geredet.

Denkanstöße
gab es genügend. Wer in der Emmaus-Geschichte nicht fündig wurde,
für den hatten Thomas Kirchmayer und Marianne Bonzelet einen ganzen
Strauß von Stationen des Lebens- und Glaubensweges von Bruder Karl, aber
auch von anderen spirituellen und anderweitig prägenden
Persönlichkeiten des zwanzigsten Jahrhunderts vorbereitet. Inspiriert von
solchen Impulsen entspann sich in Kleingruppen ein intensiver Austausch, bei
dem selbst altgediente C.d.F.ler ein um das andere Mal feststellten: Das habe
ich von dir noch gar nicht gewusst.
Gebetet und gefeiert: Vom
Austausch war es dann nur noch ein kleiner und selbstverständlicher
Schritt zum gemeinsamen Beten als Morgenlob, bei der abendlichen Anbetung oder
'nur' bei Tisch. Als Höhepunkt wird uns jedoch der gemeinsame
Sonntagsgottesdienst mit den Geschwistern der Kommunität Imshausen und mit
der Ortsgemeinde in Erinnerung bleiben. Eine Feier, die das Verbindende des
christlichen Glaubens über alle faktischen und/oder herbeigeredeten
Noch-Trennungen zwischen evangelischen und katholischen Christen deutlich
hervortreten ließ. Diese Verbundenheit erschöpft sich bei weitem
nicht nur in einem gemeinsamen Fundus von Taize-Liedern. (Die Frage bei der
Liedauswahl: "Welche Taize-Lieder kennt ihr denn?" konnte unsererseits mit
einem unbescheiden kurzen, aber zutreffenden "Alle" beantwortet werden).
Dass Gertrud Stahl aus der Bonner Gruppe in diesem Gottesdienst der
Gemeinschaft Charles de Foucauld beitrat, war nur stimmig und folgerichtig.
Einen angemesseneren Ort für diese schlichte Zeremonie hätte es kaum
gegeben.
Wenn Menschen sich auf die eigenen Glaubensquellen oder vielleicht
auch Wurzeln zu besinnen; wenn sie sich offen darüber auszutauschen, ohne
dass ein Austausch in Abgrenzung oder Spaltung endet; wenn intensive
Kommunikation stattfindet, dann ist das in Zeiten von Dauerberieselung,
Platitüden und Oberflächlichkeiten nicht wenig. Vielleicht sogar ein
kleines Wunder. Imshausen bot den Rahmen dazu.
Wir bedanken uns an dieser
Stelle bei allen VorbereiterInnen dieses Wochenendes: Marianne Bonzelet, Mona
und Thomas Kirchmayer, Martin Güttner und Marlene Gries. Und bei allen,
die im Hintergrund zu einem Gelingen des Treffens beigetragen haben. Wir
bedanken uns ferner bei der Kommunität Imshausen und der Stiftung Adam von
Trott zu Solz für die gastfreundliche Aufnahme.
Matthias
Stoppok
2. Bericht
" ......... brannte uns nicht das
Herz?"
Lange bin ich noch nicht in der Gemeinschaft. Da ich gerne auch
Mitglieder über unsere Gruppe hinaus kennen lernen und andere
wiedertreffen wollte, nahm ich in diesem Jahr zum ersten Mal an einem
Jahrestreffen der Gemeinschaft teil. Das Wochenende wurde für mich ein
spannendes, tolles und tiefes Erlebnis.
Marianne Bonzelet und Thomas
Kirchmayer haben die Inhalte des Wochenendes sehr gut und mit viel Mühe
vorbereitet. Von den 18 Teilnehmern gehörten vier zu unserer Gruppe in
Schwerte.
Am Freitag machte ich mich dann alleine auf den Weg nach
Imshausen auf, da die drei anderen direkt von Schwerte aus fuhren. Das
wunderschön gelegene Herrenhaus der Adam von Trott Stiftung war gut zu
finden. Marlene, die alles Organisatorische geplant und vorbereitet hatte,
begrüßte die Teilnehmer herzlich und wies uns die Zimmer zu. Die
antik eingerichteten Zimmer, die jeweils auch einen Namen hatten - meins
hieß Hofzimmer, luden gleich zum Wohlfühlen ein.
Im
Empfangsraum, der gleichzeitig auch Speiseraum war, begrüßten wir
Teilnehmer uns herzlich und waren gleich in Gesprächen vertieft. Schnell
lernten die, die sich noch nicht kannten einander kennen.
Am ersten Abend
haben wir gelogen, dass sich die Balken biegen (keine Angst: das Haus steht
noch). Aufgabe war: Jeder sollte drei Aussagen zu seiner Person machen. Eine
Aussage sollte gelogen sein. Die anderen mussten raten, welche dies ist.
Die Aussagen:
" · Ich war ein(e) ........................
Schüler(in).
" · Mein Lieblingsspielzeug war
...................................................
" · Als Kind
dachte ich: Wenn ich mal groß bin, dann will ich
.......................... werden.
Es war sehr lustig. Wir lernten uns
näher kennen und haben dabei viel gelacht. Mal eine andere Art von einer
Vorstellungsrunde!
Anschließend klang der Abend gemütlich aus.
Alle hatten sich viel zu erzählen.
Das Morgenlob am Samstag stimmte
uns schon auf das Thema ein: "......brannte uns nicht das Herz!" Die
Emmausgeschichte sollte uns an diesem Wochenende begleiten.
In der ersten
Arbeitseinheit stellte Marianne sehr anschaulich Menschen, Ereignisse und
Bücher vor, die Charles de Foucauld in seinem Leben und Glauben
geprägt haben.
Anschließend hatte jeder Zeit, auf sein eigenes
Leben zu schauen: "Wer oder was hat mich geprägt?". Vor dem Mittagessen
gab es darüber in drei Kleingruppen einen Austausch. Dieser war sehr
intensiv.
Nach dem Mittagessen war Pause und ausreichend Zeit für
einen Spaziergang. Zum Kaffeetrinken trafen wir uns wieder in Empfangsraum.
In der zweiten Arbeitseinheit sahen wir uns zunächst Plakate mit
bekannten Persönlichkeiten im Glauben an. Diese waren nach Zeiten geordnet
im Zeitraum von Bruder Karl bis heute. Wir ließen die Bilder und
Persönlichkeiten auf uns wirken und tauschten dann unsere Gedanken dazu
aus. Anschließend beschäftigten wir uns dann in den Kleingruppen mit
Impulsfragen zu den Plakaten im Bezug auf unseren persönlichen Glauben.
Auch diesmal gingen die Gespräche sehr in die Tiefe.
Nach dem
Abendessen wurden Visionen vorgestellt. Diese nahmen wir mit in die Anbetung
hinein, für die wir uns eine Stunde Zeit nahmen.
Auch der zweite Abend
klang gemütlich und lustig aus.
Beim Morgenlob am Sonntag hörten
wir den letzten Teil der Emmausgeschichte. Jeder überlegte für sich:
"Welches Licht nehme ich mit?" Symbolisch durfte sich jeder ein von Marianne
selbstgebasteltes Licht mit nach Hause nehmen. (Dies steht jetzt beim Schreiben
neben mir!)
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zur
Kommunität Imshausen (oben auf einem Berg) auf. Dort feierten wir
gemeinsam mit den Mitgliedern der Kommunität Gottesdienst. Mit diesen
verbindet die Gemeinschaft eine lange Freundschaft. 
Im feierlichen Rahmen
dieses Gottesdienstes trat Gertrud Stahl, die schon lange ihrer Gruppe
angehört, als festes Mitglied der Gemeinschaft bei. Martin Güttner
als unser Sprecher, gratulierte ihr dazu recht herzlich. Anschließend
hatten wir noch Gelegenheit zum Austausch und Gesprächen mit den
Mitgliedern der Kommunität.
Mit einer Abschlussrunde, in der noch
verschiedene Punkte besprochen wurden, beendeten wir unser Jahrestreffen. Vor
der Abreise und der Verabschiedung stärkten wir uns noch mit einem
Mittagessen.
So machten wir uns an Leib und Seele gestärkt wieder auf
den Weg in die Heimat. Dabei dachte ich noch oft: "....brannte uns nicht das
Herz!"
Hier sind noch die Impulsfragen der zweiten Arbeitseinheit,
vielleicht auch als Arbeitshilfe in der eigenen Gruppe:
1. Wähle eine
der dargestellten Situationen aus, die dich besonders angesprochen hat ...
" Was hat diese Phase damals für mich persönlich bedeutet?
"
Was bewirkte sie für mein Leben?
" Was ist mir in dieser Phase evtl.
auch genommen worden?
2. Brannte uns nicht das Herz ...?
" Was
hält "mein Feuer" heute am Brennen?
" Was fehlt mir heute?
"
Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang für mich die Gemeinschaft CdF?
3. Meine Zukunftsvisionen / Wünsche für die Zukunft
" Was
möchte ich verlebendigen?
" Was erhoffe ich?
" Was suche ich?
Hildegard Goclik
"Wenn die Giraffe mit dem Wolf
tanzt"
Einblicke in die gewaltfreie Kommunikation
Berichte von Teilnehmern
1. Bericht
Also ich, da bin ich ehrlich, hätte die
Tanz-Paare anders zusammengestellt! Etwa, den Wolf mit dem Lamm und die Giraffe
mit dem Elefanten, aber das Thema hieß:
"WENN DIE GIRAFFE MIT DEM
WOLF TANZT!"
Gut, später habe ich dann von den entsprechenden
Handpuppen erfahren, dass die beiden sich prima ergänzen. Weil
nämlich der Wolf bei seinen Mitgeschöpfen nicht besonders beliebt ist
und wegen seinen kurzen Beinen und seinem ausgeprägten Geruchssinn mehr
auf dem Boden ist, die Giraffe dagegen den Überblick hat und mit ihrem
langen Hals an viele Köstlichkeiten kommt und das größte Herz
unter den Säugetieren hat.
"Gewaltfreie Kommunikation? Das klang
nach Zähne ziehen, nach Biss verlieren und Kraftlosigkeit", wie es im Buch
von Serena Rust heißt und auch ich war sehr skeptisch!
Wir, 21
Teilnehmer/innen und die beiden Referentinnen Stefanie Bruckmeir und Dr.
Elisabeth Schiefer verbrachten also das Wochenende vom 18.-20 September mit
Giraffe, Wolf und exzellentem Essen (vermutlich war der Wolf deshalb so
friedlich!) im Jugendhaus St, Kilian in Miltenberg am Main.
Zunächst erfuhren wir dass der 1. Schritt zur gewaltfreien
Kommunikation die Beobachtung ist: Ich beschreibe neutral, ohne Bewertung und
ohne Generalisierung die Sachlage! "Ingrid hat mich nicht gegrüßt!"
Im 2. Schritt geht es um die Klärung der Gefühle: Ich drücke
mein Gefühl aus! "Ich bin wütend, weil du mich übersehen hast!"
Dann formuliere ich im 3. Schritt mein Bedürfnis, allgemein, positiv,
ohne Orts- und Zeitangaben und unabhängig von der Mitwirkung einer
bestimmten Person. (Es sei kurz angemerkt, dass dies nicht so einfach ist, wie
es hier steht!) "Ich brauche Anerkennung!"
Im letzten Schritt geht es darum
eine Bitte an mein Gegenüber zu formulieren. (die auch abgelehnt werden
kann, ansonsten handelt es sich um eine Forderung) Aber auch hier locken
Fallen: "Ich wünsche mir, dass du mich mehr beachtest", wird wohl ein
"Frommer Wunsch" bleiben, weil er zu unkonkret ist! "Ich möchte, dass du
mich nächste Woche grüßt, wenn wir uns sehen", ist dagegen eine
erfolgversprechende Bitte!
Ja und dann gibt es da noch die Ohren der
beiden Tänzer.
Sind meine Wolfs-Ohren nach außen gerichtet,
reagiere ich auf den Eindruck meines Gegenübers: "Du bevormundest mich."
mit der Aussage: "Das bildest du dir nur ein."
Sind sie in dieser
Situation nach innen gerichtet ist meine Reaktion: "Stimmt wohl. Ich bin
einfach unmöglich."
Aber auch der 2. Tanzpartner die Giraffe hat 2
Möglichkeiten. Sind meine Giraffen-Ohren nach außen gerichtet,
reagiere ich darauf mit: "Bist du frustriert, weil du selbst
entscheiden möchtest?"
Oder sie sind nach innen gerichtet dann sage
ich vielleicht: "Ich bin traurig, weil mir Gleichwertigkeit
wichtig ist."
Ihr ahnt vielleicht, dass das mit der "Viecherei" eine sehr
anregende Sache war, wo wir viel gelernt, aber genauso viel gelacht haben. Ich
für meinen Teil plädiere für einen Tanzkurs II und bin, wenn ich
Zeit habe, auf alle Fälle wieder dabei!
Theresia Kruse
2. Bericht
Zu unserem diesjährigen Jahrestreffen
reiste ich mit gemischten Gefühlen, standen die Tage diesmal doch nicht
unter einem primär theologisch-spirituellen Thema, sondern waren als
"kommunikationspsychologischer" Workshop zum Thema "gewaltfreie Kommunikation"
gedacht. Grundsätzlich unterhalte ich mich auf psychologischer Ebene
lieber im Zweiergespräch und sind mir Gruppengespräche auf dieser
Ebene eher suspekt, da die Wirkung des Gesagten im Gegensatz zum
Zwiegespräch sich in der Gruppe ja vervielfacht und auch auf vielfache
Interpretationsmöglichkeiten stößt, die möglicherweise gar
nicht beabsichtigt waren, was im Zwiegespräch mit einer vertrauten Person
seltener vorkommt.
Von dem Bedürfnis gedrängt, endlich einmal
wieder die vielen Mitglieder der Gemeinschaft zu treffen, die ich sonst das
Jahr über nicht sehe, meldete ich mich aber doch zu dem Wochenende an. Im
Zug ab Aschaffenburg traf ich schon Mona Kirchmayer und Marianne Hofbeck, die
bereits ganz gespannt auf das Thema waren
Mein heimlicher Gedanke war
eher, dass ich das Thema in Kauf nehme, um am Jahrestreffen teilnehmen zu
können!
Nach dem sehr schmackhaften Abendessen und einer kurzen
Begrüßung durch Martin übernahmen die Referentinnen aus
Freiburg Frau Stefanie Bruckmeyer und Dr. Elisabeth Schieffer das Wort. Anhand
von Bildern, die wir uns aussuchen konnten, sprachen wir in der Runde über
unsere Assoziationen mit dem Wort "Begegnung" und anschließend spielten
die Referentinnen einen sehr realitätsnahen und deshalb auch sehr
amüsanten Sketch zum Thema "Zugfahrt und Handytelefonierer", bei dem es
einmal um ein fehlgelaufenes und einmal um ein gelungenes Beispiel für
Kommunikation zwischen dem ruhebedürftigen Passagier und dem
telefonierenden Geschäftsmann im selben Abteil ging.
Am Samstagmorgen
gingen wir dann gleich in medias res und die Referentinnen stellten uns das von
dem Amerikaner Marshal Rosenberg entwickelte Eisbergmodell vor, nachdem es bei
Kommunikation zwischen Personen nicht in erster Linie um die rational
erfassbaren Worte an der Spitze des Eisbergs geht, sondern um Gefühle und
Bedürfnisse und in diesem Bereich auch der Grund für Konflikte
anzusiedeln ist, da die Kommunikationspartner sich hier berühren.
Im
Verlauf des Tages versuchten wir uns dann den einzelnen Schritten der
gewaltfreien Kommunikation, dem Äußern
1) der möglichst
wertneutralen konkreten Beobachtung
2) der ausgelösten Gefühle
3) der dahinterstehenden Bedürfnisse und schließlich
4)
einer Bitte an den anderen zur Lösung des Konflikts
mit Hilfe von
Übungsblättern und Nachvollziehen erlebter, mit Konflikten
verbundener Kommunikationsabläufe anzunähern. Die von den
Referentinnen angeregten Übungen empfand ich als anschaulich und sie
machten das zuvor modellhaft Referierte für mich fassbarer.
Die
Mittagspause war dann eine erholsame Unterbrechung dieses intensiven
Lernprozesses, bei der ich unter anderem mit der ortskundigen Hildegard aus der
Aschaffenburger Gruppe einen Spaziergang durch die mittelalterliche Altstadt
von Miltenberg mit vielen Fachwerkhäusern und dem ältesten Gasthaus
Deutschlands sowie einer Burg und dann zurück am Mainufer unternahm. Am
Abend feierten wir mit Wilhelm Kolks in der sehr schönen Kapelle des
Hauses, welche mit modernen Fenstern neu gestaltet wurde, die Heilige Messe und
ließen den Abend in einer gemütlichen Runde ausklingen.
Sonntags
wurden wir endlich mit der Giraffe und dem Wolf, unter deren Motto ja das
Wochenende stand, bekanntgemacht. Beide haben ihre Daseinsberechtigung,
während der Wolf für an Grundbedürfnissen orientierte
Aggressivität nach außen oder innen steht, hat die Giraffe ein
großes Herz und Überblick und symbolisiert Einfühlung im
Hinblick auf das Gegenüber und die eigene Person. Wir bildeten Gruppen, in
denen jede Gruppe mal die verschiedenen Wölfe oder die verschiedenen
Giraffen auf von den Referentinnen gestellte Fragen zum Ausdruck bringen
durfte. Die Fragen waren aus dem Leben gegriffen und das Spiel verdeutlichte
sehr aufschlussreich die verschiedenen Reaktionsmöglichkeiten in diesen
lebensnahen konfliktträchtigen Situationen.
Abschließend
beschäftigten wir uns, wie bereits im von Mona Kirchmayer gestalteten
Morgengebet, noch mit dem Begriff der Dankbarkeit, die nach Marshal Rosenberg,
im Gegensatz zur Frustration unabdingbares Handlungsmotiv für nachhaltiges
fruchtbares Wirken in der Welt ist.
Nach Abschluss des Workshops war ich
zunächst erleichtert, dass sich meine anfänglichen Vorbehalte nicht
bestätigt hatten und hatte das Gefühl, dass die Auseinandersetzung
mit dem Thema ganz interessant war, war jedoch hinsichtlich der Umsetzbarkeit
in meinem Alltag eher skeptisch. Am Sonntagabend zuhause angekommen, fand ich
das Quartalsheft der Jesuiten im Briefkasten vor, welches diesmal unter dem
Thema "Keuschheit" steht und wo gleich in einem der ersten Aufsätze von
Dominik Terstriep SJ "Keuschheit" definiert wird als "Abstand zu nehmen von den
eigenen Interessen und einen Schritt hinter den spontanen Impuls
zurückzugehen. Vorschnelles Urteil, tendenziöse Interpretation,
Nutzbarmachung des anderen - all das wäre in diesem Sinne unkeusch. Wo ich
mir einen anderen in dieser Haltung des Abstands begegnen lasse, hat er die
Möglichkeit, das, was ich zuvor gar nicht erahnen und sehen konnte, zu
offenbaren. [
] Keuschheit könnte eine Einübung in diesen
unverstellten Blick sein um Menschen und Dingen und durch sie Gott nahe zu
kommen."
Plötzlich kam mir das am Wochenende Erfahrene in seiner
Intention und Umsetzbarkeit gar nicht mehr mir so fernliegend vor und ich bekam
Lust, mich damit in Zukunft stärker auseinanderzusetzen. Am Wochenanfang
im Büro machte ich dann auch gleich wieder die Erfahrung, dass sich mir
dort ein weites Anwendungsfeld eröffnet, um eingefahrene Muster von
Kommunikation und Kommunikationslosigkeit ansatzweise aufzubrechen und
konfliktträchtigen Herausforderungen besser begegnen zu können.
Vielen Dank allen, die teilgenommen haben und mir diese neuen Erfahrungen
ermöglicht haben!
Judith Rieland
Gebt 8! Ihr könnt
nicht Gott dienen und dem Kapital!
Über Pfingsten noch
Teilnahme an den Besinnungstagen der Gemeinschaft Charles de Foucauld im Karmel
an der Mosel. Für mich Anstoß, in der Stille dem Wirken des Hl.
Geistes nachzuspüren. Gestärkt durch das Fürbittgebet der
Mönche und der Gemeinde, gestärkt aber auch durch die guten
Wünsche der Mitglieder unserer Gemeinschaft. Dann am Mitt-woch, von
Dortmund aus, die Fahrt nach Rerik. Zu viert machen wir uns auf den Weg. Der
Koffer recht schwer durch die Rolle Stacheldraht, denn immerhin wollen wir ja
den Zaun um Heiligendamm verstärken. Es soll nicht nur ein Spruch bleiben,
was auf einem unserer Transparente steht: Kapitalismus hinter Gitter! Die Fahrt
verläuft reibungslos, trotz mehrmaligen Umsteigens sind wir gut in der
Zeit. Von Hamburg geht es nach Schwerin, hier soll am Samstag eine Demo von
Neonazis stattfinden, die aber gerichtlich verboten wird. Am Bahnhof ein Pulk
von Polizeiautos nebst den dazugehörigen Beamten, ein Bild, das sich in
den nächsten Tagen dauernd verstärken wird und als Horrorszenario im
Unterbewusstsein gespeichert bleibt. In Leinen brauchen und wollen wir nicht
umsteigen, auf diesem Bahnhof ist damals einer aus der RAF erschossen worden.
Mit der Begnadigung von Christian Klar hätte auch dieses Kapitel der
deutschen Geschichte einer Aufarbeitung näher gebracht werden können.
Aber diese Zeit spielt eine andere Melodie. Über Neubukow geht es dann mit
dem Bus in das Ostseebad Rerik Die Landschaft beeindruckt mit ihren sanften
Hügeln, kleinen Seen, den vielen Mohnblumen an den Feldrändern und
den blühenden Heckenrosen. Doch hinter all dem Staunen spüre ich ein
leichtes Grummeln in der Magengegend - Was machen wir, wenn Gregor wirklich
nicht kommt? Roswith beschwichtigt zwar und sagt: "Er kommt bestimmt, sonst
hätte er nochmal am Morgen angerufen." In Rerik sind wir fast die Ersten
im Haus, aber es dauert nicht lange, dann trudeln nach und nach alle ein. Nicht
ganz - der Bulli aus Frankfurt ist überfällig, wegen eines Unfalls
auf der Autobahn, kommt er erst nachts um 2.30 h. Nach dem Abendessen in der
Pizzeria und dem Vorbereiten der Mahnwache vor der Deutschen Bank in Rostock
warteten wir noch bis 1.00 h und gingen dann schlafen.
Morgens 6.30 h -
ich atme auf, der Bulli steht vor der Tür. Ich gehe in die Kapelle, um den
Morgenimpuls vorzubereiten. Vor dem Frühstück erfahre ich von Dieter,
dass Gregor in Frankfurt geblieben ist. Ich frage nach den Genehmigungen
für die Mahnwachen und übernehme mit den Papieren die Leitung
für dieses Pfingstkapitels. Nach dem Frühstück eine kurze
Absprache - Was brauchen wir alles in Rostock? - dann der Morgenimpuls und die
Busfahrt nach Rostock. Von der Haltestelle 15 Min. Fußweg bis zur
Deutschen Bank, der Busfahrer hatte mir einen Stadtplan gegeben, der uns auch
am Samstag noch gute Dienste leisten sollte. 5 vor 12 beginnen wir mit der
Mahnwache, zwei Polizeibeamte lassen sich die Genehmigung zeigen, nehmen meine
Personalien auf als Versammlungsleiter und verabschieden sich. Die
Kröpeliner Str. ist recht gut frequentiert und macht einen lebendigen
Eindruck. Viele Menschen bleiben stehen, lassen sich Flugblätter geben und
kommen mit uns ins Gespräch. Oft erhalten wir Zustimmung zu unserem
Slogan: Gebt 8! Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Kapital! Eine Stunde
Mahnwache, eine Stunde Leichenteppich - durchs Megaphon erinnere ich an die
Opfer dieses Systems und daran, dass der Reichtum einiger Weniger mit der Armut
der Vielen erkauft ist. In der letzten Stunde der Mahnwache nehmen wir die
Geldscheine der G8 Staaten, machen deutlich, dass sie für den zu Unrecht
angehäuften Reichtum stehen, entzünden sie an einer Kerze und lassen
die Asche vom Wind verwehen. Dazu lese ich die Strophe eines Kirchenliedes in
Anlehnung an den Lobgesang Mariens: "Es werden satt aufstehen, die arm und
hungrig sind; die Reichen müssen gehen, ihr Gut verweht im Wind." Die
Verbrennung der Geldscheine löst Kritik aus: "das geht zu weit!", damit
kratzen wir an einer heiligen Kuh, stoßen vielleicht aber auch
Denkprozesse an. Um 15.00 h beenden wir die Mahnwache, gehen noch ein Eis essen
oder etwas trinken und fahren dann zurück nach Rerik. Pünktlich zur
Mahnwache sind auch die vier Teilnehmer der ev. Kommunität Joachimstal
eingetroffen und verstärken unsere Gruppe.
Sie fahren mit dem Auto
am Kontrollpunkt Hinter Bollhagen vorbei, um zu erkunden, wo der Gottesdienst
am Freitag stattfinden kann. Mich wundert die schwache Polizeipräsenz in
der Fußgängerzone während unserer Mahnwache, begründe es
aber mit deren Kenntnis unserer Pfingstkapitel und der Tatsache, dass die
eigentliche Aktion oft erst am 2. Tag geplant und durchgeführt wurde. Doch
vermute ich, dass das städtische Baufahrzeug mit den beiden Arbeitern, die
den ganzen Nachmittag an einem Pflasterstein spielen, direkt neben unserer
Mahnwache, verdeckt ermittlerischen Hintergrund hat. Auf dem Heimweg dann
wieder das Gefühl, sich in einem aufgewühlten Ameisenhaufen aus
PolizeibeamtInnen und Polizeifahrzeugen zu bewegen. Nach einem
Strandspaziergang, dem Abendessen, einem ausführlichen Rückblick dann
die Vorbereitung unserer Mahnwache am Zaun von Heiligendamm. Die Joachimstaler
erzählen von der Ortsbesichtigung und dem vorbereiteten Gottesdienst.
Einige Verunsicherungen löst die Tatsache aus, dass sie noch nichts von
unserer geplanten Zaunverstärkung gehört hatten. Sie bringen den
Vorschlag ein, unsere Botschaft zum Zaun zu tragen. Ein Gedanke, den wir selbst
schon erwogen, dann aber wieder fallen gelassen hatten. Nach einiger Diskussion
einigten wir uns auf einen Ablauf im Dreischritt: erste Stunde Gottesdienst,
das Kreuz wird vor Ort gebaut und der Querbalken mit Stacheldraht umwickelt;
zweite Stunde Mahnwache am Straßenrand und dritte Stunde
Zaunverstärkung durch Sitzen auf der Straße mit Blick in Richtung
Zaun, das Kreuz hinter uns.
Freitag morgens nach dem
Frühstück wird alles zusammengepackt, was wir brauchen für
unsere Aktion und den Gottesdienst. Der Morgenimpuls ist geprägt von einem
Körpergebet, das ich anleite, einer stillen Zeit, in die uns Ellie mit
einem afrikanischen Instrument einstimmt und dem Gebet der IOF. Dann geht es
zum Bus. Kurz vor dem Kontrollpunkt müssen wir aussteigen. Mit
Polizeieskorte geht es im Gänsemarsch am Straßenrand entlang zum
Kontrollpunkt. Auch hier muss ich als Versammlungsleiter wieder meine
Personalien angeben, werde dann aber von den Bielefelder Beamten freundlich an
den zuständigen Einsatzleiter verwiesen. Der gestern von den
Joachimstalern ausgesuchte Ort für den Gottesdienst liegt innerhalb der
200 m Zone. Wir suchen uns einen Ort mit Schatten und einige von uns schreiten
die Strecke bis zum Zaun ab, um zu kontrollieren, ob das was uns die Beamten
erzählen auch stimmt. Claus-Dieter zieht sich seinen Talar an und wir
beginnen mit dem Gottesdienst, mit Liedern, ausgezeichneten Texten und einer
Predigt, die unsere Anliegen auf den Punkt bringt. Das Kreuz steht dabei in
unserem Halbkreis. Die Presse ist gut vertreten und wir geben den Reportern den
Tipp, dass wir noch den Zaun verstärken wollen. Damit die Presse sich
nicht vorher zurückzieht, bilden wir 5 Minuten einen Schweigekreis, um
danach mit der Sitzblockade der Zufahrtsstraße zu beginnen. Der für
uns zuständige Beamte kommt und fragt mich, wie lange wir die Straße
blockieren wollen? Ich antworte: "Bis 15.00 h haben wir die Mahnwache
angemeldet." "15 Minuten gebe ich ihnen, dann überlegen wir, was zu tun
ist." "Ok", antworte ich: "wir bleiben sitzen und sie überlegen in 15
Minuten, was sie tun müssen." Nach einer halben Stunde nehmen Claus-Dieter
und Hans-Jürgen Kontakt mit der Polizei auf, um das Transparent und das
Kreuz zum Zaun tragen zu können. Diese Anfrage benutzt die Polizei als
Hebel: "Räumt die halbe Straße, dann dürfen die Anderen an den
Zaun." Darauf lassen wir uns nicht ein, stellen das Kreuz noch einmal
bewußt hinter die Blockierer, weil wir befürchten, wenn Kreuz,
Transparent und Presse am Zaun sind, könnte ein günstiger Augenblick
entstehen um uns zu räumen. Wie vorher untereinander abgesprochen heben
wir nach einer Stunde die Blockade selbst auf und die Abordnung mit Transparent
und Kreuz kann unsere Botschaft an den Zaun bringen und dort befestigen. Der
Einsatzleiter teilt mir mit, dass er schriftlich Meldung machen muss und dass
ich sicherlich davon noch hören werde. Ich versuche ihm deutlich zu
machen, dass wir bei unseren Aktionen bereit sind, auch die Konsequenzen zu
tragen. Einige von uns bedanken sich bei der Polizei für ihr besonnenes
Verhalten, dann bilden wir einen Kreis, halten einen Augenblick Stille, singen
ein irisches Segenslied und machen uns auf den Heimweg. Vor dem Abendessen ist
noch Zeit für einen Besuch am Strand. Dankbar für die gelungene
Aktion lassen wir uns Wind und Sonne um die Nase wehen. Diese positive
Grundstimmung kommt auch Abends beim Rückblick zum Ausdruck und wird
zusammengefasst im positiven Dreiklang von Gottesdienst, Blockade und Botschaft
am Zaun.
Am Samstag dann beim Morgenimpuls ein Text von Gandhi, nicht
ahnend, wie aktuell er an diesem Tag noch werden sollte: "Für
wirtschaftliche Gleichheit zu arbeiten, heißt den ewigen Konflikt
zwischen Kapital und Arbeit beseitigen. Es bedeutet ein Herabdrücken der
paar Reichen, in deren Händen die Hauptmasse des Vermögens des Landes
ist, und ein Aufbessern der halbverhungerten nackten Millionen...Eine
gewaltsame und blutige Revolution ist unvermeidlich, wenn nicht der Reichtum
und die Macht, die der Reichtum gibt, freiwillig abgegeben und um des
gemeinsamen Guten willen geteilt werden." Wir nehmen unser Transparent und
gehen zur Bushaltestelle, der Himmel ist verhangen, das Sonnenwetter vorbei.
Eine Passantin behauptet: "Die Busse fahren heute nicht, wegen der
Großdemonstration in Rostock." Aber nach 45 Min kommt ein Bus, der uns
nach Marienehe bringt, von dort geht es mit der S-Bahn nach Rostock. Am Bahnhof
ein buntes Bild vieler Demonstranten, die zum Südausgang streben, von dort
soll die Demo losgehen. Wir wollen aber zur Marienkirche, uns dem Kirchenblock
anschliessen. In der Marienkirche dominieren die roten Ballons von Erlassjahr
und die Pace-Fahnen, die Kirche ist innen eingerüstet und wirkt auf mich
nicht sehr gemeinschafts stiftend. Schon bald werden wir aufgefordert die
Kirche zu verlassen, um uns dem Demonstrationszug anzuschliessen, der bald an
der Kirche vorbeiziehen würde. Ich treffe einige Arbeitergeschwister, die
ebenfalls nach Rostock gekommen sind, dann reihen wir uns hinter den
großen Puppen und der Kapelle in den Zug ein. Mit tanzenden, von der
Musik beschwingten Schritten, geht es in Richtung Hafen, wo die Kundgebung
stattfinden soll. Doch diese Beschwingtheit weicht immer mehr einer Depression,
als ich in den Nebenstraßen Polizisten sehe, die in ihrer Aufmachung den
Kampfmaschinen aus dem Krieg der Sterne nicht unähnlich waren. Über
dem Platz dann kreisende Hubschrauber, die mit ihrem Krach alles andere als
erheiternd wirken. Vom Westen her kommt der zweite Demonstrationszug. Wir sehen
einen ganzen Block Autonomer, die in der Demo mitmarschieren. Dann setzen sich
auf einmal überall Polizeitrupps in Bewegung, stürmen auf die
Demonstranten zu, es dauert nicht lange, da sieht man Steine fliegen und Qualm
aufsteigen. Die Musik auf der Bühne ist nicht in der Lage, die Stimmung zu
beruhigen. Immer wieder Ansagen, die man kaum verstehen kann durch den
Lärm der Hubschrauber über dem Platz. Die Organisatoren fordern die
Polizei auf, sich zurück zu ziehen und die Teilnehmer, sich ruhig zu
verhalten. Mit unserem Transparent: "Kapitalismus hinter Gitter!", werden wir
oft fotografiert. Wir beschließen um 17.00 h die Veranstaltung zu
verlassen. Auf dem Stadtplan entdecke ich eine S-Bahnstation, zu der wir nicht
durch die Innenstadt müssen. Dorthin führe ich die Gruppe, doch vor
uns eine Straßensperre der Polizei. War es doch die falsche Entscheidung?
Kommen wir jetzt erst in das Hick-Hack hinein? Plötzlich wird die
Straßensperre aufgehoben, die Polizeiwagen fahren weg, ungehindert
können wir die S-Bahnstation erreichen. In Marienehe müssen wir eine
Stunde auf den Bus warten. Wir nutzen diese Stunde, um zu ungewöhnlichen
Zeiten, an ungewöhnlichen Orten unsere Trauer und Wut über den Sieg
der Gewalt ins Gebet zu bringen. Eine Pace-Fahne als Tischdecke, zwei Scheiben
Knäckebrot und eine Flasche Apfelschorle sind die Zeichen dieser
Agapefeier, die in ihrer Dichte gleichzeitig ein würdiger Abschluss
unseres Pfingstkapitels war.
Kleine Schwester Monika Barbara aus Frankfurt berichtet vom
Regionaltreffen 2006 der Kleinen Schwestern Jesu:
Zum ersten Mal
fand es bei den Benediktinerinnen in Marienrode bei Hildesheim statt, die uns
ganz herzlich aufgenommen haben.
Zu Beginn nahmen wir uns Zeit für den
Rückblick jeder einzelnen Kleinen Schwester: Heilige Momente im
vertrauensvollen Mitteilen.
Am Montag kam Prof. März aus Erfurt, um
zum Thema "Hören" aus biblischer Sicht zu uns zu sprechen. Wir wollten in
eine Haltung des Hinhörens auf die Wirklichkeiten unseres Lebens und die
Situation der Region kommen.
Mit den Texten von Abraham, Mose, den 10
Geboten, der Aussendung der Jünger, dem Johannes-Prolog wurden wir hinein
genommen in das Suchen und Hören: Was hat das Wort Gottes für unser
Leben Heute zu sagen?
Die Wirklichkeit erfordert auch ein genaues
Hinhören auf die Menschen um uns mit all den Zweifeln, Glaubenslosigkeit
und Zusammenbrüchen im Leid. Im Antlitz des Anderen Sein Wort und Seine
Weisung miteinander zu erlauschen.
Lukas 2,19 wurde hilfreich für
unseren Weg: Maria bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und
dachte darüber nach. Prof. März wies uns darauf hin, dass das Wort
"bewahren" im griechischen Urtext "zusammenwerden, auslegen" bedeuten kann...
Als Schwestern miteinander zusammenlegen, hin- und her bewegen, im Herzen
tragen und aushalten... Weit weg von schnellen Antworten ahnen wir, dass in der
Haltung des Hinhörens und dem Zusammentragen von ganz Verschiedenem
Schöpfung geschehen kann.
Beim "Zusammenlegen" unserer Realitäten
in der Region sahen wir: Wir werden älter, 2 Gemeinschaften sind zurzeit
nur zu zweit, weniger Kl. Schwestern sind noch im Erwerbsleben tätig...
wie eine von uns sagte, laufen wir neben dem Boot auf dem Wasser. So viele
"Unmöglichkeiten" um uns herum... Die Einladung, unseren Blick auf den
"Meister des Unmöglichen" zu richten, ergeht neu an uns.
Im Rahmen
einer österlichen Feier haben wir Ulrike Dorothea ins Noviziat nach
Tansania und Sarah Maria nach Moskau entsandt. Und das Fest am Schluss stand
-natürlich- unter dem Motto: Nichts ist unmöglich!
So ein Treffen
ist eine echte Stärkung für unseren Alltag.
Im Vertrauen
Weitergehen, bis im Horchen auf die Realität klar wird, wohin Gott uns
ruft.
Be a present - 50 Jahre Kleine Schwestern in Deutschland
Es begann unter abenteuerlichen Umständen. Im Juni 1953 bezog
Kleine Schwester Cecile ein Quartier im zerbombten Kreuzgang des
Würzburger Domes. Die erste deutsche Niederlassung der Kleinen Schwestern
war gegründet. Aus diesem Anlass trafen sich Mitglieder aller Zweige der
"Charles-de-Foucauld-Familie", Freunde und Bekannte zu einem gemeinsamen
Dankgottesdienst und anschließender "Geburtstagsfeier" am 18. Oktober in
Frankfurt-Bornheim. Der Ort war nicht zufällig gewählt: In einem
Bornheimer Hinterhof befindet sich derzeit die "Zentrale" der Kleinen
Schwestern in Deutschland. Dass die Feier nicht nur ein Rückblick auf
Gewesenes, sondern eher eine Station auf dem weiteren Weg war, wurde schon im
Gottesdienst klar. Die Teilnehmer nahmen den Text des Eingangsliedes "Lobt den
Herrn auf Straßen und auf Plätzen" wörtlich und zogen vom
Vorplatz in die Kirche und am Ende des Gottesdienstes wieder hinaus. Solche
Bewegung ist geradezu typisch für die Spiritualität der Kleinen
Schwestern, die sich nicht in sakrale Binnenräume zurückziehen,
sondern die Begegnung mit den Menschen suchen. Der "Weg" stand auch im
Mittelpunkt der biblischen Texte (Rut 1,1-19; Joh 1,35-39), die vom Erfurter
Neutestamentler Professor März, der den kleinen Schwestern noch von ihren
Anfängen in der Ex-DDR her verbunden ist, einfühlsam ausgelegt
wurden.
Zur anschließenden Geburtstagsfeier waren mehr als 170 Gäste
gekommen. Wie immer hatte die Pfarrei "St. Joseph" Räume und Technik
großzügig zur Verfügung gestellt, für das leibliche Wohl
hatten zahlreiche Freiwillige mit selbstgebackenem Kuchen und Salatkreationen
gesorgt. Dass die verschiedenen Mitglieder der Familie Charles de Foucauld auch
gemeinsam den richtigen Ton finden, stellte die fünfköpfige
Klezmer-Band überzeugend unter Beweis.
Durch das
Programm führte ebenso einfühlsam wie souverän Bernhard Piniek,
der die zahlreichen Beiträge und Dankesworte mit viel Geschick zwischen
Kaffee, Kuchen und Thüringer Bratwurst platzierte.
Ein Höhepunkt des Nachmittags war ohne
Zweifel der von Bernhard Löhlein moderierte mediale Rückblick auf die
verschiedenen Stationen der Kleinen Schwestern in Deutschland, bei dem auch die
"Akteurinnen der ersten Stunde" zu Wort kamen. Heute sind ca. 40 Kleine
Schwestern in 7 Niederlassungen in der Bundesrepublik präsent. Ihre
Anwesenheit bedeutet nicht nur psychische Präsenz, sondern ist ein echtes
Geschenk (a present), wie Doris und Michael Sattler mit ihrem Grußbeitrag
deutlich machten. Als symbolisches Dankeschön hierfür erhielten alle
Kleinen Schwestern eine blaue Ansteckschleife.
Dankeschön auch an alle Mitwirkenden und insbesondere an
die Organisatoren Angelika und Bernhard Piniek für diesen "runden
Nachmittag"!
Matthias Stoppok
"Die Fraternität als Schule der Gemeinschaft
für die Sendung der Kirche heute"
Bericht zum
Europaverantwortlichentreffen der Priestergemeinschaft "Jesus
Caritas"
Jesus Caritas - Europa
Beim Zusammenkommen der
Priester der Priestergemeinschaft geht es nie bloß um eine Theorie. Es
geht um das lebendige Sich Verbinden in der Liebe Jesu Christi (Jesus Caritas),
welche das Herz und die Seele Charles de Foucaulds, der Priestergemeinschaft,
ja der Kirche ist. So war auch das Zusammentreffen der Verantwortlichen aus 9
europäischen Ländern im Süden Österreichs von diesem Geist
geprägt. Mitbrüderlich und herzlich war bereits das Ankommen.
Fast alle Teilnehmer waren auch beim Weltverantwortlichentreffen im
November 2006 in Brasilien. Menschlich und inhaltlich konnte dieses Treffen
nahtlos daran anknüpfen.
Der Impuls der Seligsprechung
Mit der Seligsprechung Charles de Foucaulds ist sein Charisma, das
Besondere seiner Spiritualität und Sendung für die Kirche heute
wieder stärker in den Blick gekommen. Was das im Leben der
Fraternitäten und im konkreten Leben der Sendung der Kirche vor Ort
heißen kann, ist weltweit wieder neu zum Thema geworden und hat auch uns
diese Tage bewegt.
Brasilien und unsere Regionen
Der erste
Tag nach der Ankunft diente dem Rückblick und dem Heraufholen der
Brasilieneindrücke. Auch kamen die Fraternitäten und die
gesellschaftlichen und kirchlichen Situationen in den verschiedenen Regionen
Europas in den Blick - Freuden und Hoffnungen, Sorgen und Nöte. Diese
sollten eine Bestärkung und Ermutigung erfahren. Freude und Hoffnungen,
Sorgen und Nöte sind so etwas wie zwei Geschwister, die gemeinsam den Weg
gehen möchten, sich gegenseitig mitnehmen und mittragen.
Die
Fraternität als Schule der Gemeinschaft
Der zweite Tag diente
einem ersten Einstieg in das gestellte Gesamtthema, bildet doch die
"Fraternität" den ersten der in der Wegweisung der Priestergemeinschaft
genannten bedeutsamen Wege für diese. Die "Fraternität" ist mehr als
bloß eine Kuschelecke oder eine Selbsthilfegruppe, mehr als ein Ort des
Auftankens und Atemholens. Sie ist ein Platz der Einübung einer konkreten
Entfaltung der Liebe Gottes in Jesus Christus, die damit eine universale
Bedeutung bekommt. Sie ist ein Ort, wo wir uns einüben, einander in
absichtsloser Liebe als Bruder und Schwester anzunehmen. Von Anfang an steht
die Fraternität im größeren Kontext der Kirche als Ort, der dem
Einzelnen und der Kirche als Ganzer Hilfe sein möchte, den Ruf Gottes zu
hören und eine entsprechende Lebensantwort zu geben.
Gut tat es
wahrzunehmen, wie Jesus selber in so genannten "Schulen der Fraternität"
gelebt und sie angestiftet hat (Familie, Kreis der Apostel
) und wie die
junge Kirche in den Häusern zusammengekommen ist, den so genannten
"Hauskirchen", und sich in ganz konkreten Vollzügen als
Gemeinschaft/Communio von Gott dem Dreieinen her gebildet hat (Teilen der
Erfahrungen und des Wortes Gottes, Brechen des Brotes und Feiern der
Eucharistie, miteinander beten und singen, füreinander Sorge tragen und
Solidarität leben - vgl. Apg 2,41-45).
Auch in unserem eigenen Leben
konnten wir entdecken, dass wir als Christen und Priester heute angestiftet,
geprägt und getragen sind von solchen Lernorten und Schulen der
Gemeinschaft (Familie, Pfarrgemeinde, Bibelkreis, Jugendgruppen,
Familienrunden, Geistliche Bewegungen, Priesterseminar,
Dekanatspriestertreffen, Priestergemeinschaft
).
Orte
gemeinschaftlichen Kircheseins - Pfarrbesuche
Für
Samstagnachmittag und Sonntag galt es aufzubrechen in verschiedene Pfarren in
Kärnten, Salzburg und in der Steiermark. Wie vielfältig das
kirchliche Leben und Engagement ist, wurde hier deutlich. So konnte nicht nur
die Situation des Gastgeberlandes besser wahrgenommen werden, auch der Blick
auf die Lebens- und Glaubenssituation sowie auf das priesterliche Wirken in den
verschiedenen Herkunftsländern konnte sich schärfen und
verändern. Die daran anschließende Revision in kleinen Gruppen war
sehr lebendig.
Die Gastdiözese - Kultur der Zweisprachigkeit
Nach diesem Wochenbeginn gab es die Möglichkeit die
Gastdiözese mit ihren Besonderheiten besser kennen zu lernen. Nachdem
Kärnten durch die Zweisprachigkeit (Deutsch und Slowenisch)
mitgeprägt ist, wurde die Slowenische Abteilung des Seelsorgeamtes in
Klagenfurt besucht. Das Besondere, das die Kirche hier zu leben sucht, ist das
gemeinsame Leben und Feiern bei Wahrung und Einbeziehung der jeweils
kulturellen Besonderheiten und Möglichkeiten. Hier geht es nicht nur um
ein toleriertes Nebeneinander, sondern um eine Einheit in Vielfalt. Mitunter
wird diese Form des gesuchten Miteinanders auch als ein möglicher Weg
für das Miteinander in Wertschätzung und Respekt in anderen
Bereichen, mit anderen Menschen und Kulturen erfahren. Viele Priester und
gläubige Laien, die bei Wahrung der eigenen Herkunft und Identität
aus diesem Geist der Offenheit leben, sprechen vermehrt auch andere Sprachen,
sind kulturell aufgeschlossen und leben in vielfältigen Bezügen,
welche auch über die eigenen Grenzen hinausreichen. In den Anfragen und
Gesprächsbeiträgen wurde deutlich, wie sehr auch andere
europäische Länder mit der Realität von mehreren Sprachen und
Kulturen herausgefordert und beschenkt sind, auch wenn das nicht immer so
empfunden wird.
Der Klagenfurter Dom - vom Geist der
Wertschätzung und des Miteinander
Geschichtliche Bezüge
für ein nicht immer gelungenes Miteinander konnten im Klagenfurter Dom,
dem derzeitigen Sitz des Diözesanbischofs, gesehen werden. Diese Kirche
war ursprünglich ein evangelisches Bethaus. Reformation, Gegenreformation
und katholische Reform haben hier ihre Spuren hinterlassen. Die Gedenktafel
für die Blutzeugen aus der Nazizeit ließen bei allem Furchtbaren
auch Namen, Männer und Frauen, erkennbar werden, die der Verabsolutierung
und der Vorherrschaft auf Kosten eines anderen mit dem eigenen Lebenseinsatz
entgegen getreten sind. Das Bildnis von Anton Maria Slomek, der in
Kärnten und in Slowenien gewirkt hat, ist ebenso ein Zeugnis für die
Wertschätzung eines Bischofs für alle seine ihm Anvertrauten, gleich
welcher Sprache. Wo der Geist der Wertschätzung, der Achtung der eigenen
Wurzeln sowie der gegenseitigen Achtung und des Miteinanders stirbt, kann auch
der Glaube nicht atmen und leben. Um diesen Geist ist es ihm gegangen.
Der Maria Saaler Dom - Fraternität als Grundsteinlegung
für Leben aus dem Glauben
Im Maria Saaler Dom, der auf den ersten
Chor- und Missionsbischof Modestus zurückgeht, konnten wir nach einer
eindrücklichen Führung die Messe feiern. Dieser Ort wurde
Ausgangspunkt für die 2. Missionierung in Kärnten. War es am Anfang
eine kleine Fraternität von Benediktinermönchen, welche den
Grundstein legte für die Gründung der ersten neun Urpfarren, so sind
es heute über 1000 Kirchen und über 330 größere und zum
Teil auch sehr kleine Pfarren, die gleichsam ein Netz der Verbundenheit
über das ganze Land ziehen. Hier ist heute ein Wallfahrtsort, der Menschen
aus verschiedenen Ländern zusammenbringt, insbesondere von Slowenien,
Italien, Ungarn und Österreich. Hier gibt es für Menschen, die die
eigene Berufung klären möchten, die Gelegenheit mit dem Pfarrer und
seinem Team vor Ort begleitet zu leben. Die persönliche Begleitung sowie
das Teilen des Lebens, die Erfahrung von gelebter Gemeinschaft im Glauben sind
der Boden, auf dem geistliche Berufungen am ehesten gedeihen können. Die
Mittel der Bruderschaft sind auch hier in abgewandelter Form vorfindbar.
Das Gastland zum Schmecken, Hören, Anschauen
Zum
Ausklang dieses erfüllten Tages gab es nach einer Kärntner
Brettljause einen Konzertabend mit Volksliedern in beiden Landessprachen und
mit kunstvollen, mitreißenden Musikstücken auf der Harmonika. Auch
das Mitsingen durfte nicht fehlen. Eindrucksvolle Bilder von der
vielfältigen Landschaft des Landes mit seinen Bergen, Hügeln und Seen
sowie begleitende Worte zum besseren Verstehen der "Kärntner Seele"
rundeten den Abend ab.
Die Mittel der Bruderschaft - Schatz für
uns und die Kirche
Der folgende Tag war den "Mitteln der Bruderschaft"
gewidmet. Was heißt das für die Fraternität und was für
die Kirche, wo wir hingestellt sind und leben. Das hat sich als sehr anregend
und fruchtbar erwiesen. Diese Mittel sind in ihrer Schlichtheit grundlegend und
ein wahrer Schatz, um das Evangelium und so die Sendung der Kirche heute je
mehr zu erfassen und zu leben. Die "Mittel der Bruderschaft" finden sich ebenso
in den verschiedensten Zweigen der Geistlichen Familie von Charles de Foucauld.
So hat die Begegnung mit der Geistlichen Familie diesen Tag gekrönt. In
Kärnten gibt es seit sieben Jahren jeweils ein Treffen der Geistlichen
Familie Anfang September in St. Margareten im Rosental, wo der derzeitige
Österreichverantwortliche der Priestergemeinschaft, Janko Kritof,
lebt. Hier treffen sich Mitglieder der Priestergemeinschaft, Kleine Schwestern
sowie Männer, Frauen und Familien, die der Spiritualität von Bruder
Karl sehr verbunden sind. Seit Jänner 2007 gibt es auch eine
Laiengemeinschaft, die aus diesen Treffen hervor gewachsen ist.
Die
Mittel der Bruderschaft - lebendiger Bestandteil des Treffens
Die
Mittel der Bruderschaft haben auch unsere mitbrüderlichen Tage
geprägt: Regelmäßiges sich Zeit nehmen, Entspannung, um ganz da
sein zu können, gemeinsames Speisen, Erfahrungsaustausch,
Lebensbetrachtung, gemeinsames Lesen der Heiligen Schrift, Feiern der
Eucharistie sowie langes, schweigendes Gebet und Anbetung.
Der
Wüstentag
Mehr im Bereich des Einzelnen angesiedelt ist der
regelmäßige - die Wegweisung spricht vom monatlichen -
Wüstentag. In manchen Fraternitäten halten sie diesen Tag auch
gemeinsam oder merken sich den Tag der jeweiligen anderen Brüder vor, um
ihnen da im Gebet nahe zu sein. Insgesamt ist dieser Tag von existenzieller
Bedeutung. Es geht nicht um uns, unser Machen und unsere Sorgen. Es geht um
Gott und seine Gegenwart, sein Wirken, sein Feuer in unserem Leben. Wenn wir
ihn von ganzem Herzen suchen und lieben, wird uns alles andere gleichsam wie
von selber dazu geschenkt - Gott weiß, wessen wir bedürfen. In der
Wüste kann sich klären, worauf es ankommt. Wie Moses kann Gott selber
uns läutern und neu in Dienst nehmen. Gurk, Wirkungsort der Hl. Hemma und
Ursprungsort der Diözese Gurk/Klagenfurt, ist ein geistlicher Quellort
für dieses Land. Er hat uns dafür seine Türen aufgemacht. Der
gemeinsame Beginn und der Abschluss in der Krypta des Domes haben den Rahmen
abgegeben, in dem jeder seinen persönlichen Raum finden konnte. Das
gemeinsame Abendesse, die Fahrt zurück zum "Hauptquartier" in St. Peter im
Rosental mit einem Kärntner Mitbruder als Buschaffeur wie der ruhige
Ausklang dieses Tages waren wohltuend.
Was kann und soll von diesem
Treffen aus weitergehen?
Der Tag vor dem Aufbruch nach Hause stand
unter dem Zeichen der Reflexion und Konkretisierung sowie von Berichten von der
Weltebene und der Neuwahl des nächsten Europaverantwortlichen.
Ein
paar Punkte konkret:
> In den Rückmeldungen zeigte sich, dass es
wichtig ist, die Spiritualität Charles de Foucaulds und die Mittel der
Bruderschaft bekannter zu machen - zunächst einmal für uns selber und
dann auch darüber hinaus für unsere Gemeinden, Gemeinschaften,
für unsere Mitbrüder im priesterlichen Dienst. Es lohnt sich.
> Die Bemühung um Verbindlichkeit und Verbindung ist nötig,
damit eine wahrhafte Verbundenheit wachsen kann, die nicht bloß vom
Grundsatz des unmittelbaren Nutzens her lebt. Das gilt für die
Fraternität, für die Fraternitäten untereinander, für die
verschiedenen Gruppen der Geistlichen Familie wie für die verschiedensten
Lebensfelder und -bezüge, in denen wir leben. Wie sehr leben wir
"mitbrüderlich", verbindlich und verbindend? Wie sehr wecken wir unser
Interesse füreinander?
> Die Anbetung und der Wüstentag sind
nötiger denn je, auf dass die kontemplative Lebenshaltung und
-führung, die Verbundenheit in Christus mit dem Nächsten nicht
bloß ein Wort bleibt.
> Die Regional- und Nationaltreffen sowie
die gemeinsamen Exerzitienzeiten tun gut daran, Anleihe zu nehmen am Tag der
Bruderschaft wie an den übrigen Mitteln der Bruderschaft. Bereits gemachte
Erfahrungen sind sehr positiv.
> Verbindungen hin zu Priestern und
Gemeinschaften im Osten Europas wollen wir nicht aus dem Blick verlieren - sie
haben beim Treffen gefehlt. Bestehende Kontakte wieder aufnehmen und neue
knüpfen.
> Insbesondere das Nazarethmonat für Mitglieder und
Interessierte am Leben der Priestergemeinschaft ist bewusst wieder anzubieten.
Einige Termine sind bereits fix in Planung (Deutschland, Marokko). Bei aller
Beengtheit, die der pastorale Alltag uns oftmals aufzuerlegen scheint, ist es
umso wichtiger, die Fundamente in diese Richtung zu Stärken und es uns
gegenseitig möglich zu machen, uns darin zu vertiefen. Der Segen der frei
gegebenen Zeit kommt reichlich zurück.
> Es gibt auch kleinere
Initiativen wie z. B. in Belgien das Wandern von Uniopriestern, Kleinen
Schwestern und Laienmitgliedern mit Impulsen aus der Spiritualität Bruder
Karls im Rucksack gemeinsam mit interessierten, insbesondere jüngeren
Menschen.
Das Gleichnis vom Sauerteig scheint ein gutes Bild zu sein. Wo
Menschen mit ihm in Berührung kommen, wirkt das in ihnen und durch sie
weiter. Die gemeinsamen Tage wirken auch in mir und wohl in uns allen weiter.
Ein Dank an dieser Stelle dem bisherigen Europaverantwortlichen Eddy Laggae
sowie der Fraternität von Kärnten mit dem
Österreichverantwortlichen Janko Kritof für die gute
Vorbereitung und Durchführung. Ein Danke den Slowenischen Schulschwestern,
die sogar ihre Jahresexerzitien verlegt haben, um uns einen ganz tollen Rahmen
für das Treffen zu bereiten. Ihre Gastfreundschaft, ihr Mittragen und
Beten sind uns eine Kostbarkeit. Ein Danke und viel Gottes Segen auch Laurent
Dognin aus Frankreich, der die Aufgabe des neuen Europaverantwortlichen
angenommen hat. Ein Danke den Brüdern.
Der tiefe Wunsch nach dem
Fruchtbarwerden der Spiritualität von Bruder Karl hat viel an Nahrung
bekommen. Die weltweit anberaumte Relektüre der Wegweisung der
Priestergemeinschaft für das nächste Jahr zahlt sich wohl auch
darüber hinaus aus. Es ist noch vieles zu bergen, was jetzt schon
Geschmack macht.
Mag. Michael G. Joham,
Pfarrer in
Köttmannsdorf/Kotmara vas
Bruderschaft von Kärnten
"Nach Ostern einfach nur mal raus
"
Spiritualität - Kultur - Geselligkeit / Osterrecollectio der Ostregion
in Bad Kösen
Die Wochen der Fastenzeit und die Feier der Karwoche
sind für die meisten von uns Priestern ebenso geistlich ermutigend wie
auch anstrengend. Daher ist das Zitat der Überschrift ein typisches in der
Ankommrunde "Wie geht's wie steht's?" Die Stimmung ist entspannt, das Wetter
sonnig warm. Frohes Wiedersehen zwischen Ost und West. Fünfzehn
Brüder hatten sich insgesamt auf den Weg gemacht. Sich loszueisen war
nicht ganz leicht gewesen, zumal es im Vorfeld hieß, der erwartete kleine
Bruder Andraes Knapp werde nicht kommen. Bei der gesungenen Ostervesper in der
schlichten, aber in österlichem Schmuck strahlenden Kirche unweit des
Konrad Martin- Hauses fanden wir zusammen. Begleiterin war dabei wie in allen
folgenden Gottesdiensten eine von einer kleinen Schwester handgemalte Ikone
Bruder Karls. Aus Leipzig kam Bruder Michael, Elektriker von Beruf. Er nutzte
den Abend, um mit uns bekannt zu werden. Ich habe noch im Ohr, wie er die
Veränderungen in der Arbeitswelt beschrieb: Sparmaßnahmen der
Betriebe führten bei der einfachen Arbeit häufiger zu
Arbeitsplatzbedingungen, wo der Einzelne fast ganz für sich arbeitet und
das Prinzip der kleinen Schwestern und Brüder schwer lebbar ist. Am andern
Morgen fand er mit seiner einladenden Art schnell Zugang zu unseren Herzen und
ließ uns Bruder Karl, als von vielen markanten aber auch unscheinbaren
Zeitgenossengeprägt, neu aufleuchten. Der Nachmittag führte uns
weiter in die Tiefe: Bruder Michael stellte uns die spannende Aufgabe,
Textzitate aus Bibel und christlicher Literatur den Autoren zuzuordnen, die
alle im Leben Charles de Foucaulds eine Rolle gespielt hatten. In einer
Diskussion um die Bedeutung von "Nazareth" im Leben von Bruder Karl und wie wir
es verstehen, wurde unser Kreis sehr gesprächig. Dabei wurde deutlich, wie
vielfältig und unterschiedlich der Impulssamen unseres geistlichen
Gründers bei jedem Einzelnen aufgegangen ist. Den Abschluss unseres
geistlichen Tages bildete die Beschäftigung mit einem Text von Johannes
Chrysostomus in Kleingruppen und schließlich eine gemeinsame
Bildbetrachtung der "Fußwaschung" bzw. "Salbung der Füße durch
die Sünderin" von Sieger Köder. Der Donnerstag, beginnend mit der
Eucharistiefeier, war ganz von der sehenswerten Kultur des Saale-
Unstrut-Gebietes geprägt, eine sympathische, übrigens sehr an Franken
erinnernde Landschaft. Wir begannen mit in Steinen gehauenen Bildern am
Weinberg, besuchten das Schloss Neuenburg, berühmt durch die Hl. Elisabeth
und eine romanische Doppelkapelle. Sie ist neben der Wartburg die bedeutendste
Burg der Thüringer Landgrafen gewesen. Ein zünftiges Rittermahl im
Burggewölbe brachte uns wieder zu neuen Kräften.
Wir brachen auf nach Freyburg/Unstrut mit seiner eindrucksvollen ev.
Stadtkirche St. Marien, (in der spätromanische und gotische Bauteile zu
einem überzeugenden Gesamteindruck verschmolzen sind.). danach wurden wir
in charmanter Weise durch die Rotkäppchen-Sektkellerei geführt, die
sich seit DDR-Zeiten zur größten deutschen Herstellerfirma gemausert
und um die 700 Arbeitsplätze hat. Am Abend schaute Josef Freitag noch
herein und ließ uns an seine Eindrücken vom Welttreffen der
Familiengemeinschaften Charles de Foucaulds teilnehmen. Alle Erdteile waren
vertreten und die Begegnung gründete konsequent auf vier Sprachen; eine
besondere Art Pfingsterlebnis, wie mir schien. Der letzte gemeinsame Abend
diente schließlich noch der Aussicht auf weitere Begegnungen und
Ideensammlung zur nächsten Osterrecollectio. Mit vielen neuen
Eindrücken starteten wir am Freitag wieder Richtung Ost bzw. West. Dank an
Peter Herbst und alle Brüder, die in der Vorbereitung des Programms
engagiert waren.
Uli Schmalstieg und Kuno Kohn
Osterrecollectio der Region Süd
9.-12.April 2007 im Haus Betanien (Velburg/Opf.)
Leider waren es
diesmal nicht so viele (ca. 20), die sich im Haus Betanien (nicht am östl.
Abhang des Ölberges an der Straße von Jerusalem nach Jericho,
sondern am Abhang des Burgberges bei Velburg an der A3
Nürnberg-Regensburg) zur Osterrecollectio einfanden. Wir begannen wie
immer mit einem halben Wüstentag. Viel von Wüste konnten wir beim
Ausschwärmen in die phantastische Oberpfälzer Landschaft allerdings
nicht spüren, denn das Wetter war traumhaft schön.
Wie immer
erlebten wir ein gastfreundliches Haus. Dafür stehen Schwester Maria Regis
und ihre Mitschwestern seit vielen Jahren. Nachdem der Referent, Prof. Ottmar
Fuchs, kurzfristig abgesagt hatte, waren wir gefordert, uns selber
einzubringen. Hermann Steinerts Vorschlag, uns zum Thema Eucharistie
auszutauschen, löste in mir - ehrlich gesagt - kein gutes Gefühl aus.
Ich befürchtete, dass das Treffen in eine Schlammschlacht ausarten
könnte um die Frage, wer den rechten Glauben bzgl. Eucharistie habe und
wer u.U. als Häretiker eingestuft werden würde (zu letzteren
zählte ich mich selber). Aber das Treffen verlief gut, so wie ich die
Priestergemeinschaft oft erlebt habe: als bereichernd für Leib und Seele
durch das geschwisterliche Miteinander. Es wurden vielfältige Erfahrungen
und auch theologische Positionen eingebracht, wir erlebten Gemeinschaft im
Hören aufeinander, in der Anbetung und im Brechen des Brotes. Einige
Blitzlichter aus den Gesprächen:
* Ich werde bei der Feier der
Eucharistie in die Hingabe Jesu hineingenommen
* Repraesentatio Christi: ab
der Kommunion tritt der Priester wieder in die Gemeinschaft zurück
*
Nicht machen, herstellen und produzieren, sondern darstellen!
* Der Bund
ist von Gott gestiftet, nicht wir machen es!
* "Wir empfangen Jesus in der
Eucharistie nicht als Sache und Gabe, sondern als Person" (Thomas von Aquin).
* "Deus noch alegatur in sacramentis" (Thomas v. Aquin).d.h. Gottes
Gegenwart ist nicht an die Sakramente gebunden, sondern reicht weit
darüber hinaus. Er wendet sich auch denen zu, die nicht am Sakrament
teilnehmen dürfen.
* Eucharistie ist Gipfel und Quelle, aber nicht im
objektivistischen Sinn: wichtig ist die gläubige Haltung gegenüber
diesem Geheimnis.
* Eucharistie kann auch Quelle von Schmerz sein, wenn
sich unter den Mitfeiernden selbsternannte Inquisitoren befinden, die den
Zelebranten argwöhnisch bzgl. seiner "liturgical correctness" beobachten.
* Wer ist würdig? Der Hunger hat
" Eucharistie als
Nahrungsmittel stillt nicht nur den Hunger, sondern kann ihn u.U. sogar noch
verstärken. Sie möchte einen tiefsitzenden, oft verschütteten
Hunger erst freilegen.
* Eucharistie ist "remedium" für die
Zerbrochenen.
* "Wir feiern, was uns fehlt."
* Angemessen feiern:
Spirituell und theologisch.
* Eucharistie und Fußwaschung: der 2.Akt
ist nach der Messe ("Fußwaschung")
* Die "Satisfaktionslehre" von
Anselm von Canterbury war für eine bestimmte Zeit sinnvoll, ist aber
für heute nicht hilfreich.
Als wertvollen Input empfand ich das
Referat von Karl Graml, der Reflexionen Prof. Jürgen Werbicks
(Münster) verarbeitete. Daraus ebenfalls einige "Blitzlichter":
*
In der Bibel wird oft von Opfer geredet, doch daneben gibt es eine radikale
Opferkritik.
* Jesus Christus ist Gottes Versöhnungsangebot in Person.
Er trägt selbst die Last. Die Initiative geht von Gott aus.
* Jesu
Kreuz ist das Mysterion der "Zugänglichkeit Gottes".
* Der Sühne-
und Opfergedanke wird im NT aufgenommen, aber gleichzeitig entscheidend
umgeprägt: Opfergabe ist die Selbsthingabe Jesu zur Versöhnung der
Menschen mit Gott.
* Befreiung aus dem Sündenverhängnis geschieht
im Sakrament und in der Diakonie.
* Eucharistie ist Sakrament des
erlösenden Daseins Gottes in Jesus Christus und seinem Heiligen Geist
mitten unter uns.
* Nicht der in Sünde geratene Mensch muss Gott durch
ein unendlich wertvolles Opfer "genug tun" (vgl. Anselm von Canterbury),
sondern Gott sucht von sich aus unsere Nähe, damit wir das Leben haben.
Für Gott muss der Mensch nichts tun, sondern mit Gott: an seinem guten
Willen teilnehmen, das von ihm Empfangene weitergeben.
* Micha 6,2b-8 fasst
das Wesentliche gut zusammen: es geht um das Opfer unseres Daseins für
die, die Not leiden, die auf uns angewiesen sind.
Sehr angerührt
hat mich das Bekenntnis, das Karl am Schluss seiner Ausführungen abgelegt
hat - und das ich (in kurzen Auszügen) an den Schluss meines Artikels
setzen will:
"Gott will, dass das Leben jedes einzelnen
Menschen blühe und in seiner Würde und Schönheit geschätzt
werde. In Jesus erwies Gott seine Entschiedenheit, uns nicht verloren zu geben,
auch wenn der Tod unser endliches Leben zerstört und die Sünde seine
Menschlichkeit zersetzt. Jesus will Menschen gewinnen, die nicht an die
Mächte des Todes, sondern an ihn und an Gottes befreiendes Dasein in der
Welt glauben, die sich in Anspruch nehmen lassen, der Entwürdigung und
Missachtung von Gottes guter Schöpfung zu widerstehen."
Ich
möchte am Schluss noch mal Hermann Steinert und seinen beiden
"Koadjutoren" Hermann Becker und Karl Feser danken für diese schönen
Tage nach Ostern.
Bruno Fischer
Osterrecollectio der Österreicher
Am Palmsonntag trafen sich 26 Mitbrüder zur traditionellen
Osterrecollectio im Apostolatshaus der Pallottiner auf dem Salzburger
Mönchsberg. Prof. P. Hünermann konnte als Referent gewonnen werden
und er zeichnete in 3 Impulsreferaten auf, wie sich der Wandel des
Priesterbildes von Bruder Karl im Hebräer Brief wider spiegelt.
Bruder
Karl tritt wegen der Priesterfrage aus dem Trappistenorden aus, der "Letzte
Platz" als seine Berufung zu leben, ist ihm als Priester nicht mehr
möglich. Die Entscheidung überlässt er trotzdem dem Generalabt
der Trappisten. Als Hausknecht der Klarissen in Nazareth entdeckt er, dass die
Feier der heiligen Messe und die Spendung der Sakramente der Demut nicht
entgegen stehen. Auch das Priesterbild der französischen Kirche seiner
Zeit, vor allem aber das Präsentmachen des Opfers Christi, beeinflussen
seine Entscheidung. Ein weiteres Element kommt noch dazu: Er will zu den
Ärmsten gehen, suchen, was verloren ist.
In Beni Abbes vollendet er
die Klausurmauer nicht, bis zu 100 Besucher täglich sind keine Seltenheit.
Bruder Karl wird zum Bruder aller Menschen. Er setzt immer neue Akzente, sein
Gottesdienst und die Verbindung mit dem einmaligen Opfer Jesu treten immer mehr
in den Vordergrund; dies ist im Hebr. Brief vorgezeichnet: Jesus ist der Sohn
Gottes, ist durch Leiden zur Vollendung gelangt, übertrifft Mose, kann mit
unserer Schwachheit mitfühlen, ist von Gott berufen, hat den Gehorsam
gelernt, ist wie Bruder Karl auf seinen Tod zugegangen.
Wie sieht der
hohepriesterliche Dienst Christi aus, welches Priestertum kommt Jesus zu? Er
ist der Mittler eines besseren Bundes, ein neuer Zutritt zum Heil ist
geschaffen, niemand ist ausgeschlossen. Bruder Karl ist bereit, diesen Dienst
an den Menschen zu leisten. Bei dieser
Recollectio übergab Gottfried Laireiter die Verantwortung an Janko
(Johann) Kristof
von der Kärntner Bruderschaft. Breiten Raum nahm auch die
Vorbereitung des Europ. Ratstreffens im Juli in Kärnten ein, die
Kärntner Bruderschaft und das Verantwortlichentreffen in Salzburg hatte
dazu schon gute Vorarbeit geleistet. Bei der Anbetung am letzten Tag des
Treffens erneuerten 7 Mitbrüder ihr Versprechen, 1 Mitbruder legte es
für die Einführungszeit ab.
Anton Millner
Kleine Revision zu Leutesdorf 2006
1. Bericht
"Das Museum ist ein hervorragender
Ort, um der postmodernen Suche nach Religiosität Raum zu bieten. Diese
Auffassung vertritt der französische Priester und Psychoanalytiker
Jean-Francois Noel (in "La Croix"). Der Mensch sei auf eigenartige Weise ein
unheilbar religiöses Wesen. In einer Zeit, in der die Kirchen nicht den
diffusen Transzendenz-Bedürfnissen der Menschen entsprechen, folgten viele
"irgendeinem oder etwas, das über sie hinausgeht, sie verfolgt oder aus
ihnen selbst kommt" (Regis Debray). Zum Beispiel ein Museumsbesuch. Noel
beobachtet eine große Sehnsucht, "das Wahre sehen zu wollen", wie zuletzt
bei der Schau von Paul Cezanne in Aix (im Musee Granet), die rund 400 000
Menschen anlockte. Wenn Menschen ein Gemälde bewundern, wenn sie sich mit
viel Mühe und Zeit, in geduldigem Anstehen, in Ruhe und oftmals Schweigen
in Farben und Formen vertiefen: "Muss man nicht anerkennen, dass es sich dabei
um eine gewisse Art eines religiösen Ritus handelt, der Anbetung meint,
indem er im Sehen das Göttliche wahrnimmt, ein kurzer Moment der
Entschleierung für unsre geblendeten Augen?" In seinen Bildern
berühre Cezanne einen Punkt außerhalb unserer selbst. Es sei die
Kunst jedes Malers, mit Wagemut und Beharrlichkeit das Rätselhafte, das
jeder Mensch in sich trägt, anzurühren, in auf den Weg der Kommunion,
der Gemeinschaft mit anderen zu lenken, damit jede Trennung und Teilung unter
uns überwunden werden kann. "Und ich bin sicher, dass unsre Seele jubelt,
wenn sie sich durch solchen Genius berühren lässt. Aber die Malerei
ist keine Religion - noch nicht!"
Dieser Artikel fand sich
justament zu der Zeit im "Christ in der Gegenwart", als unser Jahrestreffen
letztmalig in Leutesdorf über die Bühne ging. Am zweiten gemeinsamen
Tag führte uns der Weg rheinabwärts nach Bonn, wo eine große
Kunstausstellung mit "Klassikern der Moderne" noch bis Dreikönig ihre
Pforten auftat. Mit uns 60 waren es an diesem Tag über 20 000 andere
Besucher/innen, die die Zeit zwischen den Jahren zu einem Besuch dort nutzten.
Was mir nachgeht: Obwohl der Andrang so groß war, kam es doch nicht
zu einer Geräuschkulisse wie in einem Kaufmarkt; bei allem
Besucherinteresse herrschte eine Atmosphäre der Aufmerksamkeit, der
Betrachtung, des konzentrierten Schauens, des Verweilens
Gut, hab ich mir
gedacht, dass wir als kontemplative Leute bei der Kunst Verbündete haben:
Lernorte, an denen es nicht wie sonst so oft im alltäglichen Geschehen um
Kaufen und Verkaufen, um Berechnen und Abrechnen, um Leisten und etwas
Erbringen geht, sondern ums Wahrnehmen, den Dingen und der Welt auf den Grund
gehen.
Und ein Weiteres: Dass beim Sammeln und zur Schau stellen von
Kunstobjekten und Meisterwerken dermaßen große Summen von Kapital
im Spiel sind, dass da meist nur die oberen Zehntausend mithalten können.
Und dass - auf der Publikumsseite - Bezieher von Arbeitslosengeld sich solche
Ausstellungsbesuche wohl nur seltenst leisten können. Und das angesichts
der Tatsache, dass die Kunstschaffenden zu ihren Lebzeiten oft selber kaum das
Nötigste zum Leben hatten und ihre Arbeit, was den monetären Nutzen
betraf, meist als "brotlose Kunst" apostrophiert und eingestuft wurde. (Na ja,
denke ich mir, wenn es uns selber in unserem "spirituellen Künstlerdasein"
womöglich auch so ergeht, dass trotz augenblicklicher meist nicht
übergroßer Resonanz wenigstens in kommenden Zeiten unser Wirken als
sinnvoll und hilfreich eingeschätzt wird
)
Tags zuvor hatte uns
Katja Boehme in die Biographie und das Werk der Gottsucherin und passionierten
Menschenfreundin Madeleine Delbrêl eingeführt; in akzentuierten
Strichen ihrerseits und unserem brüderlichen Austausch zwischendrin
entstand ein aussagekräftiges Bild einer Frau, die an der Seite der
"kleinen Leute von der Straße" ihr Leben ganz auf die Karte des
Evangeliums setzte. Mir kam dabei der Satz der Dichterin Zenta Maurina in den
Sinn: "Das höchste Kunstwerk ist und bleibt der lebendige Mensch."
-
Danke den Leitungstalenten, den Organisationskünstlern, den
Liturgieexpressionisten in unseren eigenen Reihen für anregende Tage der
Begegnung und des Austausches! Den Schwestern des Johannesbundes und ihren
Mitarbeiter/innen, die schweren Herzens Ende März die Segel im
Exerzitienhaus und im Mutterhaus Johannesburg' streichen werden (die
Herren Wirtschaftsprüfer haben wegen mangelnder Rentabilität einen
Schnitt gesetzt; da wird die "Kunst der Gastfreundschaft" also jäh von den
wirtschaftlichen Fakten ausgebremst!), wünschen wir "bonne chance"
für ihren weiteren Weg - wie und wo auch immer.
Michael
Kneißl, Neukirchen/Sulzbach-Rosenberg
2. Bericht
"In der Kraft des Geistes in unseren Kulturen und
Kirchen das Zeugnis Bruder Karls wiederentdecken"
Ergebnisse im Telegrammstil:
Teilnehmer:
Kanada, USA,
Mexiko, Dom. Rep. Chile, Brasilien, Argentinien, Ruanda, Madagaskar, Burkina
Fas, Algerien, Spanien, Italien ,Malta, Frankreich, Belgien, Irland, England,
Deutschland, Österreich, Philippinen
Fehlend:
Polen, Ungarn,
Pakistan, Indien, Bangladesh
Berichte aus Ländern:
Kapitalistische Welt mit der Suche nach einer Option für die Armen
Und die Stimmen aus Afrika: Wir suchen keine Option wir die Armen- wir
leben sie
Bericht Brasilien: Armut im Land.
Voller
Hoffnung...Lateinamrk. Konferenz Mai 2007
Berichte Südeuropa:
Migration
Bericht Deutschland:.Frauen in Priestergemeinschaft
Zukunftsthemen für die nächsten Jahre:
Nazarethmonat-
Förderung dieses Urgrunds unserer Spiritualität
Wegweisung - eine
Re-lektüre zur Verwurzelung unseres Leitbildes / unserer Wegweisung in
unserem Leben
Zu neuen Verantwortlichen wurden gewählt:
1.
Abraham Apolinario, Dom.Rep., Generalverantwortlicher
2. Jose Bizon,
Brasilien
3. Richard Reiser, USA für Finanzen
4. Amand De Cock,
Belgien für Kontakt zur Geistlichen Familie
5. Jacques Midi,
Frankreich
6. Eddy Lagae, Belgien
7. Daniel Danielson, USA für
Thema Nazarethmonat
Norbert Appel
Wer mehr erfahren
möchte, kann hier den "Brief
aus Brasilien", das Schlussdokument der Versammlung,
anklicken
Bericht der deutschen
Delegierten
Fast habe ich mich an die Kopfhörer
gewöhnt. Ebenso an ein Sprachenwirrwarr, wie es in Babel gewesen sein
muss. Damals gab es noch keine Simultan-Übersetzungsansagen, die von dem
Brasilianer Videlson oder dem Iren Jim bedient werden und mir helfen, die Flut
von französischen und portugiesischen Worten zu verstehen. Deutsche
Sprache? Ist in der Konferenz nicht gefragt. Erst am Abend, wenn Ulrich und ich
die Tradition eines deutschen Ecks aufgreifen und uns mit den
Österreichern Janko und Michael und dem Deutsch-Belgier Helmut treffen,
kann die Zunge befreit sich bewegen. Gleich in den ersten Tagen sorgte Uli
für ein bei deutschen beliebtes Getränk. Die Gastgeber sind
irritiert, bald wollen auch die Iren, Engländer u.v.a. dieses Gebräu
zum Tagesausklang. Aber die Verbindung Bier und Deutschland bleibt an uns
hängen. Hoffentlich bleibt auch noch anderes in Erinnerung.
Übersetzungen, Berichte, Zeugnisse.
Warum lassen wir uns das
gefallen?
Jeder Bericht ist anders und hilft, wie einen Mosaikstein, die
Welt von Jesus Caritas zu bauen. Die Welt konzentriert vereint , wo bekomme ich
das sonst geboten? Innenansichten verschiedener Länder , wie kein
Reiseführer sie bieten kann. Kennst du den Zusammenhang zwischen
geographischer Lage eines Landes und der Länge eines Berichtes?
Unser
Verantwortlicher Bernd, der bei der Anreise erkrankte und umkehrte, sandte als
Vertreter des nördlichsten Landes den kürzesten Bericht, Irland und
England schließen sich mit Kürze und Prägnanz an. Italiener,
Spanier und Brasilianer können wie Politiker reden. Wenn Guiseppe nicht
gerade eine Nickerchen hält wie jetzt, stellt er eine Frage zum Vortrag,
die fast ein eigener Vortrag ist. Südländer.
In diesen und
anderen Eigenarten uns anzunehmen, trotzdem zuzuhören, die völlig
anderen Situationen zu besprechen, das ist das Wunder , das die Sprachwirren
vergessen lässt.
Trotz der Größe der Versammlung, 34
ständige Teilnehmer aus 22 Ländern, bilden wir eine Bruderschaft.
Wer vereint uns? Charles de Foucauld? JESUS?
Der aus Deutschland
stammende Geraldo, seit 40 Jahren in Brasilien , schärft unsere Nachfolge
in der Spur von Charles de Foucauld als Nähe zu Jesus Christus. Gott hat
in Jesus Christus die Armut gelebt wie kein anderer. Unser Bruder Karl hat das
verstanden und hat diese Spur aufgenommen. Gemeinschaft spüren - am
einfachsten gelingt dies bei der Eucharistischen Anbetung vor dem Mittagessen.
Keiner quatscht, keiner übersetzt. Einer ist für alle da und wir in
unserer unterschiedlichen Verantwortung für den EINEN.
Wenn das
Liturgische Institut an den Eucharistiefeiern teilnähme,
stünden
Eduard Nagels Nackenhaare senkrecht. Statt strafferer Vorschriften kommt das
Leben mit individuellen Gebräuchen erfrischend daher. Ein Hauch von
Weltkirche? Nein. Das ist Weltkirche in allen Phasen des Gottesdienstes und
Fasern der Feiernden.
Beim Mittagessen, das jeden Tag mit brasilianischem
Kaipirinja eröffnet wird, überlegen Edo von den Phillipinen, Richard
aus den USA und Uli aus Deutschland, wie es wohl wäre, wenn wir ein Jahr
zusammenleben müssten. Ist unsere Freundlichkeit dressiert auf 2 Wochen?
Wann gäbe es den ersten Streit? Wann kämen wir ohne Übersetzer
aus?
Die IX. Versammlung - ein Happening?
Den Armen nahe sein -
viele Berichte sprechen dies Thema an. Wenn wir Europäer und
Nordamerikaner über Armut reden und überlegen, wie wir diese Art der
Nachfolge beschreiten können, ist das schön und gut. Als jedoch
Evariste aus Burkina Faso sich meldet und sagt, wir reden nicht über
Armut, wir leben sie, da verstummt unser Geschwätz. Noch stiller wird es
im Raum, wenn Egide aus Ruanda erzählt, wie sie versuchen, Versöhnung
zu leben. Und er ist voller Hoffnung, dass ein neuer Weg möglich ist.
Das deutsche Thema Laien in der Priestergemeinschaft löst etliche
Nachfragen aus. Ob
sie richtig verstanden hätten, ob die Übersetzung korrekt gewesen
sei. Nicht-Priester sind Mitglieder in der Priestergemeinschaft? Den meisten
ist das unvorstellbar. Im folgenden werden die gleichen Argumente zum Stichwort
Identität und existierende Laiengemeinschaften ausgetauscht wie in unserer
Diskussion vor wenigen Monaten. Wieder sind es die Afrikaner, die
überzeugend einfach erklären, wegen ihrer großen Entfernungen
zueinander gäbe es auch Nicht-Priester in den Fraternitäten.
Das
Charisma Bruder Karls - Wie wird es gelebt? Armut oder Anbetung? Der aus
Deutschland stammende Geraldo bringt es klipp und klar auf den Punkt: Charles
de Foucauld nachfolgen kann nur heißen Jesus Christus nachfolgen, mit den
Armen , Schwachen und Kranken solidarisch sein und handeln für
Gerechtigkeit und Frieden.
Bei den Besuchen am Wochenende in den Pfarreien
Sao Paulos erhielten wir Tagungstiger endlich Bodenkontakt, d.h. Begegnungen
mit Familien in Favelas( Holzhütten mit Welldach) oder Hochhäusern(
23 Stockwerke) und gastfreundlichen Pfarrern, unterbrachen unsere
Tagungsmonokultur. Ulrichs und mein Gastgeber-Pfarrer Walter entführte uns
nach den Gottesdiensten zum Hobby mancher Brasilianer: Grillen und viel
Grillfleisch essen. Vorzeitig Nein-Sagen heißt die Gastfreundschaft
ablehnen. Oh wie war ich satt. Völlerei?
Ulrich Herz und Norbert
Appel
Wer mehr erfahren möchte, kann hier den "Brief aus Brasilien", das Schlussdokument der Versammlung, anklicken
Man wirkt Gutes nicht nach dem Maß dessen, was man sagt
und tut, sondern nach dem Maß dessen, was man ist,
nach dem
Maß, in dem Jesus in uns lebt.
Charles de
Foucauld
Auch wenn eine Frau oder ein Mann schweigt, die
Körperhaltung und die Bewegungen und die Augen sprechen für sich und
offenbaren, wer oder wie einer ist. Charles de Foucauld schweigt uns an auf den
Fotografien, die wir von ihm kennen, aber seine Augen, sein Gesicht
was
ist mit diesem Menschen passiert, dass er uns so anschauen kann?
Auf der
Einladung zur Sternwallfahrt nach Wissembourg/Weissenburg im Elsass,
vorbereitet von Mitgliedern der geistlichen Familie Charles de Foucauld aus
Freiburg und Mulhouse, da war Charles de Foucaulds und eben auch sein
unverwechselbarer Blick abgebildet.
Es heißt, dass wir uns in den
Gesichtern der Menschen erkennen, mit denen wir leben. Was aber, wenn einem
Krankheit und Tod den vertrauten Blick in das Gesicht der Mutter oder des
Vaters nehmen. Genau das war die Situation des Kindes Charles de Foucauld. Zu
oft zeigte sich das Leben für Charles in der Maske des Todes.
Eine
Reise, eine Wallfahrt an die Stätten der Kindheit jenes Mannes, der uns
auf vielen Fotografien mit seinem unverwechselbaren Blick anschaut ist eine
Reise in die Turbulenzen seiner Kindheit. Pfarrer Franz Georg Kast, vertraut
seit vielen Jahren mit der Geschichte und den Orten begrüßt uns (die
etwa 40 TeilnehmerInnen aus den umliegenden Regionen Deutschlands und
Frankreichs) am Morgen in Wissembourg/Weissenburg vor dem Haus der ehemaligen
Post am Anselmankai 2. Dort im zweiten Stock lebte die Familie de Foucauld
für fünf Jahre von 1859 bis 1864. Hier wurde auch die Schwester Marie
geboren und, wie in den adligen Familien üblich, sofort nach der Geburt
getauft. Dieses Haus mussten er und Marie bald wieder verlassen. Zuerst starb
entkräftet seine Mutter am 13. März, am 9. August dann der Vater. Er
erkrankte und starb, die Befunde legen es nahe, an einer Entzündung des
Gehirns. Schließlich erlebten die beiden Foucauld-Kinder im Herbst bei
einem Spaziergang auch noch den Tod der Großmutter Clotilde de Foucauld.
Das war das Jahr 1864.
Mit diesen biographischen Eindrücken
beginnt unser Tag. Später steht unsere kleine Wallfahrergruppe hinter
einer Glaswand im hinteren Kirchenschiff der Basilika, in die es Mdm. de
Foucauld immer wieder mit dem kleinen Charles zog. Den Weg zur Statue der Maria
"Trösterin der Betrübten" gehen wir nicht. In der Kirche wird gerade
ein Verstorbener im Sarg aufgebahrt. Die ersten Trauergäste treffen
bereits ein. Diese Kirche, die Basilika des ehemaligen Benediktinerklosters,
ist nur einen Steinwurf entfernt von der Wohnung der Foucaulds. Hier in
Weissenburg lernte Bruder Karl nach seinen eigenen Worten gehen und beten.
"Maria vom Gehör", die Mutter, die hört, so heißt die
kleine Wallfahrt in Weiler, unserem nächsten Ziel an diesem Tag, drei
Kilometer von Weissenburg entfernt. Betreut wird die Wallfahrt durch einen
Kapuzinerpater. Eine Seele und ein Original: "Bisch ein guter Junge, ich seh's
dir an" so sagt er einem Teilnehmer und gibt einen freundschaftlichen
Backenstreich dazu. Da sind wir also wieder bei den Augen. ? Für die
Wallfahrer gibt es jetzt erst einmal geistliche Einblicke und Gebet: Prof.
Gisbert Greshake, Foucauld'sches Urgestein aus "Germaniker-Tagen" in Rom
wählt drei Schwerpunkte aus dem geistlichen Werdegang Bruder Karls aus:
- "Kann man leiden und lieben, so kann man viel
"
- "Ich sehe mich
mit Staunen vom kontemplativen zum Seelsorgsleben übergehen. Und zwar
gegen meine Absicht, nur weil die Leute es brauchen."
- "Gott hat sich, um
uns zu erlösen, unter uns gemischt,
So müssen auch wir uns
unter die Menschen mischen."
Beim anschließenden gemeinsamen
Mittagsmahl wird tatsächlich gemischt, Gespräche und Speisen
über die Sprachgrenzen hinweg machen die Runde und wir genießen die
Stärkung an Leib und Seele. Katharina Norda und Renate Schmidt-Weller, die
treibenden und ordnenden Kräfte in der Vorbereitung und für den
Ablauf des Tages, geben die wichtigsten Hinweise für den nächsten
Treffpunkt. "16:00 Uhr am Straßburger Münster".
Hier in
Straßburg wurde Charles geboren. Aber es gab schon einen vor ihm mit
diesem Namen. Charles, der Erstgeborene der Familie de Foucauld starb und der
zweite bekam erneut diesen Namen. Ersehnter Ersatz für den ersten Verlust?
Begegnung mit dem Tod von Beginn an. Wir wirken nach dem Maß, was wir
sind. Wie wird Bruder Karl die Frage nach dem "Wer bin ich" beantworten
können? In Straßburg lebte er mit den Großeltern und seiner
Schwester im Hotel Wangen, der Stadtresidenz der adeligen Verwandtschaft de
Morlet und Foucauld. Die Lage der Gebäude und die Lage der Familie sowie
die schulischen Leistungen in der nahe gelegenen kirchlichen Schule
erläutert uns Pfarrer Michel Reeber aus Straßburg, ein Kenner der
Materie und Fachmann für die Begegnung mit dem Islam aus eigener Erfahrung
und durch seine Studien. Hier in Straßburg sorgen für die
Durchführung unserer Begegnung Jean Marie Knibiehly und Denise Barasino
und viele andere hinter den Kulissen.
Anschließend gehen wir zur
Gedenktafel an der Place de Broglie. Dort stand das
Geburtshaus Bruder Karls, dann
zum Gebet in der Taufkapelle in
St. Pierre-le-Jeune einer gotischen Simultankirche. An dieser Stelle
erinnert
Michel Reeber besonders an
Abbé Huvelin. Kein zweiter hat wie er mitgeholfen dass aus den
Fragmenten eines Lebens und eines Glaubens eine Einheit wachsen konnte, eine
"Gottes-Anschauung" die ihn mit offenen Augen in der Welt wieder findet und
liebt. Abschießend treffen wir zu einer Begegnung in der Moschee einen
Vertreter der islamischen Gemeinde. In einem Nebenraum steht das Modell der
geplanten großen Moschee. Die ebenso projektierten Gebäude für
kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen wurden vom Straßburger
Stadtrat wieder verboten.
Straßburg, eine Stadt in der sich
vieles mischt. "Elsassische" Lebensart und französisches "savoir-vivre"
und auch die großen Gruppen der Zuwanderer aus dem Magreb. Wir geraten
"zufällig" in die Viertel, wo sie wohnen, weil wir uns "verfahren". Beim
Besuch des Moschee-Modells wird uns klar, dass wir schon ganz richtig waren mit
unserem Abstecher abseits des direkten Wegs. Auch Bruder Karl lernte eher die
Nebenstraßen menschlicher Existenz kennen und auch die Sackgassen unserer
Spezies, die er im Krieg 1870/71 in Straßburg erstmals zu spüren
bekam. Der Großvater de Morlet, vor seiner Pensionierung Verantwortlicher
für die Festung Straßburg, verließ nach der Kapitulation vor
den preußischen und bayrischen Truppen gedemütigt die Heimat. Ein
preußischer Offizier nahm damals beim ersten Angriffzur Erprobung seiner
neuen Artelleriegeschütze die Straßburger Bibliothek ins Visier.
Unzählige Handschriften und unwiederbringliche Buchausgaben verbrannten.
Die Deutschen zeigten sich, so erlebte es Charles, als Barbaren. Gibt es
irgendetwas was dem kleinen Charles nicht genommen wird? Im September 1870
musste er auch Frankreich hinter sich lassen und ging mit dem Großvater
in die sichere Schweiz. Erst nach dem Friedensvertrag von Frankfurt im Mai 1871
kehrten sie nach Frankreich und zwar nach Nancy zurück.
Heute
schauen sich Mitglieder der verschiedenen geistlichen Zweige aus Frankreich und
Deutschland unbefangen ins Gesicht. Sie haben gemeinsame Themen: Die
verschobene Seligsprechung und natürlich Europa und das französische
"No" im Referendum zur Europäischen Verfassung. Gemeinsam besuchen wir die
Vorabendmesse im "Straßburger Münster". Im Zentrum stehen drei
Kernaussagen des ehemaligen Kardinal Ratzingers aus dem Requiem für
Johannes Paul II. "Folge mir nach!". Auch in diesem Punkt eine
überraschende Nähe von Deutschem und Französischem.
Am
Altar werden die vielen Dienste in der Liturgie von Jungen und Mädchen,
Männern und Frauen übernommen. Alle finden einen Platz und ihre
jeweilige Rolle in dieser heiligen Stunde. Bruder Karl wird nach den
schwierigen Jahren seiner Kindheit viele, viele Rollen spielen, am Gymnasium,
in der Militärakademie, bei seiner Forschungsreise durch Marrokko.
Manchmal traurig-ernst, manchmal frivol, manchmal komödiantisch. Aber nur
hinter den vielen Masken, die er aufsetzt kann er zu seinem wahren Gesicht
finden, kann er zu seiner Wahrheit finden, die er ohne große Worte durch
seinen Blick, durch seine Persönlichkeit durchblicken lässt.
Man wirkt Gutes nicht nach dem Maß dessen, was man sagt und
tut, sondern nach dem Maß dessen, was man ist,
nach dem Maß,
in dem Jesus in uns lebt.
Charles de Foucauld
Wir haben an diesem Tag verstanden aus welchen Tiefen sich diese
Überzeugung erheben musste. Aber sind es nicht dieselben Tiefen, in denen
wir auf unerwartete Quellen stoßen. So war dieser Tag in doppeltem Sinn
eine Wallfahrt zu den Quellen unserer Spiritualität.
Thomas
Kirchmayer , Mitglied der Gemeinschaft Charles de Foucauld
1. "Rand"-Notizen zum WJT 2005
Der WJT kommt nach Deutschland und damit auch in die Gemeinden. WJT,
was ist das, was soll das - interessiert mich nicht...
Erste Infopost,
Gäste -kein Interesse in der Pfarrei;
Werbung machen (auch wenn man
nicht dahinter steht); (k) ein -Team.
Erste Überraschung: es finden
sich Gastfamilien
Besuch beim Infotag - Gäste sind ein Segen! Auch in
der Gemeinde bildet sich ein kleines Team (ich stehe nicht mehr alleine da).
Die Gemeinde wird genauer angeschaut, ein Programm erstellt.
Dann erste
Zweifel, bekommen wir überhaupt Gäste? Kurz vor den Ferien die
Gewißheit: wir gehen leer aus (auch gut!)
Besuch in meiner
Heimatgemeinde: Hier sind Gäste aus Sibirien. Ich schließe mich den
Angeboten an.
Jetzt: Enttäuschung, dass wir keine Gäste hatten.
Es wäre ein einmaliges Erlebnis gewesen.
Am Wochenende Fahrt nach
Köln. Wir werden herzlich empfangen, obwohl wir nur eine "Randgruppe"
sind. Das Programm ist schon fast zu Ende. Mit der Ankunft in Köln beginnt
der Pilgerweg (laufen, laufen, laufen) und die Suche nach Essen
(glücklich, wer ein Essenpaket findet..). Ich denke an die Erzählung
von der "Speisung der 5000". Es braucht offensichtlich Einen der austeilt,
damit die anderen bereit sind zu teilen.
Aber auch das: Auf dem Weg zum
Marienfeld und zurück: Menschen am Straßen"rand", die uns zuwinken,
die Häuser geschmückt, Getränke und Kekse verschenken.
Auch
den Papst erleben wir nur "am Rande" Er kommt von hinten auf das Marienfeld
gefahren und wir sehen ihn nur über die Leinwand, leider.
Die Liturgie
ist beindruckend in der Einfachheit und Klarheit der Symbole und Worte. Der
Papst und seine Predigt kommen bei den Jugendlichen an.
Was nehme ich mit?
Das Bild von einem offenen, fröhlichen, väterlichen Papst, der gute
und klare Worte findet. Bestätigung, dass (christlicher ) Glaube in erster
Linie Gemeinschaft braucht und ist. Freude am Glauben und darüber, wie
unbeschwert junge Menschen dies zum Ausdruck bringen. Erleichterung, dass es
trotz der vielen Menschen keine größeren Unfälle gab.
Dankbarkeit gegenüber den ehrenamtlichen Helfern in Köln.
Hoffnung,dass sich das finanzielle Großunternehmen nicht negativ auf die
zukünftige Jugendarbeit in Deutschland auswirkt.
Renate
Simon-Mathes, Gemeindereferentin, Mitglied der Fraternität Jesus
Caritas
2. Weltjugendtag in Köln
Wie
hierzulande jede und jeder weiß, beherbergt der Kölner Dom die
Reliquien der Heiligen Drei Könige. Der Stern, der sie einst aus ihrem
Land aufbrechen hat lassen, hat auch uns in Bewegung gesetzt: "Wir sind
gekommen, um Ihn anzubeten!"
Unter den zigtausend Jugendlichen und
Junggebliebenen waren auch 20 Kleine Schwestern aus Italien, Sri Lanka,
Vietnam, Polen, Frankreich, Österreich, Deutschland, Spanien, Ungarn und
aus den Niederlanden. Da lange Zeit nicht klar war, ob ein gemeinsames Projekt
aller Gemeinschaften aus der geistlichen Familie in Deutschland von den
Organisatoren des WJT angenommen würde, hatte ich (Marianne Bonzelet) mich
der Gruppe der Kleinen Schwestern angeschlossen, denn immerhin ist Köln
"meine Stadt" - auch nach 20 Jahren am Niederrhein habe ich immer noch meinen
ersten Wohnsitz in Köln. Der tägliche Blick auf die Domtürme war
wie "Balsam" für meine Seele (aber ich glaube, das können nur
Kölner wirklich verstehen...!)
Außerdem hatte sich unserer
Gruppe noch ein Mitglied der Union Sodalité aus Bayern angeschlossen.
Die Stadt Köln
atmete im Rhythmus des Gebetes. Es gab mehrere Geistliche Zentren. Wir waren an
der Kirche St. Gereon, einer der schönsten romanischen Kirchen rund um den
Kölner Dom. Das "Programm" in dieser Kirche wurde vom deutschen Zentrum
für geistliche Berufe gestaltet unter dem Motto "Vocation - face to face".
Hier ging es nicht um "action". Ein einfaches Faltblatt, das in mehreren
Sprachen auslag, führte die Besucher/innen zu verschiedensten Stationen in
der Kirche (Pieta, Osterkerze, Taufbecken, Altar, Sarkophage des heiligen
Gereon und seiner Gefährten, Tabernakel, Jesus Ikone, Krypta) und lud dort
jeweils zum stillen Verweilen und zur Betrachtung des eigenen Lebens- und
Glaubensweges ein sowie zur Begegnung mit Jesus Christus "face to face" - von
Angesicht zu Angesicht.
Gemäß der zentralen Bedeutung, die
Charles de Foucauld der eucharistischen Anbetung beigemessen hat, gestaltete
unsere Gruppe in der ihr eigenen Schlichtheit die eucharistische Anbetung rund
um die Uhr in der so schönen romanischen Krypta. Außerdem waren wir
präsent auf dem Kirchplatz, wie auf einem Dorfplatz, um die Jugendlichen,
die vorbeikamen, zu empfangen. Viele wollten einfach ein wenig ausruhen, manche
suchten auch das Gespräch.
In der Oberkirche fanden die Stundengebete
und die Eucharistiefeiern statt.
Die Anbetung war in der Stille der
Vertrautheit mit Gott. Die Jesus Figur der Kleinen Schwestern streckte ihre
Arme allen entgegen, die sich zum Gebet einfanden, und das waren nicht wenige!
Zahllose Jugendliche legten ihre niedergeschriebenen Bitten und Gebete in
einen Korb zu Füßen des "kleinen Jesus".
Wir entschieden uns,
hier an diesem Ort gegenwärtig zu sein wie in der Geburtsgrotte von
Bethlehem - nicht weniger und nicht mehr. Allabendlich trafen wir uns als
Gruppe zu einer gemeinsamen Gebetszeit in der Krypta, um dann auch einige der
uns über Tag anvertrauten Fürbitten in den unterschiedlichsten
Sprachen laut vor den Herrn zu bringen, begleitet von Liedrufen aus
Taizé.
Im Gymnastikraum des Kindergartens präsentierten
einige der Kleinen Schwestern ein Schatten- und Marionettentheaterspiel
über Charles de Foucauld - eine Meditation auf der Grundlage von Briefen
an seinen Freund Gabriel Tourdes. Sie spielten es 5-6 mal am Tag - auch wenn
nur ein einziger Zuschauer da war - und auch dies natürlich in
verschiedenen Sprachen. (Ich hoffe, wir haben auch beim
Familientreffen in
Bonn Gelegenheit, das Marionettenspiel zu erleben! Es lohnt sich!!!)
Leute aus der Pfarrei nahmen den größten Teil der Gruppe in
ihre Wohnungen in unmittelbarer Nähe der Kirche auf. Jeden Morgen fanden
sich Brötchen vor der Tür - auch das ist ein Element des
Eucharistischen Geschehens.
Innerhalb unserer Gruppe durften wir Momente
der Gnade und echter Geschwisterlichkeit leben. Danke.
Einen Vormittag
habe ich in "meiner" Gemeinde verbracht, in der 500 französische
behinderte und nicht-behinderte Jugendliche untergebracht waren. Sie hatten
dort ihre Katechesen. Eher zufällig hatte ich erfahren, dass Jean Vanier,
der Gründer der Arche-Gemeinschaft (Lebensgemeinschaft behinderter und
nicht-behinderter Menschen) dort sprechen würde. Es reizte mich, ihn
kennenzulernen.
Es war schon beeindruckend, meine alte Pfarrkirche so
rappelvoll zu erleben und zugleich scheinbar die einzige deutsche Exotin dort
zu sein. Die Katechese hielt der Bischof von Beauvais, selber Mitglied der
Arche-Gemeinschaft. Er hatte eine sehr schöne Art, den Jugendlichen die
Emmaus-Erzählung nahe zu bringen. Die Sprache war einfach und so auch
für mich ohne große Anstrengung zu verstehen. Nach einer dreiviertel
Stunde meinte er, selber genug geredet zu haben, und bat die Jugendlichen, ihm,
dem Bischof zu sagen, was sie über diese Geschichte denken, welche
Erfahrungen sie mit ihr gemacht haben. Er zog mit dem Mikro durch die Kirche,
und etliche der Anwesenden gaben beeindruckende Glaubenszeugnisse ab - auch
wenn ihnen das aufgrund ihrer Behinderung nicht immer leicht fiel.
Anschließend sprach Jean Vanier über die Fußwaschung -
eine weitere dreiviertel Stunde zuhören.... Dann endlich kam ein wenig
Bewegung ins Spiel. Fast schweigend gelang es den 500 Jugendlichen sich in
kleine Gruppen von 10 bis 12 Personen aufzuteilen, sich mit Waschschüssel,
einer Karaffe Wasser und einem Handtuch auszurüsten und sich in der
Kirche, um die Kirche herum und im Pfarrgarten zu verteilen, um in meditativer
Haltung und von Gebet begleitet einander die Füße zu waschen. Das
war ein wirklich ganz tiefes Erlebnis.
Den Abschluss des Vormittags bildete
die Eucharistiefeier - erneut mit einer langen Predigt. Jetzt wurde es mir
allmählich zuviel! Aber die Jugendlichen hielten diesen Programmablauf
schon den dritten Tag aus....
Im Gegensatz zu mir hat der Rest der
"Anbetungs-Gruppe" die Reise zum Marienfeld gewagt. Bei mir meldete sich
angesichts solcher Massenveranstaltungen mein "Eremitenseelchen", das mich den
Heimweg nach Kempen wählen ließ.
Vom Marienfeld schreibt Kleine
Schwester Veronica Myrijam: "In diesem Augenblick sitzen wir auf unseren
"Betten" auf dem riesigen, mit einer riesigen Menge feiernder Jugendlicher
bevölkerten Marienfeld. Sogar die Sonne ist gekommen, um zu sehen, wie
schön das ist! Wir warten auf die Ankunft des Papstes Benedikts XVI. und
wir sind weiterhin inmitten dieser Masse betend und geschwisterlich
gegenwärtig."
Marianne Bonzelet, Mitglied der Gemeinschaft Charles
de Foucauld
Impressionen aus Bonn; Mich berühren lassen..
Irgendetwas hat
mich bei dem Bonner Treffen tief berührt. Ich versuche, dem
nachzuspüren.
Professor März mit seinen Impulsen zu dem "Gott der
wandernden Völker" hat mich aufhorchen lassen.
> Berührt hat
mich der Impuls von Prof. März zu Jesus: Er sendet seine
Jünger aus. Sie sollen nichts auf den Weg mitnehmen. Sie sollen nicht
vollgepackt mit geistigen und materiellen Gütern zu den Menschen gehen und
diese in ihrer missionarischen Tätigkeit über die "Armen"
ausschütten. Jesus macht seine JüngerInnen bettelarm und angewiesen
auf die Gastfreundschaft und Großzügigkeit der Menschen, zu denen
sie gesandt sind. Auf die Menschen, zu denen ich im Krankenhaus gehe,
angewiesen sein? Welche Konsequenzen hätte es für eine Pfarrei, wenn
die Kerngemeinde spüren würde, dass sie auf den Reichtum der
Fernstehenden, v.a. auf die "Armen" angewiesen ist ???
Zu Jesu Mahlfeiern
bemerkte Prof. März: Diese nehmen vorweg, was für gläubige Juden
seiner Zeit eine ferne Zukunftsvision darstellte: das Mahl Gottes mit den
Völkern und Heiden, bei dem niemand ausgeschlossen wird. Jesus hatte den
Mut, im Hier und Jetzt diese von den Propheten erträumte Vision zu leben.
Und provozierte damit den Konflikt.
> Paulus ließ sich
von dieser Kühnheit Jesu anstecken und riskierte damit den Bruch mit den
traditionell Gläubigen seines Volkes. Nach und nach offenbart sich ihm im
Schauen auf Jesus der Gott, der sich herabneigt in unser Leben und unseren Tod.
Dieses im Innersten Berührtwerden von diesem Gott brachte seine
Weltanschauung als "eingefleischter" Pharisäer komplett durcheinander: Das
Gesetz ist nicht mehr das Wichtigste. Was zählt ist: mich von der Liebe
Gottes beschenken zu lassen.
In einem langen Wachstumsprozess wurde Paulus
ein von Jesus und seiner Liebe Getroffener. Das Damaskuserlebnis ist also kein
punktuelles Ereignis, sondern steht für einen jahrelangen existenziellen
Verwandlungsprozess. Dieser im Herzen Berührte hat den Mut zur Revolution:
er wagt die Tischgemeinschaft zwischen Juden und Heiden, baut Gemeinden in den
Häusern auf, reißt die Mauern zwischen Juden und Heiden,
Männern und Frauen, Reichen und Armen nieder, lässt die
Diskriminierung der gesellschaftlich Verachteten nicht mehr zu.
>
Der Impuls von Prof. März zu Johannes zielte darauf ab, in einer
säkularisierten Umgebung Jesus neu zu meditieren- so wie es die
johanneische Gemeinde in Palästina tat, als sie nach dem Jahr 70 aus der
Synagoge ausgeschlossen worden war und sich der Worte und Taten Jesu sowie
seiner lebendigen Gegenwart im Geist neu vergewissern wollte. Der Prolog (Joh
1), die Fußwaschung (Kap.13) und der reiche Fischfang (Kap.21) stehen
beispielhaft für diese neue intensive Beschäftigung mit Jesus. Durch
ein solches neues Meditieren im Sinne von "Schauen auf Jesus" (vgl. Joh 1, 39:
"Kommt und seht!") kann auch in meiner säkularisierten Welt Jesus als
lebendige Wirklichkeit aufleuchten. Voraussetzung dafür ist, dass ich mich
auf die Suche mache (vgl. das erste Wort Jesu im Johannesevangelium Joh 1,38:
"Was sucht ihr?").
Nach den Impulsen von Prof.
März teilten wir uns in Kleingruppen auf. Die Atmosphäre in meiner
Gesprächsgruppe war von einem intensiven Aufeinander-Hören
geprägt. Ich empfand dies als großes Geschenk. Dies löste in
mir Ehrfurcht und Dankbarkeit aus. Mir liegt sogar das Wort von einer "Stunde
der Gnade" auf den Lippen. Jeder Gesprächsbeitrag hätte eine
Würdigung verdient.
Nur einige wenige "Blitzlichter" aus den
Gruppengesprächen:
> Der Glaube ist kein "Depositum", das man
konservieren bzw. "einwecken" kann. Er ist eher zu vergleichen mit einem
Festessen. Die Speisen müssen gegessen und genossen werden, sonst
verderben sie. Oder er ist wie klares Wasser: wer es festhalten will, dem
zerrinnt es zwischen den Fingern. Seine erfrischende, reinigende, belebende
Wirkung genießen, den Durst löschen - darum geht es.
> Es
hängt alles davon ab, mich berühren zu lassen - wie Paulus. Im
Schauen auf Jesus zeigte sich ihm der Gott, der sich in das menschliche Leben
und den menschlichen Tod herabneigt. Dieses Erkennen warf ihn buchstäblich
vom hohen Ross herunter.
> Das Geheimnis von Bruder Karl liegt genau in
diesem "Berührtwerden": von der Güte seiner nächsten
Angehörigen, von der Menschlichkeit seines geistlichen Begleiters
Abbé Huvelin, von der tiefen Gläubigkeit der Muslime in Marokko,
von der unerwarteten Hilfsbereitschaft und Zuwendung der Tuareg in Tamanrasset,
als er totkrank darniederlag...- und in all diesen Erfahrungen von der
unbegreiflichen Liebe Gottes angerührt zu werden.
Das Treffen in
Bonn war ein Geschenk für mich. Danke an alle, die sich in der
Vorbereitung und Durchführung engagiert haben!
Was mich berührt,
kann ich nicht so gut in Worte bringen wie Christine Busta:
Bruno Fischer, Priestergemeinschaft Jesus Caritas,
Krankenhausseelsorger